19.08.2019, Brandenburg, Klaistow: Entwurzelte Bäume liegen auf einem Grundstück. (Quelle: dpa/Stähle)
Video: Abendschau | 19.08.2019 | Tim Jäger | Bild: dpa/Stähle

Unwetter im Südwesten Brandenburgs - Sturm hinterlässt schwere Schäden in Klaistow

Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer: Ein kurzes, heftiges Unwetter hat im Südwesten Brandenburgs starke Schäden hinterlassen. Besonders betroffen war der Beelitzer Raum. Anwohner sprachen von einem Tornado.

Ein Gewitter hat am Sonntagabend über Teilen Brandenburgs gewütet und vor allem im Beelitzer Raum erhebliche Schäden hinterlassen. Die Dörfer Klaistow und Kanin (Potsdam-Mittelmark) waren besonders betroffen. Innerhalb kürzester Zeit wurden dort zahlreiche Dächer abgedeckt und es entstand ein großer Sachschaden, wie die Feuerwehr rbb|24 am Montagmorgen bestätigte. Feuerwehren aus Beelitz und Kleinmachnow waren ab 18 Uhr im Einsatz und bis in die späten Abendstunden damit beschäftigt, die Sturmschäden zu beseitigen.

"Nahezu alle Häuser des Dorfes Klaistow sind beschädigt", sagte Sebastian Klamt von der Feuerwehrleitstelle Brandenburg an der Havel am Montag. Dachziegel seien abgetragen worden, ein Carport stürzte ein und mehrere Bäume knickten um, so Klamt. Laut Polizei blockierten abgebrochene Äste die Landstraße bei Klaistow. Verletzt wurde den Angaben zufolge aber niemand.

Feuerwehreinsatz im brandenburgischen Klaistow nach Wirbelsturm (Quelle: dpa/Julian Stähle)
Nach Sturm in Klaistow: Das beschädigte Dach eines Hauses. | Bild: dpa/Julian Stähle

Bürgermeister: "Sturm war nur anderthalb Minuten unterwegs"

"Der Sturm war nur eine bis anderthalb Minuten unterwegs. Da kann man sehen, was die Natur anrichten kann", sagte der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth (Unabhängiges Kommunalbündnis/Bürger Bündnis Beelitz). Im Nachbarort Kanin stehe etwa die älteste Feldsteinkirche Brandenburgs. Mehrere Dachziegel seien abgedeckt worden. Auf der Landstraße zwischen Klaistow und Kanin seien acht Bäume entwurzelt worden. "Der Sturm hat es da aber gut gemeint, die Bäume sind nicht auf die Fahrbahn, sondern ein Feld gefallen", sagte Knuth.

Sein eigenes Haus sei im Jahr 2007 von Orkan Kyrill beschädigt worden. Er könne die Lage der Betroffenen daher sehr gut nachvollziehen: "Man ist dem hilflos ausgeliefert". Die Feuerwehr habe aber hervorragende Arbeit geleistet, sagte er. Die Leute seien zudem gut organisiert, würden sich gegenseitig helfen. Sämtliche Betroffene hätten bereits in ihre Häuser zurückkehren können, ergänzte Knutz. Er schätzte, dass die Aufräumarbeiten noch zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen.

DWD sprach zunächst von "Downburst"

Mehrere Anwohner in Klaistow berichteten der Feuerwehr von einem Tornado. "Im Nachhinein ist es immer schwer einzuschätzen, ob es sich um einen Tornadoschaden oder eine kräftige Sturm- oder orkanartige Böe handelt", sagte Thomas Endrulat vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Potsdam dem rbb-Fernsehen. Beides sei möglich.

Für Endrulat, der sich vor Ort umgesehen hat, sieht es in Klaistow nach einem Tornado aus. "Der Verdacht ist durchaus sehr berechtigt. Es ist alles nach oben herausgerissen und das spricht eher für einen Tornado als für eine starke Sturmböe", so Endrulat. Zunächst war der DWD in Offenbach nicht von einem Tornado ausgegangen. Stattdessen war von einem sogenannten Downburst, einer Gewitterfallböe, die Rede.

Unwetter legt Zugverkehr in Hessen lahm

Gegen 21.30 Uhr hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine Unwetterwarnung herausgegeben und vor Hagel und heftigen Böen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern pro Stunde gewarnt. Wenig später wurden die Unwetterwarnungen wieder aufgehoben.

Die Unwetter sorgten in West- und Süddeutschland für Probleme im Bahn-und Flugverkehr. Vor allem Hessen war betroffen. Umgestürzte Bäume lagen auf den Gleisen. Es gab Oberleitungsstörungen. In einem Stellwerk schlug der Blitz ein. Auf dem Frankfurter Flughafen wurde die Abfertigung auf dem Vorfeld vorübergehend eingestellt. Etliche Flüge wurde gestrichen.

Hinweis in eigener Sache: In einer früheren Version dieses Artikels bezeichneten wir den Sturm in Klaistow als "Downburst" - eine Fallböe. In einem ersten Interview war ein Experte des DWD in Offenbach zunächst nicht von einem Tornado ausgegangen. Der DWD-Experte aus Potsdam widersprach dieser vorläufigen Einschätzung während einer Bewertung vor Ort.  

