Nassenheide: Feuerwehrleute löschen einen Waldbrand. (Quelle: dpa/Julian Stähle)
Video: rbb|24 | 03.07.2019 | Material: NonstopNews, Brandenburg aktuell, zibb | Bild: dpa/Julian Stähle

Zahlen für Brandenburg - Fast jeder fünfte Waldbrand geht auf Brandstiftung zurück

Die meisten Waldbrände bundesweit gab es 2018 in Brandenburg - auch 2019 scheint ein brandreiches Jahr zu werden. Fahrlässigkeit ist der häufigste Grund, doch fast 20 Prozent gehen auf das Konto von Brandstiftern. Ein Landkreis sticht heraus. Von Naomi Noa Donath

Schon 277 Waldbrände hat es dieses Jahr in Brandenburg gegeben, 49 davon gehen auf Brandstiftung zurück. Das teilte der Waldbrandschutzbeauftragte des Landes, Raimund Engel, rbb|24 auf Nachfrage mit. Dabei bezieht er sich auf noch unveröffentlichte Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, welche die Daten aus den einzelnen Ländern sammelt [ble.de].

Umgerechnet bedeutet das, dass fast jeder fünfte Waldbrand in Brandenburg vorsätzlich gelegt wurde (17,7 Prozent). Bei 75 Waldbränden (27,1 Prozent) wurde die Ursache als Fahrlässigkeit eingeordnet. 27 Waldbrände (9,7 Prozent) lassen sich auf Blitzeinschläge zurückführen. Blitzeinschläge sind die einzige natürliche Ursache für das Entstehen von Waldbränden. Bei 126 Waldbränden (45,5 Prozent) ist die Ursache bisher noch unbekannt.

Waldbrände und deren Größe in Brandenburg im Juni 2019 (Quelle: rbb|24)
Die größten Waldbrände in Brandenburg 2019 | Bild: rbb|24

Oberhavel ist Brandstiftungs-Hochburg

Die meisten Brandstiftungen von Wäldern in Brandenburg geschehen laut Raimund Engel im Landkreis Oberhavel, insbesondere im Löwenberger Land. Dort ließen sich zwei Drittel der Waldbrände auf Brandstiftung zurückführen, sagte Engel.

2018 gab es laut Engel 512 Waldbrände in Brandenburg, davon war Brandstiftung bei 18,4 Prozent die Ursache. 2017 waren es laut Waldbrandstatistik der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung sogar 34,8 Prozent, ein Jahr zuvor 40,3 Prozent. In diesen beiden Jahren hat es jedoch deutlich weniger Waldbrände insgesamt in Brandenburg gegeben (2016: 248; 2017: 141). Auffällig aber auch hier: Zwischen 2016 bis 2018 ereigneten sich die meisten Brandstiftungen von Wäldern in Brandenburg im Landkreis Oberhavel.

Mögliche Gründe für Brandstiftung sind laut Raimund Engel Geltungsbewusstsein, destruktives Handeln oder Frustration.

Indizien: Brandbeschleuniger, Grillanzünder

Darüber, wie die Ursache eines Waldbrandes statistisch erfasst wird, entscheidet der Förster, der nach Meldung des Brandes in den Wald fährt - zusammen mit Feuerwehr und Polizei. Hinweise für Brandstiftung sind beispielsweise, wenn Brandbeschleuniger oder Grillanzünder im betroffenen Waldgebiet gefunden werden. Indizien für Fahrlässigkeit sind beispielsweise Zigarettenkippen oder Munitionsteile. Auf Truppenübungsplätzen in Brandenburg, die im Besitz der Bundeswehr sind und unter das Brandenburger Landeswaldgesetz fallen, ist aufgrund des laufenden Schießbetriebs Munition eine häufige Brandursache.

Laut Paragraf 23 des Brandenburger Landeswaldgesetzes ist es ganzjährig verboten [brandenburg.de], im Wald oder in einem Abstand von weniger als 50 Meter zum Waldrand Feuer anzuzünden, zu rauchen oder mit brennenden oder glimmenden Gegenständen umzugehen. Bei einem Verstoß gegen Paragraf 23 ist ein Bußgeld von bis zu 20.000 Euro möglich. Dem Waldbrandschutzbeauftragten Engel sei kein Fall bekannt, bei dem die vollen 20.000 Euro bezahlt werden mussten. Ein Bußgeldbereich zwischen 500 und 5.000 Euro sei für das Zündeln im Wald aber üblich.

Viele Verfahren werden eingestellt

Das Herbeiführen von Brandgefahr gilt als Straftatbestand (Paragraf 306f im Strafgesetzbuch; StGB). Dem Verursacher droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. Häufig gebe es aber keine weiteren Anhaltspunkte für ein Strafverfahren. Dann würde die Polizei oder die Staatsanwaltschaft die strafrechtlichen Ermittlungen einstellen und den Fall an die Forstbehörde zurückgeben, so Engel. Dann greift das Landeswaldgesetz.

Brandenburg verfügt über eine Waldfläche von rund 1,1 Millionen Hektar. Das entspricht 37 Prozent der Landesfläche.

Sendung: Brandenburg aktuell, 03.07.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Stimmt. Nur leider wird solch eine Missachtung dennoch oft gedankenlos ausgeführt. In Kalifornien übrigens wird solch ein Vergehen mit 1000 Dollar geandet, wer dabei erwischt wird. Aber gut, die haben auch an jeder Ecke Polizeistreifen zu stehen.

  2. 3.

    Eine sehr traurige Bilanz und noch trauriger macht es mich wenn man dann irgenwo liest das es sich bei den Brandstiftungen als Täter um angehende Feuerwehrleute handeln soll oder ehemalige Feuerwehrleute.
    Da ist doch was im Gehirn falsch gestrickt. Denn so viele Brände können ja meiner Meinung nach nicht durch weggeworfende Zigaretten entstehen aber weiss das schon.

  3. 1.

    So wie auf dem Bild zum Artikel. Wo man hinguckt, nur Nadelhölzer. Ist doch fast schon hausgemacht. Und dann wundert sich der Mensch über die hohe Waldbrandgefahr. Da reicht schon eine aus dem Auto herausgeschmissene Zigarette und schon passierts. Mir tun schon all die Feuerleute leid, die tagaus, tagein nur mit diesen Bränden zu tun haben. Ach ja und ein Schelm, der böses dabei denkt. Klar, die Nadelhölzer sind ja in Brandenburg Nutzwälder. Dienen einige wenige dort zur Gewinnmaximierung.

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