Archivbild: Doppeldeckerbus der BVG Berliner Verkehrsgesellschaft (Quelle: imago/Ralph Peters)
Video: Abendschau | 05.08.2019 | Sabrina Wendling | Bild: imago/Ralph Peters

TXL-Bus, Linie 300 - Fahrgastverband kritisiert Änderungen im BVG-Busfahrplan

Mit den jüngsten Änderungen im Busfahrplan reagieren die BVG auf Versäumnisse der Verkehrspolitik - findet der Berliner Fahrgastverband Igeb. Die Rede ist von einer "Kapitulation vor privatem Autoverkehr". Stattdessen fordert er deutlich mehr Busspuren.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb hat den veränderten Busplan der BVG, der seit Montag in Berlin gilt, scharf kritisiert. Wie die beiden Vorsitzenden des Verbands, Christfried Tschepe und Jens Wieseke, am Montag bekanntgaben, würden die Änderungen viele Fahrgäste zu zusätzlichem Umsteigen zwingen.

Mit den Änderungen der Buslinien in der östlichen Innenstadt reagierten die BVG zudem auf Missstände, die der Berliner Senat zu verantworten habe. "Das ist eine Kapitulation vor privatem Autoverkehr, das ist mehr als ärgerlich in dieser Stadt", sagte Wieseke in der rbb-Abendschau.

Buslinie TXL: "Armutszeugnis für Verkehrspolitk"

Dass die Linie TXL jetzt nicht mehr bis zum Alexanderplatz fahre, sei zwar ein konsequenter Schritt der BVG, aber auch "ein Armutszeugnis für die Verkehrspolitik des Senats", heißt es in einer Mitteilung der Igeb.

Die Buslinie vom Flughafen Tegel fährt seit Montag nur noch bis zum Robert-Koch-Platz, um den planmäßigen Sechs-Minuten-Takt zwischen Flughafen und Hauptbahnhof besser einhalten zu können. Für die Linie habe die BVG nach Aussage des Fahrgastverbands schon vor drei Jahren ein Konzept vorgelegt, das zur Stabilisierung des Busverkehrs beitragen sollte - unter anderem durch neue Busspuren, Haltverbote und Vorgangsschaltungen an Ampeln. Davon sei von der Senatsverwaltung, bis auf "einige Meter Busspur in Moabit" nichts umgesetzt worden.

Auch Buslinie 300 "wenig überzeugend"

Deswegen fordert der Veerband den Senat und die Bezirke auf, "durch bauliche und verkehrsbehördliche Maßnahmen Rahmenbedingungen zu schaffen, die die BVG nicht zur Zurücknahme oder Veränderung nachgefragter Busangebote zwingt, sondern im Gegenteil eine Ausweitung ermöglicht", heißt es.

Auch von der neuen Buslinie 300 ist der Fahrgastverband wenig überzeugt. Diese soll von der Philharmonie über den Potsdamer Platz, Unter den Linden und den Alexanderplatz bis zur Warschauer Straße verkehren. Die neue Linie erreiche die Endhaltestelle Warschauer Straße "auf stauanfälligen Umwegen über Molkenmarkt, Alexanderplatz und Ostbahnhof".

Außerdem kritisierte der Verband, dass die Linie 300 die Spree nicht über die Oberbaumbrücke überquere. Das sei dringend notwendig, damit Fahrgäste auf stark die frequentierten Buslinien 165 und 265 am Schlesischen Tor umsteigen könnten.

Senat: Erstmals massiver Ausbau der Busspuren seit Jahren

Der Fahrgastverband appellierte an den Berliner Senat, mehr Fokus auf die Beschleunigung des Busverkehrs zu legen und argumentierte mit den steigenden Fahrgastzahlen. Der Ausbau des Straßenbahn- und des S- und U-Bahnnetzes dauerten zu lange, "um der Nachfrage in den nächsten Jahren gerecht zu werden." Deshalb müssten auch das Busnetz und das Busspurnetz als "Übergangsangebot" schnell und umfassend ausgeweitet werden.

Die Senatsverwaltung für Verkehr beteuert, die Situation solle sich in den nächsten Monaten verbessern. Sprecher Jan Thomsen sagte in der rbb-Abendschau am Montag, dass zum ersten Mal seit vielen Jahren die Busspuren wieder massiv ausgeweitet würden. "Und zwar plus 20 Prozent. Wir wollen in diesem Jahr noch 19 Kilometer einrichten, das ist in intensiver Prüfung", so Thomsen.

Dem Fahrgastverband geht das nicht schnell genug. Er fordert deutlich mehr Busspuren - auf jeder Hauptverkehrsstraße.

Sendung: Abendschau, 05.08.2019, 19:30 Uhr

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23 Kommentare

  1. 22.

    Sehr einseitige Sichtweise! Bus- und BVG "Vordrängelspuren" verursachen doch vielerorts erst den Stau! Hunderte Taxis und pro Ampelphase und Behindertentransporte, plus Reisebusse, lassen den anderen Verkehrsteilnehmern kaum eine Chance vorwärts zu kommen. Machen Sie mal Ihre Augen auf!

