Ein Tourist fährt mit E-Roller durch Berlin-Mitte und schaut dabei auf sein Smartphone (Quelle: DPA/Bernd von Jutrczenka)
Video: Abendschau | 02.07.2019 | Dorte Störmann | Bild: dpa

Unfallbilanz nach zwei Wochen - Mehrere schwer verletzte E-Scooter-Fahrer in Berlin

Seit zwei Wochen brausen Menschen auf Elektro-Tretrollern durch Berlin. Polizei und Kliniken haben in dieser Zeit bereits mehrere Unfälle registriert, bei einigen waren Knochenbrüche die Folge. Einige Fahrer scheinen zudem sehr leichtsinnig zu sein.

Nach der Erlaubnis für die sogenannten E-Scooter vor rund zwei Wochen haben Berliner Polizei und Kliniken am Dienstag erste Erfahrungen mit Unfällen und Verletzten mitgeteilt, berichtet die Nachrichtenagentur DPA. Das Fazit: Sieben Unfälle wurden demnach offiziell registriert. In einigen Fällen waren die Fahrer angetrunken, sechs Mal verletzten sie sich, zwei Mal davon schwer. Bei einem Unfall mit einer Straßenbahn entstand lediglich Sachschaden.

Die von manchen befürchteten hohen Unfallzahlen seien laut Polizei damit zwar nicht verzeichnet worden, aber mehrere Fahrer wurden schwer verletzt. Sie appellierte deshalb dringend an die oft jungen Fahrer von Leih-Tretrollern in der Innenstadt, sich vor dem Start mit dem Roller vertraut zu machen, nicht betrunken zu fahren und einen Helm zu tragen.

Polizei kann viele Verstöße nur schwer erfassen

Die beiden Fälle mit den schweren Verletzungen ereigneten sich am vergangenen Donnerstag und waren bereits bekannt. Einmal fuhr eine 26-jährige Touristin in der Friedrichstraße gegen einen Lastwagen und brach sich das Schienbein. Dann stieß eine 33-jährige Frau in Friedrichshain gegen ein geparktes Auto. Sie stürzte, wurde von einem Kleintransporter überrollt und erlitt mehrere Knochenbrüche.

Die Polizei registrierte außerdem einige Verkehrsverstöße: In fünf Fällen waren die Fahrer angetrunken oder betrunken, drei E-Scooter waren nicht versichert. Diese Zahlen geben natürlich nicht die ganze Realität wieder, das zeigt auch die Abfrage bei Kliniken. Bei manchen Unfällen ohne weitere Beteiligte werden die Beamten gar nicht erst gerufen. Auch Fahrer, die in Berlin über Gehwege rollen oder zu zweit auf dem Roller stehen, werden selten erwischt und in die Statistik aufgenommen. "Zu Verstößen gegen das Verbot zur Gehwegnutzung liegen noch keine validen Daten vor", erklärt die Polizei.

Krankenhäuser berichten von weiteren Knochenbrüchen

Angesichts von etwa 500 Fahrradunfällen, die in zwei Sommerwochen laut der Verkehrsunfallstatistik passieren und auch oft selbst verschuldet sind, muten die Unfallzahlen der Roller gering an. Die Zahl der Fahrradfahrer ist allerdings auch um ein Vielfaches höher. Wie bei den Radfahrern geht es auch bei den E-Tretrollern meist nicht ohne Verletzungen aus.

Das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn (UKB) nahm allein am vergangenen Wochenende vier Menschen nach Stürzen von E-Tretrollern stationär auf. Die Fahrer brachen sich verschiedene Knochen, etwa einen Rückenwirbel oder eine Hand, wie eine Sprecherin sagte. Ein Patient erlitt eine Platzwunde am Kopf und eine Gehirnerschütterung. Laut der UKB-Sprecherin geriet eine Frau in den fließenden Verkehr und wurde von einem langsam fahrenden Lastwagen mitgeschleift. Ein Mann sei betrunken gewesen und gestürzt.

Am Virchow-Klinikum der Charité stellten Ärzte noch nicht übermäßig viele Unfälle fest, wohl auch weil sie erst seit Ende vergangener Woche gesondert erfasst werden. Zwei verletzte Jugendliche seien bisher dokumentiert, sagte der leitende Oberarzt Tobias Lindner. Die "enthemmten" Fahrer seien je nachts und auf dem Heimweg vom Feiern aus eigener Schuld gestürzt - einer von ihnen mit einer Flasche in der Hand. Die Folge: Prellungen und Schnittwunden. Die Vivantes-Kliniken teilten mit, Unfallursachen würden nicht erfasst.

