Wasserbecken im Klärwerk Schönerlinde im Landkreis Barnim (Quelle: rbb/Jan Menzel)
Audio: Inforadio | 02.07.2019 | Jan Menzel | Bild: rbb/Jan Menzel

Berliner Wasserbetriebe - Wasserbetriebe rüsten gegen Medikamente im Trinkwasser auf

Die Wasserqualität in Berlin ist exzellent, doch die Wasserbetriebe müssen aufrüsten - denn Rückstände von Arzneimitteln und Kosmetika nehmen seit Jahren zu. Mit einer neuen Reinigungsstufe sollen die Substanzen herausgefiltert werden. Von Jan Menzel

Hinter der langen Reihe von Klärbecken steht ein weißer Container, im dem mehrere Aggregate kontinuierlich brummen. Das ist die Pilotanlage für die neue Reinigungsstufe im Klärwerk Schönerlinde. Eine sogenannte Ozonierungsanlage, erklärt Daniel Sauter von den Wasserbetrieben.

Daniel Sauter, Umweltingenieur im Klärwerk Schönerlinde (Quelle: rbb/Jan Menzel)
Daniel Sauter, Umweltingenieur im Klärwerk Schönerlinde | Bild: rbb/Jan Menzel

Rostschutzmittel, Kosmetika, Medikamente

Das Ozon werde aus Sauerstoff gewonnen, indem eine hohe Spannung angelegt werde, sagt Sauter. Damit erhalte man ein ozonreiches Gas, das von unten in die Klärbecken eingeführt werde. Sauter ist Umweltingenieur und arbeitet in der Forschungsabteilung der Wasserbetriebe. Mehrere Jahre haben er und seine Kollegen verschiedene Verfahren erprobt.

Die Ozonierung erwies sich als die beste Methode, um Spurenstoffe aus dem Abwasser zu filtern. Spurenstoffe wie Rostschutzmittel,  Rückstände aus Kosmetikprodukten und Medikamenten.

Dazu gehören Anti-Epileptika,  Blutdrucksenker, aber auch weit verbreitete Schmerzmittel wie Diclofenac. Diese Substanzen haben eines gemein: Sie passieren die herkömmlichen Klärwerksstufen ungehindert. Erst mit der Ozonbehandlung können sie je nach Substanz zu 50, 80 oder 100 Prozent aus dem Abwasser entfernt werden. Das  wiederum ist zentral für die Versorgung der Millionenstadt Berlin mit einwandfreiem Trinkwasser - auch in der Zukunft.

Geklärtes Wasser fließt bis zum Tegeler See

Nirgendwo sonst in Deutschland gebe es einen so geschlossenen Wasserkreislauf wie im Großraum Berlin, beschreibt Barbara Hütter die besondere Berliner Herausforderung. Hütter ist seit 19 Jahren Chefin im Klärwerk Schönerlinde. Das Wasser, das ihr Klärwerk verlässt, fließt über den Nordgraben in den Tegeler See. Und dort um den Tegeler See herum haben die Wasserbetriebe 130 Tiefbrunnen, aus denen sich das Wasserwerk Tegel speist.

Barbara Hütter, Leiterin des Klärwerks Schönerlinde (Quelle: rbb/Jan Menzel)
Barbara Hütter, Leiterin des Klärwerks Schönerlinde | Bild: rbb/Jan Menzel

Die ersten Vorarbeiten auf dem Klärwerksgelände haben schon begonnen. In knapp zwei Jahren soll die Ozonierungslage den Regelbetrieb aufnehmen. Schönerlinde wird dann das sauberste Klärwerk Berlins sein.

Es gibt allerdings eine Kehrseite: Für die Ozonierung ist sehr viel Energie erforderlich. Auch die Kosten für die Anlage sind beträchtlich. Rund 40 Millionen Euro investieren die Wasserbetriebe in die neue Reinigungsstufe. Kosten, die am Ende auch auf die Kunden umgelegt werden. Um zehn bis 20 Cent pro Kubikmeter dürfte der Abwasserpreis steigen, schätzen die Wasserbetriebe.

