Munitionsbelastetes Gebiet - Ehemaliger Truppenübungsplatz in Jüterbog brennt

Do 25.07.19 | 23:32 Uhr
  11
Brand Truppenübungsplatz Jüterbog (Quelle: NonStopNews)
Video: rbb|24 | 25.07.2019 | NonStopNews | Bild: NonStopNews

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Jüterbog brennt es. Das munitionsverseuchte Gebiet darf von den Einsatzkräften nicht betreten werden. Das erschwert die Löscharbeiten - doch über die Nacht erwartet die Feuerwehr eine Verschnaufpause.

Hinweis: Dieser Artikel wird nicht mehr aktualisiert. Die neuesten Entwicklungen zum Waldbrand bei Jüterbog finden Sie hier.

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Keilberg in Jüterbog (Teltow-Fläming) ist am Donnerstagnachmittag ein Feuer ausgebrochen. Wie der Landkreis mitteilte, waren die Freiwilligen Feuerwehren Jüterbog und Niedergörsdorf im Einsatz, um die Flammen unter Kontrolle zu halten. Demnach wütete das Feuer in der "roten Zone", die als munitionsbelastetes Gelände gilt. Es brenne auf einer Fläche von 32 Hektar, sagte Joachim Wasmansdorff, Ordnungsamtsleiter und stellvertretender Bürgermeister von Jüterbog, am Abend. Menschen seien zuletzt nicht gefährdet gewesen.

50 Feuerwehrleute im Einsatz

Über die Nacht erwarte er eine Beruhigung des Feuers durch die Windstille und die höhere Luftfeuchtigkeit. Von den geräumten Wegen und den Waldbrandschutzstreifen aus halten die Einsatzkräfte den Waldrand feucht, um ein Vergrößern des Feuers zu verhindern. Am späten Donnerstagabend wurden diese Schutzstreifen noch einmal nachgezogen. Vorläufig breiteten sich die Flammen zur Nacht hin nicht weiter aus. "Morgen, wenn die Sonne aufsteigt, wird der Brand wieder angefacht und wir werden weiter sehen", sagte Wasmansdorff am Abend. Im Laufe des Freitagvormittages sollen dann wieder zwei Löschhubschrauber zum Einsatz kommen.

Seinen Angaben zufolge waren zehn Tanklöschfahrzeuge und fünf Löschfahrzeuge im Einsatz. Gut 50 Feuerwehrleute könnten das Feuer nur von den Wegen aus bekämpfen, die von Munition beräumt wurden. "Sie benetzen sie mit Wasser. Wir hoffen, dass das Feuer dann nicht durchbricht", sagte der Ordnungsamtsleiter. "Ansonsten sind uns die Hände gebunden."

Unterirdische Munition aus 180 Jahren

Für einen Löschhubschrauber war am Abend ein flexibler Tank mit rund 25.000 Liter Wasser aufgebaut worden. Bis 21:00 Uhr sollte laut Wasmandorff aus der Luft gelöscht werden. "Ab 22 Uhr werden die Feuerwehrkräfte dann erstmal abziehen." Unwägbar seien aus jetziger Sicht die Winde, die den Weg des Feuers beeinflussen könnten. "Das Feuer kommt heute noch nicht bis zum Ortsteil Altes Lager, für morgen können wir das aber noch nicht sagen", sagte Wasmansdorff dem rbb am Donnerstagabend und gab damit vorerst Entwarnung für die Anlieger.

Da in dem betroffenen Bereich Kampfmittel vermutet werden, konnten die Einsatzkräften ihn nicht betreten. Dieser Umstand erschwerte die Löscharbeiten erheblich, da die Feuerwehr nicht bis zum Brandherd vorrücken konnte. "Hier liegt Munition aus 180 Jahren teilweise unterirdisch", so Wasmansdorff gegenüber dem rbb-Nachrichtenmagazin Brandenburg aktuell.

Anweisungen der Regionalleitstelle

"Um 14:08 Uhr haben wir die erste Meldung von einem optischen Sensor gekriegt, der die Waldbrandfrüherkennung durchführt", sagte Raimund Engel, Waldschutzbeauftragter des Landes Brandenburg, bei radioeins. Mitten auf dem Platz Jüterbog West habe der Sensor eine Rauchentwicklung gemeldet. "Es hat nur wenige Minuten gedauert, bis sich diese kleine Rauchentwicklung ausgeweitet hat." Engel ging am Abend davon aus, dass wieder etliche Hektar mitten auf dem Truppenübungsplatz in Flammen stehen.

