Zum CSD im vergangenen Jahr kamen rund 600.000 Menschen (Quelle: imago/Omer Messinger).
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CSD-Wochenende in Berlin - Die wohl größte Demo seit dem Mauerfall

Am Samstag wollen bis zu eine Million Schwule, Lesben und andere queere Menschen durch Berlin ziehen. Weil immer mehr große Firmen am CSD beteiligt sind, gibt es aber auch Kritik - und eine Alternative. Von Nico Schmolke

Zwischen 600.000 und eine Million Menschen werden am Samstag zur vermutlich größten Demonstration des Jahres in Berlin erwartet. Auf dem Christopher Street Day (CSD) wollen queere Menschen für die Gleichberechtigung aller sexuellen Identitäten und für mehr Sichtbarkeit demonstrieren. Es wäre die größte Demonstration seit dem Mauerfall.

Vom Kurfürstendamm in der City-West wird sich ein Zug aus 98 Fahrzeugen und 41 Fußgruppen bis zum Brandenburger Tor bewegen. Um 12 Uhr soll der CSD am Ku’damm Ecke Joachimsthaler Straße eröffnet werden. Weil am Wittenbergplatz gebaut wird, weicht die Demonstration in diesem Jahr über die Nürnberger und die Lietzenburger Straße aus. Deswegen kann es insbesondere am U-Bahnhof Nollendorfplatz besonders voll werden, wenn Besucher aus der ganzen Stadt zur Demonstration anreisen.

Bühnenshow mit internationalen Künstlern

Auf große Hitze, die auch für das Wochenende angesagt ist, sind die Veranstalter vorbereitet. Nahe der Siegessäule wird eine Marathondusche für Abkühlung sorgen. Zudem werden etliche Sanitäter im Einsatz sein, um kollabierten Menschen zu helfen. Die Organisatoren empfehlen den CSD-Besuchern dringend, Wasser und Sonnenschutz einzupacken.

Ab 16 Uhr sollen die Wagen dann an der Siegessäule und dem Party-Gelände vor dem Brandenburger Tor ankommen, wo zur selben Zeit die Bühnen-Show eröffnet wird. Letztes Jahr musste die Show wegen eines Unwetters abgebrochen werden - diesmal wird es zwar ebenfalls wieder heiß, aber Gewitter sind bislang nicht in Sicht. Mit Marianne Rosenberg, Felix Jaehn und der ehemaligen "Spice Girls"-Sängerin Melanie C. sind bekannte Acts aus verschiedenen Musikrichtungen angekündigt. Melanie C. tritt im Rahmen ihrer World Pride Tour mit Drag Queens auf, der international erfolgreiche DJ Felix Jaehn hat sich erst 2018 als bisexuell geoutet und Marianne Rosenberg wurde durch ihren Schlager-Hit "Er gehört zu mir" schon in den 1970er Jahren zu einer Ikone der Schwulenbewegung.

"Jeder Aufstand beginnt mit deiner Stimme"

Der CSD steht dieses Jahr unter dem Motto "50 Jahre Stonewall – Jeder Aufstand beginnt mit deiner Stimme". Weltweit erinnern die Prides an den Aufstand von Schwulen, Drags und schwarzen Strichern, die sich 1969 in New York willkürlichen Polizei-Razzien widersetzt hatten. Die Besitzer der Bar Stonewall Inn, wo der Protest begann, werden am Samstag bei der CSD-Eröffnung in Berlin eine Ansprache halten.

Dabei hatte der Berliner CSD ursprünglich ein anderes Motto, das erst nachträglich auf das Stonewall-Jubiläum umgetextet wurde. Und nicht nur diese späte Besinnung auf das politische Erbe der queeren Bewegung sorgt in der Community für Kritik. Der CSD sei mittlerweile zu einer großen kommerziellen Party verkommen, klagen viele. Auf dem Demo-Zug fahren Trucks von globalen Konzernen wie PayPal, Microsoft oder Amazon mit.

Grünen-Politiker kritisiert Firmenbeteiligung

Sebastian Walter, queerpolitischer Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, kritisiert auf Facebook zum Beispiel die Beteiligung des sozialen Netzwerks TikTok. Dort laden meist junge Menschen Videos hoch, auf denen sie zu Songs singen und tanzen - und bekommen teilweise massenweise Hass-Kommentare ab. "Es scheint keine Meldemöglichkeiten oder eine Moderation zu geben", schreibt Walter.

Der Hass treffe viele queere Jugendliche, die auf dem weltweit verbreiteten sozialen Netzwerk aktiv sind. Aus Studien ist bekannt, dass schwule, lesbische oder auch Transjugendliche besonders häufig Selbstmord begehen - auch weil sie ungebändigten Hass aus dem Internet abbekommen. Das Nichtstun von TikTok sei "skandalös", so der Grünen-Politiker.

