Zoll stellt in Köln dutzende Ecstasy-Tabletten sicher (Quelle: dpa/Oliver Berg)
Video: Abendschau | 10.07.2019 | Dörte Störmann | Bild: dpa/Oliver Berg

Marzahn-Hellersdorf - So gelangten die Schüler ans Ecstasy

Sie sind klein, bunt und extrem schädlich: An mehreren Schulen in Marzahn-Hellersdorf beklagen der Bezirk und die Suchtberatung einen verstärkten Konsum von Ecstasy-Pillen. Offenbar verkauften ältere Jugendliche sie an jüngere. Von Lisa Schwesig

Drogenmissbrauch in Berlin ist offenbar nicht mehr nur ein Problem unter Jugendlichen, sondern betrifft bereits Kinder, wie mehrere Fälle aus dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf zeigen. "Wir haben dort temporär und regional einen vermehrten Konsum festgestellt", sagte Werner Brose vom Verbund für integrative soziale und therapeutische Arbeit (Vista) in Berlin am Donnerstag rbbI24. Demnach handelt es sich um zehn bis 15 Schüler, die Ecstasy-Pillen zu günstigen Preisen erworben und konsumiert hätten.

Der zuständige Stadtrat Gordon Lemm (SPD) hatte das Thema am Montag auf seiner Facebook-Seite [Link zu Facebook] öffentlich gemacht und von minderjährigen Ecstasy-Konsumenten im Alter zwischen elf und 14 Jahren berichtet. Demnach zahlten sie pro Pille lediglich 1,50 Euro bis 3 Euro. Der Drogenmissbrauch trete seit etwa drei bis vier Monaten auf. "Nach Aussage der Jugendlichen gab es vielfache Zugänge, in der Regel im Umfeld oder auf dem Weg zur Schule", so Lemm auf Anfrage von rbbI24.

Dealer haben Bedarf in Marzahn gesehen

Brose erklärte genauer, wie die Minderjährigen an die Drogen gelangt sind: "Die Ecstasy-Pillen sind den Angaben der Kinder und Jugendlichen zufolge von älteren Schülern an jüngere verkauft worden." Bisher sei allerdings noch unklar, wer die Zwischenhändler sind. Hierzu ermittelt nun die zuständige Polizei. "Die Polizei wurde auf das Thema hingewiesen und alle gesammelten Informationen auch zu möglichen Vertriebswegen - die sich im Übrigen außerhalb der Schulen befinden - geteilt", so Lemm weiter.

Der vermehrte Drogenkonsum in Marzahn-Hellersdorf war aufgefallen, als sich mehrere Betroffene und ihre Eltern an Vista gewandt hatten. "Wir haben dann die Einzelfälle betrachtet, eine Häufung erkannt und daher den Bezirk informiert", so Brose. Dieser habe laut Lemm sofort gehandelt und einen Präventionsrat mit Schulen, Polizei, Ämtern sowie Suchtberatung einberufen. Warum offenbar ausschließlich Schulen in Marzahn-Hellersdorf betroffen sind, erklärt Brose so: "Die dealenden Schüler müssen genau dort den Bedarf gesehen haben." Das Problem sei allerdings nicht auf vereinzelte Bildungseinrichtungen beschränkt, sondern auf den gesamten Sozialraum.

Welches Ecstasy die Elf- bis 14-Jjährigen genau zu sich genommen haben, ist unklar. Über die Dosierung und Zusammensetzung der Pillen könne man keine Aussage treffen, da sie bereits konsumiert und verstoffwechselt worden seien, sagte Brose. "Wir können jedoch sagen, dass die Kinder und Jugendlichen viel zu jung für diese Substanzen waren."

Auch Lemm warnte in seinem Facebook-Post vor den kurz- und langfristigen Auswirkungen der Ecstasy-Pillen wie Halluzinationen, Herzschäden oder Depressionen.

Der Bezirk setzt nun verstärkt auf Aufklärung in Schulen - und das schon ab der siebten Klasse. Darüber hinaus wolle man aber auch Grundschulen und Sportvereine in die Präventionsmaßnahmen einbinden. "Der beste Weg für eine langfristige Bekämpfung ist die Aufklärung von Eltern, Lehrern, Schülern und Schülerinnen sowie das Ansprechen", sagte Lemm.

Falls Sie oder Ihr Kind Hilfe in Suchtfragen brauchen, können Sie sich unter anderem an die Vista gGmbH [externer Link] unter 030/400370-100 oder vista[at]vistaberlin.de wenden.

Beitrag von Lisa Schwesig

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9 Kommentare

  1. 9.

    Leider haben Sie recht. Es wird immer irgendwie am Rande der Gesellschaft, in ominösen Ecken, Brennpunkten usw. diese Problematik vermutet. Unsere Erfahrungen sind da etwas breiter gefächert. Das Thema Wohlstandsverwahrlosung ist bisher überhaupt noch nicht aufgegriffen worden. An den Gymnasien unserer Kinder waren die krassesten Drogenkonsumenten Schüler aus finanziell „gut situierten“ Familien. Bildungsnah, finanzkräftig, aber dafür kein oder wenig Zeit und Interesse an den Kindern. Ab der 8./9. Klasse wurde von so einigen massiv und regelmäßig gekifft und alles eingeschmissen, was ging,. Viele andere Schüler ließen sich mitreißen und gedealt wurde in der großen Pause. Und das über Jahre. Es sollte dringend auch in dieser Richtung Prävention betrieben werden. Denn Schulleitungen ducken sich, um den Ruf der Schule zu wahren, gerne weg.

  2. 8.

    Und ein weiteres Mal werden die Jugendfreizeiteinrichtungen im Bezirk nicht erwähnt, die ein breit gefächertes Angebot an präventiver Arbeit anbieten.

  3. 7.

    Lieber rbb, einige Formulierungen sind nicht glücklich, meine Vorkommentatoren haben dies schon angemerkt. Ich habe mir beim Lesen des Artikels dieselben Fragen gestellt ;-) "Zu jung für den Konsum", z. B.

  4. 6.

    Es gibt keinen Bedarf an Ecstasy sondern abscheulisch geweckte Bedürfnisse!

  5. 5.

    "viel zu jung für diese Substanzen waren" - Wie alt muss man für Drogenkonsum sein?

  6. 4.

    Bei deutschen Konsumenten und Dealern kräht wahrscheinlich kein Hahn nach der Herabsetzung der Strafmündigkeit. Das sind ja noch Kinder! Deutsche Kinder!

  7. 3.

    Traurig, dass die Dealer das für den Drogenkonsum als Ursache notwendige Desaster dieses Bezirks erkannt haben - nicht jedoch die Politiker/Bürgermeister/sozial Verantwortlichen! In Z'dorf/Speckgürtel wird gedealt, weil die Kids freien Zugang zur Kohle der Eltern haben und sich anöden, in M/H muss das Zeug billig sein, um die Perspektivlosigkeit zu übertünchen. Super Betriebskonzept!

  8. 2.

    Die Kinder waren viel zu jung für diese Substanzen??? Aha. Wann ist man dann alt genug für den Dreck, Herr Brose?

  9. 1.

    Ecstasy-Depressionen fallen weg, die haben die Jugendlichen heute von Hause aus, das hört man an der depressiven und einfallslosen Musik der letzten 20 Jahre und die permanente Lustlosigkeit an allem was Arbeit macht.

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