ARCHIV 2017: Rabbiner Yehuda Teichtal spricht auf einer Chanukka-Zeremonie in Berlin (Quelle: imago/Emmanuele Contini)
Video: Abendschau | 31.07.2019 | Timo Fabian Nocolas | Studiogespräch mit Lorenz Korgel | Bild: imago stock&people

Antisemitischer Vorfall - Rabbiner in Berlin-Wilmersdorf beschimpft und bespuckt

Zwei Männer haben in Berlin den Rabbiner Yehuda Teichtal auf arabisch beschimpft und bespuckt. Berlins Antisemitismusbeauftragter Korgel verurteilte im rbb die Tat. Er warnte aber auch davor, Antisemitismus nur an einer Bevölkerungsgruppe festzumachen.

Ein Rabbiner ist in Berlin antisemitisch attackiert worden. Wie die Jüdische Gemeinde am Mittwoch bekannt gab, war Yehuda Teichtal in Wilmersdorf von zwei Männern auf Arabisch beschimpft und bespuckt worden.

Teichtal sei bei dem Vorfall am vergangenen Wochenende in Begleitung eines seiner Kinder gewesen. Zuvor hatte der Rabbiner in einer nahen Synagoge im Bezirk Wilmersdorf einen Gottesdienst geleitet. Nach einer Anzeige bei der Polizei ermittelt nun der Staatsschutz.

"Wir müssen leider feststellen, dass die Aggressionen gegen Juden sowohl auf den Schulhöfen als auch auf den Straßen Berlins ein Eigenleben entwickelt haben", sagte Teichtal den Angaben zufolge zu dem Vorfall. "Ich bleibe aber weiterhin überzeugt: Die meisten Menschen in Berlin wollen diese Aggression gegen Juden als traurigen Bestandteil des jüdischen Alltags nicht hinnehmen."

Vorsitzender: "Bösartige Ironie des Schicksals"

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Gideon Joffe, forderte am Mittwoch in Reaktion auf den Vorfall den Einsatz von zivilen Polizeibeamten im Umfeld von Synagogen. Sie sollten sicherstellen, "dass unsere Beterinnen und Beter ihren Weg zur Synagoge und zurück im Umfeld unserer Gotteshäuser ungestört antreten können", erklärte Joffe. Der Vorfall beweise, wie wichtig es sei, den Kampf gegen Antisemitismus durch weitere praktische Maßnahmen zu verstärken.

Dass ausgerechnet Teichtal Opfer einer Attacke wurde, sei eine "bösartige Ironie des Schicksals", sagte Joffe. Der Rabbiner setze sich seit Jahren für ein Miteinander zwischen allen Religionen und Kulturen ein.

Teichtal ist Vorsitzender des orthodoxen Jüdischen Bildungszentrums Chabad Lubawitsch in Berlin-Wilmersdorf. Nach der Kippa-Warnung des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung Felix Klein im Mai hatte Teichtal erklärt, "unsere Identität" zu verbergen sei "keine Option".

Korgel: Antisemitismus ist tief verwurzelt

Berlins Antisemitismusbeauftragter Lorenz Korgel forderte eine gesamtgesellschaftliche Debatte über Antisemitismus. In der rbb-Abendschau sagte er am Mittwoch, Antisemitismus sei ein tiefverwurzeltes Problem in unserer Gesellschaft seit mehr als 1000 Jahren und könne nicht isoliert an einer Bevölkerungsgruppe festgemacht werden. Es gebe neben Rechtsextremismus auch arabischen Nationalismus und islamistische Motivationen.

Korgel wies daraufhin, dass Antisemitismus in vielen muslimischen Ländern Staatsdoktrin sei. Schon junge Menschen lernten dort Antisemitismus. Die brächten dann Vorurteile und Stereotype mit nach Deutschland. Das müsse offen thematisiert und bearbeitet werden, so Korgel.

Senatsmitglieder verurteilen Angriff auf Teichtal

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD) verurteilte den Angriff auf dern Rabbiner einer Mitteilung zufolge auf das Schärfste. "Auf den Straßen und auch auf den Schulhöfen unserer Stadt hat Antisemitismus keinen Platz", sagte er.

Raed Saleh, SPD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, sagte: "Der Angriff auf meinen Freund Rabbiner Teichtal ist ein Angriff auf uns alle."

