Matthias Müller baut ein Duschmobil für obdachlose Frauen (Quelle: rbb)
Video: rbb|24 | 24.08.2019 | Material: Abendschau | Bild: rbb

Berliner Duschmobil übergeben - Ein Badezimmer auf Rädern für obdachlose Frauen

Das Leben auf der Straße ist hart, besonders für Frauen. Ein Duschmobil soll ihnen nun in Berlin-Mitte die Möglichkeit bieten, Körperhygiene zu betreiben. Ein privater Unternehmer hat es selbst gebaut. Am Samstag wurde das mobile Bad übergeben. Von Sylvia Tiegs

Ein dreiviertel Jahr lang hat Matthias Müller geplant, geschraubt und gebaut: das Duschmobil für obdachlose Frauen ist buchstäblich sein Werk, obwohl er sich früher gar nicht groß interessiert hat für Menschen, die auf der Straße leben: "Ich bin daran vorbeigegangen ohne nachzudenken. Die gehörten für mich einfach zum Straßenbild."

Doch dann hörte Müller von Duschmobilen für Obdachlose in Paris, die fahren da schon seit Jahren herum. Warum nicht auch in Berlin, dachte sich der Mittfünfziger. Seine Firma für Berufsbekleidung läuft gut. Und Müller – voller Tatendrang – wollte sich eh sozial mehr engagieren. Er kauft einen großen Wohnbus und funktionierte ihn um zur rollenden Wasch-Station.

Hell und behindertengerecht

Das Badezimmer darin, ganz in Blau, ist vier Quadratmeter groß. "Da ist dann alles untergebracht. Die Damen haben die Möglichkeit, sich mit einer Glastür zu separieren. Sie können ihre Sachen mit reinnehmen, sie können sie abstellen auf Bereiche, die ich vor Spritzwasser geschützt habe, sagt Müller. Auch Toilette und Handwaschbecken gibt es, "all das, was man auch im Badezimmer hat".

Und eben auch eine Dusche, sogar mit behindertengerechtem Sitz drunter. Ein extra eingebautes großes Dachfenster schafft viel Licht, wie in einem echten Zimmer. Die Frauen sollen sich hier wohlfühlen, wünscht sich der Unternehmer: "Wenn ich etwas tue, dann nur für die Schwächsten in der Gesellschaft. Und die Frauen auf der Straße sind schwächer als die Männer, definitiv."

Ein großes Problem auf der Straße: die Periode

Felicitas kann das nur bestätigen. Die junge Frau, die eigentlich anders heißt, hat heute noch Kontakt zum Sozialdienst Katholischer Frauen, für die Matthias Müller das Duschmobil gebaut hat. Eine super Idee, sagt Felicitas. Sie war schon zweimal in ihrem Leben obdachlos, einmal ein ganzes Jahr lang. "Im öffentlichen Raum hat man keine Möglichkeit, mal einen Ort zu finden, wo man einfach mal auf Toilette gehen kann. Es gibt zwar öffentliche Klos, aber die meisten muss man bezahlen. Und wenn man auf der Straße ist, hat man in der Regel kein Geld."

Und auf noch großes Problem für obdachlose Frauen weist Felicitas hin: "Man kriegt, auch wenn man auf der Straße lebt, seine Tage. Da ist es umso wichtiger, dass man auf die Toilette gehen kann. Und es ist auch wichtig, dass man sich überhaupt waschen kann."

Die Hoffnung, andere Frauen zu erreichen

Außerdem, sagt Felicitas aus eigener Erfahrung, kann eine warme Dusche einem das Leben retten, wenn man die ganze Nacht draußen bitterlich gefroren hat. Zwei Sozialarbeiterinnen vom Sozialdienst Katholischer Frauen werden ab September mit dem Duschmobil durch Berlin-Mitte fahren. Gut so, meint Felicitas: "Darüber habe ich die Hoffnung, dass andere, die schon aufgegeben haben, noch mal erreicht werden können."

Missionieren wollen sie niemanden, heißt es beim katholischen Sozialdienst. Sondern einfach den Frauen auf der Straße eine Gelegenheit geben, sich in Ruhe zu waschen und zu pflegen. Handtücher, Seife und Wechselwäsche hat das Duschmobil auch an Bord.

Sendung: Inforadio, 24.08.2019, 09:10 Uhr

Beitrag von Sylvia Tiegs

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44 Kommentare

  1. 44.

    Werden Sie bitte konkret und stellen der Anzahl von obdachlosen Frauen und Männern die für den Einzelfall notwendige Hilfe gegenüber. Noch genauer formuliert, je nach ggf. chronischer Krankheit und Funktionsbeeinträchtigungen. "Sich helfen zu lassen" erfordert ein Mindestmaß an Vertrauen, das Sie als selbstverständlich voraussetzen. Denken Sie etwa, dass alle obdachlose Menschen vor Selbstsicherheit strotzen und sich Tag für Tag und Nacht für Nacht, freiwillig dieser destruktiven Situation aussetzen? Ich könnte als Schwerbehinderter ad hoc eine lange Liste derer aufstellen, die mein Vertrauen missbraucht haben und ich für unfähig erachte, die Staatsgewalt im Sinne des Grundgesetzes auszuüben.