CSD-Vorstand rechtfertigt Sponsorenauswahl

Monique King aus dem CSD-Vorstand verteidigt die Teilnahme von TikTok hingegen: "Beim Berliner CSD können nicht Wagen von irgendwelchen Firmen auftreten, sondern die müssen Diversity Groups haben oder sich mit einem Verein zusammenschließen." TikTok sponsort den Wagen der ehrenamtlichen Initiative Enough ist Enough, die Kampagnen zur Unterstützung von queeren Menschen weltweit organisiert.

"Mit diesem Partner kann man super gegen Hate Speech vorgehen", sagt King. Firmen, deren Engagement nicht ernsthaft sei, würde man auf dem CSD nicht zulassen. Gleichzeitig kann King die Kritik auch verstehen: "Es ist gut, dass Menschen den Finger in die Wunde legen und sagen, der CSD ist zu kommerziell. Ja, der ist kommerziell, das ist so."

Alternativ-CSD zieht von Kreuzberg nach Friedrichshain

Wohl auch deswegen wird es in diesem Jahr wieder einen alternativen CSD geben, den Aktivisten auf Facebook angekündigt haben. Für 18 Uhr wird zum Radical Queer March aufgerufen, der vom Mariannenplatz bis zur Rigaer Straße in Friedrichshain ziehen soll. Bei der Polizei sind 300 Teilnehmer angemeldet.

"Kleine CSDs sind genauso wichtig", sagt King, die Organisatorin des großen CSD. "Hauptsache, die Leute gehen auf die Straße." Die Organisatoren des kleinen CSD sehen das hingegen deutlich radikaler: "Zwischen Bundeswehr, Axel Springer Verlag und Bayer AG scheint es hier kaum mehr möglich, an das radikale politische Erbe anzuknüpfen", heißt es in dem Aufruf in Bezug auf das Stonewall-Jubiläum. "Es laufen die mit, die Säulen eines ausbeuterischen, sexistischen und rassistischen Systems sind, in dem queere Menschen vor allem dann akzeptiert werden, wenn sie möglichst weiß, cis und bürgerlich-angepasst sind."

Stündliche Botschaften schallen von Party-Trucks

Dass der "große" CSD weiterhin politisch ist, wollen die Organisatoren in diesem Jahr mit sechs inhaltlichen Forderungen unterstreichen. Zwei davon beziehen sich direkt auf Berlin: Es soll ein Kultur- und Wohnzentrum für Lesben geschaffen werden. Und von kommunalen Unternehmen und der Berliner Verwaltung fordert der CSD ein Diversity-Management zur Förderung queerer Mitarbeiter. Alle Forderungen sollen stündlich von sämtlichen Party-Trucks erschallen und den politischen Ursprung der CSD-Party unterstreichen.

Die zunehmende Gewalt auf Berlins Straßen unterstreicht, dass die Ziele der queeren Bewegung auch lange noch nicht erreicht sind. "Es ist so, dass die Gewaltbereitschaft auch für uns sichtbar und lesbar in die Höhe gegangen ist", stellt Anne Grießbach fest, die bei der Berliner Polizei Ansprechpartnerin für LSBTI-Personen ist. "Wir haben massive Gewaltvorfälle und Gewaltausbrüche in Berlin."

Ein erstes Zeichen gegen Gewalt und für mehr Akzeptanz will der CSD-Vorstand bereits am Donnerstagabend setzen. Ab etwa 21:20 Uhr wird der Berliner Fernsehturm für drei Nächte in den Farben des Regenbogens erleuchten - weltweit Symbol für die queere Bewegung. Schon jetzt gibt es in der ganzen Stadt Regenbogenflaggen an Balkons und vor Rathäusern. Ausstellungen erinnern an die Geschichte der queeren Bewegung. Und am CSD-Wochenende gibt es queere Partys in etlichen Berliner Clubs.

Route CSD 2019 in Berlin (Quelle: rbb|24)Route des CSD

Beitrag von Nico Schmolke

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Antwort auf [Anwohnerin] vom 27.07.2019 um 17:44
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46 Kommentare

  1. 46.