Rund um den Ex-Truppenübungsplatz Keilberg kam es zu einer starken Rauchentwicklung und Geruchsbelästigung. Das Land Brandenburg hatte am Donnerstag eine Gefahreninformation herausgegeben. Auf Facebook veröffentlichte die Feuerwehr Jüterbog Fotos [externer Link], auf denen eine graue Rauchsäule und Löschfahrzeuge zu sehen sind.

Die Regionalleitstelle gab eine amtlichte Gefahrenmeldung heraus und teilt mit:

- Schalten Sie Rundfunk und Fernsehen an.
- Informieren Sie sich über alle verfügbaren Medien.
- Bitte schließen Sie sofort Fenster und Türen.
- Schalten Sie Lüftungs- und Klimaanlagen ab

1.000 Meter bis zur Gefahrenzone

Wegen der Gefahr durch Munitionsreste konnte des Gebiets nur mit einem Hubschrauber überflogen werden. Die Feuerwehrleute am Boden unterstützten die Kräfte in der Luft mit Wasserentnahmestellen. Zudem benetzten sie die Waldwege, um eine Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Dabei müssen sie allerdings einen Mindestabstand von 1.000 Metern zur Gefahrenzone einhalten.

Bereits Anfang Juni hatte es auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz gebrannt. Zu diesem Zeitpunkt waren 744 Hektar betroffen - circa 1.000 Fußballfelder. Das Feuer konnte erst nach einer Woche gelöscht werden. Es war der größte Waldbrand in Brandenburg bislang.

Sendung: radioeins, 25.07.2019, 22:30 Uhr

11 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 11.

    Das Geschrei und die Panik wird kommen. Diejenigen, die hier am krassesten das Köpfchen im Sand haben weinen doch oft schon rum, wenn es um ihr geliebtes Auto geht^^ Bin ja gespannt wann diejenigen begreifen, dass das alles weder normal, noch zu reparieren ist, was jetzt schon krankt. Es hilft nichts zu erklären, manche begreifen erst, wenn sie selber fühlen. Wie bei trotzigen Kindern^^

  2. 10.

    Aua. So viel Wolkenkuckucksheim läßt mich erschaudern. Viel Spaß dann noch in Ihrer Welt.

  3. 9.

    Für die Erde ist das ein Pups in ihrer Zeitrechnung. Sie wird eben Mal wieder wärmer oder kälter, mit oder ohne Menschen, Äquator verschiebt sich oder die Pole. Nur der Mensch nervt dabei son bisschen...

  4. 8.

    Völlig normal, dass die halbe Welt abbrennt...dass die Grundwasserspiegel...dass die Böden verdorren...dass Flüsse austrocknen...dass die Ernten der Bauern und Obstbauern schon jetzt mindestens 1/3 für die Tonne sind... Polarkappen...verhungernde Eisbären...brennende Arktis...völlig normaaal??? Von welchem Planeten reden hier alle? Ich von der Erde...

  5. 7.

    Dann kann man den Bereich ja gleich frei von Munition machen, wenn alles nieder gebrannt ist.

  6. 6.

    Also ich lebe schon einige Jahrzehnte hier, und finde Waldbrände dieses Ausmaßes nicht normal. Sommer hin oder her. (Ich bin aufgewachsen im heutigen Amt Peitz). Ich frage mich eher: wann endlich werden unser Wälder von der Munition beräumt? Und warum sorgt da nicht der Bund dafür? Schließlich gehörten die Armeen seit 1871 zum gesamtdeutschen Staat. Und auch die massive Munitionsverseuchung um Berlin hat damit zu tun, dass Berlin Reichshauptstadt war und bombardiert wurde. Und nicht damit, dass die Stadt Oranienburg sich was zuschulden kommen ließ und noch hundert Jahre später eben schauen muss, wie sie damit klar kommt.

  7. 5.

    Mussten die Sowjets eigentlich auf diesen Übungsplätzen rumlaufen/fahren? Sind sie reihenweise in die Luft geflogen? Sonst dürften wir ja dort rumlaufen. Und wann will man dort räumen (wer, und wer bezahlt? Vielleicht der Prinz von Preußen..)? Offenbar brennt es ja vornehmlich auf Truppenübungsplätzen. Gibt es seitens Behörden ein Projekt, diese Gefahren zu beseitigen?

  8. 3.

    Ist nur eine Frage der Zeit bis die Lieberoser Heide wieder brennt.....

  9. 2.

    Ist halt Sommer.

  10. 1.

    Ist jeden Sommer so, alles normal.

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren