Polnische Gemeinde. (Quelle: rbb, Archivmaterial)
Bild: rbb Archivmaterial

Internationale Gemeinden - Zugewanderte Christen füllen die Kirchen

Kirchengemeinden müssen um jedes Gemeindemitglied kämpfen: Gottesdienste mit zehn bis 20 Gläubigen sind in Berlin und Brandenburg keine Seltenheit. Bei vielen Migrantengemeinden liegt die Besucherquote dagegen viel höher. Von Ursula Voßhenrich

Die Lilienthalstraße ist eine ruhige Seitenstraße am Kreuzberger Südstern. Sonntags aber ist die Straße richtig belebt. Denn hier steht die St. Johannes Basilika, die Kirche der polnischen katholischen Mission. Hier treffen sich am Wochenende polnische Katholikinnen und Katholiken aus ganz Berlin. Sonntags gibt es drei Gottesdienste in polnischer Sprache. Dass diese sehr gut besucht sind, bestätigt ein Blick in die Statistik des Erzbistums Berlin.

An zwei Sonntagen im Jahr werden die Gottesdienstbesucher in allen katholischen Gemeinden des Erzbistums gezählt. Die durchschnittliche Teilnehmerquote liegt bei neun bis zehn Prozent. Das heißt: Von den rund 400.000 Katholikinnen und Katholiken des gesamten Erzbistums sind an den Stichtagen jeweils etwa 40.000 zum Gottesdienst gegangen.

Gottesdienstteilnehmerquote von 60 Prozent

Blickt man auf die polnische Gemeinde, sind diese Zahlen wesentlich höher: Die übergeordnete Pfarrei, zu der die polnische Gemeinde zählt, hat insgesamt 7.700 Mitglieder. In allen 13 Gottesdiensten dieser Pfarrei haben an den untersuchten Wochenenden etwa 4.700 Gläubige teilgenommen. Das sind mehr als 60 Prozent der registrierten Gemeindemitglieder. Dazu zählen allerdings auch die polnischen Katholiken, die aus anderen Teilen Berlins hierher zur Messe gekommen sind.

Ähnliches lässt sich bei den kroatischen Katholiken Berlins beobachten. Sie treffen sich in der St. Sebastian-Kirche in Berlin-Wedding. Einer von drei Gottesdiensten in dieser Kirche findet in kroatischer Sprache statt. In allen drei Gottesdiensten zusammen liegt die Besucherquote bei 25 bis 30 Prozent der Gemeindemitglieder. Daraus lässt sich schließen: Die kroatischen Katholiken drücken, ebenso wie die polnischen in der Kreuzberger Johannes-Basilika, die Gottesdienstbesucherquote nach oben.

Mehr als ein Drittel der Katholiken hat einen ausländischen Pass

Neben der polnischen katholischen Mission und der kroatischen Gemeinde gibt es in Berlin spanische, französische, aber auch vietnamesische und koreanische Katholiken. Das Erzbistum ist international: Mehr als ein Drittel der im Erzbistum Berlin registrierten Kirchenmitglieder hat einen ausländischen Pass oder neben der deutschen eine zweite Staatsangehörigkeit.

Ein Blick auf die Zahl der Kirchenmitglieder zeigt: Bis 2018 ist die Gesamtzahl der Katholiken im Erzbistum leicht gewachsen. Diesen Zuwachs verdanke die katholische Landeskirche zum Teil den aus dem Ausland zugewanderten Kirchenmitgliedern, so der Sprecher des Erzbistums, Stefan Förner.

Polnische Gemeinde. (Quelle: rbb Archivmaterial)
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Wachstum in Brandenburg

Während die Zahlen in Berlin inzwischen aber deutlich sinken, hält das Wachstum in Brandenburg weiter an, und zwar im deutsch-polnischen Grenzgebiet: Es sind polnische Katholiken, die sich in Deutschland ansiedeln und die Gemeinden stärken.

Ganz anders ist die Lage bei der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Sie kann - zumindest was die Statistik betrifft - nicht von muttersprachlichen Gemeinden profitieren, weil formal unter ihrem Dach keine ausländische Gemeinde angesiedelt ist. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass bei der evangelischen Kirche der Anteil der Gottesdienstbesucher an den Gemeindemitgliedern wesentlich geringer ist: Er liegt in Brandenburg um die vier, in Berlin unter drei Prozent.

Kommentar

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Antwort auf [joerg] vom 08.09.2019 um 10:47
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3 Kommentare

  1. 2.

    "Gott ist tot!"

    Friedrich Nietzsche

  2. 1.

    Gestern standen rotgekleidete Christen in Neukölln . Aufschrift "Jesus liebt euch Lest die Bibel" . Das waren vermutlich Iraner wie ich später nachgelesen habe.

    Leider sind Chisten die so ne Sprüche benutzen meist in christlich-fundamentalistischen Freikirchen und anderen Sekten aktiv, also keine normalen "Christen".

    Fundamentalismus lehne ich in allen Religionen ab und egal ob es Verfolgte Iraner , Deutsche oder Propagandisten aus den USA sind die sich in der Welt breit machen. (protestantische US-Sekten sind eine Gefahr für jede Demokratie und jede Freiheit. Sieh Fernsehdoku über Tonga vor ca. 2 Wochen).

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