Planetariumssaal des Zeiss-Großplanetariums: Zu sehen sind der neue Sternprojektor vom Typ ZEISS UNIVERSARIUM Modell IX und eine Projektion aus der 360-Grad-Eigenproduktion des Hauses "Sterne über Berlin". (Quelle: SPB/F.-M. Arndt)
Audio: Inforadio | 19.07.2019 | Annette Miersch | Bild: SPB/F.-M. Arndt

Apollo-Story im Zeiss-Planetarium - Mondfest: Im Liegesessel durchs All fliegen

Am 21. Juli 1969, um 3:56 Uhr MEZ, betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. 50 Jahre später erinnert das "Mondfest" im Zeiss-Planetarium an diesen historischen Moment. Im Liegesessel kann man mit der Apollo durchs All fliegen. Von Annette Miersch

Einmal selbst zum Mond fliegen, sein pockennarbiges Gesicht zum Greifen nah aus dem Fenster des Raumschiffs lehnen und schließlich im offenen Rover mit den anderen Astronauten durch die Mondwüste jagen. Unter der weitgespannten Weltraum-Kuppel des Zeiss-Planetariums lässt sich diese Illusion richtig genießen. Denn pünktlich zum Mondfest startet dort die neue Multimedia-Show: "Die Apollo-Story - Capcom Go!".

Cap-Poster mit der Aufschrift <<CAPCOMGO! THE APOLLO STORY>>. (Quelle: NSC Creative)
Planetariums-Programm "Capcom Go!" | Bild: NSC Creative

Prächtiges Wissenschaftstheater

Der 2016 umfassend sanierte DDR-Prachtbau in Berlin-Prenzlauer Berg nennt sich heute vollkommen zu Recht "Wissenschafts-Theater". Es soll das modernste seiner Art in ganz Europa sein. Herzstück ist der neue Zeiss-Sternenprojektor, der brillante 360-Grad-Rundum-Bilder in die Kuppeldecke zaubert.

Zurückgelehnt in superbequemen Liegesessel (!!!) sind wir dabei, als die riesige Rakete in den Himmel steigt. Ganz vorn in einer winzig kleinen Kapsel transportiert sie drei Weltraum-Pioniere. Am 21.Juli 1969 erreichen sie ihr Ziel: "Überall auf der Welt waren die Menschen vor Fernsehgeräten und Radios versammelt. Sie wussten, dass sie einen historischen Moment miterleben. Die Live-Übertragung von der Oberfläche des Mondes...", erzählt der Film und liefert ein faszinierendes Erlebnis. Näher kommt man als Normalsterblicher wohl kaum an eine Mondlandung heran.

Ein kleiner Schritt für einen Menschen wird zum großen Sprung für die ganze Menschheit. Die erste Mondlandung gelingt.

Das Planetarium in Berlin Prenzlauer Berg. (Quelle: SPB/F. Heidenreich)
| Bild: SPB/F. Heidenreich

Moderne Mondforschung

Das Film-Spektakel wird ergänzt durch einen Live-Moderator im Saal. Der schlägt die Brücke in die Gegenwart der Mondforschung, erklärt Produktions-Chef Jürgen Rienow vom Planetarium und nennt ein Beispiel: "Die ganzen Sachen, die auf dem Mond stehengeblieben sind, etwa die Landeplattform, das Mondauto usw., sind natürlich materialwissenschaftlich hoch interessant!"

Weil sie der Strahlung im Sonnensystem ausgesetzt sind, könnte ihre Erforschung wichtige Erkenntnisse etwa für Marsmissionen bringen. "Wenn man zum Mars fliegen will, ist man sehr lange unterwegs. Und es ist ja spannend zu sehen, wie die Materialien altern", sagt Rienow. Die Show wird den ganzen Mondfest-Tag lang in Kurzfassung gezeigt.

