Vier Angeklagte (links der Tischreihe) stehen in einem Gerichtssaal im Amtsgericht Tiergarten (Quelle: DPA/Paul Zinken)
Audio: rbb 88.8 | 30.08.2019 | Ulf Morling | Bild: DPA

Prozess nach Tod in Schöneberg - Beschuldigte leugnen Mitverantwortung für Sauna-Brand

Weil sie für den Tod von drei Menschen bei einem Brand in einem Sauna-Club in Berlin-Schöneberg verantwortlich sein sollen, stehen vier Männer vor dem  Amtsgericht Tiergarten.

Ein 33-jähriger Angeklagter, der zum Zeitpunkt der Tragödie am 5. Februar 2017 Betriebsleiter gewesen sein soll, wies zu Prozessbeginn am Freitag den Vorwurf der fahrlässigen Tötung zurück. Er könne nicht zur Verantwortung gezogen werden. Ein 42-Jähriger, der Geschäftsführer war, erklärte, er sei nicht für Bau und Sicherheit, sondern für kaufmännische Dinge zuständig  gewesen.

Den Brand soll ein 37-jähriger Angeklagter verursacht haben. Als Gast habe er in einer Kabine einen Zigarettenrest in einer Kunststoffmülltüte entsorgt, ohne sich zu vergewissern, dass die Kippe tatsächlich erloschen war. "Infolge des Fehlverhaltens kam es gegen 22.17 Uhr zu einem von der Kabine ausgehenden Brand", so die Anklage. Der damalige Gast hat zunächst vor Gericht geschwiegen.

Polizeibeamtin steht vor dem ausgebrannten Sauna-Club in Schöneberg (Bild: dpa/Paul Zinken)
| Bild: dpa/Paul Zinken

Vorwurf: Brandschutzvorschriften missachtet

Den drei Mitangeklagten wird vorgeworfen, nicht für die Einhaltung von Brandschutzvorschriften gesorgt zu haben. Pflichtwidrig hätten zwei der Angeklagten als damalige Geschäftsführer keine technische Prüfung der Lüftungs- und Entrauchungsanlage veranlasst.

Zudem seien Notausgänge nicht beleuchtet und Rettungswege verbaut oder zugestellt gewesen, heißt es in der Anklage. Drei Männer konnten von der Feuerwehr nur noch tot geborgen werden. Ein weiterer Geschädigter wurde verletzt. Die Hauptverhandlung ist für fünf Tage angesetzt.

Sendung: Abendschau, 30.08.2019, 19.30 Uhr

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11 Kommentare

  1. 11.

    Unsere Politiker wollen es so und überlassen gem. BetrVO alles dem Betreiber. Erst hinterher kommt der erhobene Zeigefinger, wenn’s zu spät ist. Vieles ist heute nicht mehr genehmigungsbedürftig und wenn man Glück hat, den Zuständigen bei der Behörde antrifft, wird eine Gebühr für Bauberatung verlangt. Auch entscheiden heute eh nur noch anerkannte Sachverständige über die Realisierung von Bauvorhaben - aber nur bei Sonderbauten - so eine kleine Sauna fällt da hinten runter

  2. 10.

    Leugnen und Bestreiten sind zwei identische Begriffe. Auskünfte gibt es im Duden unter Synonyme.

  3. 7.

    Wo keine Leute sind kann nichts kontrolliert werden, Berlin hat halt überall Personalmangel. Dazu kommt noch das dies nicht der einzige Laden in diesem Milieu ist, der in so einem Zustand ist.

  4. 6.

    Der RBB täte gut daran, sich über den Bedeutungsunterschied der Begriffe "leugnen" und "bestreiten" zu informieren. Die Sprache ist das wichtigste Werkzeug des Journalisten. Wenigstens die sollte er beherrschen.

  5. 5.

    Der Saunabetrieb dort lief Jahrzehnte. Kann es wirklich sein, dass die erheblichen Mängel beim Brandschutz den Behörden unbekannt waren?
    Ich kann mich an ein Gespräch mit einem damaligen Stammgast erinnern (ist über 20 Jahre her), demnach waren zu jener Zeit zur Aufrechterhaltung des Betriebs Aufmerksamkeiten in Form von Opernkarten an entsprechender Stelle sehr hilfreich. Wie gesagt, ist Ewigkeiten her und von dem Bekannten weiß ich nicht Mal mehr den Namen. Aber diese Aussage hielt ich in Anbetracht des damaligen Zustands für glaubhaft.

  6. 4.
    Antwort auf [Gerd S.] vom 30.08.2019 um 12:19

    Weil ich dort ein paar Mal war, ist es mir aufgefallen. Wenn ich nicht dort gewesen wäre, hätte ich es nicht gewusst und könnte es Ihnen hier nicht mitgeteilt haben. Logisch ?

  7. 3.

    Lustige Frage. Weil einfach das Personal an allen Ecken und Enden fehlt. Man ist in Berlin ganz groß im Gesetze und Verordnungen erlassen. Und das war es.

    Wenn man um die (bekannte) mangelnde Brandsicherheit im Dong Xuan Markt weiß, warum geht man dann dort hin?

  8. 2.

    Sehr traurig, dass immer erst ein schweres Unglück passieren muss, bevor sich was verändert. Warum werden nicht öfter solche Unternehmen, hinsichtlich des Brandschutzen kontrolliert ? Wenn ich mir die vielen Hallen im Dong Xuan Markt in Lichtenberg anschaue, kommt mir beim bummeln durch die Hallen ein ungutes Gefühl hoch. Alle Flure, sind links und rechts der Wände voll gestellt mit allen möglichen brennbaren Materialien. Bleibt nur zu hoffen, dass dort nicht mal brennt. Wer hat dafür die Verantwortung, wo bleibt dort die Aufsicht ? Sind das nicht Fluchtwege, im Falle eines Falles ?

  9. 1.

    3 Menschen mussten sterben, ein Mensch wurde schwer verletzt. Und das alles, weil ein Typ mit dem IQ eines Toastbrotes eine brennende Kippe im Papierkorb entsorgt.
    Dafür geht er hoffentlich sehr lange in den Bau.

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