Selbstfahrender Kleinbus am 05.08.2019 bei einer Testfahrt in Berlin-Tegel (Bild: rbb/Oberwalleney)
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Video: rbb|24 | Stefan Oberwalleney | 06.08.2019 | Bild: rbb/Oberwalleney

Messfahrten ab Montag möglich - BVG testet erstmals autonomen Bus im Straßenverkehr

Sind selbstfahrende Fahrzeuge eine sinnvolle Alternative zum Privatauto? Die BVG will auf diese Frage Antworten finden. Ab Montag darf sich ein Kleinbus selbstständig durch den Straßenverkehr Alt-Tegels manövrieren - vorerst noch ohne Passagiere. Von Oliver Noffke

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) testen erstmals einen selbstfahrenden Bus im Straßenverkehr. Das teilte eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage mit. Der Kleinbus des französischen Autobauers Easymile soll entlang der Straße Am Tegeler Hafen die U-Bahnstation Alt-Tegel mit dem Ausflugsziel der Seeterassen verbinden. Der Rundkurs ist insgesamt etwa 1,2 Kilometer lang.

Schon ab Montag könnte mit den ersten Messfahrten begonnen werden. Die entsprechenden Genehmigungen für Fahrten ohne Passagiere seien erteilt worden, so die zuständige Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz auf Anfrage von rbb|24. Eine Genehmigung für Fahrten mit Passagieren für das sogenannte "Projekt See-Meile" werde demnach gerade vom Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Labo) geprüft.

Techniker kann im Notfall stoppen

In den ersten Testwochen werde sich lediglich ein Techniker an Bord befinden. "Wichtig ist für uns erst einmal zu sehen, wie das Fahrzeug im Straßenverkehr reagiert und wie es bei den Fahrgästen ankommt - oder ob sie es unheimlich finden", sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken. Der Techniker könne allerdings weder lenken noch die Geschwindigkeit regeln, sondern lediglich einen Notstopp für das bis zu 15 Kilometer pro Stunde fahrende Gefährt auslösen.

Das Fahrzeug müsse zunächst den Weg erlernen und mit verschiedenen Situationen im Straßenverkehr vertraut gemacht werden. "Das weiß ja am Anfang noch nicht viel", so Nelken weiter. "Als wir das zum allerersten Mal getestet hatten, ist es wegen eines Sonnenstrahls stehen geblieben. Den hielt das Auto für einen entgegenkommenden Scheinwerfer."

Wenn der Kleinbus per App geweckt werden kann

Die BVG hofft, mit automatisierten Angeboten zukünftig weitere Alternativen zum Privatauto bieten zu können. So sagte BVG-Sprecherin Nelken, dass man zwar schon jetzt gut an viele Ecken Berlins mit dem öffentlichen Nahverkehr komme, künftig aber die letzten Meter durch autonome Fahrzeuge zurückgelegt werden könnten. "Wenn ich zum Beispiel nachts an der U-Bahn ankomme und dann sage ich per App Bescheid 'gleich bin ich da' und dann wacht so ein Bus auf und kommt mir entgegen", sagte sie.

Sollten die ersten Tests erfolgreich verlaufen, könnten laut BVG noch im August Ausflügler mit dem "hochautomatisierten Kleinbus" - so der korrekte Begriff - zum Tegeler See pendeln. Montags bis freitags soll der Bus zwischen 7.30 Uhr und 11 Uhr sowie am Nachmittag zwischen 15 Uhr und 18.30 Uhr fahren. Samstags und sonntags ist ein Verkehr in der Zeit von 10.30 Uhr bis 17.30 Uhr vorgesehen. So lange sich das Projekt in der Testphase befinde, würden die Mitfahrten kostenlos angeboten. Bis zu sechs Passagiere finden in dem Fahrzeug Platz.

Ähnlicher Test in Wusterhausen

Bereits seit Ende März 2018 fahren baugleiche Modelle des französischen Herstellers Easymile auf dem Campus der Charité in Berlin-Mitte. Dort sei das selbstfahrende Fahrzeug gut bei den Passagieren angekommen, sagte die BVG-Sprecherin. "Aber so ein abgesperrtes Gelände ist ja schon etwas anderes, als der offene Straßenverkehr, was wir jetzt testen."

