31.07.2019, Berlin: Mehrere Menschen schieben ihr Auto aus einer nach schwerem Regen teilweise unter Wasser stehenden Straße (Quelle: Christopher Harms/dpa)
Video: Abendschau | 03.08.2019 | Philipp Gerstner | Bild: Christopher Harms/dpa

Unwetterschäden in Berlin - Experte fordert besseren Schutz vor Überschwemmungen

Rund 200 Mal musste die Berliner Feuerwehr am Freitag ausrücken, um nach dem Starkregen Keller auszupumpen und Unterführungen freizumachen. Es ist nicht das erste Unwetter in den letzten Wochen. Besseren Schutz vor den Wassermassen fordert jetzt ein Experte.

Nach den neuerlichen Unwettern, bei denen es auch in Berlin zu Überflutungen kam, fordern Experten, Städte und Gemeinden besser auf extreme Wetterlagen vorzubereiten.

Ein großes Problem seien starke Regenfälle, sagte Karsten Specht, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), der viele Wasserversorger in Deutschland vertritt. Die oft dichte Bebauung in den Städten verhindere ein schnelles Abfließen, sagte Specht. Gullys und Kanäle könnten aus Platzmangel aber nicht überall vergrößert werden. Notwendig seien daher mehr Grünflächen.

Betrieb in Rettungsstelle gestört

Die Berliner Feuerwehr hatte wegen eines Unwetters am Freitag erneut den Ausnahmezustand ausgerufen. Die Retter rückten zu rund 200 wetterbedingten Einsätzen aus, wie ein Sprecher der Feuerwehr am Samstag bilanzierte.

Die meisten Einsätze gab es wegen Wasserschäden in Gebäuden und auf Straßen. Einen größeren Einsatz gab es den Angaben zufolge in der Amerika-Gedenkbibliothek, wo Wasser in den Keller gelaufen war. Auch der Keller des Stadions Neukölln musste ausgepumpt werden.

Selbst in Wachgebäude der Feuerwehr lief Wasser. "Das hat uns sehr stark herausgefordert, dass wir das noch parallel zum Einsatzbetrieb bewältigen mussten", sagte Sprecher Frederic Finner am Samstagmorgen. Betroffen waren die Feuerwachen Urban, Moabit und Tiergarten sowie des Technischen Dienstes in Charlottenburg.

Auch am Samstagmorgen gab es noch Beeinträchtigungen durch das Unwetter. Wegen Wasserschäden fuhr die Berliner Feuerwehr die chirurgische Notaufnahme und die internistische Notaufnahme am Virchow-Klinikum in Berlin-Wedding nicht an. Erst gegen Mittag teilte die Charité mit, dass beide Notaufnahmen wieder in Betrieb seien.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurde am Freitagnachmittag an der Station am ehemaligen Flughafen Tempelhof innerhalb von 2,5 Stunden eine Niederschlagsmenge von mehr als 35 Liter pro Quadratmeter gemessen. Ab einer Regenmenge von 25 Liter pro Quadratmeter wird von einem Unwetter gesprochen, sagte eine Sprecherin.

Behinderungen auf zahlreichen Bus- und Tramlinien

Das heftige Unwetter führte am Freitagnachmittag auch zu größeren Behinderungen im Bus- und Tramverkehr. Zahlreiche Linien verkehrten nicht oder nur auf bestimmten Abschnitten. Das teilte die Verkehrs-Informationszentrale via Twitter mit. Darunter waren wichtige Verbindungen wie die Buslinien M19 und M46, ferner die Linien 100, 106 und 200. Die Tramlinien 21, 27 und 37 waren ebenso betroffen wie die Linien 60 bis 63, 67 und 68. Laut Mitteilung der BVG lief der Verkehr erst nach 18 Uhr langsam wieder an.

Gullydeckel nach oben gedrückt

Vielerorts in Berlin kam es wegen überschwemmter Straßen zu Behinderungen. In Höhe Kemperplatz/Bellevuestraße wurden mehrere Gullydeckel von den Wassermassen nach oben gedrückt. Nicht weit davon war auch die viel befahrene Kreuzung Klingelhöfer- Ecke Tiergartenstraße stundenlang gesperrt; hier schwamm laut Verkehrsinformationszentrale ein PKW im Wasser. Es kam zu massiven Staus auf allen Umfahrungsstraßen.

Ebenfalls große Probleme gab es auf der A100. Hier waren die Einfahrt Buschkrugallee sowie die A100 selbst in Höhe Beussel- und Seestraße in Richtung Wedding für mehrere Stunden gesperrt. Gesperrt waren auch die Kreuzung Friedrich- und Hedemannstraße in Kreuzberg sowie Abschnitte der Yorckstraße und Gneisenaustraße.

Das Unwetter führte auch zu Verspätungen und längeren Wartezeiten an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld.

Sendung: Inforadio, 03.08.2019, 10:00 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Steffen] vom 03.08.2019 um 17:28
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30 Kommentare

  1. 30.

