Stau auf der Stadtautobahn (Quelle: rbb)
Video: Abendschau | 22.09.2019 | Max Kell | Bild: rbb

Straßenverkehr in Berlin - "Autofreier Sonntag" bringt kaum spürbare Entspannung

London und Paris sperren zur europaweiten Aktion "Autofreier Sonntag" die Innenstädte.  Berlin verbilligt lediglich die Tickets für den Nahverkehr - und belässt es bei einem Appell, das Auto stehen zu lassen. Resultat: Der Autoverkehr rollt wie eh und je.

Der Aktionstag "Autofreier Sonntag" hat kaum Entspannung auf den Berliner Straßen gebracht. Die Verkehrsinformationszentrale meldete am Mittag einen Stau von einem Kilometer Länge auf der Avus (A115) zwischen dem Dreieck Funkturm und der Anschlussstelle Hüttenweg. Auch im weiteren Verlauf bis zum Dreieck Nuthetal kam es immer wieder zu Staus und Behinderungen.

Auch die Stickstoffdioxid-Werte waren durch den Appell des Senats, das Auto stehen zu lassen, nicht wirklich gesunken. Vier der sieben Stickstoffdioxid-Messstellen des Berliner Senats verzeichneten am Sonntag um 14 Uhr zum Teil sogar höhere Werte als zum gleichen Zeitpunkt an den vorherigen drei Sonntagen. Lediglich am Mariendorfer Damm und an der Karl-Marx-Straße gingen die Werte zurück.

Neben dem Verkehr wirkt sich auch das Wetter auf die Messwerte aus: Weht starker Wind, gehen die Werte zurück, weil das Stickstoffdioxid schneller in höhere Luftschichten abtransportiert wird.

Die aktuellen Werte zeigt der Stickstoffdioxid-Monitor des rbb.

BVG-Einzelticket gilt den ganzen Tag

Zur Aktion "Autofreier Sonntag" hatten der Berliner Senat und mehrere Organisationen wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) aufgerufen. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) teilte vorab mit:  "Am autofreien Sonntag können Sie ein Zeichen setzen – für eine klimaschonende, gesunde und sichere Mobilität. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mitmachen."

Fahrgäste der Berliner Verkehrsbetriebe und der S-Bahn konnten am Sonntag den ganzen Tag über mit einem Einzelticket den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Nach Angaben der BVG galt der Fahrschein für 2,80 Euro in der Zone AB für Busse, Bahnen und Fähren sowie für die Berliner S-Bahn. Die BVG und die S-Bahn sind Mitglied des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), daher gelten Fahrscheine in Berlin immer für alle öffentlichen Verkehrsträger. Auch in Potsdam galten am Sonntag Vergünstigungen.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) berichteten auf Nachfrage von erkennbar mehr Fahrgästen in Bussen und Bahnen.

London und Paris gingen viel weiter als Berlin

Der "Autofreie Sonntag" ist eine Kampagne der EU-Kommission, die seit 2002 jedes Jahr stattfindet. Straßensperrungen, um einen Anreiz für den Umstieg auf Bus und Bahn zu setzen, gab es in Berlin am autofreien Sonntag nicht - im Gegensatz zu anderen Städten. So sperrte Stuttgart mit der Theodor-Heuss-Straße einen wichtigen Zubringer in die Innenstadt. Die dortige Stadtverwaltung prognostizierte laut Stuttgarter Nachrichten "große Verkehrsbehinderungen in der gesamten Innenstadt."

Noch viel weiter gingen London und Paris: Die beiden Metropolen sperrten weite Teile der Innenstadt für den motorisierten Verkehr. So konnten Fußgänger in der englischen Hauptstadt ungestört von Autos über London Bridge und Tower Bridge flanieren, in Paris war auf dem Champs Elysées weit und breit kein Auto zu sehen.

Grünen-Landesvorsitzender: Ziel ist autofreies Berlin

Diesmal zog Berlin da nicht mit - trotz rot-rot-grüner Koalition an der Spitze. Der grüne Landesvorsitzende Werner Graf forderte zukünftig echte autofreie Sonntage für ganz Berlin. "In der Ölkrise der Siebzigerjahre haben die Menschen am Sonntag auf ihr Auto verzichtet. Jetzt haben wir eine massive Klimakrise. Wenn wir autofreie Sonntage ausrufen, weil das Öl in der Krise ist, warum nicht auch, weil das Klima in der Krise ist?", teilte Graf mit. Ziel der Öko-Partei sei demnach "ein autofreies Berlin". Wie konkret das geschehen soll, ließ Graf allerdings offen.

