Besucher in den Bänken des Berliner Doms
Bild: imago/Steinach

Demografischer Wandel und Missbrauchsskandal - Kirchen in Berlin und Brandenburg verlieren weiter Mitglieder

Die beiden großen Kirchen in Deutschland verlieren weiter an Mitgliedern, auch in Berlin und Brandenburg. Die Katholische Kirche nennt vor allem den Missbrauchsskandal als Grund, die Evangelische Kirche den demografischen Wandel.

Der demografische Wandel und der gesellschaftliche Trend gegen die Bindung in Vereinen und Institutionen macht auch den beiden großen Kirchen zu schaffen. In Berlin und Brandenburg gingen auch 2018 in der evangelischen und der katholischen Kirche die Mitgliederzahlen zurück.

Eine Rolle spielte dabei die Abwanderung junger Menschen aus ländlichen Regionen, wie die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg, schlesische Oberlausitz (EKBO) am Freitag zur Veröffentlichung der Mitgliederzahlen mitteilte.

Starker Rückgang bei Protestanten

Die EKBO verzeichnete in Brandenburg im vergangenen Jahr 3.410 Austritte, 457 mehr als im Vorjahr.

Insgesamt hatte die EKBO, zu deren Gebiet außer Brandenburg auch Berlin und Teile Ostsachsens gehört, Ende vergangenen Jahres 941.145 Mitglieder. Das waren 2,2 Prozent oder 21.424 Mitglieder weniger als im Vorjahr. Zugleich wurden 396 Eintritte registriert, 130 mehr als 2017. Die Zahl der Taufen stieg um 166 auf 2.909.

Über die Zahl ihrer verstorbenen Mitglieder machten beide Kirchen keine Angaben.

Weniger Katholiken im Erzbistum Berlin

Auch das Erzbistum Berlin hat nach leichten Zunahmen in den beiden Vorjahren 2018 wieder Kirchenmitglieder verloren. Die Zahl der Austritte stieg auf 8.165 (2017: 6.635), davon die meisten in Berlin (7.056). Nur 70 Menschen traten neu in die Kirche ein.

Ende vergangenen Jahres gab es damit 408.723 registrierte Katholiken auf dem Gebiet des Erzbistums, das sich über Berlin, Brandenburg und Vorpommern erstreckt.

Die Quote der Gottesdienstbesucher lag bei 9,8 Prozent der Kirchenmitglieder, ein leichter Rückgang gegenüber 2017 um 0,6 Prozentpunkte. Die Zahl der Pfarreien blieb mit 103 stabil, davon 65 in Berlin, 30 in Brandenburg und acht in Vorpommern.

Mehr Katholiken in Brandenburg - durch Zuzüge

Nur in Brandenburg selbst wurden im vergangenen Jahr 90.208 Katholiken gezählt, 5.896 mehr als im Jahr davor. Zur Begründung wurde dabei vor allem auf die Zuzüge polnischer Katholiken und die Umzüge von Berlin in das Umland genannt. Der größere Teil Brandenburgs gehört zum Erzbistum Berlin. Spreewald und Lausitz zählen zum Bistum Görlitz. Im Bereich Oberhavel gehören wenige Brandenburger zum Bistum Magdeburg.

Deutschlandweit traten rund 220.000 Menschen aus der Evangelischen Kirche und 216.000 Menschen aus der Katholischen Kirche aus. Angaben zu den Gründen müssen beim Austritt nicht gemacht werden. Allerdings stand die katholische Kirche in Deutschland im vergangenen Jahr wieder deutlich wegen ihres Missbrauchskandals in der Kritik. Eine von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichte Studie hatte massive Missstände auch bei der Aufarbeitung des seit Jahren bestehenden Skandals offenbart.

Rund 44 Millionen Protestanten und Katholiken

Deutschlandweit verringerte sich die Zahl der in den beiden großen Kirchen registrierten Christen. Die katholische Kirche zählt nun noch 23,002 Millionen Mitglieder, über 300.000 weniger als im Jahr 2017. Die Zahl der Protestanten verringerte sich auf 21,14 Millionen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelische Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sagte dazu, jeder Austritt schmerze. Allerdings könne man sich heute anders als früher völlig frei entscheiden, ob man in der Kirche bleiben wolle. "Wir sind dankbar für die vielen Menschen, die sich heute aus Überzeugung für die Mitgliedschaft in ihrer Kirche entscheiden."

