500 Euro Belohnung für die erfolgreiche Vermittlung einer Wohnung im angesagten Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg verspricht ein Zettel in der Oderberger Straße. (Bild: dpa/Jens Kalaene)
Video: rbb|24 | 26.08.2019 | Material: Super.Markt | Bild: dpa/Jens Kalaene

Fake-Anzeigen und hohe Abschlagszahlungen - Wie Betrüger die Wohnungsnot für ihre Zwecke nutzen

Wer in Berlin rasch eine Wohnung finden möchte, ist auf Suchportale im Internet angewiesen. Doch Vorsicht: Auf den Plattformen lauern Betrüger, die die Wohnungsnot zum Geschäft machen. Vor allem bei Vorleistungen sollten Verbraucher kritisch sein. Von Andrea Everwien

Der Berliner Student Markos ist zum Opfer von Betrügern geworden. Als er im Netz nach einer Alternative zu seinem Neun-Quadratmeter-Zimmer suchte, ist er auf eine Fake-Anzeige hereingefallen. Er zahlte hohe Abschläge und eine Kaution - für eine Wohnung, die gar nicht zur Miete frei stand. Das Geld war weg.  

Mit dieser Erfahrung ist Markos nicht allein. "Leider gibt es da draußen ganz viele schwarze Schafe, die versuchen eben, mit der Not der Menschen den schnellen Euro zu machen", sagt Kerstin von Blumröder, Kundendienst-Leiterin bei Immobilienscout 24. Sie bekommt haufenweise Beschwerdemails von verärgerten Plattformnutzern.

Fake-Anzeigen sind kaum zu erkennen

Auf den ersten Blick sind Fake-Anzeigen nicht zu erkennen. Bei Markos handelte es sich um ein Zwei-Zimmer-Apartment, angeboten von einer Immobilienfirma namens AGG – für nur 500 Euro kalt. Fotos, Beschreibung und Kontaktdaten des Inserates sahen vertrauenswürdig aus, genau, wie bei den echten Anzeigen.

Nach dem Besichtigungstermin unterschrieb er den Mietvertrag mit Lars Magnus N. von der AGG Immobilien. "Um sicher zu gehen, dass sie uns nicht veräppeln, bin ich zum Büro gegangen und hab den Mietvertrag persönlich abgegeben", sagt Markos. "Die hatten eine eigene Sekretärin. Ich fand, dass das sehr seriös rüberkam." Ein gutes Gefühl und endlich die eigene Wohnung in greifbarer Nähe.

Hier lauern Kostenfallen

Mit dem Mietvertrag hatte Markos unterschieben, dass er die Küche für 1.000 Euro übernimmt und das Geld zusammen mit der Kaution innerhalb von sieben Tagen überweist. Insgesamt waren das 2.500 Euro.

Und dann der Schock: Am Tag der Schlüsselübergabe warteten insgesamt sechs hoffnungsvolle Mietparteien vergeblich darauf, in die Wohnung einziehen zu können. Wer nicht da war: Lars Magnus N. Aus gutem Grund: Er war nicht der Besitzer und konnte die Wohnung überhaupt nicht vermieten.

So gehen die Betrüger vor

Die Masche geht denkbar einfach: Die Betrüger haben sich für zwei Tage eine Airbnb-Wohnung gemietet, schicke Fotos gemacht und eine Anzeige auf Immobilienplattformen erstellt. Nach ein paar Wochen wurde die Wohnung ein zweites Mal angemietet, um Interessenten für Besichtigungen zu empfangen. Jedem einzelnen wurde die Wohnung "vermietet", und nach Zahlung von ein paar tausend Euro Kaution für Abstand (Einbauküche) und Kaution sind die Betrüger untergetaucht.

Die angegebene Adresse im Mietvertrag und das Büro waren – wie die Airbnb-Wohnung - ebenfalls angemietet. Immobilienscout24 hat den Account der AGG mittlerweile gesperrt und verhindert so, dass weitere Nutzer geschädigt werden.

Vorsicht bei Vorleistungen

Wie können sich Wohnungssuchende vor solcher Abzocke schützen? "Wir raten Wohnungssuchenden dringend, Geldleistungen an den Vermieter oder den angeblichen Vermieter wirklich nur zu leisten, wenn die Wohnung bezogen ist, also zum Tag des Beginns des Mietverhältnisses", sagt Reiner Wild vom Berliner Mieterverein. Alles andere sei höchst risikoreich. Immobilienscout24 empfiehlt: bei Verdacht auf Betrug sollten Nutzer das mitteilen - dafür gibt es den "Melden"-Button auf der Website.

Sendung: Super.Markt, 26.08.2019, 20:15 Uhr

Beitrag von Andrea Everwien

Kommentar

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Antwort auf [Dad] vom 27.08.2019 um 12:45
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11 Kommentare

  1. 11.

    Banken prüfen schon seit Jahren keine Kunden Identitäten mehr. Wurde mal mit zu viel Aufwand begründet. Jetzt sieht man, wo es hinführen kann.

  2. 10.

    Im Beitrag ist zweimal ein mir vertrautes Haus eingeblendet...Was das mit dem Beitrag zu tun hat, erschließt sich mir nicht.

  3. 9.