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) twitterte: "Es ist beschämend. Wir werden nicht nachlassen, den Antisemitismus in allen Erscheinungsformen zu bekämpfen. Herrn Rabbiner und seinem Kind habe ich meine persönliche Solidarität erkärt. Berlin steht an seiner Seite."

Immer wieder Angriffe auf Juden

Sendung: Inforadio, 31.07.2019, 12.40 Uhr

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Antwort auf [Tremor] vom 01.08.2019 um 03:25
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55 Kommentare

  1. 55.

    Ihr verzweifelter Versuch den User in eine bestimmte Ecke drängen zu wollen ist leider sehr durchschaubar. Es gibt Bezeichnungen dafür, die ich mir aber verkneife, um die Situation nicht noch zusätzlich anzuheizen. Niemand hat bisher verharmlost oder in Schutz genommen. Das ist Nonsens, es sei denn Sie hätten als Beweis dafür Kommentare zur Verfügung, die mir bisher nicht angezeigt werden. Die Problematik, anlässlich eines solchen verabscheuungswürdigen Übergriffs, Antisemitismus zusätzlich im Ganzen und im Kontext erfassen zu wollen, darf niemandem vorgeworfen werden. Im Gegenteil. Das tut die Jüdische Gemeinde selber schon. Im Gegenzug könnte man fast vermuten, dass Sie das verhindern wollen, womöglich um von einer bestimmten Klientel abzulenken. Aber ich werde mich nicht dazu herablassen unterstellend zu werden, so wie Sie das tun. Außerdem ist das ja schließlich auch nicht das Thema, oder?

  2. 54.

    Vielen Dank, ich habe großen Respekt vor Ihrer Entschuldigung. Ich habe zwar ein breites Kreuz und bin nicht schnell zu verunsichern, konnte in meinem Kommentar aber wirklich nicht erkennen, was Sie mir vorwarfen. Man muss ganz offensichtlich nicht immer einer Meinung sein, um Differenzen aus der Welt schaffen zu können. Danke hierfür und ein schönes Wochenende!

  3. 53.

    Wo lesen Sie, dass ich die Täter in Schutz nehme? Welche Worte, welcher Satz? Wo verharmlose ich die Tat, oder ein anderer User? Das sind Unterstellungen. Das sollten Sie unterlassen. Was meinen Sie mit "die Araber"? Die Täter dieser Situation? Oder generell alle Araber? Weil alle Araber Täter sind, sein können, von Ihnen als solche abgestempelt werden? Sie kritisieren meinen Kommentar, indem Sie Dinge hineininterpretieren, die nicht geäußert wurden und merken nicht einmal, wie Sie völlig unsachlich unterstellend werden? Sie generieren grad das Feindbild, von dem die Rede ist. Karikieren sich dadurch selber. Tut mir leid, das war wohl nichts.

  4. 52.

    Wenn Antisemitismus durch Araber verharmlost wird, weil es ja auch rechtsextremen Antisemitismus gibt, dann ist das wohl etwas, was zu kritisieren ist. Wir reden hier über ersteren. Aber bitte, Sie können gerne die Araber in Schutz nehmen.

  5. 51.

    Ich muss mich entschuldigen! Tut mir leid, hab leider überreagiert und offenbar falsch, weil unvollständig, gelesen. Ist tatsächlich mein Fehler gewesen. Ich habe in der Eile des Lesens Ihres von mir kritisierten Beitrages den Inhalt anders aufgefasst als von Ihnen geschrieben. Leider wurde mir Ihr Beitrag heute Nachmittag nicht mit angezeigt und ich hatte ihn noch falsch in Erinnerung. Sonst wäre es mir früher aufgefallen. Unumwunden: Sie hatten die ganze Zeit Recht!

  6. 50.