Auch in Brandenburg gibt es ein solches Projekt: Seit Mitte Juli fährt ein autonomer Bus auf der Linie 708 über öffentliche Straßen von Wusterhausen (Ostprignitz-Ruppin) - ebenfalls noch im Testbetrieb. Bis Ende Juni 2020 soll der Bus getestet werden.

Beitrag von Oliver Noffke

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Antwort auf [noch ein Leser] vom 06.08.2019 um 07:22
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19 Kommentare

  1. 19.

    Willkommen in der Fersehsendung "Verstehen sie Spass" - oder was will uns die BVG-Sprecherin Nelken sagen mit: "Wenn ich zum Beispiel nachts an der U-Bahn ankomme und dann sage ich per App Bescheid 'gleich bin ich da' und dann wacht so ein Bus auf und kommt mir entgegen".
    Was ist, wenn der Handy-Akku leer ist? Fährt dann kein Bus? Oder: "Ich habe gar kein Handy".
    Früher kamen z.B. 20 Personen mit der U-Bahn an und wenn der Fahrplan optimal abgestimmt war, wartete der Nachtbus auf diese. Wenn dann in Zukunft einer von diesen 20 Leuten frühzeitig per App sich einen Bus bestellt, warten die Anderen 19 auf 19 Busse? Oder fährt nach BVG Vorstellungen nur noch eine einzelne Person in einer großen U-Bahn? Auch Frauen würden sich nachts sicherer fühlen, wenn ein Busfahrer im Notfall eingreifen könnte!
    Was die BVG vorhat, nennt man Individualverkehr. Dafür gibt es Taxi´s. Und wenn alle arbeitenden Menschen, durch Maschinen ersetzt werden, dann ...

  2. 18.

    Fahrten ohne Passagiere durchführen ist ja mal ein völlig neues Konzept für die BVG - könnte die Zukunft sein. Dann sind die Fahre*Innen nicht immer so gestreßt durch die ganze Kundschaft. Die Sache mit dem Bus anfordern per Handy klingt zwar toll aber etwas schwammig. Woher soll denn der Bus wissen, wohin Fahrgäste wollen? Hängt drinnen ein Stadtplan mit berührungsempfindlichen Display und der Bus stellt sich die Route dann selber optimal zusammen (mehrere Fahrgäste!)? Und warum soll man den Bus nehmen, wenn in derselben Zeit oder weniger das Ziel zu Fuß erreichbar ist; da müßte man ja wirklich schon etwas fußlahm oder richtig hackedicht sein. Vonner Idee her nicht schlecht aber auch wirklich praktikabel?
    Wird auch der Taxi-Innung mächtig gegen den Strich gehen. Dieses neumodische Zeugs macht 'ne Menge Leute (ungelernte, bzw. geringqualifizierte Berufe) arbeitslos und ist nur geeignet pro Gerät stattdessen mehrere Studierte zu beschäftigen (vgl. IKEA- und Supermarktkassen).

  3. 17.

    Das klingt ja nach einem Anfang. Besser spät als nie könnte man da sagen. Aber auch der Plan scheint ein der Notwendigkeit entsprungen er zu sein. Ähnlich wie Sandsäcke füllen, wenn die seit langem absehbare Flut schon an der Haustür angekommen ist.
    Seit langem soll es den Plan geben, das halte ich für übertrieben. Die Wiedervereinigung Deutschlands war vor 30 Jahren!
    Und damit auch die Notwendigkeit eines umfassenden Verkehrkonzeptes. Wenn es jetzt einen Plan 2019-2023 gibt ist das Versäumnis groß.
    Die beteiligten Politiker der Gegenwart und der Vergangenheit sollten sich für ihr versagen...
    Aber es wird keine Konsequenzen geben. Ähnlich dem Flughafendesaster.
    Hoffentlich wird sich zumindest das durch Volksbeteiligung in der Politik in Zukunft ändern.

  4. 16.

