Kopfstand: Stand-Up-Paddeling-Yoga auf dem Berliner Schlachtensee (Quelle: rbb/Annette Miersch)
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Audio: Inforadio | 05.07.2019 | Annette Miersch | Bild: rbb/Annette Miersch

Mehr als Schwimmen - Stellen Sie doch mal Ihre Wasseraktivitäten auf den Kopf

Mermaiding, Kanupolo oder Yoga beim Stand-up-Paddling: Die Gewässer in Berlin und Brandenburg bieten im Sommer einiges mehr als schlichtes Badevergnügen. Annette Miersch hat sich umgeschaut.  

Wasser ist immer noch das kühlste und schönste Vergnügen für heiße Sommertage. An den Berliner und Brandenburger Seen ist meist Hochbetrieb. rbb|24 stellt Ihnen fünf Möglichkeiten vor, wie Sie dabei auf ungewöhnliche Weise nass werden können 

Schwimmen und Tauchen wie eine Meerjungfrau

Drei kleine Meerjungfrauen planschen in einem Strandbad. (Bild: rbb/ Annette Miersch)
| Bild: rbb/ Annette Miersch

Laut klatschen die Schwanzflossen beim Schwungholen aufs Wasser. Alexa, Laurina und Serees schlängeln sich dicht unter der Wasseroberfläche durch den Germendorfer See bei Oranienburg. Bereits seit zwei Jahren trainieren sie "Mermaiding", also das Meerjungfrau-Schwimmen. Ab der Hüfte abwärts stecken die neun- bis elfjährigen Mädchen in einem engen Stoff-Schlauch, blau, pink und silberschwarz. Beide Füße sind in einer Monoflosse fixiert, erklärt Alexa: "Drin kann man die Füße nur wenig bewegen und auch der Beinbezug ist eng."

Die Meerjungfrau-Schwimmtechnik ist anspruchsvoll: Der Köper wird wellenartig bewegt, wie beim Delphinschwimmen. Die Arme allerdings bleiben nach vorn ausgestreckt oder liegen eng am Körper. Ein wichtiger Aspekt ist das Langstreckentauchen – inklusive Luftanhalten. Die Schwimmart würde zudem Bauch-, Rücken-, Bein- und Armmuskulatur trainieren, sagt Profi-Nixe Natalie Camacho von der "Meerjungfrau Apnoe Akademie": "Da wir unter Wasser nicht atmen können, ist der Trainingseffekt noch größer. Wir verbrennen dreimal soviel Kalorien."

Um die 50 bis 100 Euro kostet ein Anfänger-Kostüm mit Flosse. Profis, die für Shows und als Model gebucht werden, blättern schon mal 2.000 hin.

Mit den Fischen durch den Seegraswald

Tauchen im Groß Glienicker-See. (Fotos: rbb/ Annette Miersch)
| Bild: rbb/ Annette Miersch

Wem das mit dem Luftanhalten nicht gefällt, muss halt sein Päckchen tragen. Besser gesagt: ein richtiges Paket. Je 20 Kilo Ausrüstung schleppen die Tauchschüler Kai Schlichting und Alexander Schauer am eigenen Köper hinunter zum Groß Glienicker See. Ihr erster Tauchgang im offenen Gewässer steht bevor. Auf der 1. Tauchplattform, noch in Ufernähe, erklärt Tauchlehrerin Daniela Kortmann von der "Tauchzentrale", die wichtigste Regel: Luftholen nicht vergessen!

Schläuche, Regler, Messgeräte, dazu die schwere Sauerstoffflasche – die ganze Technik haben die Schüler vorher selbst zusammenschrauben müssen. Das sei auch gut so, sagt Alexander Schauer: "Wenn man unter Wasser nicht mehr miteinander sprechen kann, muss man doch wissen, wo etwas ist."

Dann endlich dürfen Kai und Alexander mit ihrer Lehrerin 30 Meter zum ersten Mal weit im See tauchen – bis hin zur zweiten Plattform. Eine unter Wasser gespannte Leine hilft bei der Orientierung. Kai schwärmt von der abenteuerlichen, neuen Unterwasserwelt: "Allein zu merken, dass die Fische keine Angst vor einem haben und dieser Seegraswald, das ist sehr faszinierend."

Billig ist das Vergnügen nicht: Zwischen 300 und 500 Euro kostet ein Tauchschein.

Schäumend schnell über Kicker und Schanzen

Jugendliche lernen Wasserskifahren in Zossen (Quelle: rbb/ Annette Miersch)
Jugendliche lernen Wasserskifahren in Zossen | Bild: rbb/ Annette Miersch

Reinklettern, festhalten. Das Seil der Übungs-Kabelbahn am Schlauchreifen spannt sich straff – und ab geht die Post auf dem Wasserski! Kreischend rauschen Lilli, Jade und Nada über das klare blau-grüne Wasser des Hechtsees. Auf der einen Seite des Gewässers werden Sand und Kies abgebaut. Auf der anderen hat sich der "Wasserskipark Zossen" etabliert.