WC im Zeiss-Großplanetarium in Berlin (Bild: rbb/Miersch)
Toilettenschild im Berliner Planetarium. | Bild: rbb/Miersch

Astronaut Alexander Gerst besucht Berlin

Höchstinteressante Einblicke und Erlebnisberichte direkt aus dem Weltraum verspricht sich Planetariums-Direktor Tim Florian Horn außerdem von einem ganz besonderen Gast. Ein echter Astronaut hat zugesagt: "Alexander Gerst kommt, hält einen Vortrag und steht für Fragen zur Verfügung." Um 17 Uhr beginnt Astronaut Gerst seinen Auftritt im großen Planetariumssaal mit 307 Sitzplätzen. Die Eintrittskarten werden von 14 bis 16 Uhr per Glücksrad auf dem Außengelände verlost.

Gleichzeitig zum Berliner Mondfest startet Samstag am frühen Abend eine neue Mission zur Internationalen Raumstation ISS. "Wir schalten live nach Baikonur, zusammen mit Alexander Gerst, und schauen uns gemeinsam mit ihm und den Besuchern den Start an", freut sich Direktor Horn.

Die eigene Schwerkraft auf der Hüpfburg testen

Vorher ab 14 Uhr gibt es bereits ein Mitmach-Programm für kleine und große Weltraumforscher: Kinder ab fünf Jahren können unter anderen den "Planetenweg" und "Gravitationstrichter" entdecken, Wasserraketen basteln und starten lassen. Foodtrucks sorgen fürs leibliche Wohl, kündigt das Berliner Zeiss-Großplanetarium an.

Krönen können die Besucher ihre persönliche Mission Mondfest schließlich am Abend: Ein Videomapping soll die 30 Meter hohe Kuppel von außen in eine Leinwand für Weltraum-Impressionen verwandeln. Alle Besucher sind dann zu einem Mond-Picknick auf der Wiese vor dem Planetarium eingeladen. Prima zu genießen sei das mit selbst mitgebrachten Speisen und Getränken, meint der Chef des Hauses, Tim Florian Horn.

Tipp: Mond-Picknick mit Fernglas

Der Blick in den Nachthimmel wird sich lohnen, auch mitten in Berlin, weiß Mitarbeiter Jürgen Rienow: "Man kann durchaus Strukturen auf der Mondoberfläche mit bloßem Auge erkennen. Und er ist der einzige Himmelskörper, für den das gilt!" Und wenn man dann mit einem Feldstecher den Mond betrachtet, sehe man noch viel mehr Details. "Und das ist total spannend!", schwärmt der Berliner.

Apollo-11-Pilot Buzz Aldrin auf dem Mond © imago images/UPI PhotoApollo-11-Pilot Buzz Aldrin auf dem Mond

Sendung: Inforadio, 19.07.2019, 09:20 Uhr

Beitrag von Annette Miersch

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich weiß noch genau, welche Gefühle ich damals hatte, als seinerzeit 12-Jähriger und wie ich gebannt vor dem Fernseher saß. Und es gab einen Augenblick, wo die Faszination dann urplötzlich ins Gegenteil hinein kippte. Gefühlsmäßig konnte und kann ich mich nur abwenden. Das war in dem Augenblick, als die US-amerikanische Flagge in den Mondboden gerammt wurde.

    Erst wird eine Fahne eingerammt, dann werden Grenzen gezogen, dann marschieren Wachbataillone auf und zu schlechter Letzt wird geschossen, ging mir damals durch den Kopf. Dies als allgemeinmenschliches Prinzip, wenn eine Sache erstmal (so) angefangen wird. Gleich von wem.

    Ein Schild mit einem Namen drauf und der Kennzeichnung der Umstände hätte für mich vollkommen ausgereicht.
    Ist Prestige, ggf. sogar Feindschaft gegen den anderen der eigentliche Antrieb oder die ur-menschliche Neugierde, etwas anderes kennenzulernen als dasjenige, was ich jetzt schon weiß?

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