19.08.2019, Berlin: Die auf der neuen Imagekampagne der Berliner Polizei abgebildeten Polizisten halten bei der Vorstellung der Kampagne ihre jeweiligen Plakate in den Händen. (Quelle: dpa/Carstensen)
Video: Abendschau | 19.08.2019 | Bild: dpa/Carstensen

Kampagne "Wir können Hauptstadt" - Die Berliner Polizei will ihr Image aufpolieren

Geringe Bewerberzahlen, mutmaßliche Clan-Kontakte von Polizeischülern, Party-Exzesse: Die Berliner Polizei hat in der Vergangenheit oft kein gutes Bild abgegeben. Das soll eine neue Kampagne ändern. Und Polizeichefin Slowik kündigt an: Es soll mehr Gehalt geben.

Mit einem neuen kurzen Film und einer Plakatserie wirbt die Berliner Polizei um mehr Ansehen in der Bevölkerung. Zugleich soll die Imagekampagne unter dem Titel "Wir können Hauptstadt" dafür sorgen, dass sich junge Menschen für die Arbeit als Polizist interessieren und bewerben. Das sagte die Polizeipräsidentin Barbara Slowik bei der Vorstellung der Kampagne am Montag vor dem Polizeipräsidium in Tempelhof.

Der Film zeigt in zahlreichen kurzen Szenen die Bandbreite der Polizeiarbeit: etwa Streifendienst, Fahrradstaffel, Demonstrationen am 1. Mai, Ermittlungen der Kriminalpolizei, Einsatz auf dem Wasser, Spezialeinsatzkommando SEK. Außerdem gibt es acht Plakatmotive mit den Porträts von echten Polizisten und Polizistinnen und verschiedenen Slogans.

Die Kampagne wurde laut Senat auch Beamten in mehreren Polizeiwachen der Stadt präsentiert. Erstellt wurde sie von der Polizei in Zusammenarbeit mit einer Berliner Werbeagentur, die Kosten wurden auf etwa 200.000 Euro beziffert.

Slowik kündigt an: Polizei-Bezüge künftig "in der Mitte der Länder"

Slowik versicherte, dass zu dieser Kampagne auch gehöre, dass ebenso wie das Image die im Bundesvergleich geringen Bezüge der Berliner Polizistinnen und Polizisten angeglichen werden müssen: "Das gehört dazu." In den vergangenen vier Jahren seien im Schnitt bereits rund 400 bis 500 Euro brutto "draufgekommen". "Das reicht noch nicht, wir brauchen noch mehr", sagte sie im rbb. Das Lohnniveau der Berliner Polizei solle sich nicht länger am unteren Rand sondern "in der Mitte der Länder" bewegen, so Slowik in der Abendschau.

 

Lehrermangel und fehlende Disziplin

Im Herbst 2019 will die Behörde nach eigenen Plänen mehrere Hundert Plätze im mittleren und gehobenen Dienst besetzen, hatte in den vergangenen Jahren aber große Schwierigkeiten, genug Nachwuchs zu finden. Die Polizeiakademie war mehrfach wegen Lehrermangels, Unterrichtsausfalls und fehlender Disziplin in den Schlagzeilen. rbb-Recherchen hatten zudem ergeben, dass mindestens ein Polizeischüler Kontakte zu einem kriminellen Clan gehabt haben soll.

Inzwischen sucht die Polizei auch im Ausland mögliche Bewerber. Zudem soll eine Videoserie auf Youtube Interessierte für den Job zu begeistern. In den Videofolgen berichtet eine Auszubildende der Polizeiakademie von ihren Erlebnissen.

Slowiks Ziel ist es, 19.000 Vollzugsbeamte auf die Straße zu bringen. Derzeit sind es nach ihren Angaben rund 17.000.

Sendung: Abendschau, 19.08.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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36 Kommentare

  1. 35.

    In Fortbildung und Sensibilisierungstraining für die Beamten wäre das Geld besser investiert.

  2. 34.

    Hatten Sie nicht nach LEICHTER Sprache gefragt?
    Simplizität liegt auch in übersichtlicher Quantität - je weniger es gibt, desto weniger muss man verstehen.

  3. 32.