    Geht leider nicht. Unsere Bauunternehmen sind schon vollauf damit beschäftigt, Wohnungen für all die zu bauen, die weiterhin ungehindert in die Stadt strömen. Da ist für anderes keine Zeit und kein Geld mehr.

  2. 28.

    Experten fordern... Immer wenn was ist, treten so genannte Experten auf den Plan die fordern. Macht mal...

  3. 27.

    Zitat: "das Berlin überhaupt noch funktioniert egal ob Feuerwehr, Flughafen, Infrastruktur und vieles mehr ist wohl nur den Mitarbeitern zu verdanken die ihren Jpb mit Herzblut machen."

    Beeindruckend diese Feststellung, irgendwo zwischen "wie jetzt" und "geht's noch?". Ja wer bitteschön sollte denn sonst den Job machen - schlaue Journalisten oder noch schlauere Kommentatoren?

  4. 26.

    Das stimmt. Wenn sich Hitzeperioden gehäuft mit Starkregen/Unwettern abwechseln muss das eben auch in der Stadt berücksichtigt werden. Indem nicht alles zubetoniert wird und Rückhaltebecken o.Ä. dafür sorgen, dass die Kanalisation entlastet wird. Städtebaulich gibt es viel zu berücksichtigen. Es geht hier nicht nur um Wohnungsbau um jeden Preis.

  5. 25.

    Nicht ganz, Pflanzen verhindern zwar die Bodenerosion, sie können aber die Wassermassen eines Starkregens auch nicht aufhalten. Der Boden, in dem die Pflanzen wachsen, ist auch nicht in der Lage, nennenswert mehr Wasser aufzunehmen. Bei einem normalen Regen saugen Rasenteppiche tatsächlich das gesamte Wasser auf, bei Starkregen fließt das meiste Wasser darüber hinweg. Eine kleine Bremsung der Fließgeschwindigkeit gibt es durch Wirbelbildung tatsächlich, allerdings fällt diese gegen die Wassermassen kaum ins Gewicht.

  6. 24.

    Wie toll das Wasser in Kleingärten versickert, konnte man 2017 sehen: https://www.tagesspiegel.de/images/flut2_meyer/4451440/4-format13.jpg

    Das Gejammer, dass die teils wochenlang mit mehr als nur nassen Füssen ohne kommunale Hilfe dastanden, weil ganz banal nicht zuständig, klingt manchen vielleicht noch in den Ohren.

    Kanalisationen werden für ein alle paar Jahre auftretende Starkregenereignis ausgelegt. Man nimmt bewusst aus wirtschaftlichen Gründen in Kauf, dass statistisch alle paar Jahrzehnte es lokal so stark regnet und das Wasser nicht sofort kontrolliert abgeführt werden kann. Weil solche Ereignisse nur selten auftreten, haben viele keine Erinnerungen daran.

    Der Klimawandel kommt erst dann ins Spiel, wenn sich diese Ereignisse häufen. Dabei sollte man sich aber auch wieder nicht auf die oft verklärte eigene Erinnerung verlassen (bei mir ist das eine in 1984 komplett unter Wasser stehende Waschmaschine, sondern auf diejenigen, die mitgeschrieben haben.

  7. 23.

    Wie wäre es denn, wenn begrünte Hinterhöfe erhalten blieben? Und nicht durch Nachverdichtung plattgemacht werden! Schade daß dies immer noch erlaubt wird! Die Folgen schwindender Grünflächen sind aufgeheizte Städte, Gewitter und Starkregen....

  8. 22.

    Welche Regenmenge wurde damals gemessen und welche jetzt gerade? Welche Schäden gab es damals und welche jetzt gerade?

    Solche lokalen Starkregenereignisse gab es früher auch mit ähnlichen Folgen, nur ohne Internet. Bei der Häufigkeit muss man aber genauer hinschauen und sich deshalb Gedanken machen.

  9. 21.

    "Was sollen Grünflächen bei Starkregen denn ausrichten? Starkregen zeichnet sich dadurch aus, dass es kräftiger regnet, als der Boden Wasser aufnehmen kann. Gerade nach einer längeren Trockenheit ist die Aufnahmefähigkeit des Bodens bei einsetzendem Starkregen nahe Null. " - Jain. Das mag für unbegrünte Flächen wie Sandwege gelten. Gras (sofern die Trockenheit noch welches erlaubt) und "Krautwerk" hat den Vorteil, dass weit weniger Material (Sand) bei Starkregen weggeschwemmt wird und bspw. die Gullys verstopft, wie hier anderweitig bemerkt wurde. Auch die Fließgeschwindigkeit ist eine andere. Es muss also der Zufluss bei Starkregen verlangsamt und Erosion verringert werden (bspw. durch Grasflächen, Auffangsenkungen und begrünte Dächer) und gleichzeitig der Abfluss gewährleistet und optimiert.

  10. 20.

    Und nächste Woche, wenn die Sonne scheint, fährt der RBB dann wieder die Stadtentwickler und Investoren auf, die für die Zerstörung der Berliner Kleingärten und Bebauung des Tempelhofer Feldes werben.

