Studenten sitzen in einer Vorlesung Hörsaal im Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin. Quelle: dpa/J. Kalaene
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Bildungsstudie der Länder - Berlin ist Zentrum der Hochqualifizierten

In Berlin streben 92 Prozent der Menschen eines Altersjahrgangs eine höhere Ausbildung an. Damit liegt die Hauptstadt deutlich über dem Durchschnitt der Bundesrepublik. In Brandenburg sieht es etwas anders aus, weil zu viele Menschen wegziehen.

Die Berliner Bevölkerung hat im bundesweiten Vergleich den größten Anteil hoch qualifizierter Einwohner: 42 Prozent der 25- bis 64-Jährigen haben studiert oder etwa eine Meister-, Techniker- oder Erzieherausbildung absolviert. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden hervor, der auf Zahlen von 2018 beruht.

Auf Platz 2 lag Hamburg mit rund 37 Prozent. Bundesweit liegt die Zahl bei 32 Prozent, in Brandenburg sind es 23 Prozent. Laut Statistikamt verlassen viele Menschen das Bundesland nach ihrer Ausbildung.

Außerdem machen junge Berliner häufiger hohe Abschlüsse als die ältere Generation. In der Altersgruppe von 25 bis 34 Jahren liegt der Anteil mit hohen Bildungsabschlüssen bei 47 Prozent, während gerade 35 Prozent der Berliner zwischen 55 und 64-Jahren einen höheren Abschluss vorweisen können.

In Brandenburg sind ältere Menschen besser ausgebildet

In Brandenburg ist das Verhältnis genau umgekehrt: Die jungen Menschen haben im Schnitt nicht mehr so hohe Abschlüsse (23 Prozent), wie die Gruppe zwischen 55 und 64 Jahren, in der die Quote der Hochqualifizierten bei 34 Prozent liegt. Viele der heutigen Älteren haben demnach einen hohen Bildungsabschluss in der ehemaligen DDR erworben - auch deswegen liege die Quote der gut Ausgebildeten in Brandenburg noch höher als der Bundesdurchschnitt.

Die Studie belegt den Trend, dass immer mehr Menschen in der Bundesrepublik hohe Bildungsabschlüsse anstreben. Demnach ist der Anteil von Studenten und Azubis in höheren Ausbildungen zwischen 2006 und 2017 bundesweit gestiegen, von 43 Prozent auf 60 Prozent. Für ihren Vergleich haben sich die Statistiker immer die Jahrgänge derjenigen angeschaut, die eine höhere Ausbildung begonnen haben. In Berlin waren die meisten von ihnen zwischen 18 und 24 Jahren alt. Auffällig ist, dass in Berlin der Anteil von Studienanfängern und neuen Azubis in höheren Ausbildungen bei 92 Prozent liegt - nur acht Prozent der jeweils Gleichaltrigen haben eine niedrigere Ausbildung gestartet.

Im Vergleich unter den Bundesländern liegt Berlin damit deutlich vor Bremen (82 Prozent) und Hamburg (80 Prozent), darauf folgen Sachsen (69 Prozent) und das Saarland (65 Prozent). Insgesamt elf Länder lagen unterhalb des Durchschnitts der OECD, die ihre Bildungsstudie bereits am Dienstag präsentiert hat.

OECD-Studie: Deutschland mit höchstem MINT-Anteil

Unter den 36 OECD-Staaten hatte Deutschland im Jahr 2017 mit einem Anteil von 39 Prozent die meisten Anfänger bei hochqualifizierenden Bildungsgängen im MINT-Bereich, also den naturwissenschaftlich, mathematisch und technisch orientierten Fächern. In den Bundesländern lag der MINT-Anteil zwischen 28 Prozent (Brandenburg) und bis zu 44 Prozent (Mecklenburg-Vorpommern). Über dem Bundesdurchschnitt lagen zudem Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Sachsen.

Auch beim Anteil der 25- bis 64-jährigen Bevölkerung mit einem hochqualifizierenden MINT-Abschluss hatte Deutschland im Jahr 2018 mit 35 Prozent die höchste Quote unter den OECD-Staaten. Alle Bundesländer von Hamburg und Berlin (jeweils 26 Prozent) bis Baden-Württemberg und Sachsen (jeweils 39 Prozent) lagen über dem OECD-Durchschnitt von 25 Prozent, wobei der Schwerpunkt innerhalb der MINT-Fächer in der Fächergruppe Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe lag.

Sowohl in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen als auch in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen hatten 87 Prozent der Personen in Deutschland im Jahr 2018 eine mittlere oder hohe Qualifikation. Das heißt, sie hatten mindestens eine Studienberechtigung erlangt oder eine Berufsausbildung abgeschlossen. 

Geringqualifizierte haben es in Berlin schwerer

Bei den Hochqualifizierten (Personen mit Hochschulabschluss oder Meister-, Techniker- oder Erzieherausbildung) betrug die Erwerbslosenquote 2018 bundesweit zwei Prozent, 2005 waren es noch gut fünf Prozent. Im Vergleich dazu lag die Erwerbslosenquote bei Hochqualifizierten 2018 im OECD-Durchschnitt mit vier Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie 2005. Alle Bundesländer lagen 2018 unter diesem Wert.

Die Erwerbslosenquoten Geringqualifizierter (Personen mit höchstens Haupt- oder Realschulabschluss und ohne abgeschlossene Berufsausbildung) lagen in den östlichen Flächenländern und Berlin im Jahr 2018 jedoch deutlich über dem OECD-Durchschnitt von zehn Prozent (Bundesdurchschnitt neun Prozent). Die Spannweite reichte in den Bundesländern von fünf Prozent in Bayern und 20 Prozent in Sachsen-Anhalt. Geringqualifizierte Personen finden somit in den westlichen Flächenländern weitaus eher Arbeit als in den östlichen Flächenländern und Berlin.

Sendung: Inforadio, 11.09.2019, 13 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Habe ich das jetzt richtig bemerkt, dass ausgerechnet die Bundesländer, in denen der Schnitt bei höher Qualifizierten höher liegt, auch zu den ärmsten gehören?

    Ansonsten, was B betrifft: da benehmen sich dann aber die s.g. Höherqualifizierten reichlich wie die Axt im Walde - oder will man das dem gering qualifizierten "Rest" andichten?

    Wurden bei der Erfassung nur Pass-Deutsche berücksichtigt oder alle Einwohner?

  2. 1.

    Ah ha. Und trotzdem Mini-Löhne?

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