Im Mauerpark sammelt sich besonders an sonnigen Tagen der Müll zahlreicher Besucher (Quelle: dpa/Paul Zinken).
Audio: radioeins | 14.08.2019 | Ricardo Westphal | Bild: dpa/Paul Zinken

Bezirke Pankow und Mitte - Touristen sollen Berliner Parks säubern

In Berliner Parks sammelt sich häufig reichlich Müll. Der Bezirk Pankow startet nun eine ungewöhnliche Aktion, um den Abfallbergen zu Leibe zu rücken: Touristen sollen beim Aufräumen helfen und dafür kleine Aufmerksamkeiten erhalten.

In einem neuen Projekt sollen Touristen dabei helfen, Berliner Parks zu säubern - und dafür ein Gratis-Picknick und ein kleines Geschenk erhalten. Die Aktion werde im August und September in Zusammenarbeit mit einem Anbieter von Stadtführungen stattfinden, heißt es in einer Mitteilung der Bezirksämter Pankow und Mitte [berlin.de]. Aufgeräumt werden sollen der Mauerpark und der Ernst-Thälmann-Park in Prenzlauer Berg.

Das Projekt gebe den Touristen die Gelegenheit, "sich in den Städten, die sie besuchen, einzubringen", sagte Lisa John, Managerin bei Sandemans Network Partnerships, der Mitteilung zufolge. Das Unternehmen bietet Stadtführungen auf Trinkgeldbasis in 20 verschiedenen Städten an und hat den Angaben zufolge bereits ähnliche Aufräumaktionen in Edinburgh, Barcelona, Paris, Amsterdam und Dublin organisiert. Dort habe man die Erfahrung gemacht, dass Besucher "das Erlebnis, sich als Teil der Stadt fühlen zu können noch mehr schätzen, als die kostenfreie Tour und die Erfrischungen am Ende", so John.

Politiker heben positive Effekte hervor

Pankows Wirtschaftsstadträtin, Rona Tietje (SPD) sieht das Konzept als Möglichkeit, um für einen nachhaltigen Tourismus zu sensibilisieren: Damit die Stadt weiterhin vom Tourismus profitiert, brauche es Begegnungsmöglichkeiten zwischen Besuchern und Anwohnern, so Tietje in der Mitteilung. Touristen müssten darauf aufmerksam gemacht werden, wie sie das Milieu und die Atmosphäre ihres Reiseziels beeinflussen.

Auch Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Mitte, erhofft sich einen positiven Effekt durch das gemeinsame Aufräumen. Dreck und Müll in touristisch stark frequentierten Gebieten seien weder für die Anwohner noch die Touristen ein schöner Anblick. Bei dem "gemeinsamen Clean-Up der Parkanlagen" gehe es "um praktizierten Umweltschutz und auch um viel Spaß beim gemeinsamen Verschönern, gegenseitigen Kennenlernen und Austausch", erklärte der Grünen-Politiker.

Projekt zum Jahrestag des Mauerfalls

Die Aktion findet auch im Zusammenhang mit dem 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer am 9. November 1989 statt. So sind die helfenden Touristen unter anderem zu einer kostenfreien Führung durch die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße eingeladen.

Die erste vom Bezirk als "Verschönerungsaktion" angekündigte Veranstaltung soll am 26. August im Mauerpark stattfinden. Im Ernst-Thälmann-Park wird dann am 9. und 23. September sauber gemacht.

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Antwort auf [Tremor] vom 14.08.2019 um 09:24
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23 Kommentare

  1. 23.

