Jüterbog: Eine Rauchwolke steigt über einem Wald bei Jüterborg auf. Wenige Wochen nach dem verheerenden Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog (Teltow-Fläming) ist dort erneut ein Feuer ausgebrochen. (Quelle: dpa/Stähle)
Video: Brandenburg Aktuell | 26.07.2019 | Julia Baumgärtel | Bild: dpa/Stähle

Brand auf munitionsbelastetem Gelände - Lage in Jüterbog entspannt sich allmählich

Durch die Unterstützung mit Löschhubschraubern kann die Feuerwehr in Jüterbog den Waldbrand vorerst eindämmen. Starker Wind erschwert allerdings die Löscharbeiten auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz. Zudem leiden die Einsatzkräfte unter Hitze und Rauch.

Hinweis: Dieser Artikel wird nicht mehr aktualisiert. Die neuesten Entwicklungen zum Waldbrand bei Jüterbog finden Sie hier.

Wind, Hitze und Trockenheit haben den Waldbrand auf dem früheren Truppenübungsplatz Keilberg bei Jüterbog (Teltow-Fläming) am Freitagvormittag wieder angefacht. Der Brand habe sich auf mindestens 100 Hektar ausgebreitet, wie ein Sprecher des Landkreises dem rbb am Freitag sagte.

Nach rbb-Informationen hat sich die Lage am Abend entspannt. Laut dem ersten stellvertretenden Bürgermeister von Jüterbog, Joachim Wasmansdorff, konnte der Brand mithilfe von Löschhubschraubern und 90 Einstzkräften der Feuerwehr eingedämmt werden - obwohl diese einen Abstand von 1.000 Metern zum Brand halten mussten, um sich nicht selbst zu gefährden. 

Wenn der Wind kräftiger wird, sei eine weitere schnelle Ausbreitung des Feuers dennoch wahrscheinlich, sagte Wasmandorff dem rbb. Sollte sich der Brand auf Siedlungsgebiete zubewegen, dann müssten weitaus mehr Kräfte für den Großeinsatz angefordert werden.

Noch acht Kilometer bis zur nächsten Ortschaft

Noch sei das Feuer etwa acht Kilometer von der nächsten Ortschaft entfernt. "Eine direkte Gefahr liegt nicht vor und wird heute auch nicht eintreten", sagte Wasmansdorf am Freitag. Dennoch berieten Stadtbrandmeister, Kreisbrandmeister und der Landesbranddirektor vor Ort, ob beim Land Brandenburg weitere Unterstützung und eventuell auch ein Löschpanzer angefordert werden müsse.

Allerdings machte auch die Hitze den Einsatzkräften zu schaffen. Die Temperaturen lagen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bereits um 13 Uhr bei etwa 30 Grad und stiegen im Laufe des Tages auf 32 Grad. "Die Freiwilligen Feuerwehren leisten hier auch in der großen Hitze Übermenschliches. Man kann nur den Hut davor ziehen, dass die Kameraden bereit sind, sich für die Stadt Jüterbog aufzuopfern", so der Vizebürgermeister. Die Stadt habe die Versorgung der Einsatzkräfte mit Essen und Getränken übernommen.

Am frühen Freitagmorgen hatten Einsatzkräfte mit einem Hubschrauber das betroffene Gebiet erkundet und gemeldet, dass sich das Feuer zunächst nicht weiter ausgebreitet habe. Die Gefahr, dass Glutnester und Flammen auf dem besonders munitionsbelasteten Areal der "Roten Zone" erneut angefacht werden, bestehe jedoch weiterhin.

Zwei Löschhubschrauber der Polizei in der Luft

Probleme bereiten den Einsatzkräften die Kampfmittel, die auf dem früheren Truppenübungsplatz im Boden lagern. Das Gebiet darf von den Feuerwehrleuten aufgrund der hohen Explosionsgefahr nicht betreten werden. Sie konzentrieren sich deshalb darauf, von Wegen aus Brandschutzstreifen zu bewässern, um das Feuer in Schach zu halten. Sollte der Wind allerdings besonders stark werden, könnten die Schutzstreifen von den Flammen übersprungen werden, sagte Wasmansdorff dem rbb. Zwei Löschhubschrauber der Landes- und Bundespolizei bekämpften daher am Freitag das Feuer aus der Luft.

