Mit roten Markierungslichtern ausgerüstete Windkraftanlagen (Quelle: dpa/Jens Büttner)
Audio: Antenne Brandenburg | 29.08.2019 | Katja Geulen | Bild: dpa/Jens Büttner

"Dark Sky"-Projekt - Windräder in der Uckermark sollen nachts nicht mehr blinken

Der Fachbegriff lautet etwas umständlich "bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichung" - doch gemeint ist nichts Anderes, als dass Windkraftanlagen in der Nacht nicht unaufhörlich blinken sollen.

In der nördlichen Uckermark wird eine solche Steuerung in der Nacht zu Freitag nun zum ersten Mal getestet. Zwischen 20 und 22 Uhr werden die Beleuchtung einzelner Windräder auf verschiedenen Windfeldern probeweise ausgeschaltet. Die roten Positionslichter sollen nur noch angehen, wenn sich tatsächlich ein Flugzeug nähert. Zu sehen wird das Abschalten beispielsweise bei Casekow, Falkenhagen, Kunow, Kleptow, Trampe oder Woltersdorf.

"Luftfahrthindernisse" müssen beleuchtet werden

Entwickelt wurde das sogenannte Dark-Sky-System von der Brandenburger Enertrag AG mit Sitz in Dauerthal (Uckermark). Nach eigenen Angaben betreibt der Energieerzeuger über 660 eigene Anlagen und ist weltweit für die Betreuung von rund 1.300 Anlagen verantwortlich.

Hintergrund ist eine Vorschrift, wonach Anlagen als Luftfahrthindernis gekennzeichnet werden müssen, wenn sie höher als 100 Meter sind. Das führt dazu, dass die an Windparks grenzenden Landschaften bisher die ganze Nacht über in ein rötlich schimmerndes Licht getaucht sind, sehr zum Ärger einiger Anwohner. Sie fühlen sich in ihrer Nachtruhe gestört. Hobby-Astronomen beklagen eine "Lichtverschmutzung".

Positionslichter leuchten nur noch bei Bedarf

Das von der Enertrag entwickelte System will nun für Abhilfe sorgen: Es arbeitet mit Radartürmen, die nur dann ein Signal zur "Befeuerung" geben, wenn ein Flugzeug weniger als 4.000 Meter entfernt ist und niedriger als 600 Meter fliegt. Ist kein Flieger in der Nähe, bleiben die Windkraftanlagen dunkel. 

Der Vorstandsvorsitzende von Enertrag, Jörg Müller, sieht mit dem Test am Donnerstagabend ein wichtiges Etappenziel erreicht, dennoch sei noch viel Arbeit erforderlich, um am Ende mehrere hundert Windräder dunkel zu bekommen. So werde bei den für September geplanten weiteren Testläufen auch ein Flugzeug zu Einsatz kommen, "um sicherzustellen, dass das absolut funktioniert", sagte Müller am Donnerstag dem rbb.  

Außerdem müssen sich noch weitere Windanlagenbetreiber dem System anschließen, um die Uckermark nachts wieder ganz dunkel zu machen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.08.2019, 7.30 Uhr

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6 Kommentare

  1. 6.

    Ja, oder wir verhängen einfach eine Ausgangssperre zwischen, sagen wir mal 22 und 6 Uhr. Anständige Mensch*InnEn liegen da sowieso im Bett, natürlich mit den Händen über der Decke. Und Licht aus, um Energie zu sparen und für eine ordentliche Verdunkelung zu sorgen. Subversive Elemente, die sich während der Ruhezeit herumtreiben, könnten durch Roboterpatrouillen automatisch eingesammelt oder auch gleich eliminiert werden. Aber natürlich nur, wenn die Roboter unbeleuchtet sind und mit Ökostrom betrieben werden.

  2. 5.

    Gibt es eine Möglichkeit, das nächtliche Blinken, das vom gegenüberliegenden Balkon ins Schlafzimmer flackert, rechtssicher ausschalten zu lassen? Grillgestank muss der Nachbar doch auch nicht unbegrenzt hinnehmen.

  3. 4.

    super. die 737 mäht die Teile eh um. Der Sportflieger ist so langsam, dass bedarfsgerechtes Leuchten reicht.


    Umweltfeindliche Lichtverschmutzung dank Behördenwahnsinn:
    Bei uns wurde gerade bei einer Ampel die dunkle Zeit wieder von 20 auf 22 uhr verschoben - Verkehrsbehörde. Da fährt zwischen 20 und 22 Uhr kaum noch jemand - der nicht mit Vorfahrtsschildern auch klar käme. Aber ne, nun leuchtet sie wieder. Prima hinbekommen. Insektenfänger, Störlicht, und start-stop der PKWs. Sehr umweltfreundlich.

  4. 2.

    Sehr gut. Es könnte ruhig noch mehr Projekte zur bedarfsgesteuerten Beleuchtung geben. Straßenbeleuchtung zum Beispiel braucht auch nicht zu brennen wenn niemand da ist.

  5. 1.

    Eine bemerkenswerte Methode, seinen Umsatz und den Gewinn zu steigern. Leider fehlt mir auf den Fotos der rötliche Schimmer, der die Landschaft flutet. Die 727, die aus technischen Gründen im Sinkflug begriffen ist, wird bestimmt in 4000m Abstand abrupt bremsen, um nicht mit so einem Spargel zusammenzustoßen.

    PS Wenn mit Sternchen versehene Felder Pflichtfelder sind, wieso sind dann an den Feldern e-mail und Ort keine Sternchen, wenn sie Pflichtfelder sein sollen?

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