Anwohnerin wirft braune und grüne Glasflasche in Buntglas-Container in Berlin ein. (Quelle: imago/Joko)
Video: Abendschau | 29.07.2019 | Susanne Bruha | Bild: imago/Joko

Neuer Recycling-Kurs - Senatsverwaltung zieht 30.000 Altglas-Tonnen aus dem Verkehr

Schon vor zwei Jahren sollten in Berlin die Altglas-Tonnen von Privatgrundstücken verschwinden - doch der Widerstand war groß. Nun macht Umweltsenatorin Günther ernst: Ab Anfang August sollen rund 30.000 Tonnen eingesammelt werden.

Von den Hinterhöfen und privaten Grundstücken in Berlin sollen in den kommenden Wochen zehntausende Altglas-Container verschwinden. Der Senat und die für Berlin zuständigen Recycling-Dienstleister ("Duales System") wollen damit erreichen, dass Altglas stärker als bisher in die großen Sammelcontainer an den Straßen eingeworfen wird. Das geht aus einer Mitteilung der Senatskanzlei an das Abgeordnetenhaus hervor, die dem rbb vorliegt.

Demnach sollen die Altglas-Tonnen auf Privatgrundstücken vor allem in Stadtvierteln außerhalb des S-Bahn-Rings verschwinden. Nach und nach sollen sie zurückgeholt und gleichzeitig mehr Groß-Container für Weißglas, Braun- und Grünglas aufgestellt werden. Bis Januar soll die Aktion abgeschlossen sein. Zuerst hatte die "Berliner Morgenpost" [morgenpost.de] darüber berichtet.

Weißes, braunes und grünes Glas besser trennen

Der SPD-Umweltexperte Daniel Buchholz sagte, betroffen seien vor allem der Westen und der Südwesten, also Spandau, Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Anwohner, zum Beispiel in Lichterfelde und Steglitz, bestätigten gegenüber dem rbb entsprechende Aushänge ihrer Hausverwaltungen. Buchholz zufolge sollen von den rund 92.000 Tonnen "mehr als 30.000" verschwinden.

Aus Sicht der Abfallwirtschaft funktioniert die Glastrennung bei großen Altglascontainern besser. So stünden auf privaten Grundstücken in der Regel nur Tonnen für weißes und buntes Glas. Braunes und grünes Glas würden in einer Tonne landen und müssten im weiteren Verlauf wieder getrennt werden.

Kritik von SPD, CDU und FDP

In der Vergangenheit waren Vorstöße für weniger Altglas-Tonnen und mehr zentrale Glas-Sammelstellen in Berlin gescheitert. Zuletzt hatte das Berliner Abgeordnetenhaus 2017 derartige Pläne abgelehnt.

Vor sechs Jahren sorgte eine Tonnen-Reduzierung in den Ost-Berliner Bezirken Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Lichtenberg für Ärger. Damals sah sich die Berliner Stadtreinigung genötigt, darauf hinzuweisen, dass weder sie selbst noch ihre Tochter "Berlin Recycling" diese Entscheidung getroffen hätten: "Vielmehr beruht dies auf einer Abstimmung zwischen den Dualen Systemen und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt", hieß es in einer Pressemitteilung aus dem Dezember 2013.

"Klimapolitisch völlig falsches Signal"

Auch die jetzt getroffene Entscheidung stößt auf Kritik. Der SPD-Politiker Buchholz sprach von einer "echten Zumutung" und einem "klimapolitisch völlig falschen Signal".

Das Abgeordnetenhaus habe mehrmals bekräftigt, dass es die "haushaltsnahe Altglassammlung" erhalten will, teilte Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP, am Montag mit. Dies wünschten auch viele Bürgerinnen und Bürger. Dass Umweltsenatorin Günther mit den Dualen Systemen nun eine Vereinbarung zur weitgehenden Abschaffung der Tonnen getroffen habe, sei eine Missachtung des Abgeordnetenhauses.

Danny Freymark, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, erklärte, besser sei es, die Zahl der Altglas-Behälter zu erhöhen. "Der Modellversuch mit der Aufstellung von hunderten Depotcontainern, die eher als Orte der Vermüllung wahrgenommen werden statt als Sammelpunkte für Altglas in Treptow-Köpenick, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf, erbrachte 20 Prozent weniger Altglas."

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

116 Kommentare

  1. 116.

    Wir haben eine "fantastische Regierung", Glasentsorgung für "alte Menschen" ist optimal!
    200 Meter über die stark befahrene Clayallee zum Container und das mit 84! Danke.
    Da weiss ich, wen ich das nächste Mal wähle!

  2. 115.

