Kaputte Scheibe eines Außenfensters der Fuchsberg Grundschule in Marzahn (Bild: dpa/Annette Riedl)
Bild: dpa/Annette Riedl

Kunstwerk - Aus Schule gestohlenes "Goldnest" war nicht versichert

Mitte Mai wurde ein goldenes Kunstwerk aus einer Schule in Berlin-Marzahn gestohlen. Während die Suche nach den Tätern bislang erfolglos verläuft, wird jetzt bekannt: Den Wert von etwa 80.000 Euro wird keine Versicherung ersetzen.

Das Goldnest, das Mitte Mai aus der Biesdorfer Fuchsberg-Grundschule in Marzahn entwendet worden ist, war nicht versichert.

Das geht aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Tom Schreiber hervor, die dem rbb vorliegt und über die am Mittwoch zuerst die "Berliner Morgenpost" berichtete. Zum Zeitpunkt der Anschaffung des Kunstobjektes habe dessen Wert bei 30.000 Euro gelegen, heißt es in der Antwort weiter. Der Gesamtwert des "Goldnestes" wird inzwischen auf 80.000 Euro geschätzt.

"Herausnehmen war nicht möglich"

Die Bildungsverwaltung teilte auch mit, wie das Kunstwerk gesichert war: Die dichtverschweißte Vitrine war demnach innen luftleer und wurde in einen Stahltresor, der in einer Wandaussparung eingebaut wurde, von innen eingeschoben. Die Vitrine war laut Bildungsverwaltung thermisch mit einer Isolierschicht vom Stahltresor getrennt und anschließend mit diesem verschweißt und verschraubt worden. Ein Herausnehmen sei somit nicht möglich gewesen, heißt es in der Antwort auf Tom Schreibers Anfrage.

Der Tresor war aus Stahlblech. Die Glasscheiben der Vitrine bestanden aus Verbundsicherheitsglas und einer Spezialfolie. Die Folie sollte der Abwehr von Axt- und Hammerschlägen dienen. In das Glas eingelassen war eine Alarmsicherheitsschleife. Das Kunstobjekt wurde zudem videoüberwacht und war an die Alarmanlage der Schule und somit an das zuständige Wachschutzunternehmen angeschlossen, so die Bildungsverwaltung. Dennoch gelang es den Einbrechern, die Vitrine aufzubrechen.

Erste Ermittlungen scheiterten

Wer hinter dem Diebstahl steckt, ist unklar. Eine erste Spur führte zu keinen Ergebnissen: Schon wenige Stunden nach dem Diebstahl durchsuchte ein Spezialeinsatzkommando in Britz, Buckow, Neukölln und Friedrichsfelde ein Auto und drei Objekte eines Clans. Mitglieder dieser Familie stehen wegen des Raubs der 100 Kilogramm schweren Goldmünze im Bode-Museum vor Gericht. Gefunden wurde aber nichts. Bereits vor dem aktuellen Diebstahl gab es Einbruchsversuche: einen ersten im November und einen weiteren im Februar.

Das Kunstwerk, die goldene Nachbildung eines Vogelnestes, wurde im Rahmen eines Wettbewerbs zum Neubau der Fuchsberg-Grundschule angefertigt. Bei öffentlichen Gebäuden ist vorgeschrieben, dass ein kleiner Teil der Ausgaben für Kunst an dem neuen Bauwerk fließt. Der Berliner Künstler Thorsten Goldberg hatte das goldene Nest im vergangenen Jahr fertiggestellt und als "ideellen Grundstock" an die im September 2018 neu eröffnete Grundschule übergeben. Es besteht aus 74 massiv gegossenen Ästen aus Feingold.

Über die Zukunft des Nestes sollten eigentlich nach 14 Jahren Lehrer und Schüler entscheiden. So hatte es der Künstler bestimmt. Sollte die Vitrine geöffnet werden, hätte das Nest sofort zerstört und das Gold verkauft werden müssen. Das dürfte nun anderweitig geschehen.

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4 Kommentare

  1. 4.

    Berlin ist halt in vielen Dingen e i n m a l i g.
    Dies zeichnet doch diese Stadt aus.

  2. 3.

    Es ist doch normal, dass staatliches Eigentum unversichert ist.
    Der Staat als großes Gemeinwesen mit hohen Einnahmen kann Verluste selbst ausgleichen, die Ausgaben für Versicherungsprämien (die ja enorm wären) können deshalb entfallen. Eine Privatperson muss anders kalkulieren.

  3. 2.

    80.000 Euro ... dafür wird ein neuer Mercedes SLK doch locker drin sein, zu bestaunen demnächst irgendwo zwischen Halensee und KaDeWe. Am Steuer: Ein Bruder.

  4. 1.

    *lach* sollte die Vitrine zerstört werden.... Nun, sie wurde zerstört, das Nest sofort zerstört und verkauft. Bisschen anders, als vom Künstler gedacht, aber der Vorgang ist der gleiche :-)
    Und ehrlich, sowas nicht zu versichern... war das der Dreh für einen neuen Film der Olsen-Bande? Das ist alles so absurd, das kann fast nicht wahr sein, oder?
    Man möchte fast den R.s oder AC.s oder oder dafür danken, so große Unfähigkeit aufzudecken. Wie bei dem Münzraub bei ungesichertem Museumsfenster.
    Wo derartige Sicherheits- und Versicherungslücken klaffen, ist der Diebstahl ja fast die logische Konsequenz - man möchte meinen, von den Versicherungen inszeniert!

    Mann mann mann.....

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