Blick in den Gerichtssaal am Landegericht Moabit am 17.07.2019 (Quelle: rbb/ Bartsch)
Video: Abendschau | 17.07.2019 | Norbert Siegmund | Bild: rbb/ Bartsch

Angriff mit Baseballschläger - Clan-Angehöriger von Mordvorwurf freigesprochen

Die Tat im Mai 2017 hatte in Berlin für Entsetzen gesorgt: Ein 43-Jähriger war vor seinem Wohnhaus in Britz mit einem Baseballschläger totgeprügelt worden. Der Mordprozess gegen ein 21-jähriges Clan-Mitglied endete überraschend mit einem Freispruch.  

Mehr als zwei Jahre nach einem tödlichen Angriff auf einen 43-jährigen Mann in Berlin-Britz mit einem Baseballschläger ist ein 21-Jähriger vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Ein Tatnachweis habe sich nicht führen lassen, begründete das Landgericht am Mittwoch.

"Ich kenne Sie"

Der Angeklagte und das Opfer stammen aus verschiedenen arabischstämmigen Clans. Nach Verkündung des Freispruchs kam es zu einem Tumult im Gerichtssaal. Der als Chef eines bekannten Clans geltende Vater des Freigesprochenen schrie in Richtung Staatsanwalt, sein Sohn habe fast zwei Jahre unschuldig in Untersuchungshaft gesessen. Und: "Ich kenne Sie."

In der Urteilsbegründung betonte der Richter, dass die Indizien nicht ausreichen, um den heute 21-Jährigen Ismail R. als Täter zu überführen. Das entscheidende Beweismittel, das zur Festnahme des damals 18-Jährigen führte, war eine DNA-Spur in der Hosentasche des Opfers.

Eine Mischspur und widersprüchliche Zeugenaussagen

Während der 14 Monate langen Verhandlung erklärte ein Sachverständiger, dass es sich um eine sogenannte Mischspur handelt, es sei möglich, dass sie bereits vor der Tat auf die Kleidung gelangt sei. Auch die 80 Zeugen, die teilweise die Tat beobachtet hatten, konnten keine eindeutigen Angaben machen oder widersprachen sich.

Zwei Männer hatten dem 43-Jährigen im Mai 2017 vor seinem Wohnhaus aufgelauert. Als er gerade zwei seiner Kinder zur Schule gebracht hatte, wurde er attackiert. Einer der Täter habe zahlreiche Schläge mit dem Baseballschläger vor allem gegen den Kopf des Opfers geführt, so Augenzeugen. Hintergrund soll ein Schulden-Streit im Clan-Milieu gewesen sein.

Entschädigung für U-Haft

Damit bleibt weiter unklar, wer den 43-jährigen Ali O. getötet hat. Die Richter sahen bei einigen Indizien zwar zumindest Hinweise auf die Familie des 21-Jährigen, nicht aber auf ihn selbst.

Für die erlittene Untersuchungshaft seit Oktober 2017 sei der Angeklagte zu entschädigen, so das Gericht. Der Staatsanwalt, der achteinhalb Jahre Jugendstrafe wegen Totschlags gefordert hatte, kündigte Rechtsmittel an.

Sendung: Abendschau, 17.07.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

27 Kommentare

  1. 27.

    @ Wolfgang, Berlin, Donnerstag, 18.07.2019 | 13:16 Uhr

    Wir alle wissen hier, wie kriminelle Familienclans denken und agieren.

    Für eine Verurteilung braucht es aber - zurecht - eindeutige Beweise.

    Also wissen Sie, wann wer wie bedroht wurde, und können Sie dies beweisen???

    Ich verteidige gewiss nicht die kriminellen Aktivitäten der kriminellen Familienclans. Aber ich verteidige den Rechtsstaat. Und das bedeutet, auch ein kriminelles Clanmitglied darf nicht verurteilt werden, wenn ihm die Schuld nicht ohne vernünftige Zweifel nachgewiesen werden kann. Insoweit ist dies ein Sieg für den Rechtsstaat. Es wäre dagegen eine Niederlage für den Rechtsstaat, wenn der Angeklagte trotz vernünftiger Zweifel verurteilt werden konnte. Mit dem Ergebnis, dass Justiz nicht alles kann und dass nicht jedes Verbrechen aufgeklärt werden kann, müssen wir leider leben.

    Die Bekämpfung der Clan-Kriminalität muss (auch) mit anderen rechtsstaatlichen Mitteln erfolgen, wie z.B. Vermögenseinzug.

  2. 26.

    Meinen Sie das alles was Sie geschrieben haben ernsthaft?
    Dann gibt es nach Ihrer Meinung auch keine Bedrohungen durch Clanmitglieder gegen Richter, Staatsanwälte, Gutachter und Zeugen? Da fallen in solchen Prozessen auch Zeugen aufgrund von kollektiven Gedächtnisverlusten nicht Reihenweise um und wissen von nichts mehr? Da werden dann die Zweifel, die Freisprüche begründen, auch nicht mit Drohungen und auch mit Gewalt herbeigeführt?
    Gehören Bedrohungen und Gewaltausübung auch zu den wesentlichen Rechtsgrundsätzen basierend auf unserer Rechtsordnung/GG dazu, um den Rechtsstaat Geltung zu verschaffen? Denn diesen Clans ist die Rechtsordnung und das GG völlig egal.

  3. 25.

    Wer ausser dieser kriminellen Familie hätte denn ein Interesse daran gehabt diesen Schuldschein wieder in die Hände zu bekommen? Sie wären doch die Nutznieser gewesen, hätten kein Geld zurück zahlen müssen. Traurig unser Rechtsstaat, wurde leider wieder mal regelrecht vorgeführt. Da geht doch mehr und mehr Vertrauen verloren. Aber wehe man nimmt abgelaufene Lebensmittel aus einem Abfallcontainer, dann wird man bestraft. Und einen Staatsanwalt regelrecht zu bedrohen scheint wohl mittlerweile zum Alltag ohne harte Konsequenzen zu gehören. Wie weit sind wir schon gesunken, all diese Respektlosigkeit hat sich dadurch schon in vielen Teilen im Alltag durchgesetzt.

  4. 24.

    Dass ein realitätsferner Aptaljockey, Staatsanwälte im Gerichtsaal bedroht, ist ein Affront gegen alle ehrlich arbeitende Bürger in Europa.
    Effektive Gegenmaßnahmen müssen die Europäischen Bürger vor Bandenkriminalität schützen. Eine Kopie der Amerikanischen GTMO würde innerhalb weniger Monate für eine schnelle Liquidation der Kriminalität durch Kriminelle Großfamilien bewirken. Nur Mut ist nötig! Leider sind Politische Entscheider zu 95% Feige, um den Kampf aufzunehmen und setzen somit ihre Wähler unnötig Gefahren aus, die sie selbst nicht überblicken können.
    Zu allem fähig und zu nichts zu gebrauchen! Das sind Politischer Parasiten! Und die müssen wir entlarven!

  5. 23.

    'in dubio pro reo' - sollte auch Ihnen und den sich zu hier allzu oft zu (Scharf)richtern aufschwingenden Kommentatoren eigentlich ein bekannter wesentlicher Rechtsgrundsatz basierend auf unserer Rechtsordnung / GG sein!

    Wir sind doch hier nicht in..... - bohh, die Liste könnte jetzt länger als 1000 Zeichen werden.

  6. 22.

    Interessant, das viele Foristen zu glauben scheinen, solcherlei Drohungen gäbe es nur in US-Krimis.
    Nein, es ist mittlerweile traurige Realität das Richter und Staatsanwälte regelmäßig bei Verfahren bedroht werden.

    Jeder Richter und Anwalt in meinem Bekanntenkreis hat nicht öffentliche Adressen und Tel.Nr. Spätestens nachdem vor ca. 2 Jahren bei einem Prozess wegen Körperverletzung Vergewaltigung gegen ein Clan-Mitglied im Publikum ein Schild mit der Adresse des Richters hochgehalten wurde.
    Diese Clan-Mitglieder akzeptieren unsere Rechtsprechung nicht. Sie regeln so etwas selber. Über Bewährungsstrafen wird gelacht, Zeugen, Richter und Staatsanwälte werden regelmäßig eingeschüchtert (habe ich am eigenen Leib nach einem Verkehrsunfall erfahren müssen).
    Und das Argument diese Clans hätten sich nicht gebildet, wenn man Arbeitsgenehmigungen erteilt hätte, ist schlicht lächerlich. Diese Familien kamen bereits als Clans nach Deutschland.

  7. 21.

    Solch Gedanken habe auch ich dabei. Soviele Zeugen und soviele widersprüchliche Aussagen. Das ist dabei schon mehr als merkwürdig.

  8. 19.