    Ja, Sie haben es korrekt erfasst. Das war eine Eigenkreation von Fr. Roths sehr kluger und leider immer wieder anwendbaren Äußerung über Rassismus. Sie können mir gar nichts andichten, zumindest nicht plausibel nachvollziehbar. Denn ich habe mich in keinster Weise kritisch oder abwertend über heterosexuelle Menschen geäußert, geschweige denn "die Biologie" mißbraucht, als ich keine Argumente hatte, so wie manche User hier Homosexuellen gegenüber. Denn Homosexualität als widernatürlich zu bezeichnen, weil keine Kinder gezeugt werden können, das erinnert doch sehr an die dunkelste Epoche unserer Geschichte. Im Übrigen bin ich selber sowas von heterosexuell, habe selber Kinder und Enkel :-) Denn das geht, man mag es kaum glauben: Hete UND völlig entspannt auf LGBT^^ Ab jetzt reagiere ich nur noch auf Argumente. Nice day :-)

  2. 45.

    Ist das nicht nur eine abgeänderte Floskel von Roth, die einst sagte Rassismus ist keine Meinung?
    Es wurde doch hier nur ihre Weisheit widerlegt bzgl. 2 Mütter. Das hat aber etwas mit der Biologie zu tun und nicht mit Homophobie. Homophobie klingt anders. Desweiteren könnte man hier auch Ihnen Heterophobie und Feminismus andichten. Mache ich nicht... LG

  3. 43.

    Anscheinend gibt es hier eine handvoll User bzw Leser, die auch immer zu allem etwas zu sagen haben und vor allem tiefgründig Bescheid wissen (!).
    CSD, CO2, Wohnungsnot, Canabis, Schulbildung, Patchworking, Veganernährung, R2G, AfD, Sarrazin, Tierschutz, Waldbrände, Umweltschutz... usw.
    Ich würde mal vorschlagen einfach mal locker und weniger aggressiv hier zu kommentieren und nicht ständig andere User als unwissend hinzustellen. Den alles was SIE zu wissen denken, ist reine Auslegungssache, hat man Ihnen beigebracht oder ist beeinflusst von mehr oder weniger sozialen Komponenten. Und es gibt genügend hochgradige Akademiker oder seien es auch Arbeiter, die nicht Ihrer Meinung sind.

  4. 41.

    Du lieber Himmel, wattn Geistesblitz^^ Homosexualität IST sowas von Natur. Sie sind von der Akzeptanz und dem Inhalt des Themas so weit entfernt wie der Jupiter von der Sonne. Gibt supi Literatur dazu. Einfach mal lesen. Z.b. bpb: "Homosexualität und Menschenrechtsschutz". Online. Kostenlos plus vieler Anregungen zur diesbezüglichen Weiterbildung. Viel Spaß! :-)

  5. 40.

    Mir ist noch etwas eingefallen.... Homosexualität ist eine Lebenseinstellung und kann nicht über die Natur gestellt werden.
    Wird den Kindern in der Schule so beigebracht. Wenn ein Kind bei zwei Frauen oder zwei Männern aufwächst, hat es aber nur einen biologischen Vater oder eine biologische Mutter. Oder ist adoptiert. Es gibt zu diesem Thema interessante Literatur. Kann ich Ihnen nur empfehlen.Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

  6. 39.

    Klar, der Ernst der Sache sollte auch nicht ganz untergehen. Aber ohne Moos nix los, da muss natürlich abgewägt werden (genauso wie bei fff. Ich stehe voll dahinter, würde mir aber wünschen, dass die Veranstalter mehr darauf achten und immer wieder darauf hinweisen, dass nachhaltige Drinks und Snacks konsumiert werden und nicht soviel Müll liegen bleibt. Denn die Gegner davon gucken ganz genau hin und schießen scharf. Man sollte solche Steilvorlagen zur Kritik vermeiden). Aber jeder, der weiß worum es geht, wird den wichtigen Grundgedanken vom CSD kennen. Das zum Trost. Schönes Wochenende :-)

  7. 37.

    Danke liebe Störenfrieda,
    werden wir auch haben. Wetter spielt endlich auch mal mit. Einen Wermutstropfen gibt es aber doch beim diesjährigen CSD. Der LSVD-Verband geht leider immer weniger auf die wahren politischen Themen ein und läßt dafür den Spaßfaktor leider den Vortritt. Was ich sehr schade finde. Die Firma „Uber“ hat sich diesmal mit eingekauft und fährt einen extra Wagen. Gleichzeitig gestehe ich aber, wie ungeheuer schwierig es ist, das Geld zusammenzubekommen, um solch eine breite Demonstration in der Hauptstadt überhaupt auf die Füße zu stellen.

  8. 36.

