Symbolbild: Ein junges Mädchen schützt sich und verdeckt sich dabei das Gesicht mit ihren Haaren (Bild: dpa)
Audio: Inforadio | 28.08.2019 | Clemens Verenkotte | Bild: dpa

Vorwurf der Kindesmisshandlung - Rumänien ermittelt gegen Sozialprojekt mit Büro in Potsdam

Deutsche Kinder und Jugendliche, die als extrem schwer erziehbar gelten: Dieser Gruppe verspricht das "Projekt Maramures" Hilfe auf einem Bauernhof in Rumänien. Doch die dortigen Behörden erheben schwere Vorwürfe gegen das Sozialprojekt mit Sitz in Potsdam.

Die rumänischen Behörden ermitteln wegen des Vorwurfs der Misshandlung deutscher Kinder und Jugendlicher gegen ein Sozialprogramm mit einem Sitz in Potsdam-Babelsberg. Es wird gegen acht Verdächtige ermittelt, darunter ein deutsches Paar, wie die Staatsanwaltschaft in Bukarest mitteilte. Am Dienstag seien im Rahmen der Ermittlungen acht Häuser in Rumänien durchsucht worden. 

Demnach lautet ein Vorwurf, dass deutsche Kinder und Teenager im Alter zwischen 12 und 18 Jahren zu "übermäßiger körperlicher Arbeit" in zahlreichen Haushalten gezwungen und "sklavenartig" behandelt worden seien. Auch seien die Kinder und Jugendlichen in "erniedrigender und entwürdigender" Weise behandelt worden, so ein weiterer Vorwurf der Ermittler.

Alle Verdächtigen haben Bezug zu "Projekt Maramures"

Alle acht Verdächtigen hätten mit dem "Projekt Maramures" zu tun, einem "sogenannten Sozialprogramm", das nach der nordrumänischen Region benannt ist, in der die Organisation arbeitet. Festnahmen gab es demnach bisher nicht.

Das "Projekt Maramures" war für rbb|24 am Mittwoch zunächst nicht erreichbar.  

Die rumänische Staatsanwaltschaft gab weiter an, das Projekt werde von staatlichen Stellen in Deutschland finanziert und sei von einem der deutschen Verdächtigen gegründet und koordiniert worden. Das rumänische Arbeitsministerium habe die Genehmigung erteilt. 

Opfer "brutaler Methoden einer sogenannten Umerziehung"

Die Verwendung des Gelds aus Deutschland zur Finanzierung des Projektes weiche weitgehend vom eigentlichen Zweck ab, berichten die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" (PNN) vom Mittwoch. Die Zeitung beruft sich dabei auf eine öffentliche Stellungnahme der Direktion für Ermittlungen gegen das organisierte Verbrechen und den Terrorismus (DIICOT), die der rumänischen Generalstaatsanwaltschaft untersteht. 

Das Projekt verspricht die "Rehabilitierung" von sozial auffälligen, schwierigen oder straffällig gewordenen Kindern und Teenagern mit Hilfe von Aktivitäten und mit psychologischer Unterstützung. Das Herz des Projektes sei "ein weitläufiger Bauernhof mit fünf Hektar Land", abgeschieden am Ende eines Tales gelegen, heißt es weiter auf der Webseite von "Maramures".

Doch der Staatsanwaltschaft zufolge sah die Realität weit weniger idyllisch aus: Demnach durften die Jugendlichen nicht zur Schule gehen, hatten keinen Kontakt zur Außenwelt und wurden zum Opfer "harter und brutaler Methoden einer sogenannten Umerziehung". Auch ihre verschriebenen Medikamente durften sie den Angaben zufolge nicht nehmen.

Bereits zuvor Vorwürfe gegen Projekt

Wie viele Kinder betroffen sind, dazu machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben. Die mutmaßlichen Misshandlungen sollen von 2014 bis August 2019 stattgefunden haben. Seit Gründung des "Projekt Maramures" seien 61 Kinder und Jugendliche aufgenommen worden, heißt es auf der Homepage der Organisation. Die Anfänge der Organisation lägen im Jahr 2002. In der Einrichtung in Rumänien können demnach fast 20 Jugendliche zur gleichen Zeit in einem abgelegenen Bauernhof und einem dutzend Gastfamilien untergebracht werden. 

Einige der Minderjährigen werden nun von rumänischen Sozialarbeitern der Region Maramures betreut. Misshandlungsvorwürfe gegen das Programm hatte es in rumänischen Medien bereits zuvor gegeben, doch war bisher nicht gegen das Projekt vorgegangen worden.

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5 Kommentare

  1. 5.

    Wer Birnen mit Äpfeln vergleicht, zeigt wie wenig Fachwissen er tatsächlich hat. Da täuscht auch der trickreiche Griff zu Fremdworten nicht darüber hinweg.
    Weder die Kitas noch die Schulen sind das was sie einmal waren und leider trifft das auch auf die Eltern zu.
    Kinder zu haben heißt Verantwortung zu tragen, ihnen in guten und schlechten Zeiten zur Seite zu stehen und nicht sie und Heim zu geben, wen sie nicht mehr funktionieren. Das Blatt beschrieben hat nicht die Landesregierung, sondern die Eltern.

  2. 4.

    Für den Bau einer Garnisons-(Pseudo)Versöhnungskirche und des Massengrabs BER mit Milliarden Euro aus der staatlichen Steuerkasse, sind genug Gelder vorhanden. Wenn es aber darum geht, die Menschenwürde aller Kinder und Jugendlichen im Bundesland Brandenburg zu achten und zu schützen, wird die Verantwortung in ein fernes EU-Land ausgelagert. Nach meinen Erfahrungen, versagt die betreffene Landesregierung seit über zehn Jahren mit Ratifizierung der UN-BRK und dieses hier konkrete Beispiel spiegelt ebenso enormes Unvermögen wieder, im Geiste der UN-Kinderrechtskonvention, dem Grundgesetz und der Brandenburger Landesverfassung die übertragenen Pflichten zum Schutz von gefährdeten Staatsbürgern wahrzunehmen. Schande!

  3. 3.

    Solche "Umerziehungsheime" in Rumänien sind eine Schande für unseren Staat und das Land Brandenburg.

  4. 2.

    Sofern die Vorwürfe stimmen, geht es nicht nur um Kindeswohlgefährdung, sondern -verletzung: schwere Kindesmisshandlung, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, etc. Strafrechtlich ist das nicht nur hochbrisant, sondern wirkt wie die menschenverachtenden "Jugendwerkhöfe" der DDR in Torgau und Co., wo jungen Menschen mitnichten geholfen, sondern wo sie gebrochen wurden. Das zuständige Jugendamt ist dafür ebenso zur Verantwortung zu ziehen. Es spielt auch keine Rolle, dass es wohl in Rumänien passiert sein soll, es gab auch in Brandenburg ähnliche Vorfälle.

  5. 1.

    Wäre es bitte möglich, die aufsichtsführende Behörde in Potsdam zu nennen?

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