    Es ist doch naiv, hier noch von Rechtsstaat zu sprechen. Wir alle wissen doch genau wie diese Clans im Vorfeld solcher Verhandlungen arbeiten. Wie sich der Clanhäuptling nach dem Prozess aufführte indem er dem Staatsanwalt drohte, er kenne ihn, war doch kein einmaliger Ausrutscher. So arbeiten diese Clans. Auch Richter, Schöffen, Gutachter und Zeugen können bedroht werden um diese für die Clanmitglieder zu günstigen Aussagen und Interpretationen zu "überreden".
    Die Wertung, die DNA Spur kann auch auf andere Weise an die Hosentasche gelangt sein, scheint in die Kategorie zu fallen "Wir kennen Sie". Ebenso die Aussagen des Gutachters.
    Bei diesen mit allen Mitteln arbeitenden Clans, die mit aller Brutalität vorgehen, scheint der Rechtsstaat an seinen Grenzen zu sein.

  9. 18.

    Verstehe nicht, wie man in einem Gericht sowie auch im Gerichtssaal Bedrohungen gegenüber dem Staatsanwalt lautstark verkünden darf ohne dass es hierzu Konsequenzen gibt. Das Verhalten stört mich und macht mich eher fassungslos.

  10. 17.

    Fr. Heisig ist nicht Opfer eines Verbrechens durch Clanangehörige. Der Vergleich verbietet sich daher.

  11. 16.

    Jut, det waren wieda meine Steuergelder, flott verpulvert, nur um 2 Jahre über einen Fall der Selbstjustiz zu salbadern.
    Keiner will wie Fr. Heisig enden. Dann lassen wir es doch bitte gleich sein. Einfach kein Prozess, keine Anklage. Keine Gerechtigkeit für die Opfer. Keine Strafe für die Täter. Regelt sich relativ rasch von allein... Denn die Herren aus dem Land "Staatenlos" werden sich schon selber richten. Ganz ohne unsere Hilfe. Da bin ich mir sicher.

    Aber dann bitte nicht hinterher jammern wie Anis F., o.k.?

  12. 15.

    Interessant wäre wie die Justiz mit der Drohung des Clanbosses umgeht!
    Ein Staatanwalt ist ja noch zu schützen
    Ein vermeintlicher Schuldner nicht mehr, Oder der Nachbar im Haus!

  13. 14.

    Tja, wir leben halt in einem Rechtsstaat. Der hat viele Mängel, wird aber auch nie perfekt sein.

    Ich finde es schäbig, wie hier dem Gericht ein Rechtsbruch unterstellt wird. Die Spur ist nachvollziehbar nicht geeignet den Mord nachzuweisen. Und die Zeugenaussagen bei diesem Täter/Opfer-Umfeld sind ebenso nachvollziehbar wenig zu gebrauchen.

    Die Staat muss mehr gegen Clans, Mafia & Co. unternehmen. Aber man scheint in letzter Zeit aktiver geworden zu sein, wenn man sich z.B. die Häufigkeit der Razzien anguckt. Aber ich befürchte, die die strukturen dieser kriminellen Organisationen schon zu verfestigt sind und sich das Problem nicht mehr lösen lassen wird.

  14. 13.

    "Ich kenne Sie!" - Da war der Vorsitzende (ugs. Richter) wohl cleverer als der Ankläger (ugs. Staatsanwalt).. Zum Heulen!!

    80 (!) Zeugen = 80 unterschiedliche Versionen, oder wie??!! Höchst merkwürdig?! Unfassbar!!

    Bleibt zu besorgen, dass die Clans das jetzt wohl auf ihre traditionelle Weise untereinander regeln werden, denn auch die Hinterbliebenen werden wohl eher auf Rache sinnen, als zu erkennen wohin dieserWahnsinn führt - leider..

  15. 12.

    Was ist das denn für ein Kommentar?

    Die DNA wurde eindeutig dem Angeklagten zugeordnet. Nur ist das nicht Beweis dafür, dass der Angeklagte auch den Mord begangen hat. Es lässt sich nun einmal nicht eindeutig belegen, wie die DNA dort hingekommen ist. Das ist letzten Endes Interpretation. Die Analyse an sich, die Sie so sehr bemängelt haben, war demnach völlig in Ordnung!

    Wie viel ist denn ein Menschenleben wert?

  16. 11.

    Genau so sieht's aus. Das Land verändert sich rasant. Und nicht wenige klatschen dazu sogar Beifall.

  17. 10.

    Gelebte Demokratie..... :))))

  18. 9.

    Besser kann man es nicht ausdrücken. Sie haben’s erfasst. Allerdings verwundert es mich bei den vielen wiedersprüchlichen Zeugenaussagen rein gar nicht, das es hier zu einen Freispruch gekommen ist. Sowas passiert hier nicht zum ersten Mal.

  19. 8.

    Keiner auf nem Richterposten will, dass er wie Kirsten Heisig endet. Der Freispruch kommt nicht überraschend.

Das könnte Sie auch interessieren