Ganz reale Bestrebungen, am Sonntag das Auto aus Teilen der Innenstadt zu verbannen, gibt es im Bezirk Mitte. So soll am ersten Oktober-Wochenende ein Teil der Friedrichstraße autofrei werden.

Ursprünglich hatte Mitte Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) geplant, die Einkaufsmeile vom 6. bis 8. September für Autos zu sperren. Diese Pläne wurden nach Absprache mit den Anrainern noch einmal geändert.

Sendung: Inforadio, 22.09.2019, 08:00 Uhr

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87 Kommentare

  1. 87.

    Es ist wohl die blanke Resignation. Auf vielen Bahnhöfen sind ja auch in den letzten Monaten Raucherinseln eingerichtet worden; manche werden genutzt, manche nicht. Ich hab mich mal bei einem Typen bedankt, dass er mich nicht vollqualmt. Der kam auch Osteuropa; hat mich nicht verstanden und gesagt, dass er sich in Deutschland wohlfühlt. Da dachte ich in dem Moment, dass uns wohl erst die Ausländer zeigen müssen, wie es geht.... :)

  2. 86.

    "Ja, das ist der Grund, dass Wähler die AfD wählen, weil sich von den etablierten Parteien verschaukelt fühlen".

    Die Mär von dem Protestwähler zieht nicht mehr. Wer die rechtsextreme AfD wählt, der wählt, spätestens seit der völkisch-nationale Flügel und Politiker mit eindeutiger rechtsextremer Vita das Sagen haben, eindeutig rechtsextrem und völkisch-national weil er das WILL!

    "Letztlich ist das aber auch so, dass wer die Grünen wählt, selber Schuld ist. Verbote, Bevormundung, Vorschriften, Angst verbreiten - konstruktives kommt von denen nicht".

    Wieder falsch, die Grünen sind scheinbar die treibende Kraft, indem sie alle (!)anderen Parteien vor sich hertreiben.

    "Aber, damit stehen sie derzeit nicht alleine da. Der Bürger hat es langsam satt, täglich Horrormeldungen über die Umwelt, das Klima zu hören".

    Auch das ist, nachweislich, falsch und Lügenpropaganda der Rechtspopulisten und -extremen.

  3. 85.

    War ja nur ein Beispiel ;-). Viele "Nordlichtstädte" gehen damit weitaus besser um als Bärlin. Vll. sollten diese mal Kurse für hiesigen Verantwortlichen anbieten. Nur eine Idee.
    < Die Tageskarten in Berlin sind doof, weil sie dann eben nachts enden - egal, wann man morgens oder eben erst mittag abgestempelt hat. Da wäre eben eine 24-Std.-Fahrberechtigung viel sinnstiftender. >
    Meine vollste Zustimmung.
    <Der autofreie Sonntag war ja hier kaum ein Erfolg>
    Stimmt. Der völlig an uns vorbeigegangen. Cooles Wetter - ein Kumpel rief an - das alte Gespann fertig gemacht und ab in die "Pampa". lecker futtern in der Bikerbutze, Benzin quatschen, sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen - herrlich. Ich glaube so ging es vielen. Ich glaube auch, das sich, vor allem hinsichtlich "Fahrverboten" auf freiwilliger Basis nur sehr wenig erreichen lassen wird. Lokal schon gar nicht. Das ist Aktionismus - nicht mehr.

  4. 84.

    @PingPing Stichwort "Harley und E-Harley": echt? Super. Noch besser, wenn sie die mit dem Verbrennungsmotor dann ersatzlos vom Programm streichen.
    Ihnen vielen Dank für diese Nachricht! (Aber wer kauft so etwas? Sicher nicht die Typen, die den Superdröhn benötigen, um ihre Potenz - welcher Art auch immer - zu demonstrieren.)

    Das Motorradkorso war wirklich SEHR geschickt gewählt zeitlich. Noch besser kann man Antiwerbung nicht betreiben.

