Ungglückliches Mädchen sitzt in einer Ecke auf dem Fußboden (Bild: imago images/Monkeybusiness)
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Vorwiegend Vernachlässigung - Deutlich mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung in Berlin

Berlins Jugendämter haben wieder mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung gemeldet. Eine solche liegt vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls eines Kindes droht oder schon eingetreten ist.

Im vergangenen Jahr waren demnach insgesamt 7.088 Kinder und Jugendliche betroffen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag berichtete – das waren fast 20 Prozent mehr als im Jahr davor. Davon stuften die Ämter 3.150 Fälle als "akut" ein - die Gefährdung war also eindeutig. In 3.938 Fällen konnte die Gefährdung des Kindes nicht ausgeschlossen werden.

Meist geht es um Vernachlässigungen

In knapp zwei Drittel der Fälle in Berlin ging es um Vernachlässigung. In jedem dritten Fall lag eine psychische Misshandlung vor, jedes Fünfte der betroffenen Kinder wurde körperlich misshandelt. In vier Prozent der Fälle ging es um sexuelle Gewalt. Dabei konnten beim selben Kind mehrere Gefährdungsarten gleichzeitig gemeldet werden. In weiteren 3.863 geprüften Fällen stellten die Jugendämter keine Kindeswohlgefährdung fest, jedoch einen Unterstützungsbedarf für die Familie.

Die höchste Zahl von Kindeswohlgefährdungen seit Einführung der Statistik im Jahr 2012 wurde in Berlin 2016 gemeldet – 8.042 Fälle waren es damals.

Differenziertes Bild in Brandenburg

In Brandenburg ging die Zahl der Fälle von Kindeswohlgefährdung zwar leicht zurück, allerdings wird mehr als jeder zweite Fall als "akut" eingestuft. In Zahlen bedeutet das: Von den insgesamt 2.146 betroffenen Kindern und Jugendlichen im Jahr 2018 (ein Rückgang von acht Prozent im Vergleich zum Jahr 2017) war bei 1.138 Betroffenen die Gefährdung eindeutig. In 1.008 Fällen konnte eine Gefährdung des Kindes nicht sicher ausgeschlossen werden - es lag eine "latente" Gefährdung vor.

In rund drei Viertel der Fälle von Kindeswohlgefährdung ging es um Vernachlässigung. In jedem vierten Fall lag eine psychische Misshandlung vor, jedes Fünfte der betroffenen Kinder wurde körperlich misshandelt. In sechs Prozent der Fälle ging es um sexuelle Gewalt. Auch in Brandenburg konnten beim selben Kind mehrere Gefährdungsarten gleichzeitig gemeldet werden.

Deutschlandweit gab es zehn Prozent mehr Fälle der Kindeswohlgefährdung als 2017.

Sendung: Abendschau, 06.09.2019, 19:30 Uhr 

Kommentar

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Antwort auf [ein Leser] vom 06.09.2019 um 20:31
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2 Kommentare

  1. 2.

    Politik, die sich nur an Statistiken orientiert und mit Haushaltsgeldern jongliert, wird die Ursachen der vielfachen Problemlagen von Familien nicht beheben können. Es fehlt mMn an Konzepten, die vernünftige Lebensweisen und nachhaltige Perspektiven im 21. Jahrhundert beinhalten. Wenn z. B. brutalste Straftaten aus Frustration und Langeweile begangen werden, fasse ich das als Beweis dafür auf, dass einer gesunden Psyche des Menschen viel zu wenig Bedeutung beigemessen wird.

  2. 1.

    Na dann ist es ja nicht so schlimm, dass die Jugendämter so unterbesetzt sind :-( Schlimm genug, dass so viele Menschen scheinbar nicht fähig sind, ihre Kinder in Liebe und Fürsorge großzuziehen. Und wenn es denn schon nicht klappen will, sich nur sehr selten Hilfe holen. Und ganz offensichtlich viele Angehörige und Freunde in vielen Fällen wegschauen. Die armen Kinder!

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