Sendung: Inforadio, 02.07.2019, 6.00 Uhr

Beitrag von Jan Menzel

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11 Kommentare

  1. 11.

    Aktivsauerstoff (O3-Ozon) ist ein kräftiges umweltfreundliches Oxidationsmittel, umweltfreundlich und technisch gut aus der Umgebungsluft herzustellen. Was im Großen klappt, funktioniert auch im kleinen hervorragend.
    Viele Reinigungsprozesse lassen sich ganz einfach mit Ozon-versetztem Wasser durchführen. Das spart bis zu über 90% an Reinigungs-Chemikalien ein. und wo keine Chemikalien im Abwasser sind, hat das Wasserwerk ein leichteres Arbeiten.
    Der Kanadische Hersteller Tersano vertreibt weltweit Dispenser, mit denen sich solches Aktivsauerstoff versetztes Wasser bequem vor Ort herstellen lässt.
    tersano . de
    Gruß Roland Krüger

  2. 9.

    Für wahr. Ich bin mal böse mit dem linken Fuß umgeknickt und hatte Glück im Unglück. Nur der kleine Zeh war angebrochen. Der Fuß war dick angeschwollen und da ich nicht jemand bin, der daraus ein großes Drama macht, benutzte ich fast sechs Wochen lang diese Diclofenac Salbe. Diese riecht extrem und ich brauchte jedesmal 3-4 Handwaschungen hintereinander, um das Zeug wieder von den Händen zu kriegen. Ich weiß auch nicht, was mehr geholfen hatte, meine Streckverbände und immer schön den Fuß hochlegen, oder diese Salbe.

  3. 8.

    Gerade der in vielen Werbefernsehschmerzgels enthaltende Wirkstoff Diclofenac ist ein gefährlicher Stoff für Mensch und Fauna. Einfach mal den Beipackzettel lesen und bitte nach dem Eincremen vorsichtig sein beim Kontakt mit Tieren. Für die ist das pures Gift! Am besten nach Alternativen suchen.

  4. 7.

    Die meisten Apotheken nehmen keine Altmedikamente mehr an, weil die Entsorgung auch Kosten verursacht und die Leute auch die im Internet bestellten Medis in der vor-Ort-Apotheke loswerden wollen. Dann bitte gleich die Altmedikamente zu Doc Morris zurückschicken!

  5. 5.

    Oha Ozon, da hoffe ich die Folgekosten sind bedacht worden. Es ist ja ein wirklich guter Stoff zur Reinigung von Wasser. Nur leider auch recht aggressiv auf fast jeden Stoff mit dem es in Verbindung kommt. Also vor allem die Becken und Rohre. Denn einmal im Wasser verfliegt es ja recht schnell.

  6. 4.

    Es ist die beste Lösung, nicht verbrauchte Arzneimittel über den Hausmüll zu entsorgen!! Dabei wird dieser Arzneimüll genauso verbrandt wie der Arzneimüll, den man in die Apotheke abgibt. Es gibt keinen Unterschied!
    Medikamente, die hier ins Abwasser gelangen, kommen beispielsweise in großen Massen als Diclofenac (Voltaren-Schmerzgel und andere ) nach dem Duschen in den Umlauf! Auch die Hormone aus den "Antibabypillen" sind sehr kompliziert für die Wasserbetriebe! Es sind definitiv nicht die Alt-Medikamente, die fälschlicherweise über die Toilette entsorgt werden, sondern Schmerzgele, Hormone u.a. , selbst bei bestimmungsmäßigem Gebrauch!

  7. 3.

    In Berlin werden solche Schadstoffe in haushaltsüblichen Mengen kostenlos von der BSR auf den Recyclinghöfen angenommen. www.bsr.de/schadstoffe-20363.php Eine Annahmestelle gibt es in Schwedt bestimmt auch :)

  8. 2.

    Die Apotheken müssen wieder verpflichtet werden, nicht verbrauchte Medikamente zurückzunehmen. Solche entsorge ich derzeit über den Hausmüll. Gibt es bessere Lösungen?

  9. 1.

    Gut!

    Danke für den Beitrag!

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