Zoni Weisz - der Sinto aus den Niederlanden verlor unter den Nazis fast seine gesamte Familie. (Quelle: rbb|24)
Video: rbb24 | 02.08.2019 | Frank Drescher | Bild: rbb|24

Auschwitz-Gedenken - Wie Zoni Weisz dem Todeszug entkam

Vor 75 Jahren ließ das NS-Regime in Auschwitz rund 4.000 Sinti und Roma ermorden. Viele von ihnen waren auf Befehl der Nazis von der niederländischen Polizei verhaftet worden. Zoni Weisz war damals sieben Jahre alt - und verlor seine ganze Familie. Von Frank Drescher

Am 16. Mai 1944 verbrachte Zoni Weisz Zeit bei seiner Tante und deren Kindern. Deshalb war er nicht zu Hause, als das NS-Regime die niederländische Polizei Jagd auf Sinti und Roma machen ließ. Die brachten Weisz‘ Familie in das Durchgangslager Westerbork, von wo aus die Deportationen nach Auschwitz stattfanden.

Eltern und Geschwister in den Viehwaggon gezwungen

Doch nur wenige Tage später fiel auch die Tante mit den Kindern den Menschenjägern die Hände. Nur wenige Stunden, so schildert es Weisz heute, verbrachte er mit seinen Verwandten in dem Durchgangslager, bevor sie zum Bahnhof in Assen gebracht wurden. Dort musste er mit ansehen, wie seine Verwandten in einen Viehwaggon gezwungen wurden.

Niederländischer Polizist verhalf zur Flucht

Eigentlich hätten er, seine Tante und deren Kinder auch mit diesem Zug in das Vernichtungslager fahren sollen. Doch ein niederländischer Polizist zeigte Menschlichkeit und verhalf ihnen zur Flucht. Sie konnten sich in einen anfahrenden Personenzug retten und entgingen so dem sicheren Tod.

Gemeinsam irrten sie ein halbes Jahr durch die Niederlande. Ihr Ziel war das Haus der Großeltern in Nimwegen. Dabei versteckten sie sich nachts in Wäldern, auf Bauernhöfen und außer Betrieb befindlichen Fabriken, stets auf der Hut vor den NS-Besatzungstruppen, die sich oft genug in ihrer Hör- und Sehweite befanden.

Als Florist in den Niederlanden überaus erfolgreich

Bei den Großeltern verbrachte er die Zeit bis zum Kriegsende, ging wieder zur Schule und arbeitete aushilfsweise bei einem Floristen. Der brachte ihn auf die Idee, eine Gartenbau-Schule zu besuchen. Später arbeitete er als Gärtner am niederländischen Königshof. Als Florist hat er sich in den Niederlanden mit nur 21 Jahren selbständig gemacht und sich um die niederländische Blumenindustrie verdient gemacht  - und es auch auf zwei Einträge im Guiness-Buch der Rekorde gebracht, einen für das größte Blumenarrangement der Welt, einmal für das Blumenarragement mit den meisten unterschiedlichen Blumenarten.

Erst seit den 90er-Jahren erzählt er öffentlich von seinen grausamen Kindheitserlebnissen. Dazu gebracht haben ihn seine eigenen Kinder, deren Fragen er bis dahin immer wieder ausgewichen war. 2011 war er der erste Sinto, der vor dem Bundestag sprach.

Sendung: rbb24, 02.08.2019, 21.45 Uhr

Beitrag von Frank Drescher

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