Ein umgekippter Feuerwehrwagen liegt am 05.09.2017 auf der Autobahn A2 kurz hinter der Ausfahrt Netzen (Brandenburg). Zwei Feuerwehrmänner sind bei einem Einsatz auf der Autobahn tödlich verunglückt. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Tod von zwei Feuerwehrleuten auf A2 - Lkw-Fahrer steht erneut vor Gericht

Der Lkw-Fahrer, der 2017 den Tod von zwei Feuerwehrleuten im Landkreis Potsdam-Mittelmark verschuldet hat, muss sich erneut vor Gericht verantworten. Am Donnerstag begann vor dem Landgericht Potsdam der Berufungsprozess.

Feuerwehrleute starben noch am Unfallort

Der Lkw-Fahrer war am frühen Morgen des 5. Septembers 2017 ungebremst in eine weithin sichtbar hell erleuchtete Unfallstelle auf der Autobahn 2 bei Lehnin (Potsdam-Mittelmark) gerast. Der Sattelzug rammte zunächst ein Polizeifahrzeug, kam ins Schleudern und erfasste dann ein Feuerwehrauto. Das schwere rote Fahrzeug kippte um und begrub die beiden 23 und 38 Jahre alten Helfer unter sich. Sie starben noch am Unfallort und hinterließen Kinder und Partnerinnen.

Die beiden Männer waren als freiwillige Helfer in der Nacht bei dem ersten Unfall im Einsatz. Vor dem Amtsgericht Brandenburg/Havel hatte der 57-Jährige angegeben, möglicherweise eingeschlafen zu sein.

Der Tod der beiden Feuerwehrmänner löste große Betroffenheit und eine Diskussion um die finanzielle Absicherung freiwilliger Helfer aus. Rückwirkend zum 1. Januar 2017 erhalten Hinterbliebene von freiwilligen Feuerwehrleuten im Todesfall nun dieselben Leistungen wie bei Mitgliedern der Berufsfeuerwehr.

Beide Seiten waren mit Haftdauer nicht einverstanden

Das Amtsgericht Brandenburg/Havel hatte den Fahrer im Dezember vergangenen Jahres wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Sowohl die Verteidigung des Fernfahrers als auch die Staatsanwaltschaft hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann vorsätzlich gehandelt hat. Die Verteidigung beantragte eine Bewährungsstrafe.

Die Richterin sagte bereits zur Eröffnung, dass sie im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft keinen Vorsatz erkennen könne. Auch eine Bewährungsstrafe hielt sie zunächst nicht für angemessen, da der Angeklagte zur Verhandlung im Dezember selbst mit dem Auto angereist sei - obwohl ihm der Führerschein entzogen worden war.

Am Donnerstag sagten drei Zeugen übereinstimmend aus, dass die Unfallstelle hell beleuchtet und von Weitem zu sehen gewesen sei. Das Gericht ging in der ersten Instanz davon aus, dass der 57 Jahre alte Lkw-Fahrer am Steuer eingeschlafen war. Die Vorsitzende Richterin kündigte am Donnerstag an, die Beweiserhebung am späten Nachmittag abzuschließen und erste Plädoyers zu hören. Das Urteil wird am Montag erwartet.

Angeklager äußert sein Bedauern

Im Saal waren mehrere Feuerwehrkameraden der beiden getöteten Männer. Ein damals verletzter Feuerwehrmann (24) sowie mehrere Verwandte traten als Nebenkläger auf. Als das erste Urteil verkündet worden war, hatten sie teilweise Tränen in den Augen.

Am Donnerstag nun ließ der Angeklagte seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. Darin brachte er, wie auch bereits in erster Instanz, seine Betroffenheit und sein Bedauern zum Ausdruck. Er schäme sich besonders, weil die Getöteten nur deshalb auf der Autobahn waren, um Verletzten nach einem Unfall zu helfen.

Lenkzeiten mehrmals überschritten

In den Tagen vor dem Unfall hatte der Mann mehrmals die Lenkzeiten sowie die zugelassene Höchstgeschwindigkeit überschritten. Das ergab die Auswertung des Fahrtenschreibers. Am Tag des Unfalls selbst soll der Fahrer die Ruhezeiten eingehalten haben. Er gab an, sich nicht besonders müde oder erschöpft gefühlt zu haben. Er war jedoch zu schnell unterwegs, wie der Fahrtenschreiber zeigte.

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9 Kommentare

  1. 9.

