Dichter Rauch und Flammen stehen über dem Gesellschaftshaus an der Regattastraße in Grünau. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: rbb|24 | 16.07.2019 | Bild: dpa/Paul Zinken

Brand gelöscht - Polizei vermutet Brandstiftung bei "Riviera" in Grünau

Vermutlich hat jemand das Feuer in dem denkmalgeschützten Gebäudeensemble "Riviera" in Berlin-Grünau gelegt - davon geht die Polizei aus. Das Gebäude stand in der Nacht in Flammen und ist teilweise eingestürzt. Inzwischen ist der Brand gelöscht.

Das Feuer in einem Gebäude des denkmalgeschützten Gebäudeensembles "Riviera" in Berlin-Grünau ist vermutlich gelegt worden. Zwei Verdächtige im Alter von 20 Jahren wurden vorübergehend festgenommen, teilte die Polizei am Dienstag mit. Die mutmaßlichen Brandstifter wurden wieder auf freien Fuß gesetzt, gegen sie wird aber weiter ermittelt.

Der Brand sei inzwischen gelöscht, sagte Dominik Pretz, Sprecher der Berliner Feuerwehr rbb|24, am Abend. Gegen 17:30 Uhr habe das letzte Löschfahrzeug den Ort verlassen. Er werde aber weiterhin kontrolliert, um ein Wiederaufflammen zu verhindern. Es könne auch noch immer zu Rauchentwicklung kommen. Bis zum Schluss habe nur von außen gelöscht werden können. Das Gebäude sei noch immer akut einsturzgefährdet. 

In der Nacht zu Dienstag war im Dachstuhl des seit der Wende leerstehenden Ausflugsrestaurants "Gesellschaftshaus Grünau" an der Dahme ein Brand ausgebrochen. Die Flammen waren laut Polizei gegen 2.40 Uhr entdeckt worden. Der rund 800 Quadratmeter große Dachstuhl stand in Flammen, sagte Pretz am Dienstagmorgen dem rbb. 

"Haus Riviera" in Berlin-Grünau brennt
Das denkmalgeschütze Gebäudeensemble Riviera steht in Flammen. | Bild: Morris Pudwell

Einsturz im Inneren

Am Vormittag twitterte die Feuerwann dann, das Gebäude in der Regattastraße sei im Innern bis in das Erdgeschoss wegen des Brandes eingestürzt. Es stehen nur noch die Fassaden. Das frühere Ausflugslokal ist vollständig ausgebrannt.

Am Vormittag waren laut Feuerwehr noch 40 Kräfte damit beschäftigt. Zwischenzeitlich waren demnach 70 Rettungskräfte im Einsatz. Benachbarte Gebäude konnten geschützt werden, verletzt wurde niemand. Es war aber eine starke Rauchentwicklung zu beobachten. Wegen des Windes zog der Rauch Richtung Köpenick und Müggelheim, so Pretz.

Feuerwehreinsatz bei der Riviera in Grünau. (Quelle: rbb/M. Bartsch)
Laut Feuerwehr stehen von dem ehemaligen Ausflugsrestaurant nach dem Brand nur noch die Fassaden. | Bild: rbb/M. Bartsch

Investor sieht Baubeginn im Herbst nicht gefährdet

Im Vorfeld des Feuers beim Haus Riviera habe es in der Nacht kurz zuvor mehrere kleine Brände in der Umgebung gegeben, so Pretz. Sechs Müllcontainer, ein Papiercontainer und ein Altkleidercontainer standen in Flammen und wurden von der Feuerwehr gelöscht. Auch in diesen Fällen vermutet die Polizei Brandstiftungen der 20-jährigen Männer.

Gegenüber dem "Tagesspiegel" sagte Investor Michael Held, Vorstandsvorsitzender der Terragon, er sehe die Vollendung des Bauprojektes durch die Brände nicht gefährdet. Nach einem Besuch vor Ort sei er zuversichtlich, dass es beim geplanten Baubeginn im Herbst bleibe. Held sagte laut der Zeitung auch, dass die die denkmalgeschützten Ausflugsgaststätten Riviera und Gesellschaftshaus beim Bau der Seniorenresidenz auf jeden Fall erhalten bleiben sollen, ebenso wie ein öffentlich zugänglicher Weg am Ufer der Dahme.

