Wildschweine im Stadtbezirk Tegel in Berlin (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
Audio: Inforadio | Wolf Siebert | 05.05.2019 | Bild: dpa/Gregor Fischer

Regierungsentscheidung zu historischer Jagdmethode - Wildschweinjagd mit Pfeil und Bogen abgeblasen

Brandenburgs Umweltministerium hat den Versuch, Wildschweine künftig auch mit Pfeil und Bogen zu jagen, gestoppt. Jagd auf die Tiere machen also künftig weiterhin Jäger mit dem Gewehr. Beeinflusst wurde die Entscheidung offenbar von der Hitze der Debatte.

Brandenburgs Wildschweine werden auch künftig ausschließlich mit Büchsen umgelegt. Bemühungen, auch Schützen mit Pfeil und Bogen für die Wildschweinjagd zuzulassen, beendete nun das Landesumweltministerium. Zur Begründung hieß es, dass sich für die wissenschaftliche Begleitung keine geeignete Einrichtung habe finden lassen.

Das Umweltministerium hatte die Begleitung der Jagdmethode ausgeschrieben, um so Erkenntnisse über diese historische Tötungsmethode zu gewinnen. Es habe sich aber in der angegebenen Frist kein Anbieter finden können, darum sei man zu keinem "zuschlagfähigen Ergebnis" gekommen und sage den Versuch ab, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums.

Schusswaffen-Einsatz in Wohngebieten nicht möglich

Die ursprüngliche Planung sah vor, die Pfeil-und-Bogen-Jagd im Juni in den Gemeinden Stahnsdorf und Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) zu starten. Die Gemeinden leiden seit Jahren unter einer Wildschweinplage. Die Schweine verursachen erhebliche Sachschäden können dort aber nicht bejagt werden, weil der Einsatz von Schusswaffen für die Jagd in Siedlungsbereichen verboten ist.

Da in der Bundesrepublik im Gegensatz zu anderen EU-Mitgliedsstaaten bislang noch keine eigenen Erfahrungen mit der Jagdbogenjagd vorliegen, hätte der wissenschaftliche Partner den Angaben zufolge vor allem Fragen des Tierschutzes, der Gefährdungssituation, aber auch der öffentlichen Akzeptanz für die Jagdmethode untersuchen sollen.

Allerdings hatte der Versuch, dort ein solches Pilotprojekt zu starten, auch zu heftigen Debatten insbesondere über den Tierschutz gesorgt. Auch eine mögliche Gefährdung der Anwohner war diskutiert worden.

Nach Shitstorm kaum Interesse der Wissenschaft

Der Sprecher des brandenburgischen Umweltministeriums, Jens-Uwe Schade, sagte rbb|24, dass mögliche wissenschaftliche Einrichtungen, die den Pfeil-und-Bogen-Versuch hätten begleiten können, wohl auch aufgrund der Schärfe dieser Debatte erst gar keine Unterlagen eingereicht hätten: "Offenbar hat hier die Wissenschaft gesehen, dass es unmöglich ist, diesen Versuch unkompliziert zu begleiten." In der Debatte um die neue Jagdmethode sei ein Shitstorm niedergegangen, so dass "rationale Ergebnisse“ aus solch einem Pilotprojekt wohl kaum mehr möglich seien oder dann schlicht kaum Beachtung finden würden.   

Die Oberste Jagdbehörde nehme aber die Sorgen der Stahnsdorfer und Kleinmachnower ernst und biete vor Ort weiter besondere Unterstützung an, um der Probleme mit den großen Wildschweinrotten Herr zu werden, hieß es weiter.

Fachleute der Wildökologischen Forschungsstelle Eberswalde würden nun zusammen mit örtlichen Jägern und Kommunalpolitikern prüfen, wie die seit Jahren wachsende Wildschweinpopulation in Siedlungsbereichen wirksamer reduziert werden kann, hieß es. So sollen Vorschläge, Jagdwaffen mit modifizierter Munition und Schalldämpfer einzusetzen, nochmals diskutiert werden.

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32 Kommentare

  1. 32.

    Die Wildschweine weichen nicht in die Stadt aus. Sie finden hier schlicht viel Nahrung und werden von dummen Menschen gefüttert. "Natur" im herkömmlichen Sinne gibt es in Deutschland nur noch zu etwa 3%. Der Rest ist sogenannte Kulturlandschaft. Natürlich muss hier der Tierbestand reguliert werden. Da hilft auch kein Wolf.
    Bogenjagd gibt es seit tausenden von Jahren. Sie ist ebenso effektiv wie Büchsenjagd. Natürlich würde auch die Bogenjagd nur von nachgewiesen sachkundigen Menschen weidgerecht ausgeübt.
    Nichtbetroffene, Veganer, Entrückte und Menschen, die denken, Fleisch wüchse an der Fleischteke haben hier erfolgreich eine sinnvolle Maßnahme verhindert. Statt wissenschaftlicher Begleitung hätte ein wenig weltweite Recherche genügt.