    Man darf also anläßlich dieses Vorfalls nicht über das ganze, komplexe Thema Antisemitismus sprechen? Warum? Wer bestimmt das? Es wird doch auch über Rassismus allgemein kommentiert, wenn es einen dementsprechenden Vorfall gab. Ist doch auch sinnvoll. Und es darf nicht erwähnt werden, dass man Antisemitismus nicht mit Rassismus beantworten sollte? Warum? Wer bestimmt das? Ja, dieser Fall ging von muslimischen Menschen aus. Es gibt aber zuhauf Antisemitismus von rechts. Und da wird dann auch häufig kommentiert, dass auch immer wieder Moslems antisemitisch sind. Ich finde es nicht angebracht Usern, die sich sachlich und korrekt äußern, einen Maulkorb verpassen zu wollen. Er hat auch niemanden angegriffen, was ihm dann aber selber widerfuhr. So geht das nicht. Jeder, der sich sozialkompetent darstellt, darf ohne beleidigt und attackiert zu werden, schreiben was er meint. Diese Schulmeisterei geht gar nicht. Steht niemandem zu. Oder es gibt halt Kontra. Aber dann bitte nicht drüber beschweren. Guten Abend.

  7. 49.

    Finde ich nicht. Mehrere User haben sich sehr sachlich geäußert. Hier geht es im Einzelnen um diesen Fall, im Ganzen um das Thema Antisemitismus und mehr, wogegen angegangen werden muss. Von jedem Einzelnen und auch politisch. Whataboutismus ist so ein nettes, modernes Wörtchen, mag ja alles sein, passt aber hierher. Zu den Themen Rassismus, Ausgrenzung und und und ist jedes Mittel probat, das ändern zu wollen. Wer in so einem Fall anderen niedrige Beweggründe unterstellt, geht dann einfach zu weit. Das Thema im Ganzen zu sehen bedeutet nicht, dass der Einzelfall unterbewertet wird. Fair geht vor^^

  8. 47.

    Nun ja, wie ich hier in der Diskussion merke, ich es schon unmöglich sachlich miteinander umzugehen. Es muss verbal abgerüstet werden, sonst kommen nur noch die radikalen Stimmen durch. Im konkreten Fall geht es um Antisemitismus durch arabische Mitmenschen. Die darf und muss man dafür aufs schärfste kritisieren dürfen. Ohne dass gleich jemand mit whataboutismn daher kommt. Es geht hier um den konkreten Fall. Und da waren es nunmal Araber. Jedwede Rechtfertigung ist falsch.

  9. 46.

    Antisemitismusbeauftragter Lorenz Korgel : "In der rbb-Abendschau sagte er am Mittwoch, Antisemitismus sei ein tiefverwurzeltes Problem in unserer Gesellschaft seit mehr als 1000 Jahren "

    Vielleicht sollte Korgel mal die "Westpresse" lesen (Copyright Maaßen), in der Neuen Züricher Zeitung gibt's zum Thema einen Beitrag vom jüdischen Publizisten Professor Wolfssohn.

  10. 45.

    Danke für die Unterstützung und den Erklärungsversuch, aber der ging ja auch voll in die Hose ;-) Es ist leider zu vermuten, so wie Sie es vorsichtig äußerten, dass da bei manchen ein Feindbild generiert wird, unter dem Deckmäntelchen der Solidarität und der Bestürzung. Daher mein Wunsch auch den Blick nach rechts nicht zu vergessen, so wie andere User das auch schon erwähnten. Egal aus welcher Richtung, Antisemitismus ist verstörend. Aber es braucht nicht nur laute Rufe der Empörung, sondern viel mehr noch sinnvolle Ansätze, dem zu begegnen und entgegenzuwirken. User @Rico war schon ganz gut dabei.

  11. 44.

    Und jetzt erklären Sie das bitte noch im Kontext zu dem ursprünglichen Kommentar des Users. Es wird nämlich immer wirrer. Aber Sie scheinen in Rage, ich mach Schluß.^^ Noch ein gut gemeinter, wenn auch von Ihnen nicht erbetener, Ratschlag : "Was Du nicht willst, das man Dir tu...". Sie finden meinen Kommentar kompromitierend? Mehrere User die Ihrigen ;-) Ergo: Jeder empfindet anders. Nichts anderes wollte ich Ihnen verdeutlichen. Nichtsdestotrotz einen schönen Abend! (und Sie dürfen das letzte Wort haben. Ich bin dann mal weg :-))

  12. 43.