Medienbericht: E-Roller animieren Autofahrer nicht zum Umsteigen

Die Polizei betonte nun: "Die neuen E-Scooter sind keine Kinderspielzeuge, sondern Kraftfahrzeuge." Gehwege dürfen nicht benutzt werden, zu zweit zu fahren ist ebenso verboten und es gelten die gleichen Alkohol-Promillegrenzen wie beim Autofahren. Auch wenn es keine Helmpflicht gebe, "wird das Tragen dringend empfohlen".

Weitere Befürchtungen oder auch Hoffnungen auf das neue Verkehrsmittel sind bislang nicht begründet. Auf den üblichen Verkehr haben die neuen Roller keine spürbaren Auswirkungen. Nach einer Datenauswertung einer Hamburger Mobilitätsfirma, die der "Tagesspiegel" (Dienstag) zitiert, stehen in Berlin rund 2.500 E-Tretroller großer Firmen zum Ausleihen bereit. Die gefahrenen Strecken sind meist zwischen 1,8 und 2,8 Kilometern lang und stehen in Konkurrenz zur Fortbewegung zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Für den öffentlichen Nahverkehr aus Bussen und Bahnen würden sich so weder große Vorteile noch eine ernste Gefahr ergeben, hieß es. Dass Autofahrer in großer Zahl auf Bahn und Roller umsteigen, ergibt sich daraus auch nicht.

Sendung: rbb24, 02.07.2019, 17 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

21 Kommentare

  1. 21.

    Aber wir haben doch die Typengenehmigungspflicht! Wie konnte das passieren? Ein Desaster: Die Typengenehmigung füht offensichtlich zu Leichtisinnigkeit! Sie muss augenblicklich abgeschafft werden, damit die Leute Nachdenken, bevor sie sich da so sorgenlos mit dem Smartphone in der Hand drauf stellen.

  2. 20.

    Nicht nur das. Dir e-Scooter stehen MITTEN auf dem Gehweg und versperren diesen, dazu kommen dutzende Leihräder. Mancherorts ist das so extrem, dass es mich innerlich zur Weißglut treibt. Viele der E-Scooter Nutzer machen das mit purer Absicht um andere zu belästigen und ärgern. Das ist ein prima Spiegelbild der Gesellschaft von heute, denn kaum jemanden kümmert es, ob andere beeinträchtigt werden. Mitdenken oder Rücksicht sind Fremdwörter geworden.

  3. 19.

    Keiner behauptet die Roller seien das größte Problem. Aber auch mehrere kleinere Probleme zusammen ergeben oft eine relativ schwierige Situation. Und die Scooter sind derzeit irgendwie der Tropfen, der das Fass von vielen Bürgern zum Überlaufen bringt. Verständlich, wenn man Berlins Verkehrssituation derzeit betrachtet...

  4. 18.

    Lol genau der E-Roller ist unser größtes Problem, nicht die vielen Stinker Autos, mit der potentiell 1000 mal höheren Gefahr, wie gesagt LOL über solche Nix Meldungen.

  5. 17.

    Ich warte schon darauf, dass mich jemand mit so einem Ding ankarrt oder mir vor's Rad fährt- nach meiner Beobachtung fahren nicht wenige ältere Herrschaften und vor allem besoffene Touristen auf den Dingern herum.

    Anbieter sollten verpflichtet werden, bei der Registrierung ein Verkehrswissens-Quiz abzufragen. Und ein kleiner, einminütiger Reaktionstest bei jeder Anmietung wäre sicher auch machbar.

  6. 16.

    Weil die Scooter eine zusätzliche, unfallträchtige und uneinkalkulierbare Belastung für Berlins ohnehin sehr angespannte Verkehrssituation darstellen. Was sollte man daran positiv sehen? Skateboards und Inliner sind auch sehr selten im normalen Alltagsverkehr zu sehen. Zum Glück. Wo sollten die auch fahren?

  7. 15.