    Das mittelalterliche Rache-Gedankengut, das hier so mancher pflegt, ist schon erschreckend. Zum Glück sind Richter ausgebildete Juristen und haben auch gelernt, Hintergründe zu beleuchten und bei der angemessenen Bestrafung zu berücksichtigen.

    Für manche Schreiber besteht das Strafgesetzbuch nur aus: Rübe ab - Ende.

  2. 8.

    An Stelle des Fahrers hätte ich die Strafe akzeptiert - aber wer die Strafe in der Höhe nach solch einem Ding anficht, dem sollte die charakterliche Eignung tatsächlich in Zweifel gezogen werden - zwei Menschen totgefahren und dem Typ ist die Strafe zu hoch?
    Dass sollte bei der neuen Strafzumessung beachtet werden - mal sehen, wie unabhängige Richter urteilen werden.
    Und hier immer auf Auftraggeber abzuzielen ist sehr, sehr einfach - derjenige, der hinterm Steuer sitzt ist immer noch verantwortlich für sein Handeln.

  3. 7.

    In den meisten Fällen ist es nicht hilfreich die Schuld auf Konsumenten zu schieben. Die haben in der Regel nämlich gar nicht genug Informationen um ihre Kaufentscheidungen auf ethischer Grundlage zu treffen. Ob ich jetzt fünf Euro Versand oder zehn Euro zahle, wieviel davon wo hin geht und wie die Mitarbeiter behandelt werden weiß ich nicht. Genau das Gleiche zum Beispiel bei Klamotten: Das fünf Euro T-Shirt und das fünfzig Euro T-Shirt werden im Zweifel genau in der selben Fabrik hergestellt nur am Ende wird ein andres Label drangenäht.

  4. 6.

    Schiebt man den Druck immer nur auf die Arbeitgeber, macht man es sich zu einfach. Das Thema ist wesentlich komplexer. Wer will denn alles immer billig - billig - billig haben? Das sind die Kunden. Egal, ob die in den Geschäften oder diejenigen, die eine Spedition beauftragen.

    Vermutlich kann man auch als Schuldiger einen solchen Unfall nicht so leicht wegstecken. Den Entzug der Approbation mit dem lebenslangen FS-Entzug zu vergleichen, ist schon schräg. Einmal geht es um ein Berufsverbot, einmal um einen Entzug der Fahrerlaubnis, was einen Berufsverlust zur Folge hätte.

  5. 5.

    Man sollte auch bedenken, dass es sich um die Berufungsverhandlung handelt. Dem Fahrer ist ein folgenschwerer Fehler passiert - möglicherweise weil er eingeschlafen sein könnte, wie es heisst.

    Aber was sind die Hintergründe? Was hat denn zu der Situation denkbarer Übermüdung geführt? In der Speditionsbranche hört man immer wieder von Arbeits- und Pausenzeiten, die nicht eingehalten werden, weil Arbeitgeber ihre Fahrer mit nicht haltbaren Terminfrachten unter druck setzen.

    das macht zwar die getöteten nicht wieder lebendig, aber der Fahrer dürfte seine schlimmste Strafe schon bekommen haben, ohne dass ein rechtskräftiges Gerichtsurteil vorliegt.

  6. 4.

    Führerscheine sind kein Menschenrecht. Ärzten nimmt man die Berufserlaubnis auch weg, wenn sie all zu grobe Fehler machen. Beamte sind auch raus, wenn sie Straftaten begehen. Warum sollte man Berufskraftfahrern nicht den Lappen wegnehmen, wenn sie am Steuer schlafen?

  7. 3.

    Nicht so rachsüchtig bitte. Warum wollen Sie einen Menschen um seine Arbeit bringen und dass er dem Steuerzahler zur Last fällt?
    Ein Gericht urteilt und vernichtet keine Existenzen. Hoffentlich sind Sie selbst nie darauf angewiesen, fair abgeurteilt zu werden.

  8. 2.

    Nicht so rachsüchtig bitte. Warum wollen Sie einen Menschen um seine Arbeit bringen und dass er dem Steuerzahler zur Last fällt?
    Ein Gericht urteilt und vernichtet keine Existenzen. Hoffentlich sind Sie selbst nie darauf angewiesen, fair abgeurteilt zu werden.

  9. 1.

    Aber LKW fahren darf er dann wohl nach der Haftstrafe wieder? Führerschein auf Lebenszeit weg wäre doch angemessen.

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