    Respektlos finde ich gerade Ihren Kommentar, aber sei es drum. Wenn ich den Einwurf unpassend fand, dann schreibe ich das auch und erkläre auch gerne noch mal, warum es bei mir so angekommen ist. Da ist rein gar nichts respektloses dran. Wäre es anders formuliert gewesen - kein Ding. War es aber nicht. Bei einem Beitrag zum Angriff auf einen Rabbiner durch wahrscheinlich arabischstämmige Personen darauf hinzuweisen, dass es ja auch Rassismus gegen Araber gibt, lässt meine Deutung nun mal zu und dagegen habe ich mich klar positioniert. Es hieß eben nicht: Bitte jetzt keinen Rassismus gegen alle Araber! Dem hätte ich zugestimmt und nichts geschrieben. Und wenn ich mich immer noch falsch verstanden fühle, dann stelle ich das klar, das selbe Recht hat auch der User Svenson.
    Wenn Neonazis einen Farbigen verprügeln, akzeptiert hier doch auch niemand einen Post, dass solche Menschen eine schwere Kindheit hatten. Jetzt klarer formuliert?

  13. 42.

    Antisemitismus, Rassismus, Homophobie, Extremismus kann man nicht unter Kontrolle bekommen.
    Dann müsste man bei allen weltweit eine Gehirn-OP anstrengen und den Lobotmomie-Lappen bei schweren Fällen psychischer Erkrankungen entfernen. Aber als erstes müsste man herausfinden, wer so alles in seinem stillen Kämmerlein dafür in Frage kommt... wahrscheinlich die Mehrheit auf der ganzen Welt.

  14. 41.

    Zum Ausdruck bringen will der User, dass diese Taten schrecklich sind und geahndet werden müssen, es aber genauso schrecklich wäre, Antisemitismus mit Rassismus zu begegnen. Ich bin sicher, dass die Jüdische Gemeinde das auch nicht begrüßen würde. Eine völlig sachliches und legitimes Statement. Ziehen Sie sich doch das Paar Schuhe nicht an, wenn es nicht passt. Oder sollte man Ihnen jetzt den Versuch der Feindbildgenerierung vorwerfen? Möchten Sie doch bestimmt auch nicht?! Zu behaupten, der User würde damit die Tat herunterspielen ist eine sehr heftige Unterstellung. Das steht Ihnen nicht zu. Zumal er Sie bat, damit aufzuhören. Und dann gehen Sie wieder in die Vollen. Ich finde das respektlos.

  15. 40.

    Vielleicht sollten Sie einfach einmal Kommentare nicht immer solange umdrehen,bis Sie etwas daran zu kritisieren haben.Das habe ich schon öfter bemerkt.Was Sie dem User lang und breit gebetsmühlenartig erklären,hat nichts mit seinem Kommentar zu tun.Sie fanden,wie schon so oft zu solchen Themen,lediglich den Einwurf unpassend,dass es Antisemitismus aus mehreren Richtungen gibt und wir daher nicht in die Rassismus-Falle tappen sollten.Völlig korrekt.Rassismus ist genauso widerlich wie Antisemitismus.Und unterstellen ihm daraus irgendwelche negativen Beweggründe.Geht gar nicht.Man ahnt leider schon,woher bei Ihnen der Wind weht.Fühlen Sie sich grundsätzlich immer ertappt und angesprochen?^^Der User hat sich nichts vorzuwerfen,nichts geschrieben was zu kritisieren wäre und deutlich Stellung bezogen.Es wirkt auch nicht,als wenn er einen Moralapostel bräuchte.Empörung und Entrüstung sind nicht von Ihnen gepachtet,die empfinden wir alle.Ich sehe es wie er.MfG!

  16. 39.

    Es geht hier um den Angriff durch offensichtlich zwei arabischstämmige Personen gegen einen Rabbiner, auf ekeligste Art und Weise und Sie haben nichts besseres zu tun, als auf den angeblichen Rassismus gegen Araber hinzuweisen. Was wollten Sie damit zum Ausdruck bringen? Ich habe Ihnen lediglich deutlich gemacht, wie dieser themenfremde Einwurf dann von Anderen gedeutet werden kann. Deshalb auch die Frage in meinem Kommentar. Ich fand den Einwurf Ihrerseits einfach bei diesem Thema völlig daneben und unpassend. Können Sie einsehen oder weiter auf Ihrem Standpunkt bestehen. Ich habe Ihnen meine Sicht erklärt, Sie bilden sich Ihre wie Sie möchten. Schönen Tag noch!

  17. 38.

    Ich verstehe die Berufsfunktionäre bei den Juden nicht. Warum sagen sie nicht, was offensichtlich ist?
    Die Entwicklung kann man in Frankreich ablesen. Da wandern die Juden aus.

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