    Heute wurden uns die Glastonnen "gestohlen". Bisher war ich ein Freund von Mülltrennung, aber eins ist klar, ich werde keine zehn Minuten mit Flaschen beladen zum nächsten Glascontainer laufen, mit dem Rad fahren und Tornister oder diese Umweltkatastrophe von E-Scootern nutzen! Da ich darüber hinaus kaum mit Auto unterwegs bin, werde ich die bisweilen geruchsintensiven Flaschen/Gläser auch nicht extra bis dahin in meiner Wohnung stapeln, ins Auto schleppen was mittlerweile immer weiter weg geparkt werden muss und deshalb herumfahren. Man könnte natürlich auch jede Flasche auswaschen. Wie bekloppt wäre das denn!? Das Glas landet entweder in der Restmülltonnen (was mir zu teuer wäre) oder einfach in oder vor den Straßenmülleimern an den Kreuzungen. Basta!
    Da bleibt wohl nur noch die gute alte Plastikflasche, die kann ja in die Wertstofftonne! Danke an unsere Spezialisten in der Politik! Weiter so! Schlimmer geht offenbar immer! Dem Unsinn wird in Berlin wieder mal keine Grenzen gesetzt.

  3. 114.

    Leider geht hier die Politik einen falschen Weg.
    Es ist jetzt schon zu sehen, das mehr Glas wieder
    in der Restmülltonne landet. Ständig hören wir von
    Klimazielen. Bei der Glasherstellung aus Recycling
    ist eine Menge Energie einzusparen und Quarzsand ist
    auch nicht ewig verfügbar. Wenn hier nicht schnell eine
    Umkehr vollzogen wird, sind Klimaziele dann ein Witz.

  4. 113.

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht:
    Nun habe ich in meiner 30 qm-Einzimmerwohnung (was Größeres kann ich mir leider nicht mehr leisten) neben meinem Fahrrad, den wiederverwendbaren Tüten für Altpapier, Bioabfälle, Restmüll, Recycling und Pfandflaschen halt noch drei weitere Sammeltüten für Weißglas, Grünglas und Braunglas zu stehen. Die bringe ich dann eben bei Gelegenheit mit meinem E-Scooter zum nächstgelegenen Glascontainer.
    Na und?

  5. 112.

    ich kann mich so vielen nur anschließen.
    zusätzlich schwindet mir meine motivation zum erhalt und wiederverwertung von rohstoffen jahr um jahr - dank meiner lokalen erfahrungen und der globalen entwicklungen.
    warum sollte ich die flaschen mit vor die tür nehmen? ich hätte den ganzen tag eine zusätzliche tasche, die zudem stinkt wie ein Flaschenautomat beim einzelhändler. oder ich müsste das quäntchen extra-motivation finden, um einfach mal so zum vermüllten Container zu schlendern.

  6. 111.

    Es ist ein Hohn im Rahmen der Nachheiltikeit diese Möglichkeit zur direkten Glasentsorgung abzuschaffen. wir bringen unsere Flaschen jetzt mit zusqmmengebissen Zähnen zum Großcontainer, aber wir haben ein Auto.Iin unseremHoff habe ich festgesetellt, dass die Flaschen im Hausmüll landen. das ist doch mehr al kontraproduktiv. Viele Leute, vor allem ältere. rennen doch nicht mit ihren Flaschen zum Container) Diese absurde Entscheidung muss sofort zurück genommen werden. Was für ein Rückschritt in der Glasentsorgung!

  7. 110.

    Was für ein enormer Rückschritt! Noch mehr Ressourcen, die nun im Haushaltsmüll landen statt recycelt zu werden.
    Der nächste Glas-Iglu ist 900m entfernt. Na, da muß ich mir jetzt wohl doch ein Auto anschaffen und Berlin noch mehr verstopfen und zur Luftverschmutzung beitragen. Super für die Umwelt. Klasse gemacht, Frau Günther! Wie klein gedacht...

  8. 109.

    Danke, Frau Günther, ich laufe mit meinen 82 Jahren bestimmt nicht durch Borsigwalde um die Glasflaschen los zu werden, also weiter Plastik und Tetra Pack bzw. Restmüll

  9. 108.

    Hier lässt sich der Effekt schon sehr gut sehen. Es landet nun relativ viel Glas im Restmüll, denn hier leben relativ viele, die froh sind, wenn sie mit Rollator zum Bus kommen. Diejenigen nun zu den Containern zu schicken, die mit der BVG auch zumindest hier in der Gegend nicht gut erreichbar sind, ist an sich schon eine Frechheit. Und das ausgerechnet bei dem sehr gut verwertbaren Altglas? Schade, dass ausgerechnet bei grüner Regierungsbeteiligung eine solche Umweltsünde angefangen wird... Statt sich für besseres Recycling und bessere Mülltrennung einzusetzen wird das Gegenteil gemacht.

  10. 107.

    Ich liebe es, wenn die Glas-Iglus direkt neben dem Radweg aufgestellt werden. Wenn dann eine Flasche zu Boden fällt, ist es eine besondere Herausforderung für den Radreifen. Überlebt er es? Oder habe ich einen Platten?

  11. 106.

    Das ist ja mal wieder eine Superidee der Umweltsenatorin Günther! Wer läuft denn schon 600 oder 800 Meter Umweg um Flaschen zu entsorgen. Was sollen denn alte Leute machen mit Stock oder Rollator? Irgendwann merken die Herren und Damen aus der Politik dann, dass die Restmülltonnen überquellen und sind schätzungsweise ganz verwundert. Oder die Leute stecken die Flaschen auf ihrem Weg in die orangefarbenen Mülleimer an den Straßenecken oder oder...