  5. 83.

    @popelchen: ja, sehr schön, die Kieler Wochenkarte. Aber ich möchte eben KEINE Wochenkarte, weil ich sie nicht benötige. Die Tageskarten in Berlin sind doof, weil sie dann eben nachts enden - egal, wann man morgens oder eben erst mittag abgestempelt hat. Da wäre eben eine 24-Std.-Fahrberechtigung viel sinnstiftender.
    Die Einzelfahrscheine sind eben unnütz, wenn man viel hin- und her fahren möchte an einem Tag (oder in einer Nacht).

    Der autofreie Sonntag war ja hier kaum ein Erfolg, mehr als Symbolik ist das aber ohnehin nicht.
    Was bringt EIN autofreier Sonntag im Jahr? Richtig, nichts. Dennoch soll er ruhig stattfinden, ob nun als Gewissensgeste, Aha-Effekt-Produzierer ("ach, geht ja auch ganz gut ohne") oder einfach nur als Fitness- und Entschleunigungsgenerator.

  6. 82.

    Was bedeutet ein Fragezeichen hinter einem Satz? So wie sie hier jeden Kilometer, den sie Auto fahren verbissen verteidigen war meine Frage nicht abwegig oder?

  7. 81.

    Och ... da müssen sie nicht nach London schielen. Kiel reicht völlig aus. Für schlappe 27 Euro gibt es da eine Wochenkarte - hört sich viel an, abzüglich der möglichen Kosten für Parkhäuser etc. ein entspanntes Schnäppchen. Bus, Straßenbahn und Fähren - sehr zu empfehlen - inkl. (U-Bahn und Küste sind natürlich ein Problemchen). Man kommt überall hin - auch wenn man nicht gut zu Fuss ist. Klappt.

  8. 80.

    "Danke liebe BVG, nett gemeint, aber ich fahre lieber Auto. Ich möchte gern unbeschadet und pünktlich an meinem Ziel ankommen"

    Und genau Leute wie sie sind der Grund warum man mit der BVG nicht "unbeschadet und pünktlich" an sein Ziel kommt.

  9. 79.

    Sind am Wochenende über 900km gefahren. Und das,weil unser Ziel, nicht im geringsten eine Möglichkeit bot, ohne Auto hin zu kommen . Habe auch nicht ein " Schamgefühl ", überhaupt nicht, wenn ich an Fr.Merkel und an AKK denke! Und an die Dienstkarossen im Berliner Senat oder des Brandenburgischen Landtags. Überhaupt nicht!!!!!!

  10. 78.

    Na weil sich eine Harley so anhören muß. Aber zu ihrer Beruhigung , hat Harley Davidson eine Elektrobike auf den Markt gebracht.

  11. 77.

    Hey , wo bleibt die Fantasie ? Warum nur autofreie Innenstadt ? Wie wäre es mit heizfreien Wochen im Winter ? Statt molligen 20 Grad , reichen eigentlich auch 10 Grad. Es gibt doch schließlich Strickpullis. Haushalte mit Kinder erhalten dann natürlich Zertifikate für 2,5 Grad mehr pro Kind. Weiterhin könnte man die Datenflatrates noch richtig satt besteuern. Wir haben doch schon gehört wieviel CO2 rausgepumpt wird, alleine um die Smartphones und die anderen Geräte aufzuladen. Schick wäre auch eine Sonderabgabe für Single-Haushalte. Hier ist das Verhältnis Wohnraum, CO2 Verbrauch pro Wohnung und Platzverbrauch pro Mensch in der Innenstadt besonders schlecht. Zertifikate gibt's natürlich auch für eine Gründung von WG´s. Natürlich gelten diese Maßnahmen nur für die Bürger*innen der Innenstadt. Wir wollen es ja dort schön haben …… und sauber......

  12. 76.

    Nicht aufgepasst, nur mitgeschwommen... Natürlich sollen gesundheitlich Gehandicapte und Berufstätige, die nachweisen können, dass sie aufs Auto angewiesen sind, ausgenommen werden. Daher spricht man auch von der Reduzierung des Privatverkehrs.

  13. 74.