  2. 43.

    Auch dem widerspreche ich. Es gibt mittlerweile in Berlin die Möglichkeit für Obdachlose beider Geschlechter sich helfen zu lassen. Besonders für Männer ist dies weniger kompliziert. Doch viele ( bes. Männer) ziehen es vor im Freien zu Campieren. Bei Frauen sieht es da schon viel schwieriger aus. Meine Beobachtungen sind immer die gleichen. Männer in Gruppen und Frauen alleine.

  3. 42.

    @ Schwester Constructa und Steffen, das was Sie schreiben ist unglaubwürdig. Wenn Männer viel leichter als Frauen sanitäre Einrichtungen nutzen können und viel eher Notunterkünfte betreten warum sind dann über 80 % aller Obdachlosen auf der Straße Männer? Ein Grund ist weil Frauen viel eher private Unterkünfte oder Unterkünfte bei Hilfestellen bekommen! Warum gibt es speziell für Frauen reservierte Unterkünfte, speziell für Frauen reservierte Plätze im Kälteschutzmobil. Warum werden hier frierende Männer abgewiesen nur um hunderte nicht genutzter Plätze für Frauen zu reservieren? Fakt bleibt: Es ist zutiefst unmenschlich weniger als 20 % obdachloser Frauen über 80 % obdachloser Männer vorzuziehen! Aller Orten reden wir über Gleichberechtigung wenn es um Frauenrechte statt. Werden Männer diskriminiert schaut man weg und will das nicht sehen! Die Glaubwürdigkeit von Geschlechterpolitik wird sich aber genau hieran messen lassen müssen!

  4. 41.

    Obdachlose Männer werden nicht diskriminiert, so wie Sie es beschreiben. Für Männer gibt es schon ausreichend Möglichkeiten sich zu Reinigen und zu Duschen. Für Frauen hingegen sieht die Lage dagegen weniger gut aus. Deshalb auch dieses Projekt. Im übrigen bin ich sogar davon fest überzeugt, das diese Aktion Schule macht und es sicher bald auch ein fahrbares Duschmobil für Männer geben wird.

  5. 40.

    Es ist aber erwiesen, dass Frauen seltener in Notunterkünfte gehen und deshalb weniger Zugang zu sanitären Einrichtungen haben. Von daher macht es schon Sinn, das begrenzte Angebot erst mal diesen zur Verfügung zu stellen. Natürlich wäre solch ein Angebot für Männer genau so wünschenswert. Es mangelt aber leider an den Ressourcen.

  6. 39.

    Das Duschmobil ist eine super Idee. Jedoch ist es in höchstem Gerade diskriminierend dass obdachlose Männer dieses nicht gleichermaßen nutzen dürfen. Ca. 80 % aller Obdachlosen sind Männer und es sterben prozentual mehr obdachlose Männer auf der Straße (erfrieren, Suizid, Alkohol, etc...) als obdachlose Frauen. Diese Empathietrennung zwischen Männern und Frauen finde ich höchst unmenschlich. Umgekehrt gäbe es einen bundesweiten Aufschrei wenn es ein solches Angebot nur für Männer gäbe!

  7. 38.

    Danke für die Antwort! Ich hatte schon mit mir gerungen, zumal ich sehr ähnliche Worte auf der Zunge hatte. In der Bahnhofsmission freuen sie sich tatsächlich immer über jede Unterstützung, selbst wenn es Stullen schmieren ist. Habe hier auch noch einen Riesensack noch guter Pullover bereit liegen, der Herbst ist ja nicht mehr so weit. Besser, als das irgend welchen zweifelhaften Klamottenhändlern in den Rachen zu werfen, auch wenn das weniger aufwändig für mich wäre.

  8. 37.

    Nun hören Sie doch endlich mal auf damit. Es ist ja schon extrem Penetrant, wie Sie hier auf den Wächeaustausch herumreiten. Jede/Jeder Obdachlose der möchte, kennt die Anlaufstellen, um sich nötigenfalls mit neuer Kleidung zu versorgen. Die, die dies möchten nutzen es auch. Habe selbst erst neulich eine Tüte mit überflüssiger Kleidung an die Bahnhofsmission abgegeben. Sollten auch Sie vielleicht mal drüber nachdenken. Unterwäsche in vielen Größen ( auch neu) wird immer benötigt.

  9. 35.

    Der Senat hat der Klo Vertrag neu vergeben. Dabei völlig übersehen das es nicht nur die Große Notdurft gibt sondern manchmal ein Kaffee8eck reicht und der dann fürn Groschen genutzt werden kann. Weiterhin könnten diese Dinger auch eine solche Nasszelle beinhalten diese betrieben von einer "Sozialstation" in neutraler Lage vielleicht. Frankfurter A. Ecke Gürtelstr ?

