Ein ausgebranntes Auto steht in der Nähe der U-Bahnstation Gleisdreieck. (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Video: Abendschau | 02.08.2019 | Timo Fabian Nicolas | Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Allein im Juli 64 Fälle in Berlin - Geisel geht bei Autobränden von Serientäter aus

Mehr als 300 Autos sind 2019 bereits in Berlin angezündet worden. Für einige der Brände macht Innensenator Andreas Geisel einen Serientäter verantwortlich. Einen politischen Hintergrund sieht er anhand der bisherigen Ermittlungsergebnisse aber nicht.

Die vielen Autobrände in Berlin in den vergangenen Wochen gehen offenbar auf einen kriminellen Serientäter zurück. Das sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) dem rbb am Freitag. "Wir gehen davon aus, dass die nicht politisch motiviert sind, jedenfalls nicht alle", sagte Geisel.

Vielmehr sei dort ein Serien-Brandstifter am Werk. "Wir stellen das daran fest, in welchen Stadtteilen Berlins Autos brennen, welche Modelle das sind und welche Bekenntnisse es dazu gibt." Zuletzt war 2011 ein Serien-Autobrandstifter in der Stadt unterwegs. Er soll aus Frust und Geltungssucht gehandelt haben. Der Mann wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt.

LKA-Ermittlungsgruppe "Nachtwache" gegründet

Die Polizei sei intensiv an diesem Thema dran, sagte Geisel weiter. "Klar ist, dass wir was tun müssen, dass wir das nicht einfach hinnehmen können." Dafür sei die LKA-Ermittlergruppe "Nachtwache" gegründet worden und "wir haben jetzt im Moment 18.000 Polizistinnen und Polizisten auf der Straße insgesamt, die alle mal schauen." Genauer äußerte sich Geisel, der der oberste Dienstherr der Berliner Polizei ist, zu den jüngsten Ermittlungsergebnissen nicht.

Weniger als zehn Prozent politisch motiviert

Wie ein Polizeisprecher rbb|24 auf Nachfrage sagte, gingen in diesem Jahr bereits 327 Fahrzeuge in Flammen auf. Davon seien 30 aus politischen Motiven angezündet worden, wobei weitere 31 Fahrzeuge beschädigt wurden, als die Flammen übergriffen.

Weitere 160 Autos seien aus anderen Gründen in Brand gesetzt worden, zum Beispiel aus Rachemotiven, weil sich Paare um ein Auto stritten oder aus ähnlichen Gründen. Auch in vielen dieser Fälle sprang das Feuer auf unbeteiligte Fahrzeuge über, so dass weitere 100 Autos beschädigt wurden. In weiteren sechs Fällen seien die Ermittlungen zum möglichen Motiv noch nicht abgeschlossen, sagte der Sprecher.

Alleine im Juli wurden den Angaben zufolge 64 Autos in Brand gesteckt. Erst am späten Donnerstagabend wurde ein Renault am Neuköllner Kiehlufer durch ein Feuer komplett zerstört, auch in diesem Fall geht die Polizei von Brandstiftung aus. Anfang der Woche gingen in Kreuzberg und Tiergarten ganze zwölf Autos in Flammen auf. Verdächtige sind bisher nicht bekannt.

Kaum verwertbare Spuren

Täter im Nachhinein zu ermitteln ist äußerst schwierig, weil sie bei solchen Brandanschlägen kaum verwertbare Spuren hinterlassen. Schon ein brennendes Stück Grillanzünder auf einem Autoreifen kann ausreichen, um ein ganzes Fahrzeug binnen kurzer Zeit abzufackeln. Wenn die Flammen übergreifen, sind die Verursacher schon längst vom Tatort verschwunden. Deshalb ist die Polizei besonders auf Zeugen angewiesen.

Sendung: Inforadio, 02.08.19, 10 Uhr

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33 Kommentare

  1. 33.

    Und für den anderen Teil krininelle Banden, Versicherungsbetrug und technische Fehler?

  2. 32.

    In Köln waren es Linksradikale, die vier Porsche-PkW abgefackelt haben.