    Unser Event an Touristen könnte dann heißen: Die ersten zwei Besucher des Kinos erhalten freien Eintritt, wenn sie zuvor das Kino saugen und Staub wischen?? Ach, das geht nicht, weil wir dann unseren eigenen Arbeitskräften die Arbeit wegnehmen würden? Und auch, weil die IHK Wut schnauben würde, siehe Positivliste. Und überhaupt, sind nicht gerade Touristen die Menschengruppe, die dieser Stadt Berlin durch Übernachtungen, Essen, Getränken, Unternehmungen und Einkäufen viel Geld bringen. Weshalb haben diese Menschen den Grund, etwas zurück zu geben??? Oder fährt etwa Rona Tietje nach Wien, um dort als Event für sie als Touristin die vielen Grünflächen zu putzen?? Muss sie nicht. Denn die Grünflächen in Wien sind auch ohne derartige Events sauber. Das künftige Tourismuskonzept der Stadt Berlin reicht dann von Barenboim bis eventhaftes Kippenauflesen. Peinlicher geht es nicht! Oder doch, viele hat Rona Tietje noch eine weitere Idee? Bin sehr gespannt, diese zu hören.

  2. 22.

    Leider eben nicht. Wir leben in einer egoistischen, konsumorientierten Wegwerfgesellschaft. Das spiegelt sich halt auch in dem Bereich wieder. Und wenn es den Leuten Spaß macht, was ja die Erfahrungen aus anderen Städdten wohl gezeigt haben, dann ist es doch eine Win-Win-Situation. Besser, als wenn der Müll liegen bleibt.

  3. 21.

    So ist es.
    Wer nun fordert, dass der Staat/Senat einfach nur Reinigungsleute anheuern soll, mögen sich mal folgendes vor Augen führen:
    Sagen wir mal, jemand lässt seine Wohnung vermüllen, hält selbst die elementarsten Regeln der Sauberkeit nicht ein, fordert stattdessen, dass die Hausverwaltung regelmäßig Putzleute vorbeischickt und dass die entsprechenden Kosten von allen anderen Mietern getragen werden.
    Was würden die Mitmieter dann wohl dazu sagen?

    Aber in größerem Maßstab bleibt die Empörung überschaubar; in der Masse geht vieles unter.

  4. 20.

    Eine pure Schnappsidee!
    Wer von den Tousitsen würde sich daran beteiligen? Außer vielleicht vegane Stoffbeutelträger ...
    Lieber eine ÖPNV-Zwangspasuschale (10€/Tag) für Touristen einführen!
    Vielleicht schreckt das ab.

  5. 19.

    Jeder von uns hat als Kind gelernt, dass man keinen Müll hinterlässt, sondern im Zweifel mitnimmt. Das "System Berlin" ist das Gegenteil: Alle Berliner bezahlen, dass arme Leute ihr Arbeitsleben damit verbringen, den Müll von bestimmten Personengruppen wegzuräumen, weil die Politiker sich nicht unbeliebt machen wollen. Wer kistenweise Bier und Wodka in den Park trägt, dazu Chipstüten, Dönerverpackungen, fettige Grillschalen usw. weiß vorher, dass er es auch wieder mitzunehmen hat. Sonntagmorgens (!) müssen BSR-Arbeiter dann das Gröbste wegkehren, und montags sammeln alte (!) Angestellte des Grünflächenamts in einem Park rund ein Dutzend große Müllsäcke voll Partydreck der Jugendlichen. Sieht jeder, bezahlt der Steuerzahler, aber mal die Verursacher zur Rechenschaft ziehen und die Entsorgungskosten plus Bußgeld bezahlen lassen? Dann wäre schnell Ruhe im Karton und die zahlreichen Familien würden am Wochenende wieder Spielplätze und Wiesen ohne Scherben vorfinden.

  6. 16.

    Nee, nicht meine Humorlage, wenn Menschen pauschal negativ belegt werden. Ich lache über Ironie, wenn sie zutrifft und niemanden beleidigt. Nicht alles, was lustig gemeint ist... So gehen Meinungen nunmal auseinander.

  7. 15.

    Es steht ja nirgends, dass die Touristen für den Müll verantwortlich sind. Also keine Verdrehung erkennbar. Die Idee an sich ist allerdings hochgradig fragwürdig.

  8. 14.