60 Millionen Euro für Luxus-Wohnungen

Die Gaststätte Riviera wurde um 1895 errichtet und galt nach Angaben der Stadt als besonders reich ausgestattetes Lokal mit Saalbau. Seit Jahren standen die Gebäude leer und verfielen.

Zuletzt gab es Pläne, das über hundert Jahre alte Gebäude zu einer Luxus-Residenz für Senioren auszubauen. Die Terragon AG hatte im Dezember von einem Investitionsvolumen von rund 60 Millionen Euro gesprochen, mit dem 212 "hochwertige Eigentumswohnungen" in insgesamt vier neuen Gebäuden errichtet werden sollten.

Das jetzt abgebrannte Gesellschaftshaus sollte eigentlich saniert und umgebaut werden. Restaurator Ulrich Schneider war vom Denkmalschutz beauftragt worden, die Substanz der beiden historischen Gebäude zu untersuchen. Die Fertigstellung aller Gebäude des Riviera-Projektes war für Ende 2020 geplant.

Anwohner protestieren gegen die Pläne. Sie wollen, dass die denkmalgeschützten Häuser wieder Ausflugslokal und Veranstaltungsort werden. Eine Initiative hatte dafür Unterschriften gesammelt.

Riviera Berlin

Sendung: Inforadio, 16.07.2019, 6.20 Uhr

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22 Kommentare

  1. 22.

    Ohne Vorurteile schüren zu wollen: Darf man fragen, woher die Verdächtigen kommen? Ich kam am Nachmittag nach Hause in Grünau und habe 2 ortsunkundige Personen gesehen, die auf ihr Handy starrend, ohne Ortskenntnis, Richtung Riviera gelaufen sind... Mag ja nichts heißen....

  2. 21.

    Sie haben Recht. Es gab Proteste. Auch wenn ich da wohne, habe ich nicht unterschrieben. Nach dem viele Jahre langen Versagen der Politik war ich einfach froh, dass da was passiert. Von einem "Biergarten" bin ich nie ausgegangen. Dafür gibt es immer noch "Hanffs Ruh"... :)

  3. 20.

    Passt gut auf das Riviera auf!

  4. 18.

    Das Gesellschaftshaus ist abgebrannt. Die Riviera war / ist das Haus daneben.

  5. 17.

    ... wobei die Eignung eher eine im Fluss seiende Empfindung ist. Objektiv ist das auf jeden Fall nicht.

    Im Zeitalter überbordender Automobilisierung, so will ich es mal nennen, galt (und gilt) derjenige als Hinterwäldler, der nicht ein Ausflugsziel mindestens über 100 km Entfernung aufsucht. Deshalb haben solche Liegenschaften wie die Gaststätte Riviera in Grünau und ein Teil der Höhengaststätten in Werder/Havel kaum ihr Publikum. Auf jeden Fall nicht so viel, dass sich eine umfassende Restaurierung lohnen würde.

    Wenn sich Menschen frei machten von solchen gesellschaftlichen Zwangsjacken, könnte es schon auch anders kommen.
    Wäre das nun ein frommer Wunsch, eine Rückschrittlichkeit gar, wo doch die Steigerung eines schon sowieso Übersteigerten als Handlungsmaxime schlechthin gilt? Oder ist die Revitalisierung von zuvor öde gefallenen Stadtzentren nicht ein Gegenbeispiel dafür, dass Änderungen sehr wohl vonstatten gehen können?



  6. 16.

    Kann sein, dass die Investoren jetzt Geld sparen, was aber durch die Verzögerung und Sanierung der ausgebrannten Gebäudehülle wieder aufgebraucht würde. Terragon ist m.E. aber auch als seriöser Investor bekannt.

