Archivbild: Spreepark Berlin. (Quelle: rbb/Dropmann)
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Audio: Inforadio | 06.07.2019 | Thomas Rautenberg | Bild: rbb/Dropmann

Reportage | Ideensafari im Plänterwald - Die Zukunft des Spreeparks rückt näher

Kein Rummel, keine Partymeile - sondern Ort für Kunst und Kultur: Mehr als 2.000 Berliner haben Ideen für den früheren DDR-Kulturpark im Plänterwald abgegeben. Die müssen jetzt in ein Konzept integriert werden. Von Thomas Rautenberg  

Am Info-Pavillon im Spreepark ist es an diesem Nachmittag ungewöhnlich voll. Die etwa 50 Gäste der Runde kennen sich schon. In den vergangenen zwei Jahren haben sie immer wieder über die Zukunft des Spreeparks diskutiert. Dazu gehört auch Andrea Gerbode vom Bund Berlin. Die Naturschützerin ist seit Anfang des Neustarts vor drei Jahren mit dabei. "Ich kenne den Park noch, als er aufgelassen war, man noch mit der Eisenbahn herum fahren konnte und dabei aufpassen musste, dass man nicht die herunterhängenden Äste ins Gesicht bekommt. Aber das macht ja auch den Charme der Fläche aus, dass alles so unfertig ist", beschreibt die 40-Jährige.

Mero-Haus im Spreepark (Quelle: rbb/Rautenberg)
Die Ideenliste zur Nutzung des Mero-Hauses ist lang | Bild: rbb

Die Eisenbahnschienen gibt es noch. Sie halten sich nur unter kniehohem Gras und mannshohen Büschen versteckt. Die Natur hat seit Ende des Vergnügungsparkes vor mehr als 15 Jahren ganze Arbeit geleistet. Die erste Station ist das Mero-Haus. Viel ist davon nicht übrig geblieben, dünne Stahlträger stützen ein wuchtiges Dach in der Form einer Wolke. Abgerissen wird es nicht, sagt Tim Gärtner, der für die landeseigene Gesellschaft Grün Berlin die Fäden in der Hand hält. Der ehemalige Gastronomietempel aus DDR-Zeiten soll wieder nutzbar gemacht werden. "Mittlerweile hat das architekturhistorischen Stellenwert. Die Idee im Rahmenplan ist, dass man das Gebäude etwas anhebt, damit es einen luftigeren Charakter bekommt", sagt Gärtner. An den Seiten soll es nicht geschlossen werden, sondern nur als regengeschützter Ort dienen.

Gewächshaus, Proberaum, Tanztempel

Die Liste mit Vorschlägen für die Nutzung des Mero-Hauses ist innerhalb von Minuten prall gefüllt: Gaststätte, Gewächshaus mit angeschlossener Bioküche, Proberäume für Bands bis hin zu einem Tanz- und Musiktempel. Viele der Vorschläge erdet Tim Gärtner von Grün Berlin gleich wieder mit einem Fingerzeig auf die Umgebung – hier würden die Verstärker nie bis zum Anschlag aufgerissen werden können. "Das Landschaftsschutzgebiet beginnt dort, an dem Zaun. Da ist also die Grenze und dahinter ist ein deutlich höherer Schutzstatus erreicht, als wir ihn hier auf dem Gelände haben", sagt Gärtner. "Das ist gerade mit Blick auf den Lärm und die Anzahl von Lärmtagen unbedingt zu berücksichtigen. Das sind Themen, die im Bebauungsplan genau geregelt werden."

Alle Ideen werden akribisch notiert - die Diskussion in anschließenden Workshops soll zeigen, was möglich und was nicht möglich ist. Am Begriff "Landschaftsschutzgebiet Plänterwald" kommt künftig jedoch keiner vorbei. Was zwangsläufig die Frage an Bund-Frau Andrea Gerbode aufwirft, ob sie von den anderen nicht als Bremserin wahrgenommen werde. "Nein, das Gefühl habe ich überhaupt nicht", antwortet Gerbode. "Ich finde, dass das sowohl in der Zusammenarbeit mit Grün Berlin als auch den anderen Akteuren konsensual gesehen wird. Man möchte den Dreiklang Natur, Kunst und Kultur leben. Ich habe schon den Eindruck, dass auf die Natur ein großes Augenmerk gelegt wird."

Weltumsegler-Doku aus Cannes unterm Zelt

Der Tross zieht vom Mero-Haus weiter zur früheren Cinema-Kuppel, einem Kino-Zelt, das die vergangenen Jahre erstaunlich unbeschadet überstanden hat. Das Zeltgerüst soll bleiben, die Planen müssen erneuert werden. Keine 30 Meter ist der Treptower Park entfernt. Der muschelförmige Bau könnte zum künftigen Haupteingang des Spreeparkes werden oder ein Kino bleiben. Sabine Liebisch vom Kultur Spreepark e.V. stellt sich dieses Areal in zwei, drei Jahren so vor: "Ein schöner Sommerabend: Ihr kommt mit dem Floß an und holt ein Getränk. In Cannes ist ein wunderbarer Dokumentarfilm über einen Weltumsegler gelaufen. Und dann geht man hier rein, ist wie unter einer großen Glocke und sieht den Dokumentarfilm, wie einer die Welt umsegelt. Das ist doch einzigartig!"