Dafür war bereits am Donnerstag ein flexibler Tank mit rund 25.000 Litern Wasser aufgebaut worden - ein Hubschrauber kann bei jedem Anflug etwa 2.500 Liter tanken. Zudem waren zehn Tanklöschfahrzeuge und fünf Löschfahrzeuge vor Ort, wie ein Sprecher des Ordnungsamts Jüterbog sagte. Eine Verbesserung der Lage wurde in der Nacht durch höhere Luftfeuchtigkeit erwartet. "Was wir brauchen, sind Gewitter mit möglichst viel Regen", ergänzte Wasmansdorff. "Bei Trockenheit und Wind bekommen wir das Feuer nicht unter Kontrolle", warnte er. Da sei die Natur einfach stärker.

Brand im Juni wütete eine Woche lang

Erst im Juni hatte es an anderer Stelle auf dem Areal des Truppenübungsplatzes einen verheerenden Waldbrand gegeben. Zum Teil seien nun laut Wasmansdorff dieselben Flächen betroffen. Der Brand war damals nach einer Woche unter Kontrolle gebracht worden. Tagelang mussten noch Glutnester bekämpft werden. Zeitweise brannten 744 Hektar - eine Fläche größer als 1.000 Fußballfelder. Es war bislang der größte Waldbrand in Brandenburg.

Der ehemalige Truppenübungsplatz wurde bis 1992 militärisch genutzt. Alte Kampfmittel verrotten dort seit Jahrzehnten im Boden mit einer unberechenbaren Wirkung.

Insgesamt sind nach Angaben der Polizei rund 392.000 Hektar Fläche in Brandenburg mit Munition belastet. Das entspricht mehr als 13 Prozent der 2,9 Millionen Hektar Gesamtfläche des Bundeslandes. Das gefährliche Material kann aufgrund der hohen Kosten für einen Einsatz erst nach und nach geborgen werden. Die Kampfmittelschwerpunkte sind in den Kreisen Märkisch-Oderland, Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming und Oder-Spree. Als besonders belastet wegen starker Bombardierung im Zweiten Weltkrieg gelten auch die Städte Oranienburg, Brandenburg, Cottbus, Potsdam, Neuruppin und Schwarzheide sowie Ruhland.

Sendung: Inforadio, 26.07.2019, 20:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

24 Kommentare

  1. 24.

    Es brennen vermehrt Truppenübungsplätze. Vielleicht einfach mal bei solcher Hitze keine Übungen mit Munition veranstalten und Truppenübungsplätze generell weit entfernt von Ortschaften oder Wälder verlagern. Das wäre mal ne Option. Solang man das Pferd immer von hinten aufsattelt, wird das nie was mit dem Reiten.

  2. 23.

    "Umdenken in der Land- und Forstwirtschft unumgänglich"
    Rheinland-Pfalz koennte da ein Vorbild sein. Dort duerfen nach einer Gesetzesaenderung durch die SPD-Landesregierung jetzt Waelder ohne Wiederaufforstung fuer Windkraftanlagen gefaellt werden. Wenn der Wald weg ist, kann der Wald auch nicht mehr brennen. Ganz abgesehen von den vielen entstehenden Windkraftanlagen.

  3. 22.

    Zum Beispiel Ratten und Insekten.

    Ich wünsche den Feuerwehrleuten gutes Gelingen bei der Brandbekämpfung.

  4. 20.

    @ "Tut nix zur Sache":
    Sie fragen, was Brandstiftung und Munition mit Klimawandel zu tun haben? Das ist doch ganz einfach: Bei der Trockenheit und den heißen Temperaturen von bis zu 40 Grad verbreitet sich so ein Feuer rasend schnell. Je trockener und heißer, desto gefährlicher das Feuer. Ganz einfach. Der Klimawandel ist eine große Bedrohung, die viele noch gar nicht vollständig realisieren.

    Zitat "Auch ein Aussterben des Menschen würde die Erde nicht stören."
    Tja, aber es würde die Menschen stören. Also Leute wie Sie und ich. Wir würden dann nämlich nicht mehr existieren.

  5. 19.

    Was explosive Munition oder Brandstiftung mit dem Klimawandel zu tun haben sollen, erschließt sich wohl nur dem veganen Schreiber.
    Auch ein Aussterben des Menschen würde die Erde nicht stören. Der Mensch ist nur ein Tier. Andere Tierarten sind besser an solche Extremsituationen angepasst.

    Die Munition ist teilweise bis zu 180 Jahre alt.

