Das von der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellte Archivbild vom 21.6.1998 zeigt den Übergriff auf den bereits am Boden liegenden französischen Gendarmen Daniel Nivel in Lens. (Quelle: Staatsanwaltschaft Essen)
Bild: Staatsanwaltschaft Essen

Nach Attacke bei WM in Frankreich - Nivel-Täter wegen Verdacht auf Drogenhandel erneut vor Gericht

Die brutale Attacke gegen den Polizisten Daniel Nivel bei der Fußball-WM '98 sorgte für Entsetzen. Zusammen mit mehreren Hooligans erhielt Christopher R. dafür eine Haftstrafe. Es blieb nicht seine einzige. Nun steht er erneut vor Gericht.

Einer der Hooligans, die 1998 den französischen Polizisten Daniel Nivel halbtot geprügelt hatten, steht von Freitag an in Berlin erneut vor Gericht. Der Mann, Christopher R., soll zusammen mit sieben anderen Angeklagten einen umfangreichen Drogenhandel betrieben haben. Der Prozess gegen sechs Männer und zwei Frauen soll mindestens bis April 2020 dauern. Die "Bild"-Zeitung [kostenpflichtig] hatte zunächst darüber berichtet.

Christopher R. hatte 1998 bei der Fußball-WM in Frankreich zu jenen Hooligans gehört, die den französischen Polizisten Nivel so schwer verletzten, dass er sechs Wochen im Koma lag. Nivel trug irreparable Hirnschäden davon. Er ist einseitig gelähmt und auf einem Auge blind. Das Sprechen fällt ihm schwer. Sechs Hooligans wurden in teils getrennten Prozessen zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt, Christopher R. erhielt drei Jahre und sechs Monate Haft.

Straftaten während des offenen Vollzugs?

Im Jahr 2015 dann wurde der jetzt Angeklagte erneut verurteilt: Wegen Drogenhandels erhielt er sieben Jahre Haft. Im Jahr 2017 soll er dann neue Straftaten begangen haben - aus dem sogenannten offenen Vollzug heraus, das heißt, er durfte das Gefängnis tagsüber verlassen, um zu arbeiten. Inzwischen sitzt er auch tagsüber wieder im Gefängnis.

Das Gericht sah den Angeklagten 2015 als Mitglied einer hochkonspirativ agierenden Bande. Es ging um den Schmuggel von Chemikalien für die Herstellung von fast 300 Kilogramm Amphetamin. Der Prozess wurde streng bewacht, weil Angeklagte zum Teil zur Hooligan- und Rockerszene gehörten. Bei dem Urteil gegen Christopher R. im Jahr 2015 wirkten sich Vorbelastungen strafschärfend aus, wie das Gericht damals sagte.

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6 Kommentare

  1. 6.

    Faellt es Ihnen auch schwer, die Wirklichkeit zu ertragen, Peter? Mir auch. Lieber sehe auch ich ein "aufschlussreiches" Foto von einem gut frisierten Sakkotraeger im Gerichtssaal, stimmt. Lieber stilisiere auch ich den Taeter zum Opfer der Umstaende und der reisserischen Presse. Dann koennen wir alle beruhigt und selig weitertraeumen, wie sinnvoll unser Justizsystem ist; erst zweimal Kuscheln, und dann ab in die Gewaltschule Knast. Da wird dann schon alles gut...

  2. 5.

    Wir ziehen ja alle unsere (voreiligen?) Schlüsse (nichts gelernt, nicht therapierbar), aber hat der rbb kein anderes Bild, z.B. vom Prozess? Aber das wäre natürlich nicht reißerisch genug ;)

  3. 3.

    Finanzielle Auswirkungen bis Lebensende? Bitte hier weiter diskutieren: Staat entlasten, Bringepflicht usw.

  4. 2.

    Tja, nach aller Erfahrung haette aber auch doppelt oder dreifach so langer Knast vermutlich nix gebracht; im Gegenteil. Da man nicht jeden brutalen Taeter mit Rueckfallrisiko real lebenslaenglich einsperren kann, muesste man wohl endlich mal daran arbeiten, Sanktionen und Knast grundlegend anders zu gestalten...

  5. 1.

    Das Strafmaß erscheint mir angesichts der gravierenden Folgen für das Opfer wie ein Sonderangebot der Justiz.

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