  10. 34.

    „ Und schöne Grüße an die Naserümpfer“. Wie recht Sie doch haben. Beispiel: immer wieder treffe ich mich mit einem Obdachlosen, um mich mit ihm sehr gerne zu Unterhalten. Einmal lobte ich sein Hemd welches er trug und er erzählte mir voller Stolz, wie er dazu kam. Nein, nicht jede/jeder Obdachlose läßt sich derartig gehen und freut sich über jede Zuwendung. Vor ein paar Tagen stehe ich am Hauptbahnhof an einer Bushaltestelle um auf den Bus zu warten. Plötzlich steht neben mir ein in schwarz gekleideter völlig verdreckter Obdachloser neben mir. Machte einen verwirrten Eindruck. Aber anstatt ihm aus dem Weg zu gehen, was andere taten, gab ich ihm etwas Kleingeld in die schmutzige Hand. Dabei hatte er nicht einmal gebettelt.

  11. 33.

    Da haben Sie zweifelsfrei Recht. Es ist schlimm genug, dass Menschen auf der Straße leben müssen, ich bin aber realistisch genug, um zu erkennen, dass sich das leider nie zu 100% verhindern lässt. Dann ist es aber wenigstens wichtig, dass es entsprechende Hilfsangebote gibt, von Schlafplätzen über Hygienemöglichkeiten und ärztliche Grundversorgung bis hin zu Aussteigerprogrammen. Leider sind alle diese Angebote nur extrem punktuell. Das Duschmobil für Frauen ist gerade deshalb eine so tolle Idee, weil diese überdurchschnittlich oft die Notunterkünfte meiden und deshalb oft gar keine Möglichkeit zur richtigen Körperpflege haben.

  12. 32.

    Sie haben es schon in Ihrem Kommentar( 25) sehr richtig und zutreffend beschrieben. Nur scheint der User@ Leser ein gehöriges Problem mit der Wahrnehmung zu haben und sollte seine Schnappatmung besser einfach einstellen. Zudem finde ich seine Kommentare widersprüchlich und unsozial, besonders gegenüber Frauen die auf der Straße leben.

  13. 31.

    Ich habe dem fleißigen Bastler schon beim ersten Artikel gedankt - so ziemlich allein auf weiter Flur mit höchstens Nörglern zusammen.. schön, dass dieses Mal auch Andere Worte des Lobes finden! Eine super Idee, und so durchdacht umgesetzt. Alles auf ehrenamtlicher Eigeninitiative fußend. Toll! Danke!

    Und ja, das WaschMASCHINENmobil... das wäre die nächste gute Idee....


    Und schönen Gruß an die Naserümpfer: die Obdachlosen, die Sie meinen, sind eher die harte Trinker/Drogisten-Szene, die es selber nicht mehr merken, dass sie kleben und müffeln. Ob mit oder ohne Wohnung.
    Die allermeisten Wohnungslosen sind genau so eben nicht!

  14. 30.

    Sie halten es für unmöglich, dass zwei Hilfsorganisationen ihre Hilfsangebote aufeinander abstimmen könnten? Dann dürfte das Duschmobil ja selbst auch nicht funktionieren, denn die Probleme sind identisch.

  15. 29.

    Ihr organisatorisches Wunschdenken betreff Wechselwäsche ist derart oberflächlich nicht umsetzbar, weil für solch ein Projekt die Verantwortung, Finanzierung und Personalplanung von einer zuverlässigen Organisation übernommen werden muss. Sie sind am Zug!

  16. 27.

    Klugscheißer - in der Schule lernten wir schon: "erst Papierkorb, dann ...." Hier: erst informieren, dann meckern!

  17. 25.

    Wird sich bei der Wechselwäsche wohl eher um Unterwäsche handeln. So genial und begrüßenswert das Duschmobil natürlich ist, die Reinigung der Oberkleidung ist tatsächlich ein Problem, welches ergänzend gelöst werden muss. Das muss ja nicht im Duschmobil selbst sein, das kann auch über eine Kleiderkammer oder die Bahnhofsmission organisiert sein. Wichtig ist ja nur, dass es gut verzahnt ist. Also Kleidung abholen, duschen gehen, frische Kleidung anziehen und schmutzige Kleidung zum Waschen wieder abgeben. Beim nächsten Mal wieder von vorn. Schlimm ist, dass es für solche Angebote überhaupt erst privater Initiatoren bedarf und unser rot-roter Senat noch nicht mal weiß, wie viele Obdachlose welchen Geschlechts und welcher Nationalität es überhaupt in Berlin gibt.
    Auf der Webseite des Sozialdienstes gibt es übrigens auch die Bankverbindung für Spenden, für alle die nicht nur diskutieren sondern das auch unterstützen wollen.

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