Verunfallter Porsche SUV in Berlin-Mitte (Bild: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Nach Unfall mit vier Toten - Berliner Polizei wertet neue Zeugenaussagen aus

Bei der Berliner Polizei haben sich inzwischen weitere Zeugen des schweren Unfalls mit vier Toten gemeldet. Ob dadurch neue Erkenntnisse gewonnen werden, ist noch fraglich. Die Patientenakte des Porschefahrers bleibt derweil verschlossen.

Nach dem Autounfall mit vier Toten in der Berliner Innenstadt sind bei der Polizei weitere Zeugenaussagen eingegangen. Denen werde jetzt nachgegangen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Nach Informationen der "B.Z." [bz-berlin.de] handelt es sich um 49 Hinweise. Die meisten kamen aber demnach von Menschen, die den Knall des Aufpralls hörten, den eigentlichen Unfall also nicht sahen.

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten am Dienstag ein Internetportal [be.hinweisportal.de] freigeschaltet in der Hoffnung, neue Erkenntnisse durch frische Zeugenaussagen zu gewinnen. Allerdings wurden auf die Seite bislang keine neuen Fotos und Videos hochgeladen, die den Unfall dokumentieren. Das einzige bekannte Video, das aus einer Kamera in einem Taxi stammt und den Unfallwagen kurz vor dem Aufprall zeigt, wird weiter ausgewertet, hieß es von den Ermittlern.

Ärztliche Schweigepflicht verhindert Herausgabe der Patientenakte

Einen weiteren Ermittlungsansatz muss die Polizei derweil aufgeben: Die Patientenakte des 42-jährigen Fahrers bleibt verschlossen. Nach dem Unfall hatte es einen Hinweis der Beifahrerin gegeben, dass der Fahrer am Steuer einen epileptischen Anfall erlitten habe. Die Staatsanwaltschaft verwies nun darauf, dass die Akte ebenso wie andere Informationen des behandelnden Arztes unter die ärztliche Schweigepflicht falle. Die Patientenakte dürfe nur herausgegeben werden, wenn der Patient den Arzt von der Schweigepflicht entbinde oder wenn ein Richter einen Beschlagnahmebeschluss ausstelle. Beides sei nicht geschehen.

Der Fahrer, gegen den wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt werde, habe sich nicht geäußert, sondern werde von einem Anwalt vertreten. Als Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren darf der Mann schweigen.

SUV-Fahrer war in Berlin gemeldet

Am Freitagabend fuhr der Porsche Macan des 42-Jährigen, der laut Polizei in Berlin gemeldet ist, auf der Gegenfahrbahn an wartenden Autos vorbei und kam dann von der Straße ab. Der SUV rammte eine Ampel, überfuhr die vier Menschen auf dem Gehweg und durchbrach einen Bauzaun.

Unter den Opfern befanden sich ein dreijähriger Junge und seine Großmutter. Diese soll nach Medienberichten aus Hessen stammen und zu Besuch gewesen sein. Die Mutter des Kindes stand daneben und blieb unverletzt. Die beiden weiteren Todesopfer sollen zwei junge Männer aus Spanien und Großbritannien sein. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Herkunft der Opfer nicht.

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17 Kommentare

  1. 17.

    Man kann nur hoffen, das die Wahrheit raus kommt!

  2. 16.

    "Ärztliche Schweigepflicht verhindert Herausgabe der Patientenakte"
    Das kann nur ein Scherz sein.
    Vier Tote !!!
    War der Fahrer ein ganz edles Menschenkind ?

  3. 15.

    Man sollte sich nicht an so ein Konstrukt wie Schweigepflicht klammern wenn es um die Ermittlungen in einem Mordfall geht. Da sieht man wieder wohin solche Datenschutz Themen führen :(

  4. 14.

    CAM? VIRT? schreib in S K Y P E - Anna28n

    Bei der Berliner Polizei haben sich inzwischen weitere Zeugen des schweren Unfalls mit vier Toten gemeldet. Ob dadurch neue Erkenntnisse gewonnen werden, ist noch fraglich. Die Patientenakte des Porschefahrers bleibt derweil verschlossen.

  5. 13.

    https://www.rbb24.de@mdte.de/rb

    Allerdings wurden auf die Seite bislang keine neuen Fotos und Videos hochgeladen, die den Unfall dokumentieren. Das einzige bekannte Video, das aus einer Kamera in einem Taxi stammt und den Unfallwagen kurz vor dem Aufprall zeigt, wird weiter ausgewertet, hieß es von den Ermittlern.

