Holzmarkt, Holzmarktstrasse, Friedrichshain, Berlin, Deutschland (Quelle: dpa)
Audio: rbb 88,8 | 26.07.2019 | Michael Ernst | Bild: dpa

Friedrichshain-Kreuzberg - Holzmarkt-Neustart ohne Holzmarkt-Genossenschaft geplant

Seit Jahren wird um das Holzmarkt-Gelände in Berlin-Friedrichshain gestritten, eine Lösung war lange nicht in Sicht. Jetzt prischt der Bezirk vor: Ein kompletter Neustart soll neue Partner an Bord holen - und die bislang beteiligte Genossenschaft links liegen lassen.

Nach jahrelangem Streit und Stillstand bei der Planung des Wohn- und Kreativprojekts Holzmarkt in Berlin-Friedrichshain soll es einen kompletten Neustart geben - und zwar ohne die bisher beteiligte Genossenschaft. Das hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg am Freitag mitgeteilt [berlin.de].

Demnach sollen in den dort geplanten Hochhäusern bezahlbare Wohnungen vor allem für Studenten und ein Gründerzentrum entstehen. Der Gewerbeanteil soll dabei bei rund zwei Dritteln liegen. Als mögliche Partner sieht der Bezirk unter anderem eine Universität und eine städtische Wohnungsbaugesellschaft.

Genossenschaft nicht mehr beteiligt

"Der Holzmarkt ist nicht mehr direkt an der neuen Projektentwicklung beteiligt", erläuterte Bezirksstadtrat Florian Schmidt (Grüne) den neuen Stand. Man wolle jedoch Belange der Genossenschaft, die nebenan bereits ein Areal mit Wohnungen, Büros, Gastronomie und Kreativangeboten betreibt, dabei berücksichtigen. "Insbesondere soll eine Nutzung des Areals nicht den Betrieb des Holzmarkts oder des geplanten Gästehauses einschränken", sagte Schmidt weiter. Dazu werde es eine enge Abstimmung mit den Betreibern geben.

In der Genossenschaft engagiert sich unter anderem der Filmemacher Tom Tykwer ("Babylon Berlin"). Die von ihr mitgetragene Eckwerk Entwicklungs Gmbh erklärte, die von Schmidt angekündigten Pläne seien nicht neu. Man begrüße aber, dass das Bezirksamt nun dahinter stehe und das Projekt realisieren wolle. Allerdings: Wegen anhaltender Rechtsstreitigkeiten, etwa um eine vom Bezirk bislang abgelehnte Millionenentschädigung für Planungsleistungen, "kann eine Befriedung des Konflikts leider noch nicht bestätigt werden", so ein Eckwerk-Sprecher.

Entwicklungsvertrag soll Ende 2019 kommen

Eigentümer des nun zur Rede stehenden Geländes an der Ecke Holzmarktstraße/An der Michaelbrücke ist die Schweizer Abendrot-Stiftung. Zunächst hatte sie es 2012 der Holzmarkt-Genossenschaft per Erbpacht überlassen, allerdings musste diese wegen der Verzögerungen bei den Planungen vor geraumer Zeit aus finanziellen Gründen passen. 

Geplant war, Räume für bezahlbares Wohnen, Start-up-Unternehmen, Begegnung und kreative Szene zu schaffen. Allerdings bekam die Genossenschaft für ihr Hauptprojekt, das "Eckwerk" - mehrere innovative Holzhochhäuser - aus unterschiedlichen Gründen kein Planungs- und damit Baurecht, so dass das Projekt letztlich scheiterte.

Landeseigene Wohnungsbaugesellschaft soll mitwirken

Jetzt soll das Gelände laut Bezirksamt in Erbbaurecht an eine Projektgemeinschaft gehen, die "Projektentwickler, Erbbaurecht-Nehmer, Finanzierungspartner und Betreiber" umfasse. "Vorzugsweise soll eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft als Partnerin Teil des Konsortiums sein", hieß es.

Die Stiftung führe derzeit Gespräche mit geeigneten und interessierten Partnern. Für Ende des Jahres sei die Unterzeichnung einer Entwicklungsvereinbarung geplant.

Nachhaltige Materialien sollen verbaut werden

"Nach den Schwierigkeiten der letzten Jahre bin ich froh, dass es nun weitergeht mit dem Gewerbe- und Wohnungsbau am Holzmarkt", sagte Schmidt. "Eine Kombination von kommunalem Wohnen und gemeinwohlorientiertem Gründerinnenzentrum wäre ein innovatives Projekt, das gut zum passt."

Realisiert werden solle das Vorhaben in einem dichten Hochhausensemble mit nachhaltigen Materialien, wie es ein früherer Beschluss des Bezirksamts vorsehe. "Ein Modellprojekt für die wachsende und sozialverträglich verdichtete Stadt darf daher erwartet werden."

Sendung: Abendschau, 26.07.2019, 19:30 Uhr

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