Frühere Cinema-Kuppel im Spreepark (Quelle: rbb/Rautenberg)Laufen bald Cannes-Filme unter der Kino-Kuppel im Spreepark?

Vor knapp drei Jahren hat die Bürgerbeteiligung für den neuen Spreepark begonnen. Über 2.000 Interessierte haben sich beteiligt und rund 1.000 Vorschläge sind in den Planungsentwurf eingeflossen, sagt Grün Berlin-Geschäftsführer Christoph Schmidt. "Beispielsweise, dass man sehr gern auch eine wasserseitige Erschließung möchte, dass wir einen Schiffsanleger brauchen, dass wir Flächen für Gastronomie und Service brauchen, auch für das ganz normale Fußballspielen und das Picknicken..." Ebenso hätten laut Schmidt einige Kulturakteure Vorschläge eingereicht, die auf der Suche nach Raum seien. Oder von Leuten, die den Park noch von früher kennen und sagen, dass sie ihn wieder mit Lust und Freude erleben wollen.

"Wichtig, die Wertigkeit des Parks zu erhalten"

Erleben soll man dann auch wieder das Riesenrad. Zum einen als Karussell, zum anderen vielleicht auch als drehende Leinwand für audiovisuelle Produktionen. Nirgendwo im Park liegen Vergangenheit und Zukunft so eng beieinander, wie direkt unter dem 60 Meter hohen Stahlkoloss. "Vor eineinhalb Jahren knarrte und quietschte es hier noch", sagt Christoph Schmidt. "Wir haben das Rad jetzt geölt, es ist ruhig geworden. Das Rad darf sich aber weiterhin drehen. Das soll es auch in Zukunft."

Wie diese Zukunft konkret aussehen könnte, soll Ende des Jahres, mit dem Abschluss der zweiten Phase der Bürgerbeteiligung, feststehen. Wenn alles gut geht, könnten die alten Zäune im Plänterwald in zwei, drei Jahren abgebaut und das Areal wieder genutzt werden. Insofern habe es sich gelohnt, sich viel Zeit für das Projekt zu nehmen, sagt Andrea Gerbode vom Bund Berlin. "Auch wenn viele einen anderen Hintergrund und damit einen anderen Blick auf die Fläche haben, merkt man: Es ist ihnen wichtig, die Wertigkeit des Parks zu erhalten. Und daher denke ich auch, dass wir einen guten Job gemacht haben."

Sendung: Inforadio, 06.07.2019, 9:25 Uhr

Spreepark im Plänterwald

Beitrag von Thomas Rautenberg

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10 Kommentare

  1. 10.

    Ich bin vor einiger Zeit über den Trivoli in Kopenhagen und kürzlich in Wien über den Prater gelaufen und war jedes Mal traurig dass es den Spreepark nicht mehr gibt. Ich verstehe auch gar nicht warum es anscheinend so unmöglich ist einen bereits bestehenden Park wieder zu einem Freizeitpark zu machen.
    Ich bin die letzte die gegen Umwelt- und Naturschutz ist. Dieses Thema ist mir sogar sehr wichtig. Aber ich finde auch Kultur und Freizeit sehr wichtig. Vor allem weil für Kinder und Jugendliche die Angebote in Berlin ständig weniger und unattraktiver werden. Eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen ist die an den Spreepark. Ich wünschte meine Kinder könnten das auch irgendwann sagen. Aber beim Baukonzept "Gärten der Welt 2.0" kann ich mir das nicht vorstellen...

  2. 9.

    "Wichtig, die Wertigkeit des Parks zu erhalten"

    Ist nix mehr da, was an den 1969 errichteten Kulturpark Plänterwald an Wert für die Bevölkerung erinnert.
    Der "Park" sieht heute aus wie eine Klapsmühle mit idiotischen Sauriern.

  3. 7.

    Wie wäre es denn mal mit einem aktiven Beitrag zum Klimaschutz, liebe Berliner? Statt einen weiteren Großverbraucher zu installieren einfach mal ein paar Windräder und einen Solarpark bauen! Sollte der BUND doch auch dran interessiert sein.

  4. 6.

    Man könnte doch schöne Eigentumswohnungen dort einbauen und ein paar Wolkenkratzer. Zudem benötigen wir unbedingt eine weitere Mall of Börlin mit nem Kino. Ich denke damit kann man den Senat überzeugen;)

  5. 5.

    Ich möchte den park auch wieder haben. Er war bestimmt mal, echt schön. Das dumme ist, das ich leider nicht in Berlin wohne.

  6. 4.

    Schade, ich glaube ein Vergnügungspark würde Berlin gut zu Gesicht stehen. Da um uns herum kaum was ist, außer Belantis in Leipzig

  7. 3.

    Alles, was die da vorhaben klingt öde und langweilig und einfach billig, können die sich alles schenken, ich will den Vergnügungspark wieder haben!

  8. 2.

    Es stand zwar Kulturpark im Namen, doch tatsächlich war es ein reiner Vergnügungspark klassischer Prägung. Das darf es offensichtlich in heutigen Berlin nicht mehr geben.

  9. 1.

    Das hat die Zukunft so an sich, dass sie näher rückt...

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