Archiv: Verteidiger der Angeklagten vor Prozessbeginn gegen eine Berliner Hells-Angels-Rocker im Berliner Kriminalgericht (Quelle: dpa/Matthias Balk)
Bild: dpa/Matthias Balk

Tödliche Schüsse in Berliner Wettbüro - Urteil im Mordprozess gegen Rocker soll am Dienstag fallen

Nach tödlichen Schüssen auf einen 26-Jährigen in einem Berliner Wettbüro geht der Prozess gegen zehn Rocker der "Hells Angels" auf sein Ende zu. Für acht Männer fordert die Anklage lebenslang - ein weiterer soll zehn Jahre in Haft.

Knapp fünf Jahre nach Beginn eines Prozesses gegen Rocker der Hells Angels wegen tödlicher Schüsse in einem Berliner Wettbüro soll das Urteil am Dienstag (ab 15.00 Uhr) verkündet werden. Das gab das Gericht am Montag bekannt.

Zuvor hatten die zehn Angeklagten die Möglichkeit zu einem letzten Wort nach Ende der Beweisaufnahme und den Plädoyers. Neun der Männer nutzten dies nicht. Ein 32-jähriger Angeklagter, der bei der Aufklärung des Falls geholfen haben soll, sagte, "die ganze Geschichte tut mir unfassbar leid". Es hätte so nicht passieren dürfen.

Überwachungskameras zeichneten Tat auf

Angeklagt sind zehn Mitglieder des Rockerclubs "Hells Angels" wegen tödlicher Schüsse in einem Wettbüro am 10. Januar 2014. An diesem Tag waren 13 teils vermummte Männer in das Wettspiel-Café in Berlin-Reinickendorf marschiert. Der Mann an der Spitze hielt eine Pistole in der Hand und feuerte auf das 26-jährige Opfer. Der Angriff, der 25 Sekunden dauerte, wurde von Überwachungskameras aufgezeichnet.

Hintergrund der Tat war mutmaßlich eine Messerstecherei vor einer Diskothek im Oktober 2013, bei der ein Hells-Angels-Rocker verletzt wurde. "Es war eine geplante Rache", hieß es im Prozess von der Staatsanwaltschaft nach der Beweisaufnahme. "Das Opfer musste für einen Ehrenkodex und eine Rache sterben, die sich ein Rockerclub ausgedacht hatte."

In dem seit November 2014 unter massiven Sicherheitsvorkehrungen laufenden Prozess wurden fast 350 Zeugen befragt, manche von ihnen mehrfach. Zudem wurden 26 Sachverständige gehört. Die Videosequenzen zum Tatgeschehen seien "ein unersetzliches Beweismittel" gewesen, so die Ankläger.

Ankläger fordern acht Mal lebenslang

Für acht der zehn Männer plädierte die Anklage schließlich auf lebenslange Freiheitsstrafen. Sieben Männer hätten sich des gemeinschaftlichen Mordes schuldig gemacht, ein achter Angeklagter habe als Chef der Rocker-Gruppierung den Anschlag auf einen 26 Jahre alten Mann in Auftrag gegeben und sei wegen Anstiftung zum Mord zu verurteilen, hieß es im Plädoyer der Ankläger.

Für einen neunten Angeklagten, der Aufklärungshilfe geleistet habe, wurden zehn Jahre Haft wegen Mordes beantragt. Im Falle eines zehnten Angeklagten, bei dem es ebenfalls um mutmaßliche Anstiftung zum Mord geht, sahen die Staatsanwälte keinen Tatnachweis. Wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz sei er allerdings zu zwei Jahren Haft zu verurteilen.

Sechs der Angeklagten hatten sich in der seit November 2014 laufenden Verhandlung geäußert. Alle hatten einen Tötungsauftrag bestritten.

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