    Reduzieren kann am besten durch gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen erreicht werden. Bisher können sich diese Fahrzeuge (Carsharing) aber nicht entgegenkommend/intelligent verhalten. Das Bussystem ist dahingehend ein erster Schritt in die eigene Richtung meine ich.

  5. 15.

    Nein, barrierefrei ist das Fahrzeug nicht. Keine Mitnahme von Menschen mit Rollstuhl möglich, keine Durchsage der Haltestellen.
    Und gefährlich ist das Gefährt auch noch, da ohne das für blinde Fußgänger überlebenswichtige künstliche Fahrgeräusch!
    Hierzu der bemerkenswerte Bericht der Morgenpost: https://www.morgenpost.de/berlin/article226667649/BVG-Bus-ohne-Fahrer-ist-zu-leise-und-fuer-Blinde-eine-Gefahr.html

  6. 12.

    Nun, ich verstehe zwar Ihre Reaktion. Aber ganz war ist nicht, was Sie sagen. Tatsächlich gibt es seit langem wieder einen Plan, der Wachstum vorsieht. Er nennt sich Berliner Nahverkehrsplan 2019-2023 betrachtet aber einen Zeitraum bis 2030 und sieht beträchtliches Wachstum vor. Mehr S-Bahn-Strecken, Mehr Straßenbahn, dichtere Takte bei der U-Bahn und neue Maßnahmen beim Bus. Kostet bis dahin 28 Mrd. € und wird - wenn es denn so kommt - helfen, die Stadt nach vorne zu bringen. Leider geht das alles nicht von jetzt auf gleich, insofern wird man die Verbesserungen erst in den nächsten jahren spüren. Sie sehen also - an Plänen mangelt es nicht.

  7. 11.

    Geld in Forschung und Zukunft zu stecken ist lobenswert. Wenn nun aber die Gegenwart und damit der derzeitige Stand der BVG was die Personenbeförderung in der Hauptstadt angeht ignoriert wird, kann ich gerne drauf verzichten.
    Die Öffentlichen Verkehrsmittel sind bereits an ihrer Belastungsgrenze angekommen und es gibt keinen "Meister-Plan" wie das zu beheben wäre.
    Müller schlägt ein 365€ Fahrschein für jeden und für das ganze JAHR vor und bekommt die Antwort das es leider aus Kapazitätsgründen nicht machbar wäre. Aber schöne Idee.
    Es sieht so aus, als ob 1920 ein wesentlich besseres Verkehrskonzept in dieser Stadt vorlag. Es gab weniger Autos und mehr Menschen, die den Nahverkehr nutzten. Des weiteren bis 1948 ein Bevölkerungswachstum bis zu 4,5 Millionen Einwohnern. Das ist fast eine Million mehr als jetzt! Wo ist sie hin, die Planung und das ganze Geld?
    Peinlich für alle aktiven und ehemaligen Politiker aus Berlin, die darauf Einfluss haben/hatten!

  8. 10.

    Ein autonomer Bus? Fährt der dann auch durch die Rigaer Straße?

  9. 8.

    Wenn wir unser Klima retten wollen, müssen wir den Verkehr nicht umlenken, sondern REDUZIEREN!

  10. 7.

    "Wir lassen keinen fahren" - Okay, PR-Team, den Slogan fand ich jetzt ansprechend. Hoffentlich halten sich die Fahrgäste auch dran. Ist ja eine eher kleine Kabine. :)

  11. 6.

    Ist der e-Kleinbus barrierefrei?

  12. 5.

    Ich muss immer schmunzeln wenn ich was von der wahnsinnigen Geschwindigkeit von 15 Stundenkilometern lese... Wenn ich alleine nur 5 Minuten auf den Bus warten muss, lohnt es sich doch gar nicht mehr einzusteigen...

  13. 4.

    Was passiert eigentlich wenn man vor das Mobil und hinter das Mobil einen Umzugskarton abstellt?

  14. 3.

    Ist der mal pünktlich? ;)

  15. 2.

    Wer hat diese Busse gebaut? Die BVG hat gerade etwas Pech mit neuen Transportmitteln.

  16. 1.

    Können die auch bei Regen fahren?

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