21.08.2019, Berlin: Zollbeamte stehen am Eingang eines Firmengeländes in Berlin-Charlottenburg (Quelle: dpa/ Zinken)
Video: rbb|24 | 21.08.2019 | Abendschau | Bild: dpa/ Zinken

Verdacht auf Menschenhandel - Fast 2.000 Beamte durchsuchen Wohnungen in Berlin

In Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt findet eine großangelegte Razzia von Zoll und Bundespolizei statt. Beamte durchsuchen mehr als 80 Wohnungen und Geschäfte. Es geht unter anderem um den Verdacht des Menschenhandels.

Knapp 2000 Beamte von Zoll und Bundespolizei haben seit Montagmorgen in drei Bundesländern mehr als 80 Wohnungen und Geschäfte durchsucht. Die Ermittler beschlagnahmten laut eigener Aussage umfangreiches Beweismittel. Das gaben die Generalstaatsanwaltschaft und das Hauptzollamt Berlin bekannt. Demnach ging es um einen Schaden von mindestens 1,7 Millionen Euro. Festgenommen wurde niemand. 

Der Sprecher des Hauptzollamtes Berlin, Michael Kulus, sagte dem rbb, der Haupteinsatzort sei Berlin, aber auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt gebe es Razzien. Es bestehe der Verdacht, dass Ausländer eingeschleust sowie ausgebeutet würden. Zudem werde überprüft, ob ordnungsgemäß Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden.

Laut Kulus hatte der Zoll für die Großrazzia Einsatzkräfte sämtlicher Hauptzollämter zusammengezogen. Unterstützung gebe es durch das Zollkriminalamt, die Ausländerbehörde und die Bundespolizei. 

Razzia auf Baustellen und in Geschäftsräumen

Die Beamten waren im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin im Einsatz. Der Verdacht lautete auf Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung und bandenmäßige Einschleusung von Ausländern im Baugewerbe. Im Visier der Ermittlungen standen demnach sechs Verantwortliche eines Baugewerbeunternehmens.

Das Berliner Beratungszentrum für Migration und Gute Arbeit unterstütze mehr als 100 Bauarbeiter aus Südosteuropa dabei, ihre Rechte und Lohnansprüche gegenüber einer Baufirma durchzusetzen, hieß es in einer Mitteilung.

Hauptzollämter aus ganz Deutschland beteiligt

Durchsucht wurden Baustellen, Geschäftsräume und Steuerberaterbüros in Falkensee in Brandenburg, in Dessau und Halle in Sachsen-Anhalt sowie in Berlin. Bei den Kontrollen ging es vor allem darum, Beweise zu sichern, etwa Dateien auf Smartphones, sowie E-Mails, sagte ein Sprecher. 

An den Durchsuchungen im Auftrag der Berliner Staatsanwaltschaft waren laut Angaben rund 1900 Kräfte von allen 41 Hauptzollämtern in Deutschland beteiligt. Unterstützt wurden sie vom Zollkriminalamt, der Ausländerbehörde und der Bundespolizei. 

Durchsuchung der Bundespolizei in Berlin (Quelle: rbb/Miriam Keuter)

Mehr Ermittlungen wegen Schwarzarbeit

Im vergangenen Jahr war die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Berliner Hauptzollamtes bei rund 1.600 Prüfungen wegen Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung im Einsatz, das waren rund 100 Fälle mehr als im Vorjahr. Dabei wurden 4.100 Ermittlungsverfahren eingeleitet sowie Buß- und Verwarnungsgelder in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro verhängt. Die Schadenssumme lag den Angaben zufolge bei 88,6 Millionen Euro.

Neben dem Baugewerbe waren damals nach Zollangaben vor allem Hotels, Gaststätten, Speditionsfirmen sowie Reinigungsunternehmen überprüft worden.  

Sendung: Inforadio, 21.08.2019, 12:00 Uhr

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12 Kommentare

  1. 11.

    Die Verantwortlichen bei Anes bekommen hoffentlich ordentlich eine drauf

  2. 10.

    Korrigiere: das Bauen wird teurer, weil die Profitgier steig. Von dem Kuchen wolleb slles was ab haben...

  3. 9.

    Korrigiere: das Bauen wird teurer, weil die Profitgier steig. Von dem Kuchen wolleb slles was ab haben...

  4. 7.

    Vor allen ist es ein gutes Geschäft für Bauunternehmer und windigen Shopping-Mall Erbauern, schon vergessen?

    https://de.wikipedia.org/wiki/LP12_Mall_of_Berlin#Gerichtsverfahren_wegen_Lohnbetruges_an_Bauarbeitern

  5. 6.

    Schwarzarbeit und Menschenhandel, Geldwäsche sind sehr verbreitet in Berlin. Da gibt es noch viel zu tun!

  6. 5.

    Großartig, dass die Polizei an die Öffentlichkeit trägt, was sie machen. Ich wünsche viel Erfolg. Von den meisten Aktionen bekommt ja keiner was mit, was natürlich verständlich ist. Schade finde ich, dass sich offenbar kein deutschsprachiges Medienunternehmen mal die 2000 Seiten vom Epstein-Fall vorgenommen hat. Menschenhandel im großen Stil an angesehene Prominente. Da müssen erst Ottonormalverbraucher ran, um die wichtigen Stellen für die, die des Englischen nicht mächtig sind, herauszupicken und zu veröffentlichen. Andererseits möchte sich ja auch niemand aus der Medienlandschaft selbst ans Bein pinkeln.

  7. 4.

    Illegal Beschäftigte auf Baustellen ist ja eigentlich kein neues Problem. Wobei sich da eine Menge Privatleute an die eingene Nase packen müssten, entweder man hat den billigen Fliesenleger, der am Samstag mal das Bad neu fliest, oder man ist selber der billige Fliesenleger, der die Arbeiten schwarz ausführt. Es möchte ja jeder gerne billig, pardon, preiswert und den Staat außen vor lassen.

    Was aber doch erschreckt, ist, dass bei öffentlichen Bauten genau das Gleiche in großem Umfang immer wieder passiert. Abgesehen davon, dass die Städte als öffentliche Auftraggeber bewusst gegen Gesetze verstoßen, um Kosten für die Fachintenieure und Architekten zu drücken, werden auch Firmen beauftragt, bei denen man auf Grund der niedrigen Gestehungskosten davon ausgehen muss, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

    Eine strenge Kontrolle müsste diesnbezüglich öfter stattfinden. Auch wenn das Bauen dann teurer wird.

  8. 2.

    Die Baustelle auf dem Foto ist genau gegenüber wo ich wohne. Der 400m lange Riegel da. Stralau B-Hub.
    Und während es bei meiner Wohnung zu 2 Jahre langer Verzögerung kam, geht es da außerordentlich fix voran. Haben viele Leute bemerkt. Ich fands ja toll, aber scheint wohl nicht alles legal gewesen zu sein mit dem turbo speed.
    Nunja, jetzt ist hier alles voller Zoll und Polizei und es sieht so aus als ob die noch den ganzen Tag bleiben - ist ja auch wirklich gemütlich hier auf der Halbinsel - Polizei, OA und WaPo halten sich hier gerne auf +grinS+ verteilen paar Knöllchen o.ä. sonst passiert hier ja nix...
    RBB ist auch vor Ort. Schicke Antenne auf dem Van :)

  9. 1.

    Kann das einen Menschen noch überraschen?
    Menschenhandel und Einschleusung von Ausländer ist doch ein gutes Geschäft für die Schlepper.

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