Besetztes Haus mit Graffitis in der Liebigstrasse in Berlin- Friedrichshain. Auf dem Transparent steht: "Kein Stein fliegt ohne Grund." Quelle: dpa/Winfried Rothermel
Audio: Inforadio | 21.07.2019 | Michael Ernst | Bild: dpa/Winfried Rothermel

Autonome sprechen von "Rache" - Unbekannte demolieren Auto nach Razzia in Friedrichshain

Bei einer Razzia in Berlin-Friedrichshain wurden am Wochenende Polizisten mit Steinen, Böllern und Farbeuteln beworfen. Kurz darauf wurde in Reinickendorf der Firmenwagen eines Wohnungsunternehmens demoliert - offenbar aus Rache für die Razzia.

Im Berliner Bezirk Reinickendorf wurde ein Lieferwagen des Wohnungsunternehmens Vonovia demoliert. Laut eines Bekennerschreibens das am Sonntagvormittag in dem linksautonomen Forum Indymedia.org veröffentlicht wurde, handelt es sich dabei um "Rache" für eine Razzia der Polizei. Demnach wurde der Wagen in der Schwabstraße "entglast" und mit "einer Botschaft" beschriftet.

Wie die Polizei auf Anfrage von rbb|24 mitteilte, wurde auf den Wagen "Vonovia enteignen!" geschrieben. Der Staatsschutz des Landeskriminalamtes habe die Ermittlungen übernommen.

Gewerkschaft der Polizei spricht von "Terrorismus"

In der Nacht zum Samstag durchsuchten Beamte nach Steinwürfen auf Polizisten eine Wohnung in dem alternativen Wohnprojekt Liebigstraße 34 in Berlin-Friedrichshain. Für die Durchsuchung konnte ein richterlicher Beschluss erwirkt werden, weil lokalisiert werden konnte, woher die Steine kamen, wie ein Polizeisprecher am Samstag sagte. In der Wohnung sei niemand angetroffen worden, aber es seien Wurfgeschosse wie Steine, Farbbomben und Flaschen sowie Vermummungsutensilien gefunden und beschlagnahmt worden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) reagierte mit Empörung über die Angriffe während der Razzia. "Das sind Angriffe auf Menschen, bei denen schwerste Verletzungen und selbst der Tod bewusst in Kauf genommen werden", sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro am Sonntag. "Das darf nie Normalität werden und wir erwarten, dass dieser Terrorismus von den politischen Verantwortlichen endlich entschlossen bekämpft wird und die Polizei auch von juristischer Seite jene Unterstützung bekommt, die sie benötigt."

Während des Einsatzes seien die Beamten aus einem gegenüberliegenden Haus mit Farbbeuteln und Pyrotechnik beschossen worden. Verletzt wurde niemand. 120 Beamte und der Polizeihubschrauber seien im Einsatz gewesen. Festnahmen habe es nicht gegeben. Auch in dieser Sache ermittelt der polizeiliche Staatsschutz.

Seit Tagen neue Auseinandersetzungen

In der Nacht auf Sonntag folgte die nächste Attacke. Wer die Steine aus welcher Richtung auf die Polizisten einer Einsatzhundertschaft geworfen hatte, blieb zunächst unklar.

Es war nicht der einzige Vorfall in dieser Nacht in der Rigaer Straße. Gegen 22 Uhr nahmen etwa 40 Menschen an einer unangemeldeten Demonstration teil. Die Demonstranten versammelten sich laut Polizei am Bersarinplatz und zogen über die Rigaer Straße zur Liebigstraße. Dort angekommen zerstreuten sich die Teilnehmer. Sie hatten ein Transparent dabei und zündeten Pyrotechnik.

Rund um das alternative Wohnprojekt "Liebig34" und die benachbarte Rigaer Straße gibt es seit Jahren Auseinandersetzungen zwischen Linksautonomen und der Polizei. In der Gegend mit vielen einstmals besetzten Häusern greifen Linksautonome immer wieder Polizisten an und beschädigen Autos.

Auch in der Nacht zum Freitag waren in der Rigaer Straße Steine auf Polizeiautos geworfen worden. Laut Polizei waren leichte Sachschäden entstanden, Verletzte habe es nicht gegeben. Auf der Fahrbahn entdeckte die Polizei den Angaben zufolge mit Farbe aufgepinselte Schriftzüge wie "ACAB" (All Cops Are Bastards).

Sendung: Abendschau, 20.07.2019, 19.30 Uhr

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17 Kommentare

  1. 17.

    Die werden erst aufwachen, wenn die Hand, die füttert, gebissen wird. Wer nach dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" verfährt, ist bislang noch immer ganz böse auf die Fresse gefallen.

  2. 16.

    Also bitte, hier anderen eine Weiterbildung vorschlagen und selbst Wissenslücken zu offenbaren, ist zumindest zweifelhaft. Den Unterschied zwischen "Faschisten" und "Nationalsozialisten" sollte man eigentlich kennen, wenn man sich mit dieser schlimmen Zeit ernsthaft befasst hat. Dass die Ausweitung des Begriffs bis in die 1920er zurück reicht, macht es nicht besser/richtiger. Nein, es ist nicht dasselbe, auch wenn die Ideologien sich angeglichen haben.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Faschismus

  3. 15.