    Sollte eine Bank nicht die Identität von Kontoinhabern prüfen?
    Dann sollten sich doch verantwortliche ermitteln lassen.

  4. 8.

    Neenee, das war mitnichten eine Schuldzuweisung sondern als echte Fragestellung gemeint.
    Das Gutgläubigkeit, insbesondere bei jungen Leuten ausgenutzt wird, habe ich in jungen Jahre ebenfalls kennenlernen dürfen. Aber jedesmal wurde ich hellhörig, weil ich beobachtet, zugehört und hinterfragend argumentiert habe. Da frage ich, ob dies heute nicht getan wird, wenn irgendetwas scheinbar so leicht gemacht werden soll ; da müssen doch alle Alarme losgehen.
    In den achtziger Jahren suchte ich auch Wohnungen und in Berlin (W) gab es es eine enorme Wohnungsnot, ähnlich der heute.
    Ich bin nicht reingefallen, habe mir mehr Zeit für die Suche genommen und habe die Vermietungsbüros persönlich abgeklappert. Ich hatte nur die "Zweite Hand" und da gab genug unehrliche Anbieter.


  5. 7.

    @Neo, volle Zustimmung. Aber Sie sehen doch, dass nicht mal "Studenten", wo man ein Mindestmaß an Intelligenz voraussetzen könnte, sich auf solche Betrüger einlassen.

  6. 6.

    Das ist kein Ausnutzen der Wohnungsnot, sondern Ausnutzen von Dummheit mancher Mitmenschen. Ich muss nicht einmal Kenntnis von solchen Machenschaften haben. Ich benutze einfach meinen Verstand.

    Aus Spaß habe ich mal mit so einem Betrüger korrespondiert, habe ihm genau so viel Blödsinn aufgetischt wie er mir. Ich war eine Frau, die sich dringend von ihrem Mann trennen musste, 2 Kinder und kein Dach über dem Kopf hatte. Angeblich saß er in GB und hätte doch soo großes Vertrauen zu mir, dass er sofort nach Überweisung der Kaution plus Monatsmiete (selbstverständlich auf sein Auslandskonto)den Schlüssel an mich schicken würde.

    Sorry, aber Menschen, die auf sowas reinfallen, lesen keinerlei Nachrichten und fallen auch auf Phishing rein.

  7. 5.

    Der Verstand setzt nicht aus; die Abwesenheit des Verstandes ist nicht notwendig; die betrügerische Darbietung fingiert diesem scheinbar eine Seriosität, deren Entmantelung selbst einem scharfsinnigen Blick schwer möglich zu sein scheint; hier wird das routinierte sowie selbstsichere Handwerk der Betrüger offenkundig; denn charakteristisch für einen sog. „erfolgreichen Betrüger“ ist eben die Fähigkeit, den Verstand zu täuschen. Darüber hinaus sollte man der Frage begegnen, ob die von Ihnen erwähnte sog. „Bildung“ ein langfristig standhaftes Instrument zur Vorbeugung verschiedener Betrügereien darstellt. Manch jemand sieht sich mit dem Auszug aus dem Elternhaus mit einem völlig neuen Lebensabschnitt konfrontiert, der nicht ausschließlich per Rationalität erfahren wird; nicht zu vertiefen ist der in Ihrem Kommentar zu konstatierende Akt der Schuldzuweisung, der auf Willkür zu basieren scheint.
    Über den positiven Effekt des von dem RBB veröffentlichten Artikels, so hoffe ich, wird keine sog. „Diskussion“ möglich sein.
    Liebe Grüße

  8. 4.

    Airbnb und immoscout machens möglich. Dank neoliberaler Gesetzgebung. Und keine Empörung von ihk und CDU.

  9. 3.

    Ich sage es mal anders: Wer mit offenen Augen und wachsamem Geiste am solche Dinge herangeht, sollte anhand Indizien oder dem Versuch, Druck aufzubauen, da die Wohnung ja ganz schnell jemandem anderen vermietet werden solle, erkennen, dass mit einem Angebot etwas nicht stimmen könnte.
    Hier laufen doch so viele gebildeter Leute wohnungssuchend herum, aber bei Wohnungsbesichtigungen setzt der Verstand aus?
    Dann kann ich nur konstatieren, dumm gelaufen......
    Und wenn ich im geliebten Zielort nichts findet, dann weiche ich halt aus, dort hin, wo ich eine Anbindung habe und die Kosten moderater sind.
    Selbst schuld, wer so unreflektiert handelt und sich unter Druck setzen lässt; kein Wunder, dass Betrüger Hochkonjunktur haben.

  10. 2.

    Ihre eingangs geäußerte Annahme, dass eine solche betrügerische Vorgehensweise zu einem zurückliegenden Zeitpunkt praktiziert worden sei, fungiert als ein sog. „Ratschlag“ für die RBB-Redaktion, die Berichterstattung derartiger Phänomene betreffend zu unterlassen? Manch jemand wird vermutlich noch nicht Kenntnis von solchen kriminellen Methoden genommen haben und Dank des Artikels folglich - evtl. - wachsamer die Geschehnisse, die im Rahmen einer Wohnungssuche passieren, beobachten.
    Liebe Grüße

  11. 1.

    Das gab es auch vor der Mauerfall! Nichts neues.

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