Rund um den Breitscheidplatz ist alles hochgesichert. Quelle: imago/Peter Meissner
Audio: Inforadio | 25.07.2019 | Statement Andreas Geisel | Bild: imago/Peter Meissner

Sicherheitskonzept am Breitscheidplatz - Neue Poller und Stahlbuchstaben zum Schutz vor Terror

Buchstaben aus Stahlbeton, zwei Meter hoch, genau an der Stelle, wo Anis Amri den Lastwagen auf den Breitscheidplatz lenkte: Innensenator Geisel hat am Donnerstag neue Maßnahmen vorgestellt, die den Ort des Attentats von 2016 terrorsicher machen sollen.

Das neue Sicherheitskonzept für den Berliner Breitscheidplatz wird konkreter. Wie der Innensenat dem rbb am Donnerstag bestätigte, soll ein großer Schriftzug aus Stahlbetonbuchstaben an der Gedächtniskirche aufgestellt werden. Dort, wo 2016 der Attentäter den Lastwagen auf den Breitscheidplatz gelenkt hat, werde künftig das Wort "Berlin" in zwei Meter hohen Buchstaben stehen. Zudem sollen neue Poller den Platz schützen.

Ziel des neuen Konzeptes sei es, den Breitscheidplatz künftig dezenter zu sichern. Zuvor hatten mehrere Zeitungen über die Pläne berichtet.

Weiterhin sehen die Pläne vor, den Mittelstreifen auf der Budapester Straße und der Tauentzienstraße auf mindestens 50 Zentimeter zu erhöhen, außerdem sollen an den Fußgängerzugängen einzelne neue Poller platziert werden. Eine weitere Maßnahme, die Geisels Innenverwaltung plant, ist die Schließung der Zufahrt über die Rankestraße auf den Breitscheidplatz.

Kritik an martialischen Sicherheitsmaßnahmen

Die bisherigen Sicherheitsmaßnahmen auf dem Breitscheidplatz rufen bereits seit Monaten Kritiker auf den Plan: Derzeit sperren Brusthohe, mit Sand gefüllte Draht-Käfige den Platz zur Budapester Straße und zum Kurfürstendamm ab, Zugänge für Fußgänger sind mit dicken rot-weiß gestreiften Stahlpollern gesichert.

Seit Ostern schon wirkt der Breitscheidplatz wieder wie ein wirklich gefährlicher Ort – denn seitdem wurden die Poller und Drahtkörbe nicht wie sonst wieder abgebaut. Deshalb erinnert der Platz an den Anschlag vor zweieinhalb Jahren.

Der Pfarrer der Gedächtniskirche, Martin Germer, hatte die Behörden zuletzt in einem offenen Brief aufgefordert, den Platz weniger martialisch zu sichern. Die jetzige Situation habe für die Gedächtniskirche empfindliche Nachteile. Die Zahl der Besucher sei um 20 Prozent zurückgegangen - und damit auch die Einnahmen der auf Spenden angewiesenen Kirche. Die Gedächtniskirche, ein Mahnmal gegen den Krieg, wird zur Zeit für rund 30 Millionen Euro saniert.

Auch Geschäftsleute in der Berliner City-West und die Hotels in der Umgebung hatten sich über die Verhältnisse und die Wirkung der massiven Hindernisse beschwert.

FDP: Konzept "jämmerlich"

Innensenator Geisel sagte, man wolle die Frage lösen, wie man öffentliche Plätze sichern könne, ohne dadurch wieder Angst zu erzeugen. Die Kernpunkte des neuen Sichehreitskonzepts sollen dem Sicherheitsbedürfnis daher ebenso Rechnung tragen, wie der Atmosphäre vor Ort. Laut Geisel soll ein Teil des Konzeptes noch vor dem nächsten Weihnachtsmarkt umgesetzt werden.

Die FDP im Berliner Abgeordnetenhaus nannte das Sicherheitskonzept "jämmerlich". Die Pläne zeugten von der "Ideenlosigkeit" der rot-rot-grünen Koalition, erklärte der innenpolitische Sprecher Marcel Luthe. Mit verankerten Stadtmöbeln wie Laternen, Bänken, Pflanzkübeln und Fahrradständern könne unauffällig echte Sicherheit geschaffen werden - in der ganzen Stadt, erklärte Luthe.

 

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20 Kommentare

  1. 20.

    Als man sowas noch nicht brauchte, gefiel mir Deutschland besser (und nein, liebe Linke: ich meine die Zeit NACH 1945).

  2. 19.

    Hoffen wir, das heute beim CSD alles gut geht......

  3. 17.

    "Man hätte Menschenskulpturen aus gleichem Material und gleicher Größe da hinstellen können, nicht etwas so dermaßen plattes und geschmackloses."

    Dann wäre der nächste Meckerkopp gekommen und hätte gemosert, wie man Menschenskulpturen als Barriere benutzen könnte.

    Lassen Sie es doch einfach gut sein. Da ist nichts Plumpes dran.

  4. 16.

    Ein paar Poller als sichtbare Beruhigung für den Bürger hätte ausgereicht. Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten LKW Angriffs an dieser Stelle geht gegen Null. Die nächsten Anschläge werden anders gestaltet sein.

