Ein Polizeifahrzeug steht vor einer Wache in Brandenburg. (Quelle: imago/Rainer Weisflog)
Audio: Radioeins | 04.07.2019 | Amelie Ernst | Bild: imago/Rainer Weisflog

Leiche nach zwei Monaten entdeckt - Verein wirft Polizei späte Suche nach verschwundener Mutter vor

Eine junge Mutter verschwindet aus einer Brandenburger Asylbewerberunterkunft, lässt ihre kleinen Kinder zurück. Zwei Monate später findet die Polizei die Leiche der Kenianerin. Viel zu spät habe die Polizei ihre Suche gestartet, kritisiert der Verein Opferperspektive.

Nach dem Tod einer Kenianerin im Landkreis Elbe-Elster hat der Verein Opferperspektive Vorwürfe gegen die Brandenburger Polizei erhoben. Diese habe zu spät nach der verschwundenen Frau gesucht, so der Verein. Die zweifache Mutter war Anfang April aus einer Asylbewerberunterkunft in Hohenleipisch verschwunden, ihre sterblichen Überreste entdeckte die Polizei mehr als zwei Monate später in der Nähe der Unterkunft.

Verein: Polizei suchte erst nach zwei Monaten ernsthaft

Kritisiert wird etwa, dass die Polizei erst zweieinhalb Wochen nach dem Verschwinden der Frau eine Suchmeldung herausgegeben [polizei.brandenburg.de] hatte – obwohl der Partner der Frau, der in Berlin lebt, eine Vermisstenanzeige aufgegeben habe. Etwa zur selben Zeit erfuhr der Verein Opferperspektive von ihrem Verschwinden. Echte Ermittlungen habe die Polizei aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgenommen, sagte Joschka Fröschner vom Verein Opferperspektive dem rbb: "Letzten Endes hat es zwei Monate gedauert, bis die Polizei wirklich systematisch die Umgebung der Unterkunft abgesucht hat", so sein Vorwurf.

Nun stellt der Verein die Frage in den Raum, ob die Polizei im Fall einer dunkelhäutigen, geflüchteten Kenianerin länger mit der Suche und mit den Ermittlungen gewartet hat als in anderen Fällen. "Es ist kaum vorstellbar, dass, wenn es sich um eine einheimische Frau gehandelt hätte, die da verschwunden wäre, dass da die Polizei zwei Monate braucht, um tatsächlich systematisch zu suchen", so Fröschner.

Staatsanwaltschaft: Polizei ging allen Hinweisen nach

Es habe im Fall der verschwundenen Kenianerin konkrete Hinweise auf ein Verbrechen gegeben, sagte Fröschner weiter. Der vierjährige Sohn der Frau habe gesagt, er hat gesehen, wie seine Mutter in ihrem Zimmer von einem anderen Heimbewohner zusammengeschlagen und dann weggetragen wurde.

Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich auf rbb-Anfrage nicht zu den Vorwürfen äußern. Den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" sagte die Staatsanwaltschaft, die Polizei sei allen Hinweisen nachgegangen, es gebe nichts auszusetzen. Die Leiterin des Heims sei befragt worden, ebenso der Verdächtige, der die Frau geprügelt haben soll, und auch der vierjährige Sohn. Dessen Darstellung sei nicht so eindeutig gewesen wie behauptet. So seien beispielsweise im Zimmer der Frau keine Blutspuren gefunden worden.

Der Heimbewohner, der durch die Aussage des Vierjährigen belastet wurde, befindet sich nach rbb-Informationen nicht in Untersuchungshaft. Er soll aber in eine andere Asylunterkunft verlegt worden sein.

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 8.

    Ob wir hier je erfahren, zu welchem Ergebnis die Rechtsmedizinische Untersuchung( Autopsie) gelangt, wage ich ebenso anzuzweifeln.

  2. 7.

    Es ist schon erschreckend wie verbohrt und verblendet mache hier sind und dies OHNE die Fakten zu kennen.
    Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Finger stillhalten. Für mich macht die Polizei einen guten Job, jeden Tag.

  3. 6.

    Ihr Eintreten für den Rechtsstaat ist nicht ehrlich. Bereits vor Abschluss der Ermittlungen und vor dem möglichen Gerichtsverfahren gibt es für Sie nur ein mögliches Urteil gegen beteiligte Polizisten. Was diese möglicherweise strafwürdiges oder disziplinarwürdiges getan haben, entscheidet hier immer noch das zuständige Gericht und niemand sonst.

  4. 5.

    Selbst der vierjährige Sohn beschreibt einen sehr gravierenden Hinweis und die Polizei tut im direkten Zusammenhang erst einmal gar nichts. Das mußte ich glatt zweimal lesen. Unfassbar. Muß prompt an eine Bemerkung von Seiten eines Polizeikritikers hier denken. Die Polizei tut erst was, wenn es einen Toten gibt. Könnte wie in diesem Fall, was wahres dran sein.

  5. 3.

    "Leiche lag nach zwei Monaten endeckt" - wie wäre es mit Korrekturlesen?

  6. 2.

    „ Leiche lag nach zwei Monaten entdeckt“ Finde den Fehler. Puh!

  7. 1.

    Dass es viele voneinander unabhängige Belege für institutionellen Rassismus bei der Polizei gab und gibt, ist besonders erschütternd, da keinerlei Konsequenzen daraus gezogen werden. Selbst nach behördlichem Verständnis ist das Verhalten der Polizei hier aktiv verfassungswidrig und damit rechtsextrem. Die entsprechenden Beamt*innen sollten nicht nur auf Lebenszeit niemals wieder im Öffentlichen Dienst arbeiten dürfen, sondern selbstverstänldich sind sie der Gerichtsbarkeit zuzuführen. Wer existenzielle Grundrechte nur willkürlich, nur manchen Menschen zuspricht, hat als Repräsentation dieses Rechtsstaats nichts verloren.

    Die Arbeit des Vereins Opferperspektive kann nicht hoch genug geschätzt werden. Er ist oft der einzige(!) Akteur, der den häufig von Gewalt betroffenen Geflüchteten in Brandenburg ein Sprachrohr, einen Hauch von Lobby verleiht, abgesehen vom Flüchtlingsrat.

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