Die Sonnen-Grundschule in Berlin Neukölln (Quelle: rbb)
Video: rbb|24 | Material: Abendschau | 21.08.2019 | Bild: rbb

rbb-exklusiv: Unsachgemäße Sanierung - Neuköllner Grundschule wegen giftigen Staubs vorerst gesperrt

Lehrer und Eltern der Sonnen-Grundschule in Neukölln sind in Sorge um offenbar gesundheitsschädliche Faserplatten, die bei Bauarbeiten beschädigt wurden. Dem rbb liegt ein Gutachten vor, das zu einem beunruhigenden Ergebnis kommt.

In der Sonnen-Grundschule in Berlin-Neukölln sind nach Recherchen der rbb-Abendschau bei Bauarbeiten möglicherweise krebserregende Stoffe freigesetzt worden. Seit einer Woche sind einige Räume der Schule für den Unterricht gesperrt, die 330 Schüler werden auf vier umliegende Schulen verteilt.

Beim Einbau einer Alarmanlage am Ende des vergangenen Schuljahres wurden künstliche Mineralplatten aus den siebziger Jahren unsachgemäß zerschnitten. Dabei setzte sich Staub aus den Platten in den Räumen ab. Besorgte Lehrer schickte Teile einer Deckenfliese am ersten Ferientag an ein Labor. In einem Gutachten vom 10. Juli, das dem rbb vorliegt, stellt sich heraus, dass die Probe "lungengängige Fasern" enthält, die "krebserzeugend" sind.

Die nicht fachgerechten bearbeiteten Deckenplatten, an denen Bauarbeiten durchgeführt wurden (Quelle: rbb)
Die offenen Fasern an der Decke eines Klassenzimmers in der Schule. | Bild: rbb

Dennoch putzten die Lehrkräfte nach der Rückkehr aus den Sommerferien am 31. Juli die verstaubten Klassenräume. "Sie haben sie vorbereitet und sie haben auch gereinigt", sagte Schulleiterin Pocko Moukoury der rbb-Abendschau. "Das machen sie fast immer, weil natürlich Staub in den Regalen liegt. Das ist normal." Erst am darauffolgenden Tag erfuhr Moukoury, dass der Staub in den Räumen gefährlich sein soll.

Schüler sollen kommende Woche zurück

Mit Rückendeckung durch das Bezirksamt ordnet sie Raumluftproben an, die noch am selben Tag stattfinden. In der vergangenen Woche die Entwarnung: In der Raumluft wurde keine künstlichen Mineralfasern nachgewiesen. Obwohl Gutachter bei einer Begehung am 8. und 9. August noch angeben, dass Gefahr im Verzug scheint.

Viele Eltern und Lehrer sind außerdem darüber besorgt, dass die Bauarbeiten bereits vor den Ferien durchgeführt wurden.

Seit einer Woche werden alle betroffenen Räume durch eine Spezialfirma gereinigt, das haben der Bezirk Neukölln und die Senatsverwaltung für Bildung veranlasst. In der nächsten Woche soll der Unterricht wieder regulär aufgenommen werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, die Fasern seien "lungenfähig" gewesen. Der korrekte Begriff lautet "lungengängig", wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

Sendung: Abendschau, 21.08.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

7 Kommentare

  1. 7.

    Ich finde es ein Sauerei! , wie da vorgegangen wurde. So wie ich das erlesen konnte wussten Lehrer schon länger davon. Ich finde es verantwortungslos! Was soll man den jetzt glauben. Die Ergebnisse sollten die Elternn schriftlich erhalten. Ich bin der Meinung es sollten viel mehr Kontrollen stattfinden, auch was die Sauberkeit angeht und den lernstand. Denn dies lässt sehr zu wünschen übrig. Auch so mancher (Erzieher) ich finde es traurig und schlimm wie sich die Dinge hier entwickeln. Gerne wäre ich nicht mehr heute zur Schule gegangen. Das trifft der Spruch, früher war alles besser.

  2. 6.

    Hatte der Gutachter bei seiner Begehung am 8. und 9. August auch Luftproben ausgewertet?

  3. 5.

    Ein Skandal jagt den Nächsten. Interessant wie schnell hier auf die vergifteten Stäube reagiert wurde, während es sich bei der Aufklärung und Abänderung der Sachlage (Vergiftung der Luft) bei dem Schiesstand-Skandal der Berliner Polizei jahrelang hingezogen hat. Interessant bleibt in diesem Falle auch die Strafverfolgung und deren Strafmaßnahmen bzw. Entschädigungsleistungen für die betroffenen Schüler und Lehrer. Ich hoffe, die Journalisten vom rbb bleiben dran ...

  4. 4.

    Und uebrigens: es heisst 'Gefahr im VERzug' und nicht 'Gefahr im VOLLzug': Es geht hier weder um Risiken im Knast noch in ausgelasteten S-Bahnen. Ist es echt zu viel verlangt, dass eine Nachrichtenredaktion solche "Feinheiten" der Sprache beruecksichtigt?? Auch hier hilft ggf wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Gefahr_im_Verzug

  5. 3.

    Na ich hoffe die Kosten für die Spezialreinigung und eine saftige Entschädigung für den Unterrichtsausfall werden der Baufirma in Rechnung gestellt.

  6. 2.

    Der korrekte Begriff ist 'lungengaengig', nicht "lungenfaehig"; s. z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Faserstaub

  7. 1.

    Ich wünsche mir das diese "Staubaffäre" nicht totgeschwiegen wird - analog zu den Schießständen der Berliner Polizei.
    In beiden Fällen geht es um Menschen, egal ob die Einen noch ganz klein sind oder/und man die Anderen vll. nicht mag.
    Ein Teppich für den Senat, die Verwaltung kann gar nicht flauschig genug sein für die ganzen Leichen darunter. Langsam sollte mal jemand drüber stolpern - aber kein Bauer.

Das könnte Sie auch interessieren

Luftbild vom Einkaufszentrum in Wildau nach dem Brand
rbb/Tino Schöning

Verdacht auf Brandstiftung - Einkaufszentrum in Wildau abgebrannt

In Wildau (Dahme-Spreewald) ist am Dienstagmorgen ein Einkaufszentrum in Brand geraten. Als die Feuerwehr eintraf, stand das Gebäude bereits voll in Flammen. Ein Großteil des Daches stürzte ein. Auslöser des Brandes war offenbar ein angezündetes Sofa.