    Das ganze hätte besser kommuniziert werden können.
    Die S-Bahn fuhr pünktlich, allerdings war der Fahrstuhl am
    S-Tempelhof kaputt.
    Die U-Bahn hat dort scheinbar keinen Fahrstuhl. Dafür kam eine defekte U-Bahn, in die man nicht einsteigen dürfte und auf die nächste warten musste (20 Minuten). Auf dem Bahnsteig wurde munter geraucht und getrunken.
    Auf dem Rückweg wollten wir uns das ersparen und sind mit dem M76 gefahren. Netter Fahrer, leerer Bus, klimatisiert, konnte Haltestellen überspringen (war aber halt auch Sonntag).

    Insgesamt also sehr durchwachsen und vom Weg / Transportmittel abhängig. Sollte besser, zuverlässiger und moderner werden bevor man andere Verkehrsmittel wie das Auto verteuert.

    P.S. Es sollte auch mal ein Augenmerk auf Roller und Motorräder geworfen werden, da es extrem stinkt, wenn so ein Ding vorbeifährt.

  14. 73.

    Die haben Schiß, dass sie sich selber beschränken müssten. Also wird nur an die Verkehrswende gedacht.

  15. 72.

    So ist es, die Zeit ist zu kurz.
    Kann mich Ihnen nur anschließen, den Schmutz in den Bahnen habe ich vergessen zu erwähnen.

  16. 71.

    Ist ja alles ganz schön und gut, aber wie soll z.B. ein Kleinunternehmer mit Geschäft in der Innenstadt, der 7 Tage die Woche auf sein Auto angewiesen ist (Einkauf, Montageaufträge, Auslieferung usw.) auf seine Einkünfte verzichten? Es ist alles nur einseitig durchdacht und solange die Grünen-Fraktion die Fraktion mit den meisten Flugkilometern ist, sehe ich das mehr nach dem Motto: "sie predigen Wasser und saufen Wein", nicht anders. Oder können Sie sich vorstellen, dass die Kanzlerin von der Museumsinsel zum Kanzleramt mit dem Rad fährt? Die Autofahrer sind doch sowieso immer die Deppen, zahlen mit Abstand die meisten Steuern und werden zusätzlich noch von allen Seiten beschnitten und abgezockt. Man sollte doch mal generell in Autofahrer-Streik treten, dann gibt es mal paar Tage keine Brötchen, kein Bargeld aus dem Automat, keine Zeitung, keine Post, kein Feierabendbier, keine Pizza, keine Arztbesuche und auch keine Medikamente inder Apotheke.

  17. 70.

    Das gestrige Traumwetter war ideal für eine schöne Radtour in Brandenburg. Es waren auch viele Familien unterwegs. Die Weigerung der Menschen auf Bus und Bahn aus den hier mehrfach aufgeführten Gründen zu verzichten kann ich nur sagen: ihr habt zu 100% recht.

  18. 69.

    Ja, das ist der Grund, dass Wähler die AfD wählen, weil sich von den etablierten Parteien verschaukelt fühlen.
    Letztlich ist das aber auch so, dass wer die Grünen wählt, selber Schuld ist. Verbote, Bevormundung, Vorschriften, Angst verbreiten - konstruktives kommt von denen nicht. Aber, damit stehen sie derzeit nicht alleine da. Der Bürger hat es langsam satt, täglich Horrormeldungen über die Umwelt, das Klima zu hören. Dazu kommt, dass ihm wieder in die Tasche gegriffen werden soll, nur weil sich die Politik nicht an die Industrie traut.
    Ich fahre gerne Auto und werde es auch weiter machen, auch wenn man mir das verbieten will.

  19. 68.

    Bin ganz Ihrer Meinung. Finde es überhaupt nicht lustig von anderen Leuten angerotzt zu werden. Oder ständig auf Kuschelkurs zu sein oder Handygeschnatter mitzuhören. Vor allem diverse Gerüche einatmen. Außerdem ständige Ausfälle. Habe keine Lust im Winter 20 min und länger auf öffentliche Verkehrsmittel zu warten und zu frieren. Das Leben ist zu kurz um ständig auf was zu warten. Habe auch keine Lust noch früher als ohnehin schon aufzustehen um pünktlich zur Arbeit zukommen. Mal abgesehen davon das Sonntags Zeit ist um mal eine Landpartie zu machen ein Individualfahrzeug einfach mal praktischer ist.

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