Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin wird die Nutzung von fahrerlos fahrenden Kleinbussen als Teil des öffentlichen Nahverkehrs für „die letzte Meile“ in einem vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geförderten Forschungsvorhaben erprobt (rbb)
Video: rbb|24 | 12.07.2019 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: rbb

Erster selbsfahrender Bus in Brandenburg - Mit 15 Kilometern in der Stunde in die Zukunft

Premiere in Wusterhausen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin: Erstmals in Brandenburg war am Donnerstag ein selbstfahrender Kleinbus auf öffentlichen Straßen unterwegs. Ganz ohne Begleiter kommt der Bus im Testbetrieb allerdings nicht aus. Von Jörn Pissowotzki

Zum ersten Mal ist in Brandenburg am Donnerstagvormittag ein selbstfahrender Kleinbus über öffentliche Straßen gerollt. In Wusterhausen (Ostprignitz-Ruppin) fährt der Bus zurzeit im Testbetrieb. Ganz führerlos ist der Bus aber nicht unterwegs: Kay Stilt ist als Busbegleiter mit an Bord. Mit einem Joystick kann er den Bus steuern.  

Ein Problem seien die überholenden Autos, sagt Stilt. Wenn die dicht an den Bus heranführen, lege der Bus einen Notstop ein. Die autonome Steuerung ruht auch, wenn dem Bus Hindernisse im Weg stehen, wie etwa ein geparkter Lkw. "Der Bus würde darauf zufahren und dann abbremsen", erklärt Stilt. Hindernisse selbst umfahren könne er noch nicht. "Deswegen müssen wir jetzt vorher in so einer Situation eingreifen“.

Busbegleiter muss eingreifen können

Der Busbegleiter muss auch dabei sein, weil völlig autonomes Fahren in Deutschland noch nicht erlaubt ist. Die Fahrtgeschwindigkeit ist entspannt und entspannend, nämlich 15 Kilometer pro Stunde. Seine Höchstgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde darf der Bus zu Beginn der Testphase noch nicht ausfahren. Das Fahrzeug wird von einem französischen Hersteller produziert und ist ein Einzelstück. Das Projekt ist ein Forschungsvorhaben, an dem unter anderem das Bundesverkehrsministerium beteiligt ist. Rund zwei Millionen Euro sind veranschlagt. 

Die Busstrecke soll in Wusterhausen von der Domstraße aus, dann um den Dom herum, am Marktplatz vorbei, zum Aldi in Richtung Bahnhof fahren. Am Parkplatz beim Bahnhof wird er wenden. Dann geht's weiter über die Berliner Straße zum Nettomarkt. Und von dort fährt er zum Ausgangspunkt zurück.

"Ich geh' da vorurteilsfrei heran"

Von der Strecke, aber auch vom autonomen Bus selbst sind die Einwohner von Wusterhausen begeistert. Ein Wusterhausener sagte am Premierentag: "Das finde ich gut, dass das in so einer kleinen Stadt getestet wird. Ich hab 'n gutes Gefühl und geh' da vorurteilsfrei heran."

Eine Wusterhausenerin war gegenüber dem neuen Verkehrsmittel ebenfalls nur positiv eingestellt: "Ich glaube, das hier ist der perfekte Ort. Er ist klein, überschaubar." Es gebe den Horstberg, der weit weg sei vom Netto am anderen Stadtende. "Und die Leute müssen halt mobil bleiben." Zum Horstberg soll der Bus allerdings erst in einer weiteren Probephase fahren. Jetzt ist er erstmal nur auf der kleinen Runde unterwegs.

Der Bus soll selbst lernen können

Der Bus soll offiziell bis zum 30. Juni nächsten Jahres getestet werden. Und die Zeit wird auch benötigt. Das sagt Ulrich Steffen vom Busbetreiber ORP. Er denkt dabei an den Unterschied zwischen Mensch und Maschine: "Wir handeln ja nicht immer nach dem gleichen Prinzip", sagt er in Bezug auf den Menschen. "Jede Situation bewerten wir nach Tagesform auch anders."

Der selbstfahrende Bus sei speziell auf seine Fahrtstrecke ausgerichtet. Es gehe darum, die Entwicklung so voranzubringen, dass man sich an menschliche Intelligenz annähere, so Steffen. Das Fahrzeug solle idealerweise auch selbst lernen – ähnlich wie man das im Pflegedienst mit Robotern versuche. "So wird hier dieser Prozess auch noch einige Zeit benötigen, um dann tatsächlich auch autonom fahren zu können."

Busfahrer bekommen andere Aufgaben

Bei der Präsentation in Wusterhausen klang es immer wieder an: Gerade für abgelegene Bereiche mit wenig Publikumsverkehr könnte autonomes Fahren irgendwann eine Alternative sein. Die Fahrgäste könnten sich im Idealfall den Bus selbst bestellen lassen.

Und ganz wichtig: Busfahrer werden weiterhin gebraucht – darauf hat Bus-Chef Ulrich Steffen hingewiesen. "Selbst wenn wir irgendwann in vielen Bereichen autonom fahren können, dann wird sozusagen aus dem Heizer bei der Dampflok ein neuer Lokomotivführer und der Busfahrerjob als solcher wird vielleicht ein neuer Disponentenjob." Der werde dann in der Leitstelle vielleicht drei, vier Fahrzeuge auf dem Monitor überwachen. "Mit allen Neuerungen entstehen auch wieder neue Tätigkeitsfelder", so Steffen.  

Aber das ist erstmal Zukunftsmusik. Ab Montag fährt der kleine Bus auf der Linie 708 offiziell durch Wusterhausen. Bis Ende Juni 2020 soll der Bus getestet werden.  

Beitrag von Jörn Pissowotzki

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4 Kommentare

  1. 3.

    liebes @ rbb24-team,

    ich finde den Beitrag zum neuerlichen Unfall mit dem autonomen Bus nicht mehr, in den dieser involviert war. Obwohl der Beitrag jünger war als dieser hier.

    Was klar war: Der Bus hat ordnungs- und programmgemäß funktioniert. Was nach wie vor unklar ist: Wurde er nun von einem zu knapp entgegenkommenden Fahrzeug gestreift? Oder konnte ein dahinterseiender PKW-Fahrer nicht mehr rechtzeitig bremsen?

    Scheinbar läuft es auf die zweite Variante hinaus und das liegt an dem unerwarteten Stillstand des Busses.
    Anders als Menschen, die ein solches Risiko eingehen und bei knappen Begegnungsverhältnissen es dennoch versuchen und ggf. etwas langsamer aneinander vorbeifahren, ist der autonome Bus auf Stillstand programmiert. Das überstieg offenbar die Phantasie des nachkommenden Autofahrers.

    Was ich persönlich glaube: In der Kreuzberger Oranienstraße bspw. würde sich der autonome Bus keinen Meter bewegen. Nicht abgebremst, sondern von Anfang an.

  2. 2.

    Gut so! Ich bin gespannt

  3. 1.

    Einzelstück? Lokal ja, Busse dieses Typs findet man aber vielfach an anderer Stelle.

    Dabei ist der Bus noch weit vom hochautomatischen Fahren entfernt. Dazu würde das selbstständige Ausweichen vor Hindernissen gehören und auch das Anfahren nach einem Nothalt ohne Eingriff.

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