    Einen großen Dank an all die Helfer, die ihr Leben bei diesen Temperaturen riskieren!

  6. 18.

    Wieviel kostet so ein Jumbo? In Brandenburg fehlen Schulbücher. Toiletten an Schulen. Lehrer. Wenn wir alle Schulen schließen, keine Lehrer mehr in Brandenburg beschäftigen, dann schaffen wir es, eine Tragfläche zu finanzieren.

    Auf die Truppenübungsplätze kann eh keiner mehr gehen, keiner räumt die, die Monokulturen sind nicht zielführend.

    Welches Szenario ist also zielführend.

  7. 17.

    Im Moment kann die Feuerwehr nur aus einem sicheren Abstand von ca. 1000 Metern versuchen, die Waldränder zu bewässern. Durch starken Wind könnte der Brand aber trotzdem über diese befeuchteten Brandschutzstreifen übergreifen. Im Moment prüfen die Brandexperten vom der Stadt und vom Kreis, ob vom Land Brandenburg ein Löschpanzer angefordert werden muss. Der könnte auch in der sog. "Roten Zone" zum Einsatz kommen.

  8. 16.

    @ 8. BerlinerinFreitag, 26.07.2019 | 13:40 Uhr

    Wie wäre es zusätzlich wenn Airbus hier bei uns selbst solche Teile bauen könnte? Die USA könnten uns doch mal die Baupläne und die Technologie dafuer liefern. Dann wie geschrieben drei oder vier Maschinen an den genannten Flughäfen stationieren inklusive Betankung und Wartung.

    Damit wären wir fuer solche Waldbrände deutlich besser geruestet ist meine Meinung. Und wenn dann noch zusätzlich dazu Wasserwerfer wie die von der Polizei von Außen mithelfen wuerden, dann hätte man nicht so ein gewaltiges Problem.

    Was aber klar ist:
    fuer die Zukunft muss diese Munition raus aus diesen Wäldern! Unsere Wälder sind keine Muellhalden fuer Munition und militärischen Schrott. Unsere Wälder sind eigentlich Naherholungsgebiete.

  9. 15.

    @ 8. BerlinerinFreitag, 26.07.2019 | 13:40 Uhr

    Und wenn man an jedem der Flughäfen die ich genannt hatte, drei oder vier solche Maschinen stationieren wuerde - das wären dann insgesamt um die 20 Maschinen oder sogar bis zu 30 solcher Maschinen - dann wäre dieses Problem doch eigentlich gelöst.

    Von daher Berlinerin: wie wäre es, wenn alle Bundesländer mal solche Teile einkaufen ueber den Bund?? Außerdem brauchen auch andere EU-Länder solche Teile wie Österreich und andere.

  10. 14.

    @ 8. BerlinerinFreitag, 26.07.2019 | 13:40 Uhr
    Antwort auf [Andrea Koeth] vom 26.07.2019 um 12:43

    Außerdem zu Ihrem Punkt:

    "Löschflugzeuge können nur Wasser aus großen Seen/Meer aufnehmen (siehe USA). a) sind unsere Seen nicht so groß und b) leer, dafür sind die Golfplätze aber gut bewässert *~* "

    dadurch dass solche Löschflieger zum Beispiel an folgenden Flughäfen stationiert werden könnten:

    Hamburg
    Berlin-BER
    Leipzig-Halle
    Dresden
    Nuergnberg
    Muenchen
    Stuttgart
    Frankfurt-Main
    Duesseldorf

    können die dort betankt werden und da ist das gar kein Problem.

  11. 13.

    @ 9 RorrbartBerlinFreitag, 26.07.2019 | 13:45 Uhr

    Nicht nur in Brandenburg kollabieren die Feuerwehrler. Nein auch bei uns hier in Franken:

    https://www.infranken.de/regional/bamberg/feuerwehr-kaempft-gegen-zahlreiche-flaechenbraende-in-oberfranken-feuerwehrleute-kollabieren;art212,4354577

    "Zahlreiche Flächenbrände haben am Donnerstag die Feuerwehren in Oberfranken in Atem gehalten. In mehreren Fällen waren wohl heißgelaufene Maschinen die Ursache. Mehrere Feuerwehrleute kollabierten bei der Hitze."

    Hier könnten wir auch prima Unterstuetzung von Oben durch solche Löschflieger gebrauchen. Von daher... Wie wär's damit?? Und kriegen die unterfränkischen Feuerwehrler dann auch nen Verdienstorden??