    „Zählen bestimmt nicht zu den Top 10 der Probleme, die LSBTI-Menschen haben sollten“. Vollkommen richtig. In unserer heutigen aufgeklärten Zeit sollte es auch kein Problem mehr darstellen. Mir fällt dazu eine nette Begebenheit in einem Blumengeschäft ein, wo ich hin und wieder was kaufen tue. Einmal war die Verkäuferin so freundlich und nannte mir ihren Nachnamen. Gab mir sogar eine Visitenkarte. Mir fiel schon das Regenbogenzeichen an der Tür auf. Wochen später betrat ich das Geschäft wieder und es war eine andere Frau die mich bediente. Ich fragte nach der anderen Person und da meinte die anwesende Frau ganz unverblümt zu mir: Das ist mein Mann. Seitdem haben wir ein recht offenes Verhältnis zu einander. Zudem ist mir aufgefallen, wieviele Frauen aus der Nachbarschaft sich sehr gerne in dem Geschäft länger als gewöhnlich dort aufhalten. So kann’s gehen.

  9. 35.

    *// Am Samstag wollen bis zu eine Million Schwule, Lesben und andere queere Menschen durch Berlin ziehen.

    Ich denke eher, daß die Hälfte davon Besucher sind, die alljährlich die Loveparade fortsetzen, und einfach ihren Spaß haben wollen. Um was es dabei geht ist ihnen reichlich egal.

  10. 34.

    Weil das ganze Leben nur aus der Zeugung von Kindern besteht?
    JA, es ist alles von der Natur vorgegeben,:
    Pubertät, Verlieben, Partnerschaft, eigene Kinder. So haben sich die Hormone beim Menschen entwickelt.
    Und alles andere ist nur eine Lebensart.

  11. 33.

    "Mein Kind hat zwei Mütter und keinen Vater"
    Selbst wenn das Kind nur eine Mutter hatte und keinen präsenten Vater, hat es immer noch nicht zwei Mütter. Sie denken ihre Lebensart steht über der Biologie, das ist vielleicht ideeller Zeitgeist, aber biologisch ausgeschlossen.

  12. 32.

    @MiWo und den Rest der hier rein gar nichts verstanden hat.

    Erstens: Der Christopher Street Day ist eine Demonstration gegen Intoleranz, Ignoranz, Unwissenheit und so weiter.
    Zweitens: meine Aussage bedeutet nicht, dass ich etwas besonderes bin, sondern lediglich das ich ein Mensch bin, wie jeder andere auch auf dieser Erde und habe somit ein Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit meiner Person. Und genau das ist die Botschaft des CSD's.
    Und drittens: Homosexualität ist keine Krankheit, sondern ein Schutzmechanismus der Natur, ansonsten müssten wir schon längst Erde Nr. 2 schaffen. Auch in der Tierwelt gibt es diesen Schutz. ;-)

  13. 31.

    "Weil die tollen Heteros das mit dem Elternsein nicht hinbekommen". Ohne die tollen Heteros könnten die homosexuellen Paare keine Kinder großziehen.Hat die Natur so vorgesehen .Ohne irgendwann mal , das Vergnügen gehabt zu haben sich befruchten zu lassen, intimen Kontakt zum anderen Geschlecht gehabt zu haben oder Kinder adoptiert zu haben. Viel Spaß am Spektakel.

  14. 30.

    Und genau das ist das Problem. Sie brauchen deswegen nicht sichtbarer werden, weil es eigentlich wenige Interessiert. Ob nun zwei Frauen oder zwei Männer vollkommen egal. Wichtig ist das wohl des Kindes. Und dafür braucht man in unserer Gesellschaft nicht auf die Straße gehen. Aber die Natur hat es nun mal so gewollt, das ein menschliches Wesen ensteht,wenn Mann und Frau zueinander finden. Egal wie....ob nun durch künstliche Befruchtung oder die natürliche Zusammenkunft. Wenn Sie in Ihrem persönlichen Umfeld dafür, das Ihr Kind keinen Vater hat, auf Unverständnis stoßen, tut es mir , des Kindes wegen schon sehr leid. Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne alles Gute.

  15. 29.

    Ja, Sie haben tatsächlich zu einem anderen Artikel ziemlich Gegensätzliches kommentiert. Da muß ich @Schwester Constructa recht geben. Doof gelaufen^^

  16. 27.

    Weil das ganze Leben nur aus der Zeugung von Kindern besteht? Liebe, Partnerschaft sind immer inklusive. Hauptsache hetero. Deswegen gibt es auch so wenige unglückliche, einsame, im Stich gelassene, ungeliebte und ungewollte Kinder. Weil wenn Weibchen und Männchen sich paaren, dann wird alles gut. Alles klar. So naiv, da könnte man glatt ein Pixie-Buch draus machen ;-) Ich liebe Ihre Kommentare. Immer wieder was zum Staunen...

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