Ein halbseitig vertrockneter Straßenbaum in der Pfarrstraße. Quelle: dpa/Jens Kalaene
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Audio: Inforadio | 12.08.2019 | Maren Schibilsky | Bild: dpa/Jens Kalaene

Trockenheit in Berlin - Neue Bäume braucht die Stadt

Die Dürre im Sommer 2018 hat die Straßenbäume in Berlin schwer beschädigt, die Trockenheit in diesem Jahr verschärft die Situation erneut. Wissenschaftler aus Berlin und Eberswalde züchten neue Bäume, die auch künftig in Städten überleben können.

Viele Straßenbäume in Berlin leiden noch unter den Folgen den Dürresommers 2018, nun setzen Hitze und Trockenheit den Bäumen weiter zu. Forscher der Humboldt-Universität (HU) sind der Meinung, dass viele Baumarten, die heute noch die Berliner Straßen, Alleen und Plätze schmücken, in Zukunft nicht mehr gepflanzt werden können.

Deshalb untersuchen Forscher des brandenburgischen Landeskompetenzzentrums Forst in Eberswalde zusammen mit der HU und zwei Baumschulen seit drei Jahren, welche Straßenbäume den extremen Witterungsbedingungen in Zukunft besser gewachsen sind.

Deutlich mehr Stressfaktoren für Straßenbäume

Dazu werden verschiedene Baumarten untersucht, die in einem Gewächshaus im Forstbotanischen Garten in Eberswalde einem Stresstest unterzogen werden. In diesem Jahr wachsen junge Linden, Platanen und verschiedene Ahornarten in Pflanzentöpfen heran. Sie werden bei Wassermangel, Hitzebelastung und Salzstress unter die Lupe genommen.

Viel mehr als Waldbäume, betont Ralf Kätzel vom Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde, seien Straßenbäume durch diese und weitere Faktoren gefährdet. "Wir haben unterschiedlichen Druck auf die Wurzeln durch Befahrung. Wir haben einen sehr kleinen Wurzelraum. Das ist eigentlich das Problem, dass wir hier ganz komplexes Phänomen haben, mit dem die Bäume klar kommen müssen."

Wissenschaftler untersuchen Inhaltsstoffe der Blätter

Um zu ermitteln, wie die Bäume auf solche Probleme reagieren, nehmen die Forscher Blattproben, die tiefgefroren und später in einem Labor auf ihre Inhaltsstoffe untersucht werden. Dabei wird gemessen, wie sich die Inhaltsstoffe im Vergleich Bäumen unter Idealbedingungen verändert haben.

Wie Mediziner in einem Blutbild Veränderungen im menschlichen Organismus erkennen können, können Forscher an den Laborwerten ablesen, welche Straßenbäume besonders stressempfindlich sind und welche nicht. "Die Besten der Besten werden dann für die Baumschule ausgewählt", sagt Ralf Kätzel. Es sei klar, dass viele Bäume, die momentan in Berlin und in anderen Städten stünden, künftig in Städten nicht mehr überlebensfähig seien.

Bäume mit fremden Wurzeln

Neue Bäume müssten in Baumschulen hergestellt werden, sagt Kätzel. "Da muss man den richtigen Genotyp produzieren", so der Biologe. Neu ist, dass die Forscher die Bäume aus sogenannten Reisern, also kleinen abgeschnittenen Zweigen gewinnen, die dann im Reagenzglas auf einem speziellen Nährmedium eigene Wurzeln bilden. Normalerweise werden Straßenbäume in Baumschulen gepfropft, die immer gleichen Zweige eines besonders schönen Baumes werden auf verschiedene Wurzelunterlagen gesteckt.

Mit anderen Worten: Die Wurzeln müssen bei den stressresistenten Bäumen nicht mehr unbedingt mit der Baumsorte übereinstimmen, die oberirdisch zu sehen ist. In Gewächshäusern werden Äste derselben Sorte auf unterschiedlichen Wurzelsystemen getestet. Die endgültigen Ergebnisse dieses Projektes liegen bisher aber noch nicht vor. In zwei Jahren sollen die ersten stresstoleranten Straßenbäume in Berlin und Eberswalde stehen.

Sendung: Inforadio, 12.08.2019, 10 Uhr

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Antwort auf [popelchen] vom 12.08.2019 um 21:47
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6 Kommentare

  1. 6.

    Erst mal nicht alles versiegeln und dann hat man vor ein paar Jahren noch bei extremer Hitze Wasserwagen durch Berlin geschickt um die Bäume zum wässern aber bei einem Grünen Senat scheint das nicht wichtig zu sein.

  2. 5.

    Wird mit der Uni Göttinge kooperiert? Die forscht auch schon zu den Auswirkungen veränderten Klimas auf verschiedene Baumsorten.

  3. 4.

    Bis die Studien abgeschlossen sind, könnten doch bitte aber trotzdem die derzeit vermeintlich robustesten Sorten gepflanzt werden. Wir brauchen dringend Bäume und Pflanzen.

  4. 3.

    Wie wäre es, wenn man sich vielleicht mal wieder mehr um die Grünflächen und Bäume kümmern würde von Seiten des Grünflächenamtes? Früher konnten doch auch die Straßenbäume gegossen werden und die Grünflächen wurden gesprengt.
    Heute wird am besten bei großer Hitze der "Rasen" in den Grünanlagen kurz über der Grasnarbe abgemäht und darf dann in der Sonne verdörren.Macht ja dann in Zukunft weniger Arbeit! Und Bäume werden abgesäbelt, ob die Äste tot sind oder nicht und da ist es auch egal, ob sie überhaupt auf die Straße ragen, hauptsache ab. Am Besten auch noch zu Zeiten, in denen im Privatgarten keiner mehr Hecken schneiden sollte, wegen der Vogelbrut! (So geschehen in der Seegefelder Straße in Spandau).
    Aber hinterher jammern und Geld zun Fenster rauswerfen, weil neue, widerstandsfähigere Bäume gezüchtet werden sollen!
    Vielleicht sollte man bei den Grünflächenämtern mal etwas umdenken!

  5. 2.

    Wie wäre es denn, wenn endlich mit der Flächenversiegelung Schluss wäre.
    Wenn ein kleiner, lokaler, Platzregen nicht mehr ganze Strassenzüge unter Wasser setzen kann. Heisst ja nicht, das wir alle auf Feldwegen unterwegs sein müssen, reizvoll wäre das schon, aber es gibt durchaus "durchlässige" und stabile Materialien. Ja, nee, schon klar - zu teuer.
    Also neue Baumzüchtungen - "Trockenbäume" oder so.
    Es wird wiedermal am Symptom rumgedoktort - die Ursache bleibt erstmal draussen.

  6. 1.

    Irgendwie müssten die Gewege etwas Wasserdurchlässiger werden, dann würden die Wurzel nicht nur auf diesen kleinen Bereich um die Baumscheibe herum angewiesen sein.

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