Auf katholischer Seite bezeichnete der Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, die Entwicklung als "besorgniserregend". Ein Grund für die gestiegene Zahl der Austritte sei sicher die im September veröffentlichte Missbrauchsstudie. Dadurch sei eine große Debatte ausgelöst worden. "Viele glauben uns nicht mehr, dass wir konsequent und entschlossen gegen Täter vorgehen", erläuterte Langendörfer der Deutschen Presse-Agentur.

Sendung: Inforadio, 19.07.2019, 14.00 Uhr

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38 Kommentare

  1. 38.

    HeideS, Samstag, 20.07.2019 | 17:19 Uhr:
    "Erschreckend finde ich auch, daß über 60 Prozent der bei uns lebenden Muslime die Scharia lieber hätten als das Deutsche Grundgesetz"

    Genauso erschreckend ist es, wenn ein deutscher Bundespräsident - also das höchste Staatsoberhaupt! - erklärt, ihm sei die Bibel wichtiger als das Grundgesetz: "Das wichtigste Buch, das ich kenne, ist die Bibel, denn ihr Inhalt ist heute genauso aktuell wie damals." (Horst Köhler, 2009) Dieser Bundespräsident wähnte sich wohl in einem Gottesstaat und nicht in einer Demokratie. Er war nicht besser als diese Scharia-Anhänger.

  2. 37.

    Die Bibel ist historisch wertvoll, weil sie uns sagt, was Menschen früher geglaubt haben, für die Erkenntnis der gegenwärtigen Welt aber wertlos, weil sie nichts über die reale Welt aussagt, nur etwas darüber, wie früher Menschen die Welt gesehen und gedeutet haben, auch wenn sie mit ihrer Gotteserschaffung völlig falsch lagen.

    Deshalb muss er richtigerweise heißen: Denn der Mensch schuf sich Gott nach seinem Ebenbild ... mit Eifersucht, Rachsucht und Sippenhaft (1. Gebot) etc. pp.

    Jeder kann natürlich glauben, was er will. Aber man sollte Kindern nicht Glauben als Wahrheit vermitteln und anderen nicht seinen Glauben aufzwingen. Die Christen können gern am Karfreitag auf Vergnügen verzichten, sie sollten aber nicht Anders- und Nichtgläubigen diesen Verzicht aufzwingen. In Berlin gibt es zum Glück nicht diese mittelalterlichen gottesstaatähnlichen Verbote. aber es soll Gegenden Geben, da darf am Karfreitag nicht "Das Leben des Brian" öffentlich aufgeführt werden.

  3. 36.

    Sehr gute Replik. Die Bibel ist zwar spannend wie ein guter Kriminalroman zu lesen, aber nicht sowie mir geschehen, als Junge von Geistlichen an der Volksschule regelrecht aufgezwungen wurde. Einhergehend mit Prügelstrafe verbunden.

  4. 35.

    Steffen, Berlin, Sonntag, 21.07.2019 | 10:43 Uhr:
    "Antwort auf [Immanuel] vom 21.07.2019 um 04:58
    Danke für das Offenlegen Ihrer intoleranten Gedankenwelt!"

    Toleranz gegenüber Intoleranz wäre Dummheit. Und deshalb bin ich intolerant z.B. gegenüber (christlich oder anders motivierte) Intoleranz gegenüber Homosexualität, gegenüber Gleichberechtigung der Frauen, gegenüber sexuelle Selbstbestimmung und gegenüber sexuelle Freiheiten, gegenüber Glaubensfreiheit.

  5. 33.

    "In jedem Dorf gibt es eine Fackel, den Lehrer, und jemanden, der dieses Licht wieder loescht, den Pfarrer."

    Victor Hugo

  6. 31.

    Steffen, Berlin, Samstag, 20.07.2019 | 19:35 Uhr:
    Antwort auf [Immanuel] vom 20.07.2019 um 02:18
    "Im Übrigen fußen Ihre ach so tollen atheistischen Moralvorstellungen genau auf diesem Christlichen Glauben der Nächstenliebe. Wir alle sind davon geprägt. Einfach mal drüber nachdenken!"

    Falsch! Nächstenliebe gab es schon vor dem Christentum und gibt es auch in Gegenden der Welt, wo nie ein Christ hingekommen ist.

    Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sich ohne das Christentum unsere Moralvorstellungen wie z.B. Nächstenliebe/Solidarität/Menschlichkeit nicht entwickelt hätten. Vielleicht wären wir ohne die christlichen Tabus in der Geschichte Europas moralisch schon viel weiter. Die Christen haben z.B. die Gleichberechtigung der Frauen und die Abschaffung der gesetzlich normierten Homophobie hinausgezögert.

    Außerdem verwundert mich auch das Wort "Nächstenliebe", weil es sich - im Gegensatz zur "Menschlichkeit" - nur auf die Nächsten bezieht.

  7. 30.

    Steffen, Berlin, Samstag, 20.07.2019 | 19:35 Uhr:
    "Antwort auf [Immanuel] vom 20.07.2019 um 02:18
    Jetzt aber bitte mal halblang! Ich bin selbst überzeugter Atheist, aber den christlichen Glauben als "Kinderglauben" zu bezeichnen, geht mir doch deutlich zu weit!"

    Für mich ist ein Glaube an Engel, Teufel, Hölle, Wiederauferstehung kindlich-naiv.

    Steffen:
    "Den christlichen Glauben automatisch mit Verfehlungen der Amtskirchen gleichzusetzen, ist hirnlos."

    Was ist mit dem 1. Gebot? Die Christen beten eine Figur an, die eifer- und rachsüchtig ist und der Sippenhaft anhängt. Zutiefst unsympatisch und kein Vorbild! Wer möchte sojemanden schon zum Freund haben? Denn der Mensch schuf sich Gott nach seinem Ebenbild!

    Steffen:
    "Jesus hat keine Schwulen und Lesben verurteilt, er hat auch nicht zur Hexenverbrennung aufgerufen.

    Die Geschichten um diesen Jesus sind Mythen, Fabeln und Sagen, keine geschichtliche Realität.

  8. 29.

    Jetzt aber bitte mal halblang! Ich bin selbst überzeugter Atheist, aber den christlichen Glauben als "Kinderglauben" zu bezeichnen, geht mir doch deutlich zu weit! Wo ist denn bitte sehr Ihre so viel gepriesene Toleranz? Ich vernehme aus Ihrem Kommentar mehr Überheblichkeit und Arroganz als aus dem von Andreas. Wenn dieser seine Werte und seine Moral aus seinem christlichen Glauben zieht und dabei die Werte anderer achtet und sogar hoch hält, dann ist das seine eigenste Einstellung und nicht zu beanstanden. Den christlichen Glauben automatisch mit Verfehlungen der Amtskirchen gleichzusetzen, ist hirnlos. Jesus hat keine Schwulen und Lesben verurteilt, er hat auch nicht zur Hexenverbrennung aufgerufen. Im Übrigen fußen Ihre ach so tollen atheistischen Moralvorstellungen genau auf diesem Christlichen Glauben der Nächstenliebe. Wir alle sind davon geprägt. Einfach mal drüber nachdenken!

  9. 28.

    Mich wundert es nicht!
    Mich stört schon die ganze Zeit die Anbiederung der beiden großen christlichen Kirchen an den Islam.
    Sinnvoller wäre es, sie würden sich um die 200 Millionen Christen die weltweit nachweislich verfolgt werden kümmern und zwar zu weit über 90 Prozent in den muslimischen Ländern. Aber da hört man nichts von den christlichen Kirchen, denn da gehört der Finger in die Wunde gelegt und zwar nicht nur einmal.
    Erschreckend finde ich auch, daß über 60 Prozent der bei uns lebenden Muslime die Scharia lieber hätten als das Deutsche Grundgesetz, nur auf das öffentliche muslimische Fastenbrechen als Bereicherung für die deutsche Gesellschaft hinzuweisen ist natürlich viel wichtiger. Mich interessiert das muslimische Fastenbrechen jedenfalls in keinster Weise.

  10. 27.

    Wem wundert es bitteschön?
    Wenn sich katholische Bischöfe in der Öffentlichkeit so äußern, dass das öffentliche Fastenbrechen durch Moslems eine Bereicherung der hiesigen Gesellschaft darstellt! Heute verliert diese Kirche ihre Mitglieder und vor einem halben Jahrtausend hat gerade diese Kirche ihre Kreuzzüge gegen Moslems getätigt. Ein Glück, ich bin in der ehemaligen DDR groß geworden!