    Was für eine Verdrehung. @RBB: Das Titelbild zeigt einen Sammelpunkt gewerblicher Flaschensammler und nicht den "Müll von Touristen". Im Mauerpark stammt der Müll wohl überwiegend von den Grillparties der Berliner. Und in den beiden großen Pankower Parks Bürgerpark und Schlosspark lassen sich Müll und Schäden seit Jahren weitgehend auf immer dieselbe Bevölkerungsgruppen zurückführen: Pankower Jugendliche, die vor allem am Wochenende nachts im Park saufen und teilweise kiffen, sprayen, Bäume "bemalen", mit den Flaschen kegeln und werfen, bis sie kaputt sind, Spielplätze verunstalten, Einkaufswägen in die Panke werfen etc. Das ist Polizei, Ordnungsamt, Grünflächenamt, BSR und Politik längst bekannt, es gab ja schon genug Einsätze, Ärger und Diskussion. Eine weitere Müllquelle sind überlaufende offene Mülleimer (Wind und Krähen). Touristen sind in diesen Parks so gut wie keine, und die normalen Nutzer (Familien, Fußgänger, Radfahrer etc.) hinterlassen so gut wie keinen wilden Müll.

  9. 13.

    Tolle Idee, dass andere immerwieder den Dreck der Verursacher wegräumen sollen. Die findens dann normal und schmeißen weiterhin ihren Dreck überall hin. Mehr Streifen vom Ordnungsamt und dann die Verursacher sofort zur Kasse bitten. Aber nicht so knapp, es sollte schon wehtun.

  10. 12.

    Nur mal nebenbei:
    Sicher hat niemand was dagegen, dass manche Leute tagsüber laute Musik hören.
    Allenfalls dagegen, dass sie dabei keine Kopfhörer verwenden, weil sie dem Irrglauben verfallen sind, alle Welt würde gern mithören.
    Will sie nämlich nicht.

  11. 11.

    Mehr Personal (Wo sollte das herkommen?) müsste bezahlt werden.
    D. h. der Steuerzahler müsste mal wieder blechen, weil sich manche Menschen einfach nicht benehmen wollen.
    Mal abgesehen davon: Innerhalb unserer Sozialsystems würde doch niemand für wenig Geld eine solche Arbeit machen, wenn er sich genausogut mit Nichtstun durchschlagen kann.
    Die von mir geforderten harten Strafen würden jene treffen, die den Müll verursacht haben, wären also die gerechtere und sicher auch nachhaltigere Lösung.
    Schade, dass ein Parkverbot für Schmutzfinke nicht durchsetzbar wäre.
    Ich bin nämlich so gesehen durchaus für eine Zwei-Klassen-Gesellschaft:
    Hilfe und Respekt für jene, die das Gesetz achten, Ausgrenzung und Missachtung für jene, die das nicht tun.

  12. 10.

    Solche Aktionen gab es früher schon. Und auch zu West-Berliner Zeiten, unter anderen Senats-Konstellationen, wurde unsere Stadt immer schmutziger. In den 70er und 80er Jahren gab es z.b. in den Freibädern Gutscheine, für diejenigen, die kurz vor Toresschluß halfen Müll aufzusammeln. Auch schon vor Jahrzehnten gab es sehr viele rücksichtslose Zeitgenossen. Das ist nichts neues und ist unabhängig von politischen Einflüssen. Viele Parks werden inzwischen von engagierten Bürgern sauber gehalten, bepflanzt und bewässert. Wie soll bitte jeder Verschmutzer bestraft werden? Das ist doch Unfug und dient lediglich des sinnlosen Senats-Bashings. Energien in eine produktive Richtung kanalisieren, positiv denken, anpacken. Das wär doch mal was. Nur meckern und murren wird nichts verändern. Außer, dass es die Stimmung noch mehr belastet.^^ Ich finde die Aktion sehr sinnvoll und es wird ja auch niemand gezwungen, zumal es ein Goodie dafür gibt.

  13. 9.

    Aber dann nicht beim Gratis-Picknick den Müll liegenlassen!

    Was für eine göttliche Idee. Jetzt musste ich doch sehr lachen. Weil man das Fremdvolk und das eigene nicht im Griff hat und ebenso wenig die Möglichkeiten der Sanktionen ausschöpft, bleibt der Müll halt liegen und die Touristen sollen es richten.
    Ich würde jedenfalls an keinem Ort der Welt das Tourist den Müll der Einheimischen entfernen.

