Demonstranten mit Schildern stehen auf dem Festplatz unter den Linden. Quelle: dpa/Tom Waller
Bild: dpa/Tom Waller

500 Menschen vor dem Rathaus - Werderaner demonstrieren gegen Absage des Baumblütenfestes

"Unsere Stadt, unsere Tradition: Baumblüte 2020": Obstbauern und Einwohner haben ihrem Ärger über die Absage des Baumblütenfests in Werder Luft gemacht: Rund 500 Menschen versammelten sich zum Protest vor dem Rathaus.

Vor dem Rathaus der Stadt Werder (Havel) haben Obstbauern und Einwohner am Donnerstag gegen die Absage des Baumblütenfestes demonstriert. Rund 500 Menschen hätten sich auf dem Hartplatz versammelt, auf dem traditionell der Rummel beim Baumblütenfest stattfindet, sagte der Vorsitzende der SPD Werder, Steven Bahl. Darunter seien neben Obstbauern und Schaustellern auch viele Jugendliche und andere Bürger der Stadt gewesen. Vor allem die Bauern hatten sich im Vorfeld verärgert geäußert, da sie mit großen finanziellen Einbußen rechnen. Demnach gab es Banner mit der Aufschrift "Baumblüte muss bleiben", viele trugen T-Shirts mit dem Aufdruck "Unsere Stadt, unsere Tradition: Baumblüte 2020".

Bereits am Nachmittag war der Hartplatz laut Bahl mit zahlreichen Lastwagen und Traktoren zugeparkt. Die Demonstranten wollten nach Start der Aktion um 16 Uhr mindestens bis zum Beginn der Stadtverordnetenversammlung um 18:30 Uhr auf dem Platz bleiben. Reden von Obstbauern, Schaustellern und der SPD waren angekündigt. Laut Bahl war auch ein kleines Riesenradmodell aufgebaut.

Saß plant verkleinertes Baumblütenfest für 2020

Auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung stand ein Antrag der CDU, die Weichen für die Neuausrichtung des Festes zu stellen. Die SPD in Werder forderte wegen der Absage des Festes den Rücktritt von Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU).

Saß hatte vor der Sitzung die Möglichkeit eines verkleinerten Baumblütenfestes im Jahr 2020 betont. In einer Pressemeldung der Stadt erklärte Stadtsprecher Henry Klix am Mittwoch, "auch wenn das Baumblütenfest ausfallen wird: Dass Höfe und Gärten zur Obstblüte 2020 geöffnet werden können, war immer beabsichtigt und ist auch nicht anders kommuniziert worden."

Beschließen die Stadtverordneten den CDU-Antrag, wird es zudem eine Bürgerbeteiligung für die Ausgestaltung des Baumblütenfestes 2021 geben.

Die Stadt hatte am Dienstag vor einer Woche mitgeteilt, dass es im nächsten und im darauffolgenden Jahr kein Baumblütenfest geben wird. Das traditionelle Fest wird bereits seit 140 Jahren veranstaltet. Ein Vergabeverfahren sei ohne Erfolg zu Ende gegangen, hieß es kürzlich. Die Obstbauern werfen der Stadt vor, erst aus den Medien von der Entscheidung erfahren zu haben, das Fest in den Jahren 2020 und 2021 ausfallen zu lassen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 19.09.2019, 19.30 Uhr

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Antwort auf [Zugezogener] vom 23.09.2019 um 22:05
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4 Kommentare

  1. 4.

    Das Fest muss reformiert werden! Wenn soviel Wert auf Tradition gelegt wird, dann sollte es traditionell gefeiert werden. Acht Tage Kirmes, Lärm, Volltrunkene, Dreck, Sperrungen sind eine (reale) Wahrnehmung. Das gesellige Dasein in Plantagen, Gärten und Höfen ebenfalls. Obstwein nur noch in Bechern ausschenken, keine großen Plastikflaschen mehr. Weg mit den Plastikhütten, aus denen heraus irgendein Schund oder billig(st)er Wein verhökert wird. Und Tradition ist nicht Fortschritt genug. Werder hat mehr zu bieten. Holt euch die Besucher, die das auch schätzen. Derzeit wirkt vieles vorgeschoben, es geht ums Geld. Ja, man kann den Schaustellern nicht so kurz vorher absagen. Aber 2021, da könnte es für alle anders werden. Trauen muss man sich, insbesondere bei Veränderungen... und oft sieht man erst danach, das es besser war, es zu ändern. Und nebenbei: Pauschales Gejammer und Proteste ohne Fakten. Zahlen auf den Tisch, ihr (Wein)verkäufer - und dann die Differenz belegen ;-)

  2. 3.

    Man sollte sich bei der Absage des 140 - jährigen Baumblütenfestes in Werder / Havel bewußt werden, erst stirbt die Tradition, dann die Region. Eine jetzt angekündigte abgespeckte Variante ist in Ihrer Gesamtheit nur ein fauler Kompromiss, denn das diesjährige Bürgerfest in Chemnitz für das auf Grund eines Todesfalles im vergangenen Jahr abgesagte Stadtfest Chemnitz war für die beteiligten Schausteller und Händler ein ideelles wie finanzielles Desaster, und brachte sie ein Stück näher an den Abgrund.

  3. 2.

    Wenn inkompetente und unwillige Entscheidungsträger*innen nicht persönlich betroffen sind, steigt die Gefahr fauler Ausreden umso mehr, sobald keine Konsequenzen dafür zu erwarten sind.

  4. 1.

    Das Baumblütenfest wird bleiben. Die Verwaltung darf helfen, den mehrheitlichen Bürgerwillen eines niveauvollem und einmaligen Festes, umzusetzen. Wenn die Verwaltung ihre gängelnde Einstellung nicht grundsätzlich ändert wird ihr gezeigt, das man sie so nicht braucht.

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