31.07.2019, Berlin: Der Angeklagte sitzt vor Beginn der Verhandlung in einem Gerichtssaal. Dem 44-jährigen Mann wird zur Last gelegt, die damals 14-jährige Georgine Krüger vergewaltigt und erwürgt zu haben. Ihre Leiche wurde nie gefunden. (Quelle: dpa/Zinken)
Video: Abendschau | 31.07.2019 | Norbert Siegmund | Bild: dpa/Zinken

Mordfall vor 13 Jahren in Berlin - Georgine-Prozess kurz nach Beginn unterbrochen

2006 verschwand die damals 14-jährige Georgine. Obwohl bisher keine Leiche gefunden werden konnte, hat am Mittwoch der Prozess gegen ihren mutmaßlichen Mörder begonnen. Doch kurz danach wurde er wieder unterbrochen - die Verteidigung rügte mehrere Dinge.

Kurz nach dem Auftakt ist am Mittwoch der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Berliner Schülerin Georgine am Berliner Landgericht unterbrochen worden. Die Verteidigung rügte, dass ihr die Schöffenbesetzung nicht fristgerecht und zu kurzfristig mitgeteilt worden sei. Der Prozess soll nun am 7. August fortgesetzt werden.

Leiche des Opfers wurde bis heute nicht gefunden

Fast 13 Jahre nach dem Mord an einer Jugendlichen in Berlin hatte am Mittwoch der Prozess gegen den Tatverdächtigen begonnen. Dem 44-Jährige wird zur Last gelegt, die Schülerin Georgine K. im September 2006 vergewaltigt und getötet zu haben. Ali K. soll die 14-Jährige auf ihrem Heimweg von der Schule in seinen Keller in Berlin-Moabit gelockt, sie dort bewusstlos geschlagen und vergewaltigt haben.

Aus Angst vor Entdeckung soll er Georgine laut Anklage anschließend erwürgt und aus dem Keller weggebracht haben. Die Leiche des Mädchens wurde bis heute nicht gefunden. Die Staatsanwaltschaft wirft Ali K. Vergewaltigung und Mord vor. Dem Landgericht Berlin zufolge sind zum ersten Verhandlungstag keine Zeugen geladen.

Die Mutter des Mädchens ist in dem Prozess Nebenklägerin. Sie ließ der Deutschen Presse-Agentur über ihren Anwalt Roland Weber mitteilen, sie hoffe auf Klarheit. Sie erwarte die Aussagen der verdeckten Ermittler mit Spannung. Es gebe keine Spuren zu ihrer Tochter, ließ Frau Krüger mitteilen. Ihren Vornamen möchte sie der Öffentlichkeit bislang nicht nennen. "Insgesamt ist das Ganze für mich sehr belastend", ließ sie übermitteln.

Verdächtiger bereits vorbestraft

Der wegen sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen vorbestrafte Mann geriet erst 2017 unter Verdacht. Durch verdeckte Ermittlungen und Funkzellenauswertungen stießen Kriminologen auf den Verdächtigen, der in derselben Straße wie das Opfer wohnte. Seit Dezember 2018 befindet er sich in Untersuchungshaft. Ali K. soll die Vorwürfe bei der Polizei laut eines Gerichtssprechers bestritten haben.

Für den Prozess vor dem Berliner Landgericht sind mehr als 20 Verhandlungstage bis November vorgesehen. Das rätselhafte Verschwinden von Georgine K. war über Jahre einer der bekanntesten Vermisstenfälle in Deutschland. 

Ein weiterer Vermisstenfall: Rebecca aus Berlin-Neukölln

Rätsel gibt der Polizei in Berlin noch ein weiterer Vermisstenfall auf. Seit mehr als fünf Monaten ist die Schülerin Rebecca aus Berlin-Neukölln verschwunden. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass sie getötet wurde. Das Mädchen ist seit dem 18. Februar diesen Jahres verschwunden. Ermittler nehmen an, dass Rebecca das Haus ihrer ältesten Schwester und ihres Schwagers nicht lebend verließ. Rebeccas Schwager kam zunächst in U-Haft, wenig später aber mangels Beweisen wieder frei.

Sendung: Inforadio, 31.07.2019, 6 Uhr

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 5.

    Falsch. Es dient dazu, zu prüfen, ob die Schöffen befangen sind. Das ist ein gutes Recht der Verteidigung.

  2. 4.

    Danke für den Google-Hinweis! - Die vermutlich rechtliche Begründung: § 222a StPO "Ist die Mitteilung der Besetzung oder einer Besetzungsänderung später als eine Woche vor Beginn der Hauptverhandlung zugegangen, so kann das Gericht auf Antrag des Angeklagten, des Verteidigers oder der Staatsanwaltschaft die Hauptverhandlung zur Prüfung der Besetzung unterbrechen, wenn dies spätestens bis zum Beginn der Vernehmung des ersten Angeklagten zur Sache verlangt wird."

  3. 3.

    Nachweislich haben Sie Internet, da haben Sie doch sicher auch Google zur Verfügung. Dort wird die Frage beantwortet.

    @Viola, was für Sie Nichtigkeiten sind, sind nun einmal gesetzliche Vorschriften. Ein Verteidiger hat immer das Beste für seinen Mandanten zu tun. Egal, ob Ihnen das gefällt oder nicht.

  4. 2.

    Sehr traurig, dass die Verteidigung angesichts der Tat seines Mandanten mit solchen Nichtigkeiten den Prozess hinauszögert. Was wäre denn heute anders gewesen, wenn er die Mitteilung über die Schöffen-Besetzung "fristgerecht" erhalte hätte? Vielleicht hätte ihn dann die Nase eines Schöffen nicht gefallen, einfach lächerlich dieser Anwalt.

  5. 1.

    Wie sieht denn lt. Gesetz die fristgerechte Mitteilung über die Schöffenbesetzung aus?

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