Die Teenager sind in Neoprenanzug, Schwimmweste und Helm eingepackt. "Wenn´s richtig schnell wird, fliegt man übers Wasser", strahlt Lilli. Für die geübteren gibt es die große Ski- und Wakeboard-Seilbahn: 543 Meter lang ist der Rundkurs. Weiß leuchten die Sprungschanzen und Hindernisse. Auf ihren Brettern stehend, lassen sich die Besucher schäumend schnell übers Wasser ziehen. Deswegen ist gute Einweisung und Betreuung alles, sagt Wasserskipark-Chef Andreas Leonhardt. Westen sind Pflicht, Helme empfohlen. Für unfallfreie Sommertage auf den Wasserbrettern empfiehlt er Einsteigerkurse. Zwischen 19 und 33 Euro kosten die pro Person. Die Nutzung der Ausrüstung ist inklusive.

Abschalten von der Stadt und bei sich sein

BA-Wasserserie Ulrike Finck auf dem Surfbrett (Quelle: rbb)
Stand-Up-Paddeling-Yoga auf dem Schlachtensee in Berlin | Bild: rbb

Die Ausrüstung vor Ort gibt’s auch am Schlachtensee im Berliner Grunewald. Dort knien zwei Frauen auf dem Wasser. Naja nicht ganz: sie knien auf je einem schwimmenden, surfbrettähnlichen Gefährt. Grüßend recken sie ihre Arme in den Himmel. Die eine lernt, die andere unterrichtet: SUP-Yoga. SUP steht für das englische Wort "Stand-Up-Paddeling" – also Stehpaddeln. Dafür gibt es spezielle Boards, die auch fürs Yoga taugen: etwa drei Meter lang, 80 Zentimeter breit und kippstabil.

SUP-Yoga-Neuling Lina hat ihre erste Stunde Yoga auf dem Wasser hinter sich. Ein spirituelles Schlüsselerlebnis hatte sie dabei noch nicht: "Die Balance bei dem Wellengang zu halten, ist sehr schwierig. Ich war heute mehr mit meinen Armen und Beinen beschäftigt als mit der Natur."

Die Natur nehmen ihre Schülerinnen und Schüler von Mal zu Mal deutlicher wahr, verspricht Yogalehrerin Nadja vom Lagoa-Studio. Sie schwört auf die Kombination aus Stehpaddeln und Yoga: "Du kannst ganz schnell abschalten von dieser Stadt und bei Dir sein." Anfänger sollten es langsam angehen: also sitzend oder liegend.

Schubsen ist nicht das Härteste

Ein Kanupolo-Spiel in Berlin-Spandau. (Bild: rbb/ Annette Miersch)
| Bild: rbb/ Annette Miersch

Wer Ruhe sucht, ist beim "Kajak-Club Nord-West Berlin" an der falschen Adresse. Laut schallt der Schlachtruf der Leistungssportler über den Hohenzollernkanal in Berlin. Hier – ganz in der Nähe vom Tegeler See – ist das Trainings-Spielfeld des Vereins. Zwei basketballähnliche Tore hängen zwei Meter über dem Wasser. Dort hinein müssen die Spielerinnen und Spieler vom Kajak aus den Wasserball bugsieren – mit der Hand oder dem Doppelpaddel.

Kanupolo ist eine Kontakt- und Kampfsportart: Das Wasser kocht und spritzt, die Boote knallen aneinander. Eine der Regeln: Schubsen ist erlaubt! Für Esra Özbay ist das kein Problem: "Schubsen ist nicht das Härteste beim Kanupolo", sagt die junge Frau. Sie ist amtierende Weltmeisterin mit der deutschen U21-Damen-Nationalmannschaft.

Ein Kanupolo-Spiel in Berlin-Spandau. (Bild: rbb/ Annette Miersch)
| Bild: rbb/ Annette Miersch

Diese Mischung aus Handball, Basketball und Wasser-Rugby ist keine Trendsportart: Schon 1927 gab es die ersten Deutschen Meisterschaften im Kanupolo. Geeignet ist die Kanupolo schon für Kinder ab zehn Jahren. Trainieren sollten sie am besten im Verein. Auch für Zuschauer ist Kanupolo ein Spektakel: Die Deutschen Meisterschaften 2019 finden vom 8. bis 11. August in Brandenburg an der Havel statt. Der Eintritt zu allen Wettkämpfen ist kostenlos.

Sendung: Inforadio, 01.-5.07.2019, 9 Uhr

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3 Kommentare

  1. 1.

    Tolle Angebote. Super Cool. Nur leider bin ich Nichtschwimmer. Schade.

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