    Verstehe nicht warum in Medien E Scooter so negativ dargestellt werden. Ein regelrechtes herauspicken und suchen nach einzellne negative Schlagzeilen. Hey Leute ich fahre seit Jahren E Scooter und weiß wovon ich spreche. Das ganze ist relativ harmlos im Vergleich zu Verletzungen und Unfälle mit Fahrräder oder beim Sport mit z. B. Inlineskateing oder Skateboard.... Danach kräht auch kein Hahn aber bei E Scooter wirds an die große Glocke gehängt. Und noch was: wie Skateboarding und Inlineskaten auch ist E Scooter fahren nicht unbedingt für Jeden geeignet bzw sollten ungeübte und ältere Menschen erstmal mit Vorsicht testen und üben.

  8. 14.

    Bevor der Bundesverkehrsminister weiteren Schwachsinn auf die Strassen zulassen will, sollte erstmal die STVO so geschrieben, das alle diese Verstehen, auch die Grünen,.
    Z.b. muss da drin stehen, es gilt für alle Zweiräder und Krad's, das heißt für alle Helmpflicht, Kennzeichenpflicht und vieleicht sogar Führerscheinpflcht...., da würd es auch für die Polizei einfacher die Vorschriften besser und schneller umsetzen können.
    Das dürfte zwar das Ende der Vermietung von Fahrrädern und Roller beenden, aber mal was zu Fuss erledigen ist gesünder.

  9. 13.

    Nö. Keine Sorge, ich gehöre zu den Leuten, die ihr Auto fast immer stehen lassen und die Öffentlichen benutzen.
    Aber ehe ich als Fußgänger umgenietet werde, bin ich dann doch lieber im Auto unterwegs.

    Jetzt war ein Scooter-Fahrer auf der A6 unterwegs. Weil sein Navi das so vorgab. Herr, lass es Hirn regnen.

  10. 11.

    Ach, ich werde einfach wieder mein Auto mehr benutzen. Da bin ich sicherer als als Fußgänger, der von Radfahrern und Scootern gefährdet wird.

  11. 10.

    ...und muss fühlen !

  12. 9.

    Ich wäre heute fast umgegefahren worden von so ein Idioten auf ein E-Roller. Kommt auf den Gehwg ohne Helm aber mit Handy am Ohr um die Ecke gefahren wie eine Wildsau ohne Rücksicht auf Verluste. Die Dinger sollte man schnellsmöglich abschaffen das ist ja Gemeingefährdung.

  13. 7.

    Wer nicht hören will ...

  14. 6.

    Besoffen, Handy am Ohr, über den Bürgersteig, Vorfahr missachten, mitten auf der Straße fahrend. Die Moderne fordert Opfer. Wie sagte schon meine Mutter? "Wo gehobelt wird, fallen Späne"

  15. 5.

    Scooter-Fahrer auf Fußgängerüberweg, Scooterfahrer zu zweit auf einem Roller, Scooterfahrer zu zweit auf einem Roller auf dem Fußweg, Scooterfahrer, die höchstens 11 Jahre alt sind, Scooter-Fahrer, die mich fragen, warum ich "wünsche", dass sie nicht auf dem Fußweg fahren, weil sie die Gesetze zu den Dingern überhaupt nicht kennen.

    EIN einziger Tag in Berlin. Und die Polizei hält sich fein säuberlich raus. Wie bei den Radfahrern auf dem Gehweg.

  16. 3.

    "ALLE Roller, die ich bisher in Mitte gesehen habe, fuhren auf dem Gehweg. KEIN Fahrer trug einen Helm. VIELE Fahrer hielten während des Fahrens Smartphone zum Navigieren in der Hand."

    Um es mit einem Zitat aus dem Film Forrest Gump zu sagen: "Mama sagt, dumm ist der, der Dummes tut."

  17. 2.

    Ich schließe mich Ihren Erkenntnissen zu 100% an. Und wer jetzt überrascht tut, ist ein Heuchler (sorry). Der Berliner Verkehr ist für die Scooter viel zu dicht, aggressiv, rücksichtslos und gefährlich. Es war zudem von vorneherein klar, dass die Gehwege benutzt werden, da es viel zu wenig Radwege gibt, die uneingeschränkt nutzbar sind. Es ging nur um wirtschaftliche und politische Interessen bei der Zulassung der Roller, wie wir Bürger damit klar kommen, verbleibt unser Problem.

Das könnte Sie auch interessieren