    Viel eher wünsche ich mir eine personelle und finanzielle Verstärkung der Ermittlungs- und Justizbehörden, um Gefährder engmaschiger zu überwachen, Pläne im Vorfeld zu erkennen und verurteilte Straftäter konsequent abzuschieben (sofern sie nicht-deutscher Herkunft sind).
    Ebenso wünsche ich mir eine Verstärkung der behördenübergreifenden Kommunikation, mehr Schnittstellen der benutzten Software in den jeweiligen Behörden und eine Senkung des Datenschutzniveaus bei Weitergabe relevanter Informationen. Es kann nicht sein das Informationen nicht verwertet werden, weil es keine (legale) Möglichkeit der Weitergabe von einer Behörde an die andere gibt.

  5. 15.

    Völlig nutzlose Verschwendung von Steuergeldern, die nicht von unseren unfähigen Politikern erarbeitet wurden. Da muss ich doch tatsächlich dem FDP-Mann Recht geben, dass man mit verankerten Stadtmöbeln viel unauffälliger sichern könnte. Stadtweit. Was soll das mit diesen albernen riesigen Buchstaben?

  6. 14.

    Wie schon erwähnt wurde:
    Wem nützt es?
    Was lässt sich verhindern?
    Niemanden und nichts.
    Weil sich böswillige Taten, geplant oder spontan, nicht voraus sehen lassen.

  7. 13.

    Ich hätte da eine Idee...: eine 2,50 Meter hohe Mauer um den gesamten Breitscheidtplatz herum bauen, mit Panzersperren...! Es ist doch reiner Aktionismus. Ich kann mich den vorhergehenden Kommentatoren nur anschließen. Als hätte Berlin keine anderen Orte, Veranstaltungen, Menschen die geschützt werden sollten! Aber na gut, wenn der Senat dort soviel Geld für diese Aktion ZUVIEL hat, dann muß das auf jeden Fall verballert werden - wofür sonst auch Nützlicheres unterstützen?!
    Hat Berlin tatsächlich keine anderen Sorgen?
    Stichworte: Kitas, Pflege-Notstand-System, Wohnungsnot...u.so vieles mehr. Überall, was für Berliner Bewohner wichtig ist, hört man "kein Geld, kein Personal". Und oh siehe, es ist doch genug Geld da! Es ist doch wirklich zum kotzen!!!

  8. 12.

    Im ersten Weltkrieg haben sich die Soldaten immer in den Kratern der Granaten in Sicherheit gebracht, weil die Wahrscheinlichkeit, dass dort noch mal eine Granate reinfällt, gegen null geht. Darum verstehe ich das Sicherheitskonzept hinter diesem gigantischen Aufwand nicht. Wann ist denn das letzte Mal ein Terroranschlag wiederholt am selben Ort verübt worden?

  9. 10.

    Wir werden mit der Bedrohung leben müssen. So doof das Gefühl ist. Sonst müsste man alle Demos, Straßenfeste, Weihnachtsmärkte, Wochenmärkte und Einkaufsstraßen sichern. Und jedes Kino, jede Theatervorstellung, jede Sportveranstaltung...ganz ehrlich? Wer Angst hat, muss zu Hause bleiben. Wir haben seit dem Breitscheidtplatz-Attentat keine Lust mehr auf Weihnachtsmärkte. Andere Events lassen wir uns aber nicht vermiesen. Es gibt keinen Schutz. Das ist Augenwischerei.

  10. 9.

    Schön, dass sich der Anschlag am Breitscheidtplatz nicht mehr so einfach umsetzen lässt. Aber soweit ich das mitbekommen habe, wurde Amri bereits erschossen. Ein neuer Attentäter kommt vielleicht auf eine neue Idee an einem neuen Ort...

  11. 8.

    Wo sind die Poller auf den anderen Plätzen und Straßen in Berlin, wie sieht dort das Sicherheitskonzept aus? Fehlen hier nicht noch eine Million Poller? Man wird sich wohl kaum ein 2. Mal den Breitscheidplatz herauspicken. Die Kosten kann man sich sparen.

  12. 6.

    Sonst keine anderen Sorgen um Steuergelder auszugeben und zu verplempern? Man kann es auch übertreiben. Kümmert Euch im Senat um wichtigere Dinge. Ausserdem gibt es nie eine hundertprozentige Sicherheit im Leben.

  13. 5.

    da haben Sie ja so recht---
    und die FDP findet das Konzept auch "jämmerlich"
    und Berlin ist soooooo groß und viele Demos, wo irgendeiner zuschlagen kann

  14. 4.

    Was nutzt all das Zeug, wenn jemand mit einer Pistole schießen, einem Messer um sich stechen oder eine Bombe zünden könnte? Was überall möglich ist. Einige Meter weiter ist die Shoppingmeile, der Bahnhof, Restaurants. Hier aufzurüsten ist eine teure, unnötige Sachen. Es geht überall und jemand, der töten möchte, findet einen anderen Weg.

  15. 3.

    Deutschland 2019 - das Land in dem wir gut und gerne leben? Wer ist mit wir gemeint? Für einen Großteil der schon länger hier lebenden Konservativen ist es nur ein weiterer trauriger Beleg für die Bankrotterklärung unseres Staates.

  16. 2.

    Berlin - in zwei Meter hohen Stahlbuchstaben? Was plumperes ist denen nicht eingefallen? Man hätte Menschenskulpturen aus gleichem Material und gleicher Größe da hinstellen können, nicht etwas so dermaßen plattes und geschmackloses.

  17. 1.

    Ein Platz, der bereits Ort eines Abschlages war, wird ständig immer weiter zur Festung ausgebaut. Aber Berlin hat noch do viele andere Plätze bzw Orte, welche gefährdet sein könnten.

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