    Mensch, das ist ja mal'n Vorschlag, Nico und kling irgendwie so richtig nach rechtsstaatlichen Methoden: Zitat 'trifft zu, deswegen platt machen!' Vorm Sabbeln och ma' Kopp einschalten!

  4. 14.

    Solange sich zum Beispiel die SPD derer bedient im Kampf gegen Rechts wird nichts passieren. Zumal auch die Bundesregierung Millionen von Steuergelder linken Gruppierungen zur Verfügung stellt, da muss der Bürger miterleben, wie sich die Krake in Berlin breit macht.
    Und wie sicher sich die Linksextremen fühlen, zeigen sie täglich auf ihrer Propagandaseite indimedia, wo die Übergriffe auf die Polizei, die Zerstörung fremden Eigentums, das Abfackeln von Fahrzeugen gefeiert werden.

  5. 13.

    Wenn Politiker einer Regierungspartei und Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sich dort nur unter Polizeischutz bewegen können und Nachbarn bedroht werden, liegt das Wort "No-Go-Area" schon sehr sehr nahe.
    Zu Nachlesen und -schauen bei einem Schwestersender des RBB: https://www.br.de/fernsehen/das-erste/sendungen/report-muenchen/videos-und-manuskripte/autonome-berlin-100.html

  6. 12.

    Vielleicht bilden Sie Sich mal weiter, was "Faschisten" eigentlich sind. Die haben nämlich ein BISSCHEN mehr gemacht historisch, als Autos zu demolieren! Genauso wie die GdP mit ihren sogenannten "Terroristen". Dass hier Straftaten begangen werden steht ja ausser Frage, aber warum wird da immer so eine Hysterie veranstaltet und in den Vergleichen jedes Maß gesprengt? Das ist doch alles politisch motivierte Übertreibung!

  7. 11.

    "Anständige Berliner die wissen wo die No-Go-Areas liegen" - wer wie Sie ganze Stadteile und ihre Bewohner verunglimpft, ist das genaue Gegenteil von "anständig"!

  8. 10.

    Gewerkschaft der Polizei spricht von "Terrorismus"

    Terrorismus trifft zu, deswegen platt machen!
    "Unter Terrorismus (lateinisch terror ‚Furcht‘, ‚Schrecken‘) versteht man kriminelle Gewaltaktionen gegen Menschen oder Sachen (wie Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge etc.) zur Erreichung eines politischen, religiösen oder ideologischen Ziels" [wikip.]

  9. 9.

    "Linke Autonome" ist ein Euphemismus. Es sind linksradikale Straftäter, der SPD Vorsitzende Schumacher nannte diese Sorte "rotlackierte Faschisten".

  10. 7.

    Völlig sinnfreie Kommentar

    Es ist in der Justiz völlig unzulässig damit einen Punkt machen zu wollen, dass man behauptet, dass auch andere schlimme Finger seien.

    Die Polizei macht beides, jeden Tag nachzulesen

  11. 6.

    Ich wünschte die Gewerkschaft der Polizei würde sich auch mal für Schusswaffen hortende Rechtsextreme interessieren wenn sie von Terrorismus spricht, aber von denen scheint sie sich wohl nicht bedroht zu fühlen!

  12. 4.

    Es ist unglaublich, wie sich Kriminelle in Berlin ausbreiten können, ohne dass sie mit ernsthaften Sanktionen rechnen müssen.
    Jedenfalls weiß inzwischen jeder anständige Berliner, wo die No-Go-Areas liegen.

    Wie lange will sich diese Stadt eigentlich noch von diesen Straftätern auf der Nase rumtanzen lassen?

  13. 3.

    Typisch, das haben wir nicht gewusst. Einfach mal hinhören was diese Leute wollen. Linke Autonome haben bei uns doch Narrenfreiheit wie es scheint. Polizisten, Rettungskräfte angreifen und bepöbeln in Berlin besonders beliebt. Ich vergesse nur immer wieder es geht ja gegen Bonzen und ihre freie Lebensweise, na ja dann. Polizisten und Rettungskräfte sind für uns alle da haben Respekt und Ächtung verdient.

  14. 2.

    Ich erwarte von demokratischen Parteien und deren Sympathisanten, dass die sich deutlich gegen diese organisierte Verbreitung von Angst und Schrecken zur Erreichung der politischen Ziele der dort gut organisierten aussprechen.

  15. 1.

    Die Politik muss sich hinter die Polizei, hinter den Vollzug von Recht und Gesetz im Interesse der rechtschaffenen Bürger dieses Landes stellen. Das wünschen sich auch sehr viele Wähler von RRG, die gar nicht wussten, welche Personen bzw. welche politischen Ziele sie da überhaupt gewählt haben.

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