  11. 19.

    aha, aha... das sind ja mal wieder Binsenweisheiten... Witzigerweise fuhr nach dem letzten Unwetter vom Mittwoch ein Wasserwagen durch Nkölln und sprühte den Straßenrand. Das, was a) Staub bindet in langen Trockenheitsphasen b) die Temperatur der Stadt runterkühlt und c) den GULLY fit hält, wird den ganzen Sommer nicht gemacht, erst nach dem Guss? Früher (60er/70er Jahre) fuhr der Sprühwagen im Sommer immer rum.

    Das ist doch alles ein Gesamtproblem: wir haben verlernt, an unsere Klimazone angepasst zu bauen. Alles sieht aus wie in Dubai oder Vegas, alles klimatisiert. Zubetoniert. Alles Kacke.

    Aber das wissen wir doch alle. ALLE. Dennoch wird so weiter gemacht. Warum eigentlich?

  12. 18.

    Nee, bis 1973 in Borsigwalde und Alt-Wittenau.
    Die Ernststr. war bei Starkregen stets überflutet, das Wasser lief aber verhältnismäsig schnell ab, weil dort damals noch Kopfsteinpflaster war, auch die Triftstr. war noch nicht asphaltiert.
    Also nicht soooo ewig her.

  13. 17.

    " Dabei warnen "Experten" und Wissenschafter oft seit Jahren..."
    Die können warnen so lange die wollen, die Menschheit ist so gestrickt das es zum handeln erst richtig weh tun muss.

  14. 16.

    Berlin unterscheidet sich nicht von anderen Großstädten, Berlin hat einzig ein Gully-Problem.
    Die Versiegelung war selbst zu DDR Zeiten, Marzahn/Hellersdorf kein Problem. Jegliche Öko-Sichtweise ist an den Haaren herbeigezogen. Die Kanalisation ist nicht intakt, ganz einfach.

  15. 15.

    Wie so oft wird das wohl eher ein Wahrnehmungsproblerm bzw. ein Medieneffekt sein. Genau wie "Klimaforscher fordern" ein typischer Nachrichtenteil ist. Dabei warnen "Experten" und Wissenschafter oft seit Jahren, veröffentlichen Studien, halten Vorträge oder berichten in der Funktion als Sachverständige. Das heißt aber weder, dass in den zuständigen Behörden oder politischen Kreisen daraus Konsequenzen folgen, noch, dass die Medien auf diese Themen (großflächig!) aufspringen, es sei denn es passt zur allgemeinen Nachrichtenlage, z.B. durch ein Starkwetterereignis. Dann werden Gründe gesucht/recherchiert und entspr. Berufszweige gefragt. So einfach. Der Wissenschaftsbetrieb thematisiert allerdings auch schon seit Jahren, das die Öffentlichkeitsarbeit jenseits von Fachjournalen ausgebaut werden muss - Stichwort Elfenbeiturm. Die Wirtschaft ist in Sachen PR hier deutlich professioneller aufgestellt.

  16. 14.

    Ist doch schon alles bekannt. Man muss es nur mal angehen

    https://www.umweltbundesamt.de/daten/flaeche-boden-land-oekosysteme/boden/bodenversiegelung#textpart-1

  17. 13.

    Kommt sich dieser Experte nicht ein wenig lächerlich vor ?! mit diesem Artikel. Es wäre schon viel damit getan wenn regelmässig Gullys gereinigt werden würden. Bei jeden noch so kleinen Regen säuft Berlin ab. Das kann doch nicht sein wenn regelmässige Wartung der Abflußmöglichkeiten vorhanden wären.
    Man will wirklich nicht immer meckern aber ich muss sagen das Berlin überhaupt noch funktioniert egal ob Feuerwehr, Flughafen, Infrastruktur und vieles mehr ist wohl nur den Mitarbeitern zu verdanken die ihren Jpb mit Herzblut machen.

  18. 12.

    Zur Förderung des Klimaschutzes, Verbesserung des Klimas in der Berliner Innenstadt und zur besseren Bewältigung von Regenmassen (weniger versiegelte Flächen) muss das Tempelhofer Feld bebaut werden. Natürlich nur am Rand ein bisschen. Und dann noch ein bisschen. Und ein bisschen. Und ein ...

  19. 11.

    Die Argumente der "Experten" scheinen mir nicht ganz schlüssig. Was sollen Grünflächen bei Starkregen denn ausrichten? Starkregen zeichnet sich dadurch aus, dass es kräftiger regnet, als der Boden Wasser aufnehmen kann. Gerade nach einer längeren Trockenheit ist die Aufnahmefähigkeit des Bodens bei einsetzendem Starkregen nahe Null. Da gibt es nicht viel Unterschied zu Beton oder Pflastersteinen. In diesem Fall kann man sich nur schützen, indem man ausreichend groß dimensionierte Abwasserkanäle baut oder, wenn dies nicht möglich ist, unter- oder oberirdische Auffangreservoirs errichtet. Grünflächen sind ohne Frage wichtig und nehmen bei normalem Regen viel Wasser auf und regulieren so das Stadtklima mit, bei Starkregen sind sie aber keine Lösung.

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