Sendung: Inforadio, 18.08.2019, 23.00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um eine Antwort zu verfassen.

Antwort auf [Daniel W.] vom 19.08.2019 um 11:33
Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

14 Kommentare

  1. 14.

    äh - wir waren wandern. Haben die schwarze Wand gesehen und sind zurückgejoggt, wie in meinem ersten Beitrag beschrieben. Haben Sie was anderes empfohlen??

    WANN genau hat in den letzten Wochen/Monaten die Vorhersage des DWD zu Unwettern gestimmt? Für Klaistow und umzu war 21 Uhr Gewitter und Regen angesagt. Um 21 Uhr gab`s auch eine Unwetterwarnung, die sofort wieder aufgehoben wurde (siehe Bericht), weil es doch anders kam.

    Wetter halt.

    Und an den FUNKLÖCHERN ändert das auch nichts.


  2. 13.

    Können wir Probleme nur noch lösen, wenn es eine APP dafür gibt? Der Wetterbericht hat schon am Vortag auf Gewitter mit Unwetterpotential hingewiesen. Wenn man draußen ist sollte man einfach öfter mal in den Himmel schauen, anstatt auf's Smartphone. Und dann einfach mal total uncool sein und den Strand zehn Minuten vor den Anderen verlassen.

  3. 12.

    Wir waren heute von ca. 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr in Klaistow auf dem Spargelhof Buschmann & Winkelmann und sind dann zurück nach Berlin gefahren. Von Sturm oder Unwetter keine Spur, im Gegenteil: der Himmel war strahlend blau mit relativ kleinen Wolken ... unglaublich, was das Wetter für Kapriolen schlägt.

  4. 11.

    "Wer als Hauseigentümer "nur" eine Regen/ Sturmschäden Versicherung hat sieht alt aus, die deckt solche Schäden nicht ab" Wieso nicht? Private Versicherungen verarschen einen auch nur.

  5. 10.

    Juti, Fallbö... war aber dennoch eher ein downburst, gefühlt. Ein sehr seltsamer Effekt - Wind von OBEN. Nicht von der Seite, Auto driftet auch nicht, sondern wird gepresst. Gleichzeitig das Gefühl, ein Pool sei über Dir gerissen. Hm. Wie in der Waschstraße, nur mehr und stärker. Vorher habe ich das "Ding" noch gesehen, sage zum Kind "schau, da haut´s schon runter", und minuten später war es da und haut auf unsere Karre. Und kurz darauf war´s weiter und weg... Der Ostwestfale kennt schon auch Sauwetter, aber sowas seltsames kannte ich noch nicht.

    Sorge mich nur, was aus den Radlern wurde, die uns begegnet sind auf der Flucht zu Fuß, und die Angler... aber es gab wohl keine Personenschäden, oder?

  6. 8.

    Wer als Hauseigentümer "nur" eine Regen/ Sturmschäden Versicherung hat sieht alt aus, die deckt solche Schäden nicht ab. Eine Elementarversicherung wird also immer wichtiger. Sieht man sich die Bilanz der letzten Nacht Deutschland weit an.....so ein Mist, die Klimapropheten haben recht behalten. Immer mehr und stärkere Unwetter. Nur eine Frage der Zeit wann das auf die Policen durch schlägt. Klimawandel.....was das ist werden noch einige merken.

  7. 7.

    Wer lesen kann, ist deutlich im Vorteil!
    Das einzige Fachwort in dem Text, Downburst, wird klar und einfach erklärt...

  8. 6.

    Ist es nicht möglich in deutscher Sprache zu erzählen, was dort geschehen ist?

  9. 4.

    Tja mit SMS würde das nicht passieren, weil richtige Funklöcher haben wir selten. Eher das Internet nicht geht... Macht also Sinn das Warnsysteme via SMS laufen.

  10. 3.

    Haben es gerad noch ins Auto geschafft. Waren "nur" am Seddiner See/Tremsdorf. Die hinter uns aufziehende schwarze Wand durch Zufall (!) entdeckt. Dann gerannt. Die Unwetterwarnung auf dem Handy war erst wieder ab Stahnsdorf aktiv. Warum? Weil ab Stahnsdorf südlich kein Datennetz außer Edge geht. Also keine Katastrophenwarnungen bei Waldbränden, keine Unwetterwarnungen - die Bevölkerung locker informationstechnisch abgehängt. Super. Die AfD wirbt damit, die Funklöcher zu schließen. Sch... Opportunisten!

    Ansonsten halt das übliche: umgehauene Bäume, Gedöns auf der Straße, Dächer...

  11. 2.

    Die tausendste, sinnlose Klimadiskussion in 3... 2... 1... Go!

  12. 1.

    Liebes rbb-Team, auf wetteronline wurde der Tornado noch nicht bestätigt, die Wetterlage spreche eher für einen Downburst (Fallböe bei starken Schauern oder Gewittern). Besser mit dem Titel abwarten, bis eine offizielle Bestätigung vorliegt. Laien täuschen dabei schnell.

Das könnte Sie auch interessieren