  2. 31.

    Die Wälder in Brandenburg wieder in Mischwälder zurück wandeln, keine Nutzholzplantagen (Kiefer), hilft auch gegen die verheerenden Waldbrände. In Mischwäldern finden die Waldbewohner genügend Nahrung. Solange Menschen als „ Jäger“ (Hobby, Sport, Neigung,...) im Wald Tiere erschießen, werden diese versuchen, auszuweichen. Der Mensch ist Teil der Natur, nicht ihr Gegner. Wir müssen erst verstehen, warum etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist, bevor wir handeln. Alte Denkweisen („wir haben das Recht“, die Natur zu zerstören, Tiere zu töten,...) helfen uns und nachfolgenden Generationen nicht weiter. Die Natur braucht uns Menschen nicht, es liegt an uns, wie lange wir diesen Planeten in lebenswerten Bedingungen bewohnen werden.

  3. 30.

    Haben Sie je versucht mit einem Bogen auf eine Zielscheibe zu schießen? Falls ja, dann wissen Sie auch, das sehr viel mehr dahintersteckt als einfach nur den Bogen zu spannen. Völlig unzureichend und nicht gerade zielführend ihr Kommentar.

  4. 29.

    Achtsamkeitsgewinnender Sport? Für mich ist Sport körperliche Betätigung, ohne Anflug einer Möglichkeit, dass jemand (Tier oder Mensch) durch die selbe zu Schaden kommt.

  5. 28.

    "Wildschweinjagd mit Pfeil und Bogen abgeblasen" - Schweinerei!

  6. 27.

    Ja, es ist äußerst weit hergeholt. Ich bewundere Leute, die das können. Ich leider nicht. Als wenn jeder Bogenschütze auf Lebewesen schießen würde. Ich spiele übrigens gerne Dart. Die Pfeile sind ziemlich spitz. Bin ich damit schon ein potentieller Tierschlächter?

  7. 26.

    Sehr schöner Kommentar. Ich finde den Bogensport als eine der wenigen wahrhaft schönen Sport-Disziplinen die es Weltweit gibt. Schön finde ich auch, das sich Ihre gesamte Familie daran beteiligt. Schon als Knirps habe ich mir meinen Bogen selbst gebastelt. War und bin immernoch ein großer Indianerfan. Bin dabei niemals auch nur auf die Idee gekommen, damit auf Tiere zu schießen. Aber weil eben auch gefährlich, habe ich es dann schnell wieder sein gelassen.

  8. 25.

    Ist es denn nicht ein wenig arg weit hergeholt, Menschen, die sich für den, und das ist mir wichtig zu betonen, sachgerechten Umgang mit Pfeil und Bogen interessieren so zu diffamieren? Meine ganze Familie, so wie auch ich selbst sind Bogenschützen (unter anderem auch meine 6 jährige Tochter) und ich finde uns eigentlich sehr sympathisch, liegt wohl im Auge des Betrachters!
    PS wir und ich denke sogar die meisten Bogenschützen würden nicht auf lebende Tiere schießen, da wir genau wissen, wie schwer es ist mit dieser Waffe ein Tier, schonend bzw. Dass es nicht leiden muss, zu töten! Und evtl. Sogar deswegen, weil wir noch ein Weilchen nicht unter das Waffengesetz fallen wollen und unseren schönen, entspannenden und achtsamkeitsgewinnenden Sport ausüben möchten.
    Kleine Anekdote zum Schluss: nachdem mir schon mal eine Wildsau hinterher ist, weiß ich was ich davon halten sollte.....Abstand.....sehr viel Abstand!l


  9. 24.

    @Fragender: :) habe durch das Koppschütteln von Anfang an bereits ein Schütteltrauma.
    Was für eine Schnapsidee wahrscheinlich wirklich) das war von dem Typen, der in Namibia seine schönen (gefährderte-Wildtierarten-)Safaris gemacht hat und nun meinte, das könne man doch hier so schön weiter üben.
    Boah, nicht dass ich hier noch wen gewitzten Geschäftemacher auf die Idee bringe, Touristen "Wildschweinjagden mit Pfeil und Bogen" (oder "Keule") anzubieten....

  10. 23.

    Kann sich jemand vorstellen, dass ein solches Thema anderswo nur Kopfschütteln verursachen könnte?

  11. 22.

    Ah, okay. Mehrfamilienhaus. Jetzt hab' ich's verstanden... Mechanischer Türschließer als Lösung?

    Bei uns in der Siedlung (Tegel-Süd) kommen die Tierchen zwar schon bis an den Waldessaum, aber in die Siedlung sind sie noch nicht gekommen. Soweit ich wüsste. Das hat aber vielleicht auch damit zu tun, dass die Siedlung seit den 1930ern unverändert in ihrer Ausdehnung ist, den Tieren also nicht kürzlich Revier weggenommen hat.

    Sollten sie doch mal anfangen, in die Siedlung zu kommen: Wir haben 1,5m Zaun mit 2m Hecke direkt dahinter, schwere Eisentore mit verriegelnden Torantrieben.