  2. 21.

    Leider hat man nach der Wiedervereinigung versäumt, den wichtigen U-Bahnabschnitt von Jungfernheide bis zum Airport Tegel zu bauen. Mir ist schon klar U-Bahnbau ist sehr teuer und als die Linie U5 von Turmstraße oben zum Airport Tegel geplant wurde und Bonn alles gezahlt hat. Nur man hätte schon längst den Streckenabschnitt von Jungfernheide zum Air Tegel fertig bauen können, als Abzweig der Linie U7 bzw U75 Hermannplatz - Airport Tegel. Zudem ja auch die Ringbahn & Regionalbahn "Jungfernheide" hält, wäre das ideal für alle Berliner/in & Brandenburger/in um zum Airport Tegel zu kommen. Zu dem müssen auch noch Lücken zwischen dem S+U-Bahnnetz geschlossen werden, wie z.B. Krumme Lanke - Mexikoplatz. dort wartet man erst seit 90! Jahren auf diesen Lückenschluss. Aber so werden wir weiter warten und warten und warten.......

  3. 19.

    Sehr richtig kommentiert. Wie sagte doch mein damaliger Vorgesetzter bei der ehemals Deutschen Bundespost zu mir: Auch bei uns sind Fehler immernoch menschlich.

  4. 18.

    Weil es für Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind wie Sie, mit Gepäck und/oder Kindern beladen oder auch nur etwas faul, vielleicht attraktiver ist, in der Straßenbahn oder dem Bus sitzenzubleiben, statt auszusteigen, nach einem Fußweg auf die Stadtbahn hoch- oder demnächst in die U-Bahn hinunterzuklettern, dort zu warten, einige Stationen zu fahren (womöglich im Stehen) und dann wieder hinunter- oder hinaufzuklettern, gefolgt von einem weiteren Fußweg (und womöglich nochmaligem Warten).

    Und jetzt kommen Sie mir nicht mit dem volkszwangserzieherischen "Bewegung ist gesund": Öffentlicher Personennahverkehr konkurriert mit dem von vielen als Nonplusultra der Bequemlichkeit empfundenen eigenen Kfz. Wer dagegen Minimalversorgung auf Gulaschkanonenniveau setzen will (Hauptsache, man kommt irgendwann irgendwie weg), kann die "Verkehrswende" vergessen.

  5. 17.

    Entschuldigung aber wieso braucht man zum Beispiel zwischen Alex und Hauptbahnhof eine Busspur oder Straßenbahn, wenn ich mit der S-Bahn in 6 Minute mit drei Halten, sogar eine Kurzstrecke, fahre??

  6. 16.

    Das Unfassbarste an dem ganzen Elend: Das Verkehrsressort wird von den Grünen besetzt. Und die Aufsichtsratschefin der BVG ist, mit der Wirtschaftssenatorin, ebenfalls eine Grüne.

    Wenn solche Leute und ein rot-rot-grüner Senat eine dermaßen verkorkste Verkehrspolitik machen (bzw. durch einige Ankündigungen und weitgehende Tatenlosigkeit glänzen), von wem soll man dann noch erwarten, dass es jemals besser werden könnte?

  7. 15.

    Als aktiver Busfahrer gebe ich zu bedenken, dass die Ausweitung der Busspuren den Kollegen am Lenkrad nur sehr eingeschränkt hilft. Jeder Radfahrer auf der Busspur zwingt den Busfahrer entweder hinterher zu zockeln oder die Busspur zum Überholen verlassen zu müssen. Vom Lieferverkehr und den notorischen Falschparkern gar nicht zu reden. Busspuren in Berlin: nett gemeint, aber fast wirkungslos.

  8. 14.

    Warum soll es noch mehr Bequemlichkeit für Nutzer von Flugzeugen geben? Wem das mit dem Umsteigen mit Koffern zum TXL nicht passt, der Fahre bitte mit der Bahn!
    Dieses Gelaber hier um die veränderten Buslinien ist ein "Luxusproblem"! Die veränderte Linienführung des 200er Busses ist jetzt viel schneller, gestern selbst probiert.
    Wir haben in Berlin ganz andere Probleme: z.B. ist es ein Problem, dass die Fahrgäste der S 42 Richtung Westhafen in Gesundbrunnen besonders montags und dienstags zwischen 8 und 9 Uhr zur Hälfte GAR NICHT mitkommen, weil überfüllt. Teilweise ist das Schönhauser Allee Richtung Westhafen genauso.
    Warum stellt sich der rbb nicht mal montags/dienstags früh an den S Gesundbrunnen und führt Frau Senatorin Günther dies vor? Und dann bitte gleich in Westhafen in die U 9 umsteigen und das Ganze wiederholt sich dort! Viel Spass!

  9. 13.