  6. 12.

    Wir leben aber nicht in einem rechtsfreien Raum. Die Polizei hat ohne Zustimmung des Patienten keinerlei Einsicht in Krankenakten und kann dies auch nirgends "anfordern".

  7. 11.

    " Bei einem Anfall fährt man ja eher dem Vordermann auf." Wie kommen Sie denn auf sowas?

    Ich denke mal, da gibt es durchaus mehrere Szenarien. Auch das, um das es hier geht.

  8. 10.

    Für mich ist sein Schweigen ein Schuldeingeständnis. Wenn an der Theorie eines Anfall etwas dran wäre, könnte der Fahrer die Krankenakte ganz unbürokratisch freigeben.

  9. 9.

    Es wird sich herausstellen, ob er Fahrer sich trotz Epilepsie ans Steuer gesetzt hat oder ob er grob fahrlässig und verkehrswidrig gehandelt hat.
    In Hamburg gab es einen ähnlichen Unfall. Ein unter Epilepsie leidender Fahrer hat 4 Menschen getötet und ist dafür 3,5 Jahre ins Gefängnis gegangen.

    Warten wir ab, um was es sich bei diesem Berliner Unfall gehandelt hat. Eine Strafe wird dem Mann gewiss sein.

  10. 8.

    Warum der shitstorm auf die SUV s, er müsste sich doch gegen den Fahrer richten! Bei vier Toten sollte das Gericht endlich die Arztakte des Fahrers anfordern, schon im Sinne der Angehörigen der Unfallopfer. Warum diese Verzögerung bei der Ermittlung. Bis auf ein Video hat keiner den Unfall gesehen? Was ist mit den Fahrern in den an der Ampel wartenden Fahrzeugen bzw. den zahlreichen Fußgängern an der Kreuzung?

  11. 7.

    Der Fahrer, gegen den wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt werde, habe sich nicht geäußert, sondern werde von einem Anwalt vertreten. ?Ich will ja keinen vorher verurteilen,aber sagt das nicht schon was aus? Wenn aber in der Patientenakte etwas stehen würde, was den Fahrer belasten würde, würde er es sicherlich nicht veröffentlichen.

  12. 6.

    Auch Berufskraftfahrer müssen regelmäßig zum Arztcheck, warum nicht auch Autonutzer? Es gibt Krankheiten, nach deren Diagnostizierung die Tauglichkeit zur Teilnahme am Flug/Zug- oder LKW-Verkehr nicht bewilligt, oder gar entzogen wird. Beispielsweise bedeutet eine Diabetes der sofortige Entzug einer Fluglizenz.
    Ich bin für die Einführungvvon medizinischen Tauglichkeitsorüfungen von Fahrerlaubnisinhabern.

  13. 5.

    Als Pilot wird zur regelmäßigen ärztlichen Flugtauglichkeitsprüfung jede Krankheit vom LBA gespeichert und darf nach bestimmten Regularien öffentlich gemacht werden.
    Mich verwundert diese startsinnige Art, an Patientenakten nicht heranzukommen, wenn es schwerwiegende Unfälle gibt und der Fahrer / die Fahrerin eine Vorerkrankung hat. Die Schweigepflicht muss gesetzliche Schranken haben.
    Risiko-und Lebensversixherungen bekommt man auch nur nach entbindunguder Schweigepflicht.
    Diese Ungleichbehandlung kommt Diskriminierung und der Ächtung von Unfallopfern gleich und muss beendet werden.

  14. 4.

    Ja. Schweigen ist zwar sein Recht, kann aber auch eine deutliche Aussage sein. Der naheliegende Verdacht ist natürlich, dass da jemand vom Stau (oder aus einem anderen Grund) genervt war und absichtlich ein waghalsiges Überholmanöver gestartet hat, hat, in der Annahme, er schafft es vor dem Gegenverkehr noch bis zur Kreuzung. Der Nachweis eines medizinischen Problems oder Notfalls würde nicht nur sein Gewissen entlasten. Bei einem Anfall fährt man ja eher dem Vordermann auf.

  15. 3.

    Wenn in der Patientenakte etwas stehen würde, was den Fahrer entlasten würde, würde er es veröffentlichen oder?

  16. 1.

    Echt ? Es findet sich kein Richter, der die Ärzte von der Schweigepflicht entbinden kann? Gar keiner?
    Es sind 4 Menschen gestorben, da sollte man nicht schweigen müssen....

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