Symbolbild: Der Foerster Christian Siegrist inspiziert ein von Borkenkaefer befallenes Waldstueck, am Montag, 29. August 2019 (Quelle: Keystone/ Flueeler)
Audio: Inforadio | 29.08.2019 | Uwe Engelmann im Gespräch mit Irina Grabowski | Bild: KEYSTONE/ FLUEELER

Brandenburger Wald im Klimawandel - "Wir haben hier einen dramatischen Förstermangel"

Trockenheit, Waldbrände, Schädlinge - was muss geschehen, damit der Wald dem Klimawandel besser standhalten kann? In Brandenburg mangelt es dazu nicht nur an neuen Bäumen, sondern auch an Fachleuten, sagt Uwe Engelmann vom Bund Deutscher Forstleute.

Wenn es um die Probleme des deutschen Waldes geht, ist Brandenburg besonders betroffen: Insgesamt gibt es 1,1 Millionen Hektar Wald, das entspricht etwa 37 Prozent der gesamten Landesfläche. Dabei haben die Folgen des Klimawandels, vor allem die immer wieder auftretenden Trockenperioden, die Hitze und die daraus entstehenden Waldbrände, in den vergangenen Jahren für enorme Schäden gesorgt.

Fichten und Kiefern mit Laubbäumen mischen

Wie aus dem Waldzustandsbericht des Landes hervorgeht, wiesen im Sommer 2018 elf Prozent der Waldfläche deutliche Schäden auf. Um die Wälder besser zu schützen, fordern Fachleute wie Uwe Engelmann vom Bund Deutscher Forstleute einen umfassenden Waldumbau.

"Wir haben heute sehr viele Wälder, die mit Fichte oder Kiefer bewachsen sind", sagte Engelmann am Donnerstag dem rbb - womit der Wald den Folgen des Klimawandels, wie zum Beispiel Trockenheit, Stürmen oder Waldbränden, nicht standhalten kann.

Deshalb müssten die bisherigen Bestände mit Laubbäumen gemischt werden, denn Laubbäume brennen nicht so schnell wie Kiefern oder Fichten. Zudem ist ein Mischwald weniger anfällig für Schädlinge und Sturmschäden. Doch um den Umbau voranzutreiben, sei nicht nur eine Menge Geld, sondern auch entsprechendes Personal erforderlich, sagte Engelmann dem rbb-Inforadio.

"Seit Jahren und Jahrzehnten Stellen weggespart"

Engelmann gehört dem Bund Deutscher Forstleute an und sitzt im Vorstand des Landesverbandes Berlin-Brandenburg. Die Gewerkschaft der Forstleute geht davon aus, dass in den kommenden Jahren bundesweit eine Milliarde Bäume neu gepflanzt werden müssen, um den angeschlagenen deutschen Wald fit für die Zukunft zu machen. Doch in Brandenburg fehle es dazu vor allem an Personal.

Im Landesbetrieb Forst Brandenburg gebe es "einen dramatischen Förstermangel", sagt Engelmann, weil "seit Jahren und Jahrzehnten Stellen weggespart" worden seien. Es fehlten daher Fachleute, um in den landeseigenen und in den privaten Wäldern beratend tätig werden zu können. So könnten neue Bäume nicht einfach irgendwo gepflanzt werden. "Da muss man sich jede Fläche extra ansehen. Es gibt Stellen im Wald, da ist etwas mehr Wasser oder etwas mehr Nährstoff, da kann man besser mit Laubbäumen arbeiten, und an anderen Stellen sind Nadelbäume, wie die Kiefer hier in Brandenburg, besser geeignet." Dazu sei es aber wichtig, dass es Fachleute wie Förster und Forstwirte gebe, "die sich mit den Sachen im Detail auskennen".

Anteil der Kiefern liegt noch immer bei 70 Prozent

So sind von den rund 1,1 Millionen Hektar Wald, die es in Brandenburg gibt, nach Worten von Engelmann bislang nur 100.000 Hektar "angefasst" worden - und noch immer liege der Anteil von Kiefern bei 70 Prozent. Den Wald weiter umzugestalten, sei daher eine "Generationenaufgabe".