    „Wir wollen uns mit dieser konkreten Maßnahme friedlich für die Begrenzung der klimaschädlichen C02-Emissionen einsetzen“ heißt es im Bekennerschreiben.

    Die Hass- und Hetzseite Indymedia brüstet sich ebenfalls mit der Tat.

  3. 31.

    Gemäß Strafgesetzbuch wären das Terroristen und keine Aktivisten, die zur Durchsetzung Ihrer politischen Ziele Angst und Schrecken verbreiten.

  4. 30.

    Ist das nicht anstrengend, soviele Autos alleine anzuzünden und nicht erwischt zu werden?

  5. 29.

    Ein Serientäter? - Könnte der Herr Innensenator vielleicht hellseherische Fähigkeiten besitzen?

  6. 28.

    Es gibt Menschen, die halten diese Aktivisten für Kämpfer für eine saubere Umwelt. Schafft die Autos ab, dann können sie auch keine mehr anzünden.

  7. 27.

    Völlig richtig. Wer schon so viel Dreck am Stecken hat wie Frau Storch, sollte trotzdem nicht für alles seinen Kopf hinhalten müssen. Empörend!

  8. 26.

    Richtig. Es wäre ja dumm gegen die Täter zu hetzen und am Ende waren es die "falschen" Täter. Wie das Storch schonmal passiert ist https://de.wikipedia.org/wiki/Beatrix_von_Storch#Tweet_anl%C3%A4sslich_der_Amokfahrt_in_M%C3%BCnster_am_7._April_2018

  9. 23.

    Guter Kommentar. Bevor es keine Hinweise gibt, muss man sachlich bleiben. Aus welcher Richtung diese Taten kommen, ist bisher völlig ungewiss.

  10. 22.

    Fahrräder brennen zu schlecht. Man hat testweise Paletten aufgestapelt und dann das Rad auf den Scheiterhaufen geworfen. Das ist aber zu aufwendig.

  11. 21.

    " Und mancher wird sich sehr ernsthaft überlegen ob er/sie sich noch ein Auto kaufen wird."

    Und damit sind Sie wohl der wahren Intention der Täter auf der Spur. So ist es doch gewünscht. Fahrräder werden nicht angesteckt. Wetten?

  12. 20.

    Kameras her, an jeder zweiten Laterne

  13. 19.

    Na dann heißt die Lösung vermutlich, allgemeine und stadtweite Ausgangssperre von 22:00 - 6:00 und an jeder Ecke ein Polizist, der das kontrolliert. Vielleicht müssen wir dann noch ein paar tausend Beamte aus dem Rest der Republik einladen, bei den vielen Ecken in Berlin.

  14. 18.

    Na dann weiß jetzt jeder mit krimineller Energie wie man spurlos ein Auto anzündet. Hoffen wir das die Anleitung niemanden animiert!

  15. 17.

    von wegen Kollege Zufall: https://netzpolitik.org/2012/funkzellenabfrage-im-berliner-innenausschuss-vier-millionen-abgefragte-daten-kein-ermittlungserfolg/

    Funkzellenabfrage im Berliner Innenausschuss: Vier Millionen abgefragte Daten, kein Ermittlungserfolg

  16. 16.

    Am meisten profitieren die Versicherungen, die mehr Prämien verlangen können. Und die Pressen, die wieder was zu drucken hat. Die Rechten arbeiten oft mit false Flag Attacks. Oft sind es aber auch einfach nur Leute mit Langeweile.

  17. 15.

    Joa, ich gehe vom Gegenteil aus.

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/kriminalitaet-in-berlin-mehr-als-150-autos-seit-jahresbeginn-angezuendet/20113040.html

    Btw. ist Indymedia eine offene Plattform, auf der jeder alles posten (und behaupten) kann. Auch vermeintliche "Bekennerschreiben".

    „Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt.“

  18. 14.

    Aber Hallo. Wo ist denn der/die/das Gendersprech? Zitat: Für einige von den Bränden macht ... Geisel einen Serientäter verantwortlich. Das ist politisch nicht korrekt. Ich bitte um Korrektur in Serientäter bzw. Serientäterin bzw. Divers. Wenn korrekt, dann immer korrekt!

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