    Mein Gott, schickt einfach genug Personal auf Straßen, die entsprechende Strafen verhängen, dann muss man das Hirn nicht für so krude Ideen verbiegen.

  14. 8.

    Wäre Zenzi's Kommentar als Bühnenprogramm eines StandUp Comedian gewesen, hätteste gefeiert, wetten?
    Aber Zenzi ist ja böse.... NEE- ich finde, sie trifft doch den Kern der Sache.
    Ich finde es idiotisch, wenn Touris, die in Ihrer Heimat wahrscheinlich für weggeworfenen Müll richtig zur Kasse gebeten werden würden, sich hierzulande Dinge rausnehmen und benehmen, als wären Vandalen unterwegs.
    Als wäre der Verstand zuhause geblieben und hier wird alles rausgelassen, was dort verboten ist.
    In unserem Umfeld gibt's diverse illegale Fewo's und jetzt rate mal, wie toll sich die meisten Touristendeppen verhalten. Und auf Anruf beim OA passiert eins: nichts.
    Ist doch geil und macht richtig Lust auf mehr Touris hier. Stimmts?
    Wenn Du mich fragst: mich kotzt es an und ich finde, der Senat ist viel zu lasch. Aber wenn ich mal tagsüber laut Musik höre, gibt's auf die Mütze. Ist doch toll.
    Wessen Hintern wird nun gepudert?

  15. 7.

    "Es ist interessant, was für absurde Verrenkungen linke Politiker so anstellen, nur um rücksichtlosen Zeitgenossen nicht auf die Finger hauen zu müssen. Ist ihnen das Konzept der angemessenen Strafe wirklich vollkommen fremd? "

    Ein absolut treffender Kommentar.

  16. 6.

    So ist es. Und es tut gut, dass ab und an jemand in Zeiten, in denen selbst Kabarettisten lieber politisch korrekt bleiben, das Florett des Spotts führt.
    Nicht die Allgemeinheit oder irgendwelche Touristen sollten irgendetwas tun, sondern die Justiz:
    Wer Müll verursacht wo er nicht darf, wird verknackt.
    Beugehaft, Bußgelder (nicht erst Monate später), Zwangsarbeit (z. B. Müllbeseitigung) und das alles bitte ohne Wenn und Aber.

  17. 5.

    Ich hab erst gedacht das wäre ein Scherz. Merkwürdigerweise sind die Parks in anderen europäischen Städten generell erheblich sauberer als in Berlin. Egal ob London, Paris, Lissabon, Barcelona, New York o.ä. Nur in Berlin klappt das nicht. Und das kann definitiv nicht nur an den bösen Touristen sein, die unsere Parks verdrecken.

    Anstatt die Touristen einzuspannen, die ohnehin ihr Geld in dieser Stadt lassen, sollte man mal über andere Konzepte nachdenken. Die Säuberungsaktionen durch die Bürger erfreuen sich ja in Berlin keiner großen Beliebtheit. Aber wir haben mittlerweile 18% SGB II Leistungsbezieher in Berlin. Diejenigen, die keine Aufstocker sind, könnte man zum Sozialdienst heranziehen (in Holland und Dänemark übrigens üblich) und die Parks reinigen lassen. Dafür könnten sie gem. MiLoG auch entlohnt werden.

  18. 4.

    Wie oberflächlich, böse, politisch inkorrekt und abwertend Ihr Kommentar. Auch Ironie kann gerne Stil haben. Menschen pauschal so abwertend zu beurteilen ist nie gut. / Ich finde die Aktion gut, alles was zur Verbesserung der Müllproblematik in Berlin förderlich sein kann, ist willkommen. Wir Anwohner haben in unseren zwei kleinen Naherholungsgebieten/Miniparks angefangen Müll in kleinem Stil zu beseitigen. Das Motto: " Jeder ein Stück am Tag". Erste Erfolge sind erkennbar. Denn die Faustregel, dass wo ein Stück Müll liegt, bald viele Stücke Müll liegen werden, die stimmt leider immer wieder. Je sauberer, desto sauberer bleibt es meist auch.

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