Dieser Ansicht ist auch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Für Ende September hat die CDU-Politikerin zu einem Waldgipfel geladen. Um diesen vorzubereiten, traf sich Klöckner am Donnerstag mit Vertretern der Waldbesitzer, der Forst- und Holzwirtschaft sowie des Umwelt- und Naturschutzes. Mit am Tisch saß dabei auch Engelmanns Verband, der Bund Deutscher Forstleute. Ziel war eine Bestandsaufnahme klimabedingter Schäden in den Wäldern und die Erarbeitung möglicher Zukunftsstrategien. Es gehe darum, den Wald auch als "Klimaschützer" zu retten, hatte Klöckner Anfang August gesagt.

Experten rechnen mit Kosten von über 2,6 Milliarden Euro

Klöckner will den Waldumbau vor allem mit Geld unterstützen. Bei einem Treffen mit ihren Kollegen aus den unionsregierten Ländern hatte sie dazu Bundesmittel in Höhe von 500 Millionen Euro angekündigt, doch aus Sicht der Verbände ist das zu wenig. Erst am Mittwoch haben große Verbände wie die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) und der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) von einer dramatischen Situation gesprochen - größtenteils bedingt durch den Klimawandel.

Nach Schätzung von Experten der deutschen Forst- und Holzwirtschaft sind rund 110.000 Hektar der deutschen Waldfläche durch Stürme, Trockenheit, Brände, Käfer- und Pilzbefall geschädigt. Allein die Aufarbeitung werde über zwei Milliarden Euro verschlingen, die Wiederbewaldung werde weitere 660 Millionen Euro kosten, schätzt Lars Schmidt,  Hauptgeschäftsführer der Deutschen Säge- und Holzindustrie (DeSH).

Forst-Gewerkschaft fordert ein "Bundesamt für Wald"

Wie aufwändig der Umbau der bundesweiten Waldflächen ist und wie lange er dauern wird, zeigen Zahlen aus dem vergangenen Jahr. Wie das brandenburgische Agrarministerium Anfang August mitteilte, wurden im besonders trockenen Jahr 2018  zwölf Millionen Bäume neu gepflanzt - doch selbst diese gewaltig anmutende Zahl deckt nur eine Fläche von 2.000 Hektar ab, das sind 0,18 Prozent der gesamten Waldfläche in Brandenburg.

Um schneller voranzukommen, fordert der Bund Deutscher Forstleute nicht nur die Bewilligung der notwendigen Gelder, sondern auch eine Bündelung der Kompetenzen, beispielsweise in einem "Bundesamt für Wald" oder einer ähnlichen Einrichtung. Angesichts des Klimawandels sei es aber auch wichtig, das Bauen mit Holz stärker zu fördern. Ziel müsse es sein, "den Anteil der stofflichen Nutzung am Holz zu erhöhen", sagte Engelmann, denn in Möbel- oder Bauholz sei auch Kohlendioxid gespeichert.

Vom Waldgipfel Ende September erwarte er, dass der Bund Soforthilfen und Aufforstungsprogramme anbiete. Die künftige Landesregierung müsse diese Angebote dann schnell umsetzen. Denn in Brandenburg gebe es nicht nur einen Wasser-, sondern auch einen Förstermangel, sagte Engelmann.

Sendung: Inforadio, 29.08.2019, 10.20 Uhr  

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3 Kommentare

  1. 2.

    Das muss man den Jahren unter der SPD zur Last legen. Die hat den Wald so dermaßen vernachlässigt, dass wir heute und in den nächsten Jahrzehnten (!) noch die Folgen spüren werden. Alle reden über Klimawandel und Waldumbau - außer die Landesregierug. Die verschließt die Augen.

  2. 1.

    Wär ja mal ein sinnvoller Einsatz der Fördermilliarden aus dem Kohleausstiegstopf.

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