  12. 12.

    @ 7. Jörg ZschimmerBerlinFreitag, 26.07.2019 | 13:29 Uhr

    Schauen Sie mal, was dieser Lösch-Jumbo noch so alles kann:

    "Zu den großen Auftraggebern für Einsätze von Löschflugzeugen zählt sicherlich die amerikanische Forstverwaltung, der US Forest Service. Global Supertanker Services rechnete allerdings von Beginn an auch mit Löschaufträgen aus der Europäischen Union, Israel und Australien. Oder solchen auf See, bei Bränden auf Frachtern oder Ölbohrplattformen etwa."

    "In Zeiten ohne Brände kann der Jumbo auch zur Bekämpfung von Ölkatastrophen im Meer oder in Seen sowie zur Beförderung von Spezialflüssigkeiten für die Chemische Industrie eingesetzt werden. Die mit vier CF6-80-B1F-Triebwerken von General Electric ausgestattete Boeing benötigt dafür nur eine Startbahn von 2400 Metern Länge für Start und Landung – eine Größenordnung, die jeder internationale Flughafen bieten kann."

    Wäre doch glatt mal das Richtige fuer die kaputten Bohrplattformen in der Nordsee und Ostsee.

  13. 11.

    hi Jörg ZschimmerBerlinFreitag, 26.07.2019 | 13:29 Uhr
    Antwort auf [Andrea Koeth] vom 26.07.2019 um 12:43

    Zu Ihrer Frage:

    "Wo betanken wir denn die Jumbos? Auch in den USA? Alternativ könnten wir natürlich die Lausitz komplett fluten, dann können die auch da im Flug das Wasser aufnehmen..."

    Die muessen gar nicht so oft nachtanken wie Sie denken. Lesen Sie mal hier:

    https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/luftfahrt/der-groesste-feuerwehr-jumbo-welt-74-t-wasser-verspruehen/

    "Der Jumbo kann beim Abregnen in Höhen von nur 120 bis 240 Metern über dem Brand mit einer Geschwindigkeit von etwa 260 Kilometern pro Stunde fliegen. Bei jedem Überflug kann ein Streifen von bis zu 5 Kilometern Länge mit Wasser oder Löschflüssigkeit bewässert werden. Bis zu sechs Wasserladungen kann der Jumbo so pro Flug ablassen. Gewöhnliche Löschflugzeuge wie die British Aerospace BAe-146 oder die Lockhead C-130 dagegen müssten mehrfach landen und nachtanken, um dasselbe Ergebnis zu erzielen."

  14. 9.

    Wenn die völlig erschöpfen Feuerwehrleute den furtbaren Brand gelöscht haben, bekommen die dann auch den brandenburgischen Verdienstorden?

  15. 8.

    Löschflugzeuge können nur Wasser aus großen Seen/Meer aufnehmen (siehe USA). a) sind unsere Seen nicht so groß und b) leer, dafür sind die Golfplätze aber gut bewässert *~*

  16. 7.

    Wo betanken wir denn die Jumbos? Auch in den USA? Alternativ könnten wir natürlich die Lausitz komplett fluten, dann können die auch da im Flug das Wasser aufnehmen...

  17. 5.

    Und dass hier:

    "Die Gefahr, dass Glutnester und Flammen auf dem besonders munitionsbelasteten Areal der "Roten Zone" tagsüber erneut angefacht werden, bestehe jedoch weiterhin."

    "Zwei Löschhubschrauber der Polizei in der Luft"
    "Ein Problem für die Löscharbeiten stellen die Kampfmittel dar, die auf dem früheren Truppenübungsplatz im Boden lagern. Das Gebiet darf von den Einsatzkräften aufgrund der hohen Explosionsgefahr nicht betreten werden."

    war bei der Hitze doch zu erwarten.

    Erstens: die völlig ausgetrockneten Böden
    Zweitens: die ganzen aktuell laufenden Warnungen wegen Waldbrandgefahr
    Drittens: die Munition die dort lagert
    Viertens: die Böden sind durch diese Hitze völlig heiß geworden (es brennt auch schon entlang der Autobahnen; siehe gestern bei express.de)

    Deswegen: Von außen mit Wasserwerfern versuchen was auszurichten und es braucht Löschflugzeuge!! Anders kriegen die dass nicht gebacken. Holt euch solche Lösch-Jumbos wie die in den USA!!

Das könnte Sie auch interessieren