  12. 105.

    Uns wurde es von der Hausverwaltung mitgeteilt und wir konnten es zuerst nicht glauben.
    Hier leben viele Menschen die alt, krank oder beides sind. Jedenfalls schlecht zu Fuß.
    Tapfer haben sie getrennt. Jetzt geht es nicht mehr. So weite Wege können sie nicht laufen.
    Hat da mal jemand dran gedacht.
    Anderes Thema- zum Nachdenken- schaut mal bei den"Pfandflaschen" im Supermarkt. Wirklich alle auch die Mehrweg sind aus Plastik!!!

  13. 104.

    Bei uns sind auch keine Glascontainer mehr ,man was ist dabei sie auf dem Weg zur Arbeit ob mit Auto oder zu Fuß mitzunehmen, nimmt ja nun keine Stunden in Anspruch

  14. 103.

    Irgendwie scheint das Thema an mir vorbeigegangen zu sein. Ich wundere mich warum seit gut zwei Wochen keine Glascontainer mehr da sind. Wenn ich durch Zufall gut erreichbare Container finde werde ich die in Anspruch nehmen. Ansonsten mache ich es wie alle anderen. Ab in den Restmüll....

  15. 102.

    Es ist doch unglaublich, wir als Bürger werden aufgefordert ökologisch und umweltbewusst zu handeln und dann diese Entscheidung von unserer Umweltsenatorin Frau Günther. Total am Thema vorbei. Wenn Frau Günther diese Entscheidung trifft, bitte ich darum, zusätzliche Flaschencontainer vor Einkaufsmärkten aufzustellen, so dass Pfandflaschen und Glasflaschen in einem Zuge der "WIEDERVERWERTBAREN RESSOURCEN " in den Kreislauf zurück geführt werden könnte.
    Einfach nur traurig.

  16. 101.

    Seit einigen Tagen sind auch hier keine Glastonnen auf dem Hof.

    Wir laufen jedenfalls nicht mit dem Altglas 15 Minuten zum Asternplatz zum großen Glascontainer. Das kann man von 80 bzw. 83jährigen Bürgern nicht verlangen. Die jüngeren werden es mit Sicherheit auch nicht machen. Wir sehen regelmäßig die Abfälle neben den großen Glascontainern. Einfach schön.

    Bisher haben wir immer Mülltrennung gemacht, jetzt landen die Glasflaschen usw. eben wieder im Restmüll.!!

    Unser Senat ist einfach Spitze!

  17. 100.

    Ich fordere sofort eine weitere Tonne für blaues Glas!

    Rhavin Grobert
    Müllpolitischer Sprecher der Parte
    Die PARTEI
    Spandau bei Berlin

  18. 99.

    Das sehe ich genauso – ich bin eigentlich sehr sorgsam in der Mülltrennung. Aber mit meinem Glas-Müll quer durch die Siedlung zu laufen – auf keinen Fall. Auch ich werde in Zukunft das Glas wohl im Restmüll entsorgen (müssen).

  19. 98.

    Natürlich ist das Mist, wenn die Flaschencontainer, die bisher auf dem Grundstück unseres Mietshauses gestanden haben, auf einmal weg sind. Das sehe ich genauso. Aber zum einen ist es sowieso nachhaltiger, so viele Pfandflaschen wie möglich zu nutzen, die in der Regel 50 Mal und mehr genutzt werden können. Und zum anderen werde ich die paar Einwegflaschen, die wir ´mal vom Gurkenglas, Wein oder Apfelmus haben, dann auf dem Weg zum nahegelegenen Supermarkt mitnehmen müssen, weil dort die großen Sammelcontainer auf der Straße stehen. Von den großen Klimazielen, um die es bei steigendem CO2-Verbrauch, brennenden Wäldern und steigenden Temperaturen geht, sind wir noch Lichtjahre entfernt, wenn schon so vergleichsweise kleine Dinge wie die Einwegflaschen um die Ecke in den Sammelcontainern mitzunehmen so große Probleme bereiten.

  20. 97.

    So, unsere Container sind jetzt auch weg. Na, dann werfe ich meine leeren Gläser halt in den Restmüll. Der nächste öffentliche Container ist ewig weit weg. Da die Gegend hier eine ziemlich eng bebaute Wohngegend ist, wird es wohl auch in Zukunft keine näher gelegenen Container geben. Warum hat man eigentlich nicht ERST die zusätzlichen öffentlichen Container aufgestellt und DANN die von den Privatgeländen weggenommen? Dann wäre vielleicht jemandem was aufgefallen...

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Kuchen für die Ewigkeit (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 16. Tür: Ein Kuchen für die Ewigkeit

Eberswalde hat eine süße Tradition und pflegt sie auch. Ein Kuchen trat von hier aus seinen Eroberungszug in die weite Welt an: der Spritzkuchen. Sein Schöpfer gehört zu den großen "Köpfen" des Landes. Ein Botschafter der Süße.