    So steht's im Artikel: "Anwohner protestieren gegen die Pläne. Sie wollen, dass die denkmalgeschützten Häuser wieder Ausflugslokal und Veranstaltungsort werden". Bei uns in Grünau wurde auch jahrelang und teilweise heftig über die Nutzung diskutiert. Ich hätte auch gerne einen Biergarten in der Nähe. Aber die Ausflugskarawane ist nun mal schon lange an geeignetere Orte umgezogen.

  7. 15.

    Der spekulative "warme Abriss" macht schon Sinn, da Dekmalschutzauflagen einzuhalten sind. Doch wenn natürlich kein Haus mehr da ist, hat es sich damit erledigt. Und das hier jemand eine Ausflugsgaststätte zurück möchte, kann ich aus den Beiträgen nicht ersehen.

  8. 14.

    Schon merkwürdig, Es gab jedoch einem Bericht zufolge am 24.06. einen Verkaufsdeal, mit der Verpflichtung der Fertigstellung. Dann macht ein "warmer Abriss", so wie hier ins Blaue hinein spekuliert wird, überhaupt keinen Sinn.

    https://www.onvista.de/news/dgap-news-terragon-ag-aachener-grundvermoegen-erwirbt-projekt-riviera-der-terragon-ag-per-forward-deal-deutsch-246959539

    Für die Grünauer kündigt sich hoffentlich nicht weiterer Stillstand auf dem Gelände an. Nachdem nun beinahe dreißig Jahre vergangen sind, machen ein paar Monate mehr oder weniger den Kohl allerdings auch nicht fett.

    Unabhängig davon ist das Bauprojekt interessant. Es kann mir kein Grünauer erzählen, dass dort mitten im Wohngebiet lieber wie Anno Zopf eine Ausflugsgaststätte mit mehren tausend Plätzen entstehen soll, bei der dann im Sommer an jedem Wochenende der Verkehr zusammenbricht, alles zugeparkt und zugemüllt ist und die Anwohner mit Blasmusik bis rüber nach Wendenschloss beglückt werden.

  9. 12.

    Meine persönliche Empfindung:
    Die Wahrscheinlichkeit, dass hier ein brennendes Interesse nach noch weitgehenderer Baufreiheit besteht, ist jedenfalls größer als null.

  10. 11.

    Auf dem Gelände entsteht eine Gebäude Ensemble für Senioren in gehobener Preislage.Wohne ums Eck.Gestern las ich noch über 10 Ecken online das der Baustart Ende des Jahres beginnt.Platz für viel Spekulationen...ich denk mir mein Teil.

    https://mobil.berliner-zeitung.de/berlin/ehemalige-ausflugslokale-in-gruenau-entstehen-208-neue-wohnungen-fuer-senioren-31920318

  11. 10.

    Man muss doch kein Prophet sein! Die Sache stinkt doch zum Himmel und damit meine ich nicht den Qualm des Brandes.

  12. 9.

    Es wurden bisher nur Bäume gefällt und Gerümpel entsorgt. Die eigentlichen Arbeiten haben noch nicht begonnen (ich wohne 5 Minuten von dort entfernt).

  13. 8.

    So einfach geht das! Es hatten im Februar Sanierungsarbeiten begonnen, die seit einigen Wochen plötzlich stillstehen und jetzt brennt das Gebäude auch noch zufällig ab und stürzt zusammen.
    Leider schon lange kein Einzelfall mehr bei historischen Gebäuden an Köpenicks Wasserlagen. Mich macht es wütend!

  14. 7.

    Damit hat sich wohl der jahrelange Streit um die denkmalgerechte Sanierung erledigt.

  15. 6.

    schöner "warmer" Abriss--------

  16. 5.

    Das es so oder so ähnlich passieren musste war zu erwarten. Nun können endlich gesichtslose Bauten in bester Lage für zahlungskräftige Mitbürger entstehen. Berlin wird immer schöner!

  17. 4.

    Es werden Wetten angenommen, wie schnell Luxuswohnungen auf dem Gelände errichtet werden.

  18. 3.

    Ich bin etwas irritiert... Hatte der rbb nicht selbst schon berichtet, dass ein Investor dort mit Bauarbeiten begonnen hatte? Stichwort Seniorenresidenz und Tagungsräume?

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