    Für mich ist das Wildschwein an sich weder Bedrohung noch Ärgernis. Ich fahre oft mit dem Rad durch den Wald, treffe häufig auf Wildschweine und begegne ihnen mit Respekt, beobachte sie gern.

  12. 21.

    Jedenfalls hat diese Sache einen neuen Blickwinkel auf Bogenschätzen eröffnet. Bisher dachte ich immer es sind hamrlose Sportler, aber in Wahrheit wohl auch alles nur Waffenträger und (Wunsch-)Jäger. Und nun habe ich für diesen Sport leider kein Verständnis mehr.

  13. 20.

    Rein aus Interesse, denn ich habe keine Ahnung davon: Haben Sie schon mal auf ein Wildschwein geschossen?
    Ansonsten: Ich hatte die auch oft im Garten. Seit wir einen vernünftigen Zaun haben, gibt es das Problem nicht mehr. Dafür werden es immer mehr Waschbären... :)

  14. 19.

    Also Zaunberührung gehört zum Erfahrungsschatz der Kindheit dazu :-) auch, dort reingefahrenes Fahrrad wieder rausangeln. Da lernt Kind fast so schnell wie Wildschwein, dass Drahtzaun stromführend ist...

  15. 18.

    Da gehts um nichts anderes als ums liebe Geld! Denn Betäubungsgewehre oder Fanganlagen sind doch im Dorf nicht verboten. Einfangen die Viecher und dann irgend wohin versetzen, wo sie friedlich weiter leben können! Im Notfall kann man sie dann auch in die Metzgerei bringen! Doch das ist natürlich teurer als rumzuballern!

  16. 17.

    "Es dauert wohl nicht mehr lange und Wildschweine erhalten in Brandenburg das Wahlrecht."
    Haben sie doch schon! :)
    @Hieronymus: :D. Das würde ggf. auch die Anzahl von Hunden minimieren. In Bayern (empfehle die tgl. Lektüre des "Merkur") erledigen von der Leine gelassene Hunde den Job, also den mit der Wilddezimierung. Ok, keine Schwarzkittel.
    @Ichnicht: "ordentlich Saft auf den Zaun" Na, da höre ich aber schon das laute Aufkreischen der Muttis, bzw. das ihrer (Klein-)Kinder.

  17. 16.

    Es dauert wohl nicht mehr lange und Wildschweine erhalten in Brandenburg das Wahlrecht.
    Ich denke mal die Brandenburger Verwaltung arbeitet eher an dessen Umsetzung als an der Dezimierung der tierischen Besucher.

  18. 15.

    Versteh ich nicht, Betroffener, warum machst DU nicht einen Zaun um DEIN Grundstück und gut is? Mein Vermieter will keinen Zaun. Ich hab ein offenes Grundstück dadurch. Zum blödsinnigen Nachbarn nur ein paar Büsche. Einen Kompost hab ich auch im Garten. Aber ich hatte noch nie ein Wildschweinderl dort. Ne fette Katze, nen Marder (aufm Auto), einen Fuchs, als Junges unterstützt, nun stattlich, Igel, bisweilen ein Hund, ein riesen Hund in der Nachbarschaft. Aber kein Schwein. Bisschen weiter, an der Feuerwehr, haben wir die possierlichen Tierchen neulich beobachtet und gefilmt.

    Ich mag die ja. Natur eben. Wie Wolf und Fuchs. Wer den Wolf nicht in der Herde will, der braucht nen Hund oder nen Zaun. Wie schauts bei Dir damit aus?

    Ich freu mich immer bei den neu Zugezogenen - teuer Garten eingerichtet, Zaun vergessen. Wildschwein. DANN Zaun. Garten nochmal einrichten :-) ach ja....

    einen Pfeil möchte ich weder im Auge noch im Poppes spüren! Natürlich auch keine Gewehr-Mun.

  19. 14.

    Ich vermute, das Problem mit der Jagdgesellschaft, ist nicht das die nicht helfen wollen, die dürfen schlicht im befriedeten Bezirk nichts unternehmen was ihnen wirklich helfen könnte! Außer die Sauen kommen von außerhalb rein, dann könnte man gucken wie sich das einrichten lässt. Sollten die aber in der Ortschaft leben hat der Jäger keine Chance. Vielleicht als Tipp Wildschweine mögen keine Elektrozäune! Also ziehen sid einen oder 2 stromführende Litzen in 15 und 40cm Höhe innen an ihrem Zaun um den Garten und das Thema dürfte sich erledigt haben! Da kann schon ordentlich Saft auf den Zaun, damit die Sau sich auch merkt das es dort unangenehm ist. Ein Weidezaungerät ist zwar nicht billig, aber immer noch günstiger als ständig den Garten zu richten...
    Ich hoffe ihnen ein wenig geholfen zu haben!

  20. 13.

    Ein echter Brandenburger würde Wildschweine mit bloßen Händen erlegen.

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