  11. 26.

    Wenn 44 Millionen Christen in Deutschland voll wissend für die Bewahrung der Schöpfung stünden, sähe es damit hier anders aus. Die Hälfte der Bevölkerung, das wäre doch eine Macht! Aber gerade unter ihnen gibt's viele Bremser in Sachen Umweltschutz und Emphatie, weil die Verflechtung mit der Wirtschaft viel zu groß ist und man von seinen Jahrhunderte alten Ansichten nicht wegkommt. Ein schlauer Mensch hat mal sinngemäß gesagt: der Weg zum Glauben ist einfach und eben, der Weg zum Wissen schwer und steinig.
    Besser kann man es nicht sagen...

  12. 25.

    Ein bißchen mehr Respekt gegenüber Atheisten stünde ihnen gut zu Gesicht. Allein schon die Bezeichnung "gottlos" ist eine perfide Verächtlichmachung. Daß Sie Atheisten mit der AfD in einen Topf werfen, ist unterste Schublade. Humanistische Werte sind keine Erfindung des Christentums sondern deutlich älter. Der Alleinvertretungsanspruch der Christen in Sachen Ethik und Moral ist anmaßend und impertinent.

  13. 23.

    Was hat der Glaube mit Umweltschutz, Entwicklungshilfe etc. zu tun? Dafür brauche ich keine Kirche. Wer die Kirche für sich braucht, soll sie nutzen, wer sie nicht braucht, auch gut.

  14. 22.

    Wenn Sie meinen. Niemand will Ihnen Ihren Gott(?) nicht streitig machen. Nur leider verbietet mir die Netiquette näher zum Thema christliche Religion einzugehen. Mir fällt viel dazu ein den christlichen Glauben rundweg abzulehnen.

  15. 21.

    Wieder nur ein harmloser Kommentar Ihrerseits. Kopfschüttel. Besonders die katholische Kirche ist mit all den vielen „tausenden“ Missbrauchsfällen an Kinder und Jugendliche über Jahrzehnte hinweg sehr zurecht in Misskredit geraten. Das alleine sollte schon Grund genug sein dieser verlogenen Gemeinschaft den Rücken zuzukehren.

  16. 20.

    " Andreas " Sie müssen " Gott " nicht mit der Kirche verwechseln. Man kann durchaus glauben, egal ob an Allah, Gott, Shiva und wie sie alle heißen mögen. Wenn ich bedenke, welche grausame Verbrechen, alleine die kath. Kirche, im Mittelalter schon angerichtet hat, kann mir heute noch schlecht werden.
    Die neuen grausame Verbrechen an Kinderseelen und vor allen Dingen der Umgang damit, ist erbärmlich. Die " Kirche ", hat es in über 2000 Jahre verstanden, Ihren " Gott " für sich zu nutzen, um daraus eine Geschäftsidee zu entwickeln, die sehr gut läuft. Mit Glauben und Gewissen, kann man den Menschen sehr gut beeinflussen.
    Ich glaube auch, aber den Glauben an der kath. Kirche habe ich schon lange verloren. Die Gründe hierfür aufzuzählen, wären zu klang. Das muss jeder mit sich selber ausmachen.

  17. 19.

    RBB-Beitrag: "Allerdings könne man sich heute anders als früher völlig frei entscheiden, ob man in der Kirche bleiben wolle."

    Stimmt leider nicht. Es soll immer noch Arbbeitsverhältnisse geben, wo die Arbeitgeber wegen eines Kirchenaustritts dem Arbeitnehmer kündigen. Und ich meine hier nicht die "verkündigenden Berufe" wie Pfarrer etc., sondern Arbeitsverhältnisse, die nicht von den Kirchen, sondern von der öffentlichen Hand aus Steuergeldern oder Sozialversicherungsbeiträgen bezahlt werden, wie z.B. Ärzte, krankenschwestern, Kindergärtner etc. in christlichen Vereinen.

    Die Arbeitnehmer könenn nicht frei entscheiden, wenn sie ihre Arbeit nicht verlieren wollen. Es ist ein Unding, dass die öffentliche Hand das auch noch finanziert, dass Arbeitgeber Kirchenaustritte sanktionieren.

    Ich jedenfalls habe mehr Vertrauen in ein Krankenhaus, dass sein Personal nach Qualifikation und nicht nach Glauben aussucht.

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