    Das sehe ich auch so wie Sie. Wo gehobelt wird fallen auch mal Späne und es gibt keinen Menschen auf dieser Welt der 100 Prozent fehlerlos ist und da schließe auch ich mich mit ein . Es ist sicher manchmal etwas nervig wenn falsche Zusammenhänge erscheinen und manchmal auch lustig was dann daraus entstehen kann vom Inhalt her aber wichtig ist das Fehler wo diese geschehen möglichst nicht alles überlagern sondern die Ausnahme bleiben und wo nötig korrigiert werden .

  10. 11.

    Lächerlicher Kommentar. Jeder macht mal Fehler. Sogar Leuten wie ihnen passiert es. Und wo das Grotesk ist, sollten sie schon erklären. Aber natürlich, die müssen schon alle unfähig sein, wenn jemandem so großartigem wie ihnen nicht gefällt was vom rbb geschrieben wird!!!Und aus der Anonymität des Internets jemandem als Dilettant zu bezeichnen, ist echt ne große Leistung!!!!

  11. 10.

    Wir brauchen endlich die "Verkehrswende". Das bedeutet deutlich mehr U-Bahnen und nur kurze Buslinien die als Zubringer dienen.
    Buslinien die durch die halbe Stadt fahren sind Schwachsinn.
    Wann steigen endlich alle Politiker um auf den ÖPNV, dann sind das schon mal weniger Autos und Dienstwagen werden auch keine mehr gebraucht.

  12. 9.

    Schnellstraße ist doch arg übertrieben, auch wenn dort auf der Uferstraße mehrere 10.000 Fahrzeuge täglich fuhren. Paris hat aber genauer nach Wien geschaut und baut insbesondere die U-Bahn so massiv aus, dass sich bis 2030 das Metro-Netz nahezu verdoppeln soll. Hier bleiben bis auf Weiteres morgens Fahrgäste trotz 5min-Takt an der Bushaltestelle stehen. Auf solchen Steecken wäre die Straßenbahn eine Alternative. Deren Trasse könnte gleichzeitig auch Busspur sein. Vielfach sind die Mittelstreifen von damals noch vorhanden. Nur ist dort oft "klimawichtiger" grüner Rasen zu finden.

    Wahrscheinlich ist den Grünen für die Busspuren noch keine neue Farbe eingefallen. Die könnten die sich deshalb für den Wahlkampf aufsparen wollen, da die sonst schon wieder aus der Erinnerung verschwunden sein könnten.

  13. 8.

    Besonders da, wo eine Strassenbahn und Busspuren gebraucht werden (1. Alex - Hbf. 2. Alex - Potsdamer Platz) gibt es weder noch. Der Senat traut sich auch nicht Strassen im Zentrum für den Privatverkehr zu sperren. Was in anderen Metropolen schon völlig normal ist. Dann kommt der öpnv auch durch und muss nicht kapitulieren.

    P.S. Da wo der TXL fährt, kann eine Strassenbahn hin. Jeder X-er Bus kann durch Strassenbahnen ersetzt werden. Sogar jeder M-Bus kann elektrifiziert werden. Also Bahn frei für Berlin!

  14. 7.

    Nachtrag: Dieses 'Oha...', was hier leider viel zu oft erscheint, darf ich mir in meinem Job nie und nimmer erlauben. Ich wäre raus! Dilettanten am Werk mit Zeigefinger ... in seiner ganzen Groteske.

  15. 6.

    Die Verkürzung des TXL-Busses bringt nicht nur zusätzliches Umsteigen mit sich, die BVG ist leider auch nicht in der Lage, für den Zielbahnhof Flughafen Tegel wenigstens kofferumsteigefreundliche Fahrverbindungen anzuzeigen.

  16. 5.

    Andreas Geisel war prädestiniert als Senator für 'Berliner Verkehr', da hing jede Menge Herzblut (Straßenbahn) dran. Regine Günters ... ... ... ... ? Die Grünen trafen sich in Prag und urteilten Gebote und Verbote für Berlin.

  17. 4.

    Gute Frage! Die Verbandssprecher haben Recht, wir brauchen dringend notwendigerweise durchgängige Busspuren für alle Metrobuslinien und auf allen Hauptverkehrsstraßen. Sind die 19km Busspur (entspricht in etwa 1% - ein Prozent - des Buslinien Netzes) das, was seit Jahren mit "Busspuren kommen jetzt sofort" angekündigt wird?! Ich lach mich tot - nein, zum Glück weine ich nur. Unglaublich wie der Senat uns Fahrgäste fortlaufend veräppelt! Von wegen Vorrang für den Umweltverbund?! Ick glaub ich spinne. Warum geht hier nicht, was in anderen Metropolen längst Realität ist. Die Pariser flanieren seit Jahren an der Seine auf einer ehemaligen Schnellstraße ;) Verkehrswende kommt in Berlin NICHT durch wegen bevorzugtem Autostau und bevorzugten Autoparkplätzen - LEIDER !!!
    Umsetzung der Fußverkehrsstrategie dann vielleicht in 1000 (tausend) Jahren?! Wenn's nicht Mal mit dem ÖPNV klappt.

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