Menschen geniessen die Sonne am Goerlitzer Park in Berlin. Quelle: imago/Emmanuele Contini
Bild: imago/Emmanuele Contini

Falafel statt Marihuana - Imbisse sollen Dealer von Görli fernhalten

Der Bezirk Kreuzberg will Imbissstände in den Görlitzer Park holen und unter anderem an den Eingängen zum Park platzieren. Der Parkrat hofft, dass die Mini-Gastro auch den Drogenhandel vertreibt und den Görli für Familien attraktiver macht. Von Roberto Jurkschat

Im Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg soll es bald einen Falafelstand geben, dazu einen Kaffeewagen und eine fahrbare Eisbude. Die Mini-Gastro soll unter anderem an den Eingängen des Parks platziert werden - dorthin, wo Besucher derzeit noch durch ein regelrechtes Spalier von Drogenhändlern hindurchlaufen. Das bestätigte die Bezirksverwaltung Kreuzberg-Friedrichshain am Dienstag, zuvor hatte die "B.Z." über die Pläne berichtet.

Ob der Bezirk damit die Absicht verfolgt, gegen den Drogenhandel im Park vorzugehen, ließ Bezirkssprecherin Sara Lühmann am Dienstag offen: "Wir gestalten den Park für die Nutzer, Mütter mit Kindern, Familien, Spaziergänger, Menschen, die ihre Hunde ausführen."

Parkrat Görli: Idee wurde "sehr kontrovers" diskutiert

Verantwortliche des "Parkrats Görli" äußern sich da schon eindeutiger: Die Stände sollen "die Dominanz des Drogenhandels" insbesondere in den stark frequentierten Eingangsbereichen des Parks einschränken, heißt es auf seiner Internetseite des Parkrats. Dazu sollten erst einmal Händler-Lizenzen für einen gewissen Testzeitraum vergeben werden. Die Verkaufsstände sollten strategisch an den Eingängen Falckensteinstraße/ Lübbener Straße, sowie Glogauer Straße/ Forsterstraße aufgestellt werden, ein Stand ist in der Nähe des Cafe Edelweiß vorgesehen.  

Der Parkrat habe die Idee "sehr kontrovers" diskutiert, weil das Gremium eigentlich eine "weitere Kommerzialisierung" des Parks vermieden wolle. Gleichzeitig sei die Situation an den Eingängen bereits stark vom Drogenverkauf geprägt, was manche Besucher davon abhalte in den Park zu kommen. "Also", schreibt der Parkrat, "warum der Sache nicht eine Chance geben?"

Der Versuch, den Drogenhandel im Park zu verlegen, ist nicht neu. Zuletzt hatte der Parkmanager mit einer Idee bundesweit für Aufregung gesorgt. Provisorisch waren mit rosa Farbe Stehplätze für Dealer markiert worden. Besucher sollten weniger gestört werden und nicht mehr durch ein Spalier laufen müssen. Das Bezirksamt hatte den Vorstoß als temporär und nicht abgestimmt zurückgewiesen.

Keine rosa Kästchen für die Dealer

Sprecherin Lühmann sagte nun, die Kästchen-Idee werde nicht weiter verfolgt. Die Bekämpfung der Kriminalität sei Aufgabe der Polizei. Seit langem wird darum gerungen, den durch offenen Drogenhandel in Verruf geratenen "Görli" attraktiver zu machen. Die Grünfläche liegt in der Nähe der Ausgeh- und Partymeilen des Bezirks.

Die mobilen Stände werden nun ausgeschrieben, Händler können sich danach mit ihren Konzepten bei dem Bezirk bewerben. Wann der Verkauf schließlich losgehen kann, blieb offen. "In diesem Sommer wird es nichts mehr werden", sagte Lühmann. Laut Bezirksamt ist das Café Edelweiß im Park seit einem Jahr geschlossen und "massiv sanierungsbedürftig". Für die Gastronomie soll das Vermeiden von Müll verbindlich festgelegt werden. "Kaffee in Einwegbechern wird es nicht geben", sagte die Sprecherin.

Beitrag von Roberto Jurkschat, rbb|24

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25 Kommentare

  1. 25.

    Bin immer sehr neugierig auf Street-Food u.ä. Kram und echt gespannt, ob es auch die krassen Space-Cakes wie in den Niederlanden geben wird, dann haben auch all diese geplagten Passiv-Raucher endlich ihren Frieden.

  2. 24.

    ich höre immer wieder, dass die Dealer dealen MÜSSEN, um irgendwelche obskuren Schulden abzuarbeiten. Oder ener hat mal tatsächlich den Vorschlag gemacht, den Dealern Geld zu geben, damit sie die Leute nicht belästigen. beknackt

  3. 23.

    "Wenn Du nix kaufen willst, dann verpiss Dich!" - hört man gerne als Anwohner

  4. 22.

    Thüringer Rostbratwurst, irgend was Deftiges wäre nicht schlecht!

  5. 21.

    Ihr Vorschlag macht Sinn. Es wird nicht mehr Parks und kleine Naherholungsgebiete geben, aber jedes Jahr 40.000 mehr Berliner. Wer im Park zur Toilette muss, steht dumm da. Leider stinken auch unsere kleinen Anlagen bis zum Himmel. Mehr Menschen, mehr Hunde, mehr Kot und Urin. Sobald die Sonne scheint heißt‘s Nase zuhalten. Auch eine Zumutung, aber hier nicht das Thema. Im Görlitzer Park müsste ein völlig neues Konzept her. Wer mag denn bei solchen Zuständen da entspannt Stunden mit seinen Kindern verbringen? Im Central Park in N.Y. haben sich irgendwann „Zonen“ entwickelt. Dort wo Obdachlose, Dealer usw. aufhalten, dagegen die Bereiche, wo die Normalos entspannen, joggen, picknicken. Das wird weitgehend respektiert und eingehalten. Dafür ist der Görli aber zu klein und die Strenge des Gesetzes fehlt. Döner&Co. werden die Situation gewiss nicht sonderlich verbessern.

  6. 20.

    viel wichtiger als kommerzielle Imbissbetreiber sind endlich die Errichtung von Toiletten. Gastronomie und Späti's gibt es in den Anliegerstraßen Wiener Str. + Görlitzer Str. zu Hauf. Der Park wird immer voller und den Leuten bleibt nur die Alternative sich in die Büsche zu schlagen um ihr Geschäft zu verrichten. Und das sind sehr, sehr viele. Im Sommer stinkt es unerträglich und was den Grünanlagen damit angetan wird ganz zu schweigen. Ich kann das als Anwohnerin sehen und vor allem riechen. Aber in solch einer Dunstglocke wird der Döner ja vielleicht noch leckerer. Pfui!

  7. 19.

    Und die Döner- Eis und Falafelstände sind für Dealer das, was für den Teufel das Weihwasser ist? Oder wie erklärt sich diese doch recht merkwürdige Idee? Warum um Himmels Willen sollten die Dealer denn weichen, wenn sich da ein Dönerstand aufbaut? Im Gegenteil, mehr Kunden beim Dönermann, mehr potentielle Kunden für ihn.
    Aber die Sinnhaftigkeit bunten Kreise in der Bergmannstraße konnte ja bisher auch nicht erklärt werden.

    Doch gaaanz wichtig ist, das die Gastronomen sich mit einem Konzept bewerben und Müllvermeidung die Voraussetzung ist. Keine bösen Einweg-Kaffeebecher. Die Exkremente, Spritzbestecke, etc. sind dann mal nicht so schlimm.

    Da kriegt man vor lauter ungläubigem Kopfschütteln ein Schleudertrauma.

  8. 18.

    Auf der einen Seite die appetitanregenden Drogen, auf der anderen Seite der Imbissstand, klingt eigentlich nach einer sehr cleveren Idee.

  9. 17.

    RRG ist so an seiner Klientelpolitik verbissen, das solch wirren Ideen entstehen.

  10. 16.

    Die "öffentliche Hand" kapituliert. Kommerzielle Kräfte sollen die Situation stabilisieren.
    Dann macht das Gelände doch mal nachhaltig klar und überlässt es einem führenden Möbelmarktunternehmen, die halten das Gelände Dealerfrei und bieten zusätzlich einen drogenfreien Indoor-Spielplatz an.
    Das Kundenrestaurant soll die Auflage erhalten nur vegan zu kochen und aufs Dach müssen zwei bemooste Windkraft-Propeller, damit die Kreuzberger Mischung stimmt.




  11. 15.

    Vielleicht holen sich unsere Politiker da selber ihren Stoff, langsam wird es lächerlich. Von markierten Stellen wo se dealen dürfen und jetzt diese Imbissidee. Unfassbar.

  12. 14.

    Falls das mit den Imbissen als Vergrämungsmittel nicht funktioniert, könnte man es vielleicht mit Stoppschildern versuchen, vielleicht bekommen die davor mehr Angst. Das dauerhafte Abspielen von Marschmusik könnte auch funktionieren. Einen Versuch ist es doch wert, probiert man doch hier medienwirksam so ziemlich aus, was keinen Erfolg verspricht. Nur ein wirklich hartes Durchgreifen nach dem Text des Gesetzes scheint ausgeschlossen.

  13. 13.

    Aus den Kommentaren des Artikels zum Sonntagsverkauf in Spätis habe ich gelernt, dass der Dönermann nicht vom Döner lebt, sondern von Drogen. Also nicht Alk, sondern anderes. Insofern ein stimmiges Konzept für den Görli.

    Mal was für Nostalgiker: wisst ihr noch, wie es 88 oder 90 dort aussah? War da nicht ein übergroßer AGFAH Schriftzug auf einer Brandmauer? Tote Gleise?

  14. 12.

    Gibt es noch den Tunnel zwischen Wiener und Görlitzer Straße?

  15. 11.

    Hey, ich bin mäßig begeistert. Ich gehöre nicht zu den Senats-Bashern, aber langsam wird es gruselig. Döner gegen Dealer? Yeahhh...ich schnapp mir dann meine Kinder und mach mir 'nen super Tag zwischen Hunden, Imbissen und Dealern. Im Ernst: Die Dealer müssen weg. Tut was. Egal wie. Ihr müsst endlich im Sinne von uns Bürgern handeln. Dieser "Plan" ist die absolute Lachnummer.

  16. 10.

    1x Döner mit Kokssauce bitte!!! Ick gloob, ick spinne!!! Wo leben wir eigentlich????????

  17. 9.

    Da hilft nur eine Null Toleranz Strategie ohne wenn und aber, aber mit der Grünen Bezirksbürgermeisterin Frau Herrmann lässt sich so etwas nicht durchziehen.

  18. 8.

    Ja, genau! Nachdem die Polizei kein wirksames Konzept finden durfte, schicken wir jetzt die Familien in den Park!
    DAS wird die Dealer das Fürchten lehren. Und auf den Schreck dann gleichmal n Döner...

  19. 7.

    Wie wäre es mal zur Abwechslung mit konsequenter Strafverfolgung statt wirrer Ideen.

  20. 6.

    Ob man am Gammelfleisch oder an den Drogen kaputt geht, ist im Görli doch eh egal!

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