    Ja, woher kommt wohl der Slogan? Der erinnert doch stark an Obamas "Yes we can" und ist in diesem Sinne keine schlechte Wahl, finde ich. Die Porträts der PolizistInnen sind auch gelungen, wir schauen in intelligente Gesichter und sehen Persönlichkeiten. Und hier wäre es schön, wenn die Berliner Polizei keine Abstriche mehr macht: Ein positives Image erlangt man nicht, wenn man den Eindruck hat, "die nehmen jeden". Die Auswahlkritierien sollten im Gegenteil wieder strenger sein (was ist das für eine Schnapsidee, Leute im Ausland anzuwerben???), die Bezahlung gleichzeitig auf Hauptstadtniveau angehoben werden, denn wie der Taucher Ivo Schenk schon sagte, die Anforderungen und Belastungen sind hier aufgrund der Größe und Sonderposition Berlins um ein Vielfaches höher und anspruchsvoller, das sollte sich in der Bezahlung bemerkbar machen. Vom Zustand der Polizeiwachen usw. mal ganz abgesehen, da muss sich auch etwas tun, denn Respekt sollte wohl zuerst der Dienstherr zeigen ...

  4. 31.

    "Demos gut. Gesetze doof."
    "Reden fein. Einsperren blöd."
    "Zurückschlagen böse. Stillhalten lustig."
    "Alleine gefährlich. Viele auch gefährlich."
    "Aufschreiben spaßig. Verhaften gemein."
    "Gefängnisse schlimm. Freigang spannend."

  5. 30.

    Die Polizei bekäme automatisch ein höheres Ansehen, genösse sie mehr Respekt.
    Doch mit einem Zehnbänder an Verboten und null Rückhalt im rot-rot-grünen Senat ist das auszuschließen.
    Dass es Clanmitglieder in den Polizeidienst zieht, ist naheliegend.
    Dass es bei Idealisten anders ist, leider auch.
    Denn erstere können sich davon etwas versprechen.
    Letztere allenfalls, dass sie zu unterbezahlten Prügelknaben werden.
    Ordnungshüter sollten von gesetzestreuen Bürgern respektiert und von Gesetzesbrechern gefürchtet werden.
    Unter RRG ist aber das zweitgenannte auszuschließen und daher das erstgenannte unwahrscheinlich.

  6. 29.

    Wie würde dieser Kampagnen-Titel in Leichter Sprache aussehen?

  7. 28.

    Das Geld hätte sicherlich sinnvoller eingesetzt werden! Vielleicht hätte man erst einmal in den Notruf investiert oder wie soll der Normalbürger die lange Wartezeit oder das Besetztzeichen verstehen?
    Gerade im Notfall sehr hilfreich. So kann der Täter vielleicht noch mehr zuhauen, bevor man die Polizei am Ohr hat. Muss doch ein geiles Gefühl für Täter sein!!!! Habe ich übrigens am Wochenende selber erlebt. Wollte wegen häuslicher Gewalt die Polizei rufen, drei Telefone waren im Einsatz. Und der Anruf auf einer Wache wurde mit den Worten beendet ,,da kann ich Ihnen nicht helfen, rufen Sie bitte die Polizei an".
    Das war der Witz des Tages!

  8. 27.

    Wenigstens die Werbeagentur freut sich. Wieder 200000 Euro im Sack. Danke Polizei! Das Geld will mit vollen Händen ausgegeben werden. "Wir können Steuergeldverschwendung!" Aber Brainstormingprozesse bei Werbeagenturen wollen halt bezahlt sein ;-)
    Eine Folge GZSZ kostet unter 100000 Euro. Und da arbeiten ca. 150 Angestellte (inkl. Schauspieler / Episodenrollen / Tagesrollen) dran. Nur mal zum Vergleich.
    Nächstens bitte bei mir melden. Ich mache Euch diesen 60 Sekunden-Rotz für 50000.

  9. 26.

    Die Kampagne sieht alberm aus. Damit gewinnen Polizisten nicht mehr Respekt. Die 200000Euro hätten sie besser in mehr Geld für Polizisten investieren sollen.

  10. 25.

    Vermutlich: Wir können die Hauptstadt retten. - Sogar am Vollverb wird gespart.

  11. 24.

    Was soll das eigentlich bedeuten? Erst Frühschicht bei der Polizei und dann noch Nebenjob im Späti, weil das Geld nicht reicht? Und was ist der Unterschied zwischen Akten und Fakten? Was schreiben die denn rein in ihre Akten? Und die Kollegin mit dem 1. Mai hat wahrscheinlich die Nase voll von ihrem Job und geht jetzt lieber als Quereinsteigerin an eine Schule...

  12. 23.

    Die Wahrheit erfährt man nicht aus Werbesprüchen, weder bei der BVG (Liebe?!), noch bei der Polizei, sondern auf der Straße. Was manche Berliner Polizisten ganz einfach könnten, aber nicht wollen, habe ich gestern mal wieder in einem sonderbaren Gespräch mit einer Streife gehört. Nach dem Gespräch habe ich mich gefragt, ob ich vielleicht nicht ganz in Ordnung im Kopf bin, oder ob Berlin einfach nur krank ist.

    Mir scheint, die Polizeipräsidentin hat es nicht verstanden: Das *Image* folgt immer dem Sein und dem Tun, nicht der Außendarstellung. Nicht die *Wahrnehmung* der Polizei, sondern das *Verhalten* ist das Problem. Mit Imagekampagnen-Aktionismus kann man daran nichts ändern.

  13. 22.

    Mit dem wunderbaren Neu- Deutsch (ich hätte in der Schule früher in Ausdruck eine "5" dafür bekommen) wird es schon klappen.Man muss nur die Ansprüche runterschrauben

  14. 20.

    Dass man angesichts von Personalmangel Kampagnen zum Anwerben möglicher Interessent*innen startet, halte ich für legitim. Illegitim ist jedoch die Selbstdarstellung der Polizei. Seit einigen Jahren nun schon gibt es auf bekannten Videoportalen Videos der Polizei in selbstinszenierender, unkritischer, selbstredend distanzloser Art zu sehen. Die Polizei hat nicht zu twittern, nicht auf Facebook 'rumzuhängen, dafür hat sie Pressesprecher*innen. Selbstverständlich kann man etwas Seriöses auf die Beine stellen, das nicht diese unfreiwillig unterbelichtete Art der Werbung anzubiedern versucht. Überdies: Werbung gibt es nur für Veräußerbares. Das Gewaltmonopol ist nicht zu veräußern.

    Die Polizei ist teils für gewalttätiges, sexistisches, rassistisches Verhalten bekannt und vertritt in Teilen die Auffassung, unanfechtbar zu sein. Es braucht unabhängige Kontrollinstanzen der Polizeiarbeit sowie der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen.

  15. 19.

    Sie können sich ja mal vor Ort ein Bild der Polizeiarbeit machen ehe Sie solche dummen Kommentare schreiben. Halten Sie mal Ihren Hintern tagtäglich und Ihr Leben dazu.
    Solche Leute wie Sie rufen doch bei jeder Kleinigkeit den Notruf an weil sie der Meinung sind die Polizei hat ja nichts zu tun.

  16. 18.

    War bestimmt alles ganz hübsch teuer, aufwändig und zeitraubend und die Bosse fanden das 'irgendwie so total cool', richtig geil für die verpeilte Jugend, die unbedingt irgendwas in Unform und mit Knarre machen will.
    Hättense* mal lieber jemanden gefragt, der oder die Duden kann! (* ugs. im Berlinerischen, vgl. deutsch-berlin, berlin-deutsch)

  17. 17.

    Funktioniert aber nur im Negativen. Wer Kinder in dem ungefähren Alter hat, in dem sie anfangen berufliche Pläne zu schmieden, weiß, wie dumm und dämlich sie diese Aktion finden. Mein Kind und sein Freund meinten nur: "Noch ein Grund mehr, nicht zur Polizei zu gehen!" Das ist wohl ein Schuss in den Ofen. Solche "gewollt-und-nicht-gekonnt-Aktionen", bei denen auf gequält jung und cool gemacht wird, haben selten etwas gebracht. Ich bin gespannt, ob diese PR die Nachwuchssorgen